apolut Podcast Archive - apolut.net

apolut Podcast Archive - apolut.net

Download on the App Store

apolut Podcast Archive - apolut.net episodes

  • Impfen heute | Von Bernd Lukoschik
    Vorsicht! Aktivitätsfälschung!
    Ein Standpunkt von Bernd Lukoschik.
    Wenn ich mal wieder halt-, erkenntnis- und ratlos das Zeitgeschehen anstarre und nach Antworten suche, dann greife ich zu dem Buch „Die Antiquiertheit des Menschen“ des Philosophen Günther Anders, worin er die Antiquiertheit, also die Überlebtheit althergebrachter Phänomene und Werte akribisch beleuchtet: die Überlebtheit der Ideologie, der Wirklichkeit, des Materialismus, der Privatheit, des Sterbens, der Freiheit ... Also von Phänomenen, die zwar noch irgendwie existieren in unserer konformistischen Gesellschaft, aber doch eher herumexistieren, gehaltlos geworden, abgestorben, nostalgisch und manchmal wehmütig von einigen Rückwärtsgewandten erinnert.
    Da fand sich bislang immer eine kluge Antwort auf meine aktuellen Fragen.
    Aktivitätsfälschungen
    Meine aktuelle Frage ist: Welch Absurdität läuft da zurzeit mit dem Impfen, mit Impfwollen, Impfzwingen, Impfverpflichten? Worum geht es eigentlich? Und vor allem: Was ist denn Impfen überhaupt?
    Dazu fiel mir ein interessanter Gedanke in Anders' „Antiquiertheit“ auf.
    In dem Essay „Die Antiquiertheit des Individuums“, das die Zerstörung des Individuums in der konformistischen Gesellschaft thematisiert, also aktueller denn je ist, geht Anders auf einen ganz typischen Gleichschaltungsmechanismus ein: die „falsche Zustellung“ in ihrer Konkretisierung als „Warenfälschung“ und „Aktivitätsfälschung“.
    Warenfälschungen sind ein alter, ewig junger Hut. Man lebt damit, oft sogar ganz bewusst. Man geht immer schon davon aus, dass das, was das Produkt verspricht, nicht von ihm erfüllt wird, und stellt sich in seinem Alltagshandeln darauf ein.
    Interessanter ist die Aktivitätsfälschung. Sie ist wohl den meisten nicht bewusst.
    Handeln, das sich als Job versteckt
    Günther Anders nennt einige schöne Beispiele. So den Bomberpiloten: Der meint, er gehe einem Job nach, er „arbeite“ also. Er versteht sich als Sicherheitsproduzenten.
    Das wird dem jungen männlichen Passanten suggeriert, wenn er an einem großflächigen Werbeplakat der Bundeswehr vorbeigeht und der flotte Bomberpilot, breitbeinig vor seinem Jet stehend, dem jungen Mann dabei auffordernd in die Augen sieht.
    Aber tatsächlich ist das Arbeiten des Piloten gar kein Arbeiten, sondern ein Handeln, speziell: ein Töten. Der Arbeitgeber Bundeswehr etikettiert sich selbst – als Arbeitgeber – und das Tun des jungen Piloten also falsch. Der gewollte Effekt: Der Pilot macht sich über Nebenwirkungen, Folgen und Spätfolgen seines Tuns nicht weiter Gedanken – denn sein Handeln gilt ihm ja als Job, dem er in seinem hocharbeitsteiligen Unternehmen, genannt Armee, nachgeht. Das entlastet die Seele, schaltet das Gewissen aus und garantiert einen kontinuierlichen „Arbeits“-Prozess: Der Pilot arbeitet zwar gewissenlos – die Verantwortung tragen ja die höheren Etagen der Firma –, aber dadurch auch unabgelenkt von Skrupeln und so besonders gewissenhaft,
    Arbeiten, das sich als Konsumieren maskiert
    Ein anderes Beispiel: Wenn wir meinen, wir konsumieren, dann meinen die meisten, sie gingen einer Mußetätigkeit nach. Ja, für die meisten dürfte der Gang ins Einkaufszentrum fast so etwas wie der höchste Akt der individuellen Freiheit sein, am besten noch beziehungsfördernd mit der ganzen Familie und am Samstagvormittag.
    Dabei merken sie, so Anders, allerdings gar nicht, dass sie den Grundvorgaben unserer konformistischen Gesellschaft folgen:
    Sie wollen nur das, was sie sowieso wollen sollen.
    Sie denken nach, was ihnen vor- und zugedacht ist.
    Die Angebote sind die Gebote von heute.
    Und da sie Geboten immer schon folgen (siehe Vorgabe eins), folgen sie auch den Angeboten.
    Befindet sich der Konsument im Einkaufszentrum, dann handelt er nicht aus freien Stücken, sondern er gehorcht Vorgaben, als sei er in seiner Firma, und er arbeitet als nicht angestellter Angestellt...
    10 min
  • Was verbindet WEF, GAVI und ID 2020? | Von Ernst Wolff
    Ein Kommentar von Ernst Wolff.
    Das vom deutschen Professor Klaus Schwab geführte World Economic Forum WEF ist in den vergangenen zwei Jahren immer stärker in den Fokus der internationalen Öffentlichkeit gerückt.
    Wir wissen inzwischen, dass zahlreiche Führungspersönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft durch die Schule der Global Leaders for Tomorrow oder der Young Global Leaders gegangen sind.
    Wir haben mitbekommen, dass gerade sie im Rahmen der globalen Gesundheitskrise und beim Abbau demokratischer Rechte einen besonders harten und kompromisslosen Kurs verfolgt haben.
    Wir haben auch erfahren, dass Klaus Schwab die aktuelle Krise als ein zeitlich begrenztes Fenster der Gelegenheit betrachtet, um Wirtschaft und Gesellschaft in ihrer bisherigen Form zu zerstören und neu aufzubauen.
    Worüber wir allerdings wenig wissen, ist die personelle und organisatorische Verflechtung des WEF mit den wichtigsten Akteuren der zurzeit weltweit verfolgten Gesundheitsagenda. Deshalb dazu einige Informationen:
    Im Jahr 2000 wurde am WEF die Organisation GAVI gegründet. Ihr Name steht für Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung.
    Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderen die Weltbank, die Weltgesundheitsorganisation WHO, mehrere Impfstoffhersteller und die Bill-und-Melinda-Gates Stiftung, die ein Startkapital von 750 Millionen Dollar zur Verfügung stellte. Offizielles Ziel der GAVI ist es, Kinder in Entwicklungsländern mit Impfstoffen zu versorgen.
    Mit den Jahren floss immer mehr Geld in die Kassen der GAVI. Allein die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung spendete zwischen 2011 und 2020 etwa 4,1 Milliarden Dollar. Auf der Geberkonferenz im Juni 2020 kamen insgesamt 8,8 Milliarden Dollar zusammen.
    Dieses extreme Engagement der Geldgeber zugunsten von Impfungen armer Kinder stand allerdings nicht in Einklang mit deren tatsächlicher Notlage. Größte Bedrohung im Jahr 2020 waren nämlich nicht Infektionskrankheiten, sondern der Hunger, und zwar ausgelöst durch die im Rahmen der Corona-Krise ergriffenen Maßnahmen.


    Wenn es den vielen Geldgebern also um das Wohl notleidender Kinder ging, warum dann diese Fixierung auf Impfungen?

    Das von einigen Kritikern angeführte Argument, dass Impfstoffe den Pharmakonzernen große Profite einbringen, kann die Frage nicht zufriedenstellend beantworten. Die Konzerne erhalten zwar von GAVI eine Abnahmegarantie, die ihr unternehmerisches Risiko ausschaltet, aber der Impfmarkt ist im Verhältnis zum Gesamtmarkt der Pharma-Branche nur sehr klein. 2019 zum Beispiel hatte der globale Pharmamarkt ein Volumen von 1,3 Billionen Dollar, von denen ganze 33 Milliarden auf Impfstoffe entfielen, also nicht einmal 3 Prozent.


    Woher kommt also dieses Missverhältnis zwischen vermeintlicher Absicht und tatsächlicher Wirkung?

    Werfen wir dazu einen Blick auf die Gründung einer Organisation im Juni 2017 in New York. An diesem Tag rief die GAVI zusammen mit dem IT-Konzern Microsoft, der Rockefeller-Stiftung, der Hilfsorganisation CARE, der Unternehmensberatung Accenture sowie der gemeinnützigen Designfirma Ideo Org die ID 2020 ins Leben.
    ID 2020 verfolgt das Ziel, auf der Grundlage der Biometrie- und Blockchain-Technologie weltweit digitale Identifikationsformen zu schaffen. Zu ihren Kooperationspartnern zählen die US-Regierung, die EU-Kommission und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR.
    Die Gründung der ID 2020 bedeutet für die Digitalindustrie einen gewaltigen Schritt nach vorn, denn sie ist seit Langem bestrebt, jedem Menschen eine eindeutige und fälschungssichere digitale Identität zuzuweisen. Inzwischen gehen die Pläne sogar noch weiter: Auf Grund der rasanten Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz geht es nicht mehr nur um die digitale Identität, sondern um die bio-digitale Konvergenz, das heißt: Es geht in letzter Instanz um die Verschmelzung menschlicher Körper mit de...
    7 min
  • Laien-Darsteller als Gegen-Demonstranten gesucht | Von Inga Sprünken
    Ein Standpunkt von Inga Sprünken.
    Eine Mehrheit in Deutschland, nämlich über 75 Prozent der Bevölkerung, ist geimpft. Die Zahl der Corona-Infektionen steigt trotzdem. Schuld seien die Ungeimpften, hieß es anfänglich. Inzwischen wird auch die neue Corona-Variante Omikron dafür verantwortlich gemacht. Sie sei zwar milder, aber ansteckender. Zudem wirkten die mRNA-Impfstoffe nicht ausreichend gegen die Mutation, heißt es von den Fachleuten. Nachbarländer wie Dänemark (Inzidenz bei 5.000) und Großbritannien sehen in der neuen Mutation eine Chance für eine Herdenimmunität bei gleichzeitig milden Krankheitsverläufen.
    Dass Deutschland weiter an seinem bisherigen Kurs festhält, wird damit begründet, dass „nur“ 88 Prozent, statt wie in Dänemark 95 Prozent der Risikogruppen (Menschen über 60 Jahre), geimpft sind. Dabei werden alle über 60-Jährigen unabhängig von ihrer körperlichen Konstitution über einen Kamm geschert. Die Situation in den Krankenhäusern ist trotz einer Inzidenz von über 1000 in Deutschland vergleichsweise entspannt.
    Plötzlich und unerwartet


    Plötzlich und unerwartet - die Fälle häufen sich
    Andererseits werden immer wieder Fälle bekannt, in denen Sportler an Herzmuskelentzündung erkranken oder gar sterben. Auch die Reihen der Babyboomer-Generation lichten sich. „Plötzlich und unerwartet“ ist in einer zunehmenden Zahl der Todesanzeigen zu lesen. Inzwischen gibt es gar einen Twitter-Hashtag #plötzlichundunerwartet.
    Das ist nur einer der Gründe, warum die Impfskeptiker nicht weniger werden. Neben der Angst vor Nebenwirkungen treibt die Impfkritiker auch der Wunsch nach freier Entscheidung über ihre Gesundheit und ihren Körper um. Während dessen diskutieren die Politiker über eine Impfpflicht für das Gesundheitswesen – und danach für alle.
    Bundesweite Protestaktionen in Form von Demonstrationen, Spaziergängern oder – nach dem Vorbild in Kanada – Auto- und Lkw-Korsos halten dagegen. Im Rhein-Sieg-Kreis treffen sich inzwischen in jeder Gemeinde montags die Menschen zu Mahnwachen und Spaziergängen. Das macht die Maßnahmen-Befürworter ein wenig hilflos. In einer Zeitungsanzeige wurden von Spiegel-TV am Wochenende sogar Laien-Darsteller gesucht, die dazu bereit sind, bei den Montags-Protesten als Gegendemonstranten aufzutreten.


    Laien-Darsteller als Gegendemonstranten gesucht
    Die Berichterstattung nicht nur über die Spaziergänge steht derweil in der Kritik. Laut einer Forsa-Umfrage werfen 89 Prozent der Impfskeptiker den Medien eine einseitige Berichterstattung vor. Ist da etwas dran? Die Bilder der „Särge von Bergamo“ in den Anfängen der Pandemie könnten zu dieser Schlussfolgerung führen, bestätigen auch Medienwissenschaftler. Als die Corona-Krise begann, vermittelten solche Bilder tagelang in den Nachrichten, dass die Menschen massenweise an dem neuartigen Corona-Virus sterben würden und alles getan werden müsse, um Sars-CoV-2 zu bekämpfen. Unter anderem bereitete dies den Grundstock für die Akzeptanz der Lockdowns – weltweit.


    Mahnwache in Much. (Foto: Inga Sprünken)
    In einer empirischen Studie zur Qualität der journalistischen Berichterstattung der Rudolf-Augstein-Stiftung kamen die Professoren Dr. Marcus Maurer und Simon Kruschinksi aus Mainz sowie Dr. Carsten Reinemann aus München zu dem Schluss, dass es anfangs eine starke Konzentration auf Politiker, Ärzte und Wissenschaftler gegeben habe, während von der Infektion Betroffene und Corona-Skeptiker kaum zu Wort gekommen seien. Es sei überwiegend ein Konsens in der Wissenschaft unterstellt, Vergleiche mit der Gefährlichkeit des Influenza-Virus nur selten angestellt worden. „Die Unsicherheit von wissenschaftlichen Prognosen wurde oft nicht vermittelt“, heißt es in der Studie.
    Rundfunk zur Einseitigkeit verpflichtet
    Derweil macht eine neue Initiative auf sich aufmerksam. Mitbegründer ist der Münchner Filmproduzent Jimmy Gerum.
    8 min
  • NATO/EU gespalten? | Von Wolfgang Effenberger
    Viktor Orbán auf Friedensmission
    Ein Kommentar von Wolfgang Effenberger.
    In der aktuellen Krise konnte sich am 1. Februar 2022 Ungarns Regierungschef Viktor Orbán in einem fast fünfstündigen Treffen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin austauschen. Putin wiederholte seine Forderungen nach Sicherheitsgarantien für Russland und warnte vor einer Kriegsgefahr in Europa, sollte die Ukraine Mitglied der Nato werden. Seiner Ansicht nach will sich die Ukraine die Schwarzmeer-Halbinsel Krim unbedingt und notfalls mit Gewalt zurückholen. Putins Befürchtungen sind nicht unbegründet. Trat doch am 11.
    März 2021 die ukrainische VERORDNUNG DES PRÄSIDENTEN DER UKRAINE N2117 / 2021 "Über Entbesetzung und Wiedereingliederung des vorübergehend besetzten Gebiets der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol" in Kraft.(1) Die Bevölkerung auf der Krim hat am 16. März 2014 in einem deutlichen Votum für den Anschluss an die Russische Föderation gestimmt. Sollten diese mehrheitlich prorussisch eingestellten Krimbewohner gegen ihren Willen den Russlandfeinden in Kiew zugeschlagen werden?
    Das würde dann einen weiteren Bürgerkrieg bedeuten. Um die Menschen in der Ukraine, in Russland oder auf der ganzen Welt scheint es also nicht zu gehen. Es geht ausschließlich um handfeste wirtschaftliche und geopolitische Interessen – wie sie der britische Geograph Halford Mackinder 1904 in seiner Herzlandtheorie formuliert hat. Das "Herzland" liegt im Zentrum von Eurasien und in der russischen Einflusssphäre (von der Wolga bis zum Jangtsekiang - vom Himalaya zur Arktis).(2) Nach Mackinders materialistisch geprägtem Menschenbild stehen die Menschen im Rahmen ihrer Bedürfnisse nach Sicherheit und Wohlstand miteinander im Wettbewerb um Territorium und Ressourcen.
    Anfang 1909 hatte Lord Kitchener– der "Held von Khartum"(3) – gegenüber dem bayerischen Hauptmann im Generalstab Karl Haushofer ganz unbefangen von der Unvermeidlichkeit eines großen Krieges gesprochen, „der wahrscheinlich England wie Deutschland ihre Herrenstellung am Pazifik …kosten müsse und für die Amerikaner und Japaner geführt werden würde.“(4)
    Tatsächlich trieb dann die Welt unaufhaltsam einem Inferno entgegen.
    Am 29. Mai 1914 schrieb der amerikanische Präsidentenberater Colonel House während seines Europa-Besuchs aus der US-Botschaft in Berlin an Wilson: «[…] Das wird eines Tages noch zu einer Katastrophe kommen, […] da gibt es zu viel Hass, zu viele Eifersüchteleien. Sobald England einverstanden ist, werden Frankreich und Russland Deutschland und Österreich in die Zange nehmen.»(5)
    Da lag er nicht falsch.
    Knapp einen Monat später, wenige Tage vor Kriegsausbruch, warnte Kardinal John Murphy Farley, Erzbischof von New York, auf dem Eucharistischen Weltkongress in Lourdes (22.–26. Juli 1914): «Der Krieg, der in Vorbereitung ist, wird ein Kampf zwischen dem internationalen Kapital und den regierenden Dynastien sein. Das Kapital wünscht niemanden über sich zu haben, kennt keinen Gott oder Herrn und möchte alle Staaten als großes Bankgeschäft regieren lassen. Ihr Gewinn soll zur alleinigen Richtschnur der Regierenden werden. […] Business […] einzig und allein.»(6)
    Und am 31. Juli 1914, nur Stunden vor Kriegsbeginn und dem Tag seiner Ermordung, warnte der französische Historiker und Sozialist Jean Jaurès: «[…] Hier in Frankreich arbeiten wir mit allen Gewaltmitteln für einen Krieg, der ausgefochten werden muss, um ekelhafte Begierden zu befriedigen und weil die Pariser und Londoner Börsen in Petersburg spekuliert haben […]; man sucht den Krieg, den man schon lange schürt.“(7) Sollte der Krieg ausbrechen,“ dann wird er sich gleich einer Seuche verbreiten und zum schrecklichsten Völkermord seit dem Dreißigjährigen Krieg führen.“(8)
    Während Orban in Moskau seine Friedensfühler ausstreckt, stärkten in Kiew der britische Premier Boris Johnson und der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki dem ukrainischen Präsid...
    8 min
  • Der alternative Preis der Republik | Von Markus Fiedler
    … geht an Karl Lauterbach für seine gegenwartsbezogene Interpretation des Mafia-Epos „der Pate“!

    Eine Glosse von Markus Fiedler.
    Mit dieser Ehrung werden Menschen bedacht, die sich besonders um die Grundrechte verdient gemacht haben. Viel zu selten konnten wir hier Vertreter der Regierung ehren. Diesem Missstand kann nun abgeholfen werden. Gesundheitsminister Karl Lauterbach bewies besondere Liebe zum Grundgesetz und legte gleichsam den siegelberingten Finger in perfekt überspitzter Darbietung in die Wunde des gesellschaftlichen Miteinanders.
    Geradezu deklassierte er damit eine ganze Generation von Kunstschaffenden und verwies sie in die historische Bedeutungslosigkeit. In seiner unverwechselbar entwaffnenden Art zeigte er, wie wichtig das Recht auf persönliche Freiheit und die Unversehrtheit des eigenen Körpers ist, besonders im Spannungsfeld zwischen Pharmalobbyismus und seinem liebsten Hobby als Volksvertreter.
    Trotz eines vollen Terminkalenders mit eng gestecktem Zeitplan punktete der Gottvater der postfaktischen Satire mit perfekt sitzender Frisur und Faschings-Zahnprothese und zeigte in einer atemberaubenden Stand-Up-Performance zwischen zwei Auftritten bei Markus Lanz und Anne Will klare Kante. Unvergesslich und zeitlos ist seine zentrale Aussage der letzten Woche:


    „Es wird ja niemand gegen seinen Willen geimpft. Selbst die Impfpflicht führt ja dazu, dass man sich zum Schluss freiwillig impfen lässt.“

    Hier ist eine Reminiszenz an den „Paten“ für den eingeweihten Cineasten unübersehbar. Auch der unterkühlte Vortrag mit eingefrorener Mimik und minimalistischer Gestik weist Karl Lauterbach den Weg in den Olymp der Polit-Darsteller im besten Deutschland aller Zeiten.
    Und wir vom Demokratischen Widerstand geben Lauterbach Recht! Das ist wahrlich ein Impf-Angebot, das man nicht ablehnen kann, besonders wenn es über den Lauf einer 45er hinweg erfolgt.
    Der Zuhörer wird mit dieser gewaltigen Wortimplosion auf sich selbst zurückgeworfen und bleibt gleichsam ratlos im Vakuum von Lauterbachs Gedankenwelt gefangen. Ist Karl der große Verfechter des totalitären Machtanspruchs? Oder will er uns nur mit der schmerzhaftesten aller mögliche Ansprachen aufrütteln?
    Richtet er sich nicht an den wachsamen und wehrhaften Demokraten in uns, der die Freiheit gegen fremdgesteuerte Diktatoren aktiv verteidigen muss, wenn er nicht ein „viertes Reich“ erleben will? Diese Frage lastet bleischwer wie der Felsblock des Sisyphos auf der Seele des Rezipienten.
    Die Pharmareferentin Maren Schmidt, die ich im Format „Geschichten aus Wikihausen“ dreimalig zum Thema „Gates-Watch“ interviewen durfte, ist jedenfalls hoch erfreut über die Wahl Karl Lauterbachs zum Gesundheitsminister. Sie sagte mir in ihrer friesischen Mundart:
    „Nach fest kommt ab.“
    Und Karl Lauterbach sei für die praktische Überprüfung dieser Weisheit die beste Besetzung.
    +++
    Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.
    +++
    Bildquelle: Juergen Nowak / shutterstock
    4 min
  • Warum keine gleiche Sicherheit für Russland? | Von Rainer Rupp
    Ein Kommentar von Rainer Rupp.
    Warum sind die Russen auf einmal so aggressiv? Will der Putin die alte Sowjetunion wieder herstellen, ein neues Imperium aufbauen? Wollen die Russen Krieg? Fragen über Fragen, die derzeit in unseren Mainstream Medien gestellt werden. Wir haben den Russen doch nichts getan! Die brauchen doch keine Angst vor unserer NATO an ihren Grenzen zu haben, denn die ist schließlich weltweit als die erfolgreichste Friedensorganisation in der Geschichte der Menschheit bekannt.
    Wir sind doch die Guten! Das hat der Westen oft genug bewiesen. Immer wieder haben wir unter Führung des einzigartigen humanistischen Leuchtturms USA an der Seite Engel autokratische Dämonen eliminiert. Mit unseren Bomben und Raketen haben wir rund um die Welt für unsere Art von Demokratie gekämpft, für freie Märkte für unsere Konzerne und für die grenzenlose Freiheit des Finanzkapitals. Unsere großartigen liberalen Werte haben universelle Gültigkeit, auch für Russland und das wollen Putin und seine Konsorten im Kreml einfach nicht verstehen.
    Wir haben wiederholt betont, dass wir nicht gegen das russische Volk sind, im Gegenteil, wir lieben es. Aber damit wir dem russischen Volk helfen und ihm unsere fortschrittlichen westlichen Ideale bringen können, müssen zuerst die Autokraten im Kreml weg. Aber wie in jeder Demokratie, muss man manchmal auch das Volk zu seinem Glück zwingen. Aber wir sind sicher, dass das russische Volk unsere guten Absichten richtig versteht, auch wenn wir Russland zuerst mit schmerzhaften Wirtschaftssanktionen überziehen. Der Russe muss spüren, dass es im schlecht geht und der Kreml auf Grund seiner anti-westlichen Politik an seinem Elend schuld ist. Nur wenn Putin und Konsorten aus dem Kreml vertrieben sind, kann die Freiheit nach Russland kommen und die sibirische Schatzkammer für unsere Konzerne geöffnet werden.
    Das eben Gesagte ist in aller Kürze der Kern der Russlandpolitik der westlichen Finanzeliten und ihrer gekauften und bezahlten Politikerkaste, die gemeinsam mit den Konzern- und Regierungsmedien diese verbrecherischen Machenschaften mit viel Heuchelei und offensichtlichen Widersprüchen dem gemeinen Volk im Westen verkaufen wollen.
    Nur selten kommt es dazu, dass westliche Medien ihren Zuhörern und Zuschauern ungeschnittene und unbearbeitete Interviews russischer Politiker präsentieren. Der britische Privatsender Sky News machte jüngst eine wohltuende Ausnahme. Er brachte einen 7 minütigen unbearbeiteten Ausschnitt aus der traditionellen Jahrespressekonferenz des russischen Präsidenten, bei der Wladimir Putin über mehrere Stunden Fragen von Medien aus aller Welt beantwortet.
    Von herausragender Bedeutung zum Verständnis der aktuell von den Kriegstreibern in Washington, London und der NATO in Brüssel angeheizten Zuspitzung der Ukraine-Krise ist Putins Antwort auf die Fragen der Russland-Korrespondentin von Sky News, Diana Magnay. Darin betonte er u.a., dass sein Land niemanden bedroht und dass er keinen Krieg in der Ukraine will. Aber es seien schließlich die USA und die NATO, die an die Grenzen Russlands expandieren - und nicht umgekehrt. „Es sind die USA, die ihre Raketen vor unserer Haustür stationieren und nicht umgekehrt“.
    Das Magnay-Interviews mit Putin kann auf der youtube-Seite von Sky News im englischen Originalton als Video gesehen werden. (Im Schriftartikel verlinkt). Das Video wurde bereits über 1,1 Millionen Mal gesehen. Die über 8.500 Kommentare aus aller Welt sind überwältigend positiv. Aus unterschiedlichen Gründen wird Putin bewundert, z.B. weil er im Unterschied zu Westpolitikern keiner Frage ausweicht oder vom Thema ablenkt, er ganz ohne Handzettel faktenreiche Antworten gibt, oder weil er deutliche und klare Aussagen zu den Problemen macht, usw. Hiernach folgt nun der von mir in deutsche Sprache übersetzte Text des Videos:
    Frage der englischen Journalistin Diana Magnay:
    "Vielen Dank dass sie meine Frage angenommen haben.
    14 min
  • Parallelwelt oder nutzlose Rebellion? Teil 2 | Von Jochen Mitschka
    Wird die Wiege der Menschheit zu ihrer Hoffnung?
    Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.
    Um eine Daueraufenthaltserlaubnis für Namibia zu erhalten, muss man sich einem ziemlich demütigenden Ritual unterwerfen. Und ob sie am Ende erteilt wird, ist ebenso unklar wie der Verbleib der vielen und höchst persönlichen Informationen. Man fragt sich unwillkürlich, ob es die Rache des einst von uns unterdrückten kolonialisierten Volkes ist, oder doch nur einfach der Wunsch, nur weiße Menschen ins Land zu lassen, die einen positiven Effekt auf das Leben aller haben.
    Jedenfalls kann es keine fehlende „Humanität“ sein, denn einige Namibier kritisierten die Regierung dafür, die Grenzen zu Angola offen zu lassen, obwohl der Bürgerkrieg dort lange vorbei ist. Aber immer noch kommen Flüchtlinge über die Grenze, weil sie Hunger haben oder keine medizinische Versorgung in ihrem Land bekommen, obwohl Angola über einen enormen Ölreichtum verfügt. Deshalb fordern immer mehr Stimmen die Regierung dazu auf, die Grenzen für „Wirtschaftsflüchtlinge“ zu schließen, um die freiwerdenden Ressourcen in Bildung und Altersversorgung der Menschen zu stecken.
    Wir hatten ein längeres Gespräch mit einem weißen Namibier, dessen Eltern vor 30 Jahren nach Windhuk gekommen waren. Er beklagte die grassierende Korruption in der SWAPO, die schon zu lange an der Regierung sei. Aber er bemerkte auch, dass diese ehemalige Rebellenorganisation es geschafft habe, das Land 30 Jahre in Frieden zu halten. Im Gegensatz zu den meisten benachbarten Staaten hatte es weder Rassenunruhen, noch Kämpfe zwischen den verschiedenen Ethnien gegeben, die früher und in anderen afrikanischen Ländern leider ständig virulent waren. Hoffen wir, dass gewisse Kräfte nicht wie in Syrien versuchen werden, das zu ändern.
    Was die Korruption angeht, so fand ich in einer namibischen Zeitung den Hinweis, dass scheinbar jeder Beamter werden wolle, weil es einfach verdientes Geld sei, und der Präsident schließlich in den Jahrzehnten seiner Amtsgeschäfte auch 50 Millionen Namibische Dollar reicher geworden wäre. Was bedeutet, dass er anscheinend über ein Vermögen von fast 3 Millionen Euro verfügt. Worüber westliche Spitzenbeamte wohl nur lächeln würden.
    In dem gleichen Interview erklärte sich unser Gesprächspartner aber sehr zufrieden über die Effizienz der Stadtverwaltung in Swakopmund. Und tatsächlich konnten wir das bestätigen. Auf dem Weg nach Walvis Bay hatten wir einen Rohrbruch beobachtet, der die Straße überflutet hatte, auf dem Rückweg waren nur noch Spuren davon zu sehen, und wie städtische Angestellte die letzten Reste der Straße mit Besen säuberten. Auch sonst konnten wir an keiner Stelle in der Stadt wilden Abfall sehen. In den Vierteln der ärmeren Bewohner sahen wir keine improvisierten Blechhütten, sondern zwar sehr kleine, aber gemauerte Häuser, die offensichtlich über Wasser und Stromanschluss verfügten. Viele dieser Häuser waren noch nicht fertiggestellt oder bezogen. Es zeigt vermutlich, dass die Regierung den Vorwurf, nicht genug gegen Wohnungsnot zu unternehmen, aufgegriffen hatte.
    Später auf Erkundungstour in Walvis Bay, sahen wir allerdings auch improvisierte Hütten, und daneben beginnende Sozialbauten. Und auf dem Weg nach Windhuk gab es durchaus manche Stellen am Rand der Straße, die wild besiedelt erschienen. Einige dieser improvisierten Siedlungen, Deutsche würden sie wohl Slums nennen, hatten Bäume, in deren Zweigen Plastikreste hingen, die offensichtlich durch einen Sturm hineingeweht worden waren.
    Die Uranminen
    Ein anderer Gesprächspartner, ein schwarzer Ingenieur in den Uranminen, bemerkte uns gegenüber, dass die Stadtverwaltung von Swakopmund immer mit einem positiven Jahresergebnis abgeschlossen hatte, dass dies aber nicht mehr der Fall sei, seit der alte „Geschäftsführer“ aus Altersgründen den Job verlassen habe. Nun wäre die Stadt verschuldet.
    Wir hatten versucht über private Kontakte einen Insider der Ur...
    18 min
  • Pflicht zur Impfung gegen COVID-19 | Von Friedemann Willemer
    Ein legislativer Willkürakt
    Ein Kommentar von Friedemann Willemer.

    1. Impflicht ohne Impfstoff
    Seit einem Jahr wird in Politik und Medien eine emotional aufgeladene Debatte über eine Corona-Impfpflicht geführt. Die Mehrzahl der Abgeordneten der etablierten Parteien CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP und Die Linke im Deutschen Bundestag setzen sich teilweise leidenschaftlich für eine Impfpflicht ab 18 Jahren ein wie zuletzt anlässlich der Orientierungsdebatte vom 26. Januar 2022 im Deutschen Bundestag zu beobachten war. Die Regierungen in Bund und Ländern sehen unisono in einer Zwangsimpfung – zur Zeit beschönigend noch als Impfpflicht bezeichnet - den Königsweg zum Schutz des Gesundheitswesens und zurück in die Freiheit der Vor-Corona-Zeit.
    Die Corona-Impfpflicht-Debatte hat inzwischen paranoide Züge angenommen und wird dominiert von Psychopathen, die jeden Bezug zur Realität verloren haben und ihre Allmachtsphantasien mit allen Mitteln gegenüber einem mehrheitlich untertänigen Volk unter Missbrauch des staatlichen Gewaltmonopols durchsetzen wollen.
    Die Impfpflicht-Debatte wird geführt, obwohl es keinen zugelassenen Impfstoff ohne Bedingungsvorbehalt gibt. Eine absurde Situation.
    Bevor man über eine Impflicht beginnt nachzudenken, insbesondere sich dafür echauffiert, sollte ein zugelassener Impfstoff zur Verfügung stehen, der evidenzbasiert nachgewiesen:
    - eine sterile Immunität gegenüber dem Corona-Virus gewährleistet,
    - der schwere COVID-19-Krankheitsverläufe bis hin zum Tod ausschließt,
    - und keine „über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehende gesundheitliche
    Schädigung“ (§ 6 InfSchG) nach sich zieht.
    Artikel 2 II Grundgesetz gewährleistet den Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit. Artikel 2 II Grundgesetz verbietet insbesondere solche Verhaltensweisen, die, wenn auch unbeabsichtigt, den Tod eines Menschen herbeiführen (Sachs, Grundgesetz Artikel 2 Rdn. 141).
    Artikel 2 II 1 2. Alt. Grundgesetz gewährt das Recht auf körperliche Unversehrtheit, d. h. Integrität der Körpersphäre und damit das Recht auf Gesundheit i. S. d. Definition der WHO , ein „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“.  Die staatliche Schutzpflicht für das Leben ist „umfassend“: Sie gebietet dem Staat, sich schützend und fördernd vor das Leben zu stellen. Da das menschliche Leben einen Höchstwert darstellt, muss diese Schutzpflicht besonders ernst genommen werden (Sachs, a. a. O. Rdn. 188, BVerfGE 46, 160 (164)).
    Ein Impfzwang (BVerfGE 9, 78) lasse sich in die körperliche Integrität nur rechtfertigen, wenn bei Abwägung mit den Risiken das öffentliche Interesse an der Seuchenbekämpfung deutlich überwiegt (Sachs, a. a. O. Rdn. 186).
    2. Das Wächteramt des Staates
    Dem Staat obliegt ein Wächteramt zum Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit. Diese Verpflichtung einzuhalten gebietet unmissverständlich Artikel 1 Abs. 3 Grundgesetz dem Gesetzgeber und der vollziehenden Gewalt. Diese „Schlüsselnorm“ des Grundgesetzes sollte nach der Zeit der nationalsozialistischen Willkürherrschaft die rechtliche Verbindlichkeit der Grundrechte entscheidend stärken (Sachs, a. a. O. Artikel 1 Rdn. 82).
    Das Grundgesetz legt unmissverständlich für Gesetzgeber und vollziehende Gewalt die Bedingungen fest, die erfüllt sein müssen, um einen Impfstoff überhaupt zuzulassen und erst recht, ob der Impfstoff unter Ausübung staatlichen Zwanges den Menschen injiziert werden darf.
    Unter Beachtung des Grundgesetzes ist es geradezu grotesk, seinem Volk eine Impfpflicht aufzuerlegen mit einem bedingt zugelassenen „Impfstoff“,
    - für den die Pharmaindustrie eine Haftung explizit ablehnt und in den Verträgen mit der
    Europäischen Union und der Bundesrepublik Deutschland ausdrücklich darauf hinweist,
    dass die Wirkung „ihres Impfstoffes“ nicht bekannt sei und nicht bekannt sei, welche
    18 min
  • Parallelen zum Kleinen Piks | Von Anke Behrend
    Schlafmittel des Jahrhunderts , harmlos wie Zuckerplätzchen. Contergan war als freiverkäufliches Mittel gegen Übelkeit und Schlafstörungen besonders für Schwangere angepriesen worden. Als immer mehr schreckliche Folgewirkungen zu Tage traten, hieß es, es sind nur Vermutungen.
    Ein Standpunkt von Anke Behrend.
    Wann immer es in Deutschland Probleme mit Medikamenten gibt, ob Duogynon, Lipobay, Vioxx oder HIV-verseuchte Blutkonserven und viele andere mehr: Eine Blaupause wird als Referenz herangezogen. Der Contergan-Skandal der 1950er und 1960er Jahre. Die historische Betrachtung muss vom damaligen Wissen und Standpunkt aus erfolgen. Parallelen zu heutigen Ereignissen sind allerdings augenfällig.
    Contergan-Skandal könnte um Vielfaches übertroffen werden
    Contergan, das thalidomidhaltige Schlaf- und Beruhigungsmittel war von 1957 bis 1961 auf dem deutschen und internationalen Markt. Entwickelt worden war der Wirkstoff Thalidomid, ein teratogener – das heißt, Missbildungen verursachender – Stoff, 1954 von Wilhelm Kunz und Herbert Keller unter der Leitung des deutschen Pharmakologen und ehemaligen KZ-Arztes Heinrich Mückter (vgl. Kirk, Contergan-Fall, 1999).
    Seit 1933 war Mückter Mitglied der SA, trat 1937 in die NSDAP ein und betätigte sich später als Stabsarzt und stellvertretender Direktor des Instituts für Fleckfieber und Virusforschung in Krakau. Dort beteiligte er sich an der Herstellung von Fleckfieber-Impfstoff unter Anwendung medizinischer Experimente an polnischen Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen, die zur Zucht von Erregerläusen missbraucht worden waren und nicht selten dabei zu Tode kamen. Dem Haftbefehl der Krakauer Staatsanwaltschaft 1946 entzog Mückter sich durch Flucht und wurde noch im gleichen Jahr bei der soeben gegründeten Stolberger Firma Chemie Grünenthal GmbH eingestellt, zunächst um die Penicillinproduktion aufzubauen.
    Thalidomid verursacht bei chronischem Gebrauch Nervenschädigungen und überdies innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate verschiedene Fehlbildungen vor allem der Gliedmaßen. Dafür ursächlich ist unter anderem die Blockierung eines Wachstumsfaktors (VEGF) für Blutgefäßbildung und ein Protein des Ubiquitin-Ligase-Komplexes, an welches Thalidomid bindet. Im Zuge dessen wird ebenfalls die Bildung der Gliedmaßen beeinträchtigt.
    2018 konnte ein weiterer Wirkmechanismus erkannt und damit aufgeklärt werden, warum die teratogene Wirkung im Tierversuch nur bei Kaninchen und Primaten auftrat und die Versuche der Entwickler keine Missbildungen bei Mäusen und Ratten hervorrufen konnten.
    Die Komplexität der Wirkungsweise von Thalidomid zeigt die mangelnde Übertragbarkeit von Tierversuchen auf den Menschen. Mittlerweile sind mehr als 2.000 Arbeiten und dreißig Hypothesen zur fruchtschädigenden Wirkung von Thalidomid verfasst worden.
    Harmlos wie ein Zuckerplätzchen
    Contergan war als freiverkäufliches Schlafmittel und gegen Übelkeit gezielt für schwangere Frauen beworben worden und gelangte neben Deutschland in 60 Länder Osteuropas, Asiens, die USA und Australien, verschreibungspflichtig in Österreich und der Schweiz. Neben Aspirin galt Contergan als das zweithäufigst verwendete Medikament in Deutschland.
    Ende 1959 griffen nach Schätzungen der Firma täglich 350.000 Einwohner der Bundesrepublik zu Contergan, 1960 waren es bereits 700.000 und ein Jahr später eine Million. Contergan generierte Millionenumsätze und erreichte einen Marktanteil von 46 Prozent bei barbituratfreien Schlafmitteln. Wohlfühlwerbung suggerierte Harmlosigkeit, Entspannung und gesunden Schlaf mit dem Schlafmittel des Jahrhunderts.
    Erwacht ist Deutschland in einer Katastrophe, wie die Nachrichtenillustrierte Der Spiegel im Dezember 1962, elf Monate nach der Marktrücknahme von Contergan resümiert: Nirgendwo waren die Auswirkungen so verheerend wie in der Bundesrepublik, wo das erfolgreichste Medikament der Firma Grünenthal schätzungsweise 5.000 bis 6.
    12 min
  • Die Dummheit der Massen | Von Rüdiger Lenz
    Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.
    Das, was mir Angst macht, das sind nicht so sehr die Maßnahmen der Politiker, sondern die Menschen, die alles Mitmachen und jedwede Aufklärung für Schwurbelei halten. Diese Menschen machen mir Angst, denn ich befürchte, dass die noch viel mehr mitmachen würden, wenn die Politiker sie dazu anstachelten.
    Die gefährlichste Religion


    "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." Albert Einstein

    Der gesetzestreue fromme Wähler ist eine größere Bedrohung für die Menschlichkeit als der zügelloseste Gras rauchende Hippie. Warum? Weil der Hippie bereit ist, andere frei sein zu lassen und der brave Bürger nicht. Der Schaden an der Gesellschaft durch schlechtes Benehmen und niedere Moral Einzelner ist nichts gegen den Schaden, den selbstgerechte Gewalt verübt, im Namen des Gesetzes ...
    Der Unterschied zwischen euch und einem normalen Dieb ist, dass der Dieb selbst stiehlt, während ihr nach der Regierung jammert, damit sie für euch stiehlt. Der Unterschied zwischen euch und einem Straßenschläger ist, dass er Gewalt für seine Zwecke selbst anwendet, während ihr eure Mitbürger durch Zwang vom Staat beherrschen lasst. Die Verbrecher an der Regierung sind eure Repräsentanten, aber ihr übernehmt keine Verantwortung für das Böse, das sie in eurem Namen begehen. Diebstahl, Nötigung, Körperverletzung und sogar Mord. Wie bequem, andere für alles verantwortlich machen zu können. Jenny Friedheim, eine Friedensfreundin, hat hier Larken Rose aus seinem Buch "Die gefährlichste aller Religionen" zitiert.
    Folge niemanden, lebe dich selbst
    Für Larken Rose ist die gefährlichste aller Religionen, der Glaube an eine Regierung und deren Staatsapparate. Durch eine Regierung, einen Staatsapparat, seine Parteienlandschaft und seine Wählergünstlinge mutiert die Freiheit der Menschen zur Nutzmenschenhaltung. Der Mensch hat dem System zum unbedingten eigenen Nutzen willfährig zu sein. Dazu wird er durch den Staat in Schule und Erziehung ausgebildet und konformiert. Larken Rose ist wohl der bekannteste Freiheitsrechtler unserer Zeit. Wer seine Reden nicht kennt, seine Bücher nicht verschlingt, der sollte das schleunigst nachholen. Gerade in der heutigen Zeit ein "must learn" für Aktivisten und Spaziergänger.
    Freiheit ist nicht bloß, Dinge nicht tun zu müssen, die man nicht tun will. Freiheit ist viel mehr auch die Dinge zu tun, weswegen man in der Welt ist. Jeder besitzt seine eigenen Begabungen, die sie oder er gut kann, und zwar von Natur aus gut kann. Um einen sozialen Begriff zu bemühen, ist eine freie Gesellschaft eine, die ihr jeweiliges Gesamtpotenzial zur Entfaltung bringen kann. Erziehung wäre demnach völliger Unsinn und an ihrer statt wären Beziehungen, also in Beziehung sein, alles. Und Bildung im Sinne des vorherrschenden Nürnberger Trichters müsste abgelöst werden und im Sinne eines hirngerechten Lernens angeboten und unterstützt werden. Womit die Schulzeit erheblich verkürzt werden könnte und Lernen lebenslang möglich würde. Vollkommene Freiheit bedeutet nicht, tun zu wollen, was man will, sondern tun zu können, was der eigenen inneren Natur und Entfaltungsbereitschaft entspricht. Ohne Zwang, Abrichtung, Autoritätenanhimmelung und vorgefertigter Bildungsstoffe. Die eigene Freiheit zu leben heißt, individuelle Räume der eigenen Transformation zum ganzen Menschen zu erschaffen. Wobei Transformation hier nicht allein als geistiger Prozess zu verstehen ist, sondern zuallererst als tätiger Prozess, als Schöpfungsprozess zum Menschsein in seiner Entwicklung vom Säugling bis zum Greis. Der Mensch ist ein Entfaltungs- und Entwicklungswesen, ein holistisches Lebewesen, wie es der Neuroimmunologie Dr. Christian Schubert lehrt.
    Eine vulgäre Vorstellung von Freiheit
    Das Gegenteil von Freiheit ist nicht Unfreiheit oder Eingesperrtsein.
    21 min

About apolut Podcast Archive - apolut.net

From the publisher's feed

das denk' ich auch