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Kein Streik – nur für Patientinnen und Patienten ist die Gemeinschaftspraxis von Allgemeinmediziner Christian Sommerbrodt in der Innenstadt von Wiesbaden zwischen den Jahren geschlossen. Stattdessen arbeitet das Praxisteam die Verwaltungstätigkeiten ab und stellen die Quartalsabrechnung fertig. Die unterschiedlichen Formen des Protests in den Praxen, die teilweise auch gar nicht arbeiteten oder nur ihre Terminsprechstunde aufrechterhielten, erläutert Sommerbrodt, der auch erster Vorsitzender des Hausärzteverbands in Hessen ist, im „ÄrzteTag“-Podcast.
Auch dazu, warum Hausärztinnen und Hausärzte prinzipiell nur ungern ihre Praxen schließen und warum sich der hessische Landesverband der Hausärzte dennoch an den bundesweiten Aktionen beteiligt und warum das nicht alle Landesverbände tun, gibt Sommerbrodt Auskunft.
Der Allgemeinmediziner bedauert im Gespräch, dass Bundesgesundheitsminister Lauterbach die Proteste „auf Geld herunterdiffamiert“. Die Bevölkerung, die gerade auf dem Land merke, wie knapp die Kapazitäten mittlerweile geworden seien. Ärztinnen und Ärzte und ihre Praxisteams versorgten ambulant Patienten bei 720 Millionen Behandlungsanlässen im Jahr. Wenn hier größere Schwierigkeiten auftreten sollten, dann „gehen die Krankenhäuser, die bisher 16,8 bis 20 Millionen“ Behandlungsfälle zu betreiben haben, schnell in die Knie.“
Saure-Gurken-Zeit in den Weihnachtsferien zwischen den Jahren? Nicht 2023! Kurz vor Weihnachten wurde die Hybrid-DRG-Verordnung veröffentlicht, ihr Inhalt, die nächsten Schritte der Ambulantisierung, hat bei vielen Betroffenen Ratlosigkeit hinterlassen, weckt aber auch manche Hoffnungen bei ambulanten Operateuren. Gleichzeitig sind am Mittwoch Ärzteproteste und Praxisschließungen in die Schlagzeilen geraten.
Der Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands und der Bundesvorsitzende des Virchowbundes Dr. Dirk Heinrich hat die Praxisschließungen im Rahmen der Aktion „Praxis in Not“ im „ÄrzteTag“-Podcast verteidigt. Nach der Streichung der Neupatientenregelung, nachdem die MFA bei den Corona-Boni vergessen worden seien, und nach dem mageren Plus von 3,8 Prozent beim Orientierungswert trotz hoher Inflation seien viele Praxen „in echter Schieflage“. Viele Kolleginnen und Kollegen, die mit 63 sonst durchaus noch ein paar Jahre bis 68 dranhängen würden, kündigten ihren baldigen Rückzug an, wenn sich nicht schnell etwas ändere. „Die brauchen wir aber“, so Heinrich, weil so schnell nicht genügend Nachwuchs gewonnen werden könne.
Adipositas ist ein Riesenproblem und besonders auch in Deutschland: Seit vielen Jahren werden immer mehr Menschen krankhaft übergewichtig und das, obwohl seit Jahrzehnten pausenlos Ernährungs- und Diätempfehlungen, Werbung für Niedrigkalorien-Lebensmitteln, für Bewegung und Fitnessstudios auf uns einprasseln. Neue Hoffnung geben Betroffenen nun Medikamente wie Semaglutid und Tirzepatid, mit denen sich ähnlich stark abnehmen lässt, wie mit einer chirurgischen Magenverkleinerung.
Die neuen Arzneien zur Gewichtsreduktion haben jedoch einen Pferdefuß: Um dauerhaft abzunehmen, müssen diese auch dauerhaft gespritzt werden, möglicherweise sogar ein Leben lang. Werden die Mittel abgesetzt, dann kommt die alte Körperfülle wieder zurück, wie gerade die Surmount-4-Studie mit Tirzepatid bestätigt hat.
Für wen ist daher eine Gewichtsreduktion mit den Medikamenten medizinisch sinnvoll? Mit welchen Lebensstiländerungen lässt sich die Therapie mit den Arzneimitteln flankieren? Und von welchen alten Zöpfen bei der Ernährungsberatung müssen wir uns dabei verabschieden? Der Diabetologe Professor Stephan Martin aus Düsseldorf forscht mit seinem Team seit vielen Jahren zu Ernährung bei Typ-2-Diabetes und Übergewicht und nutzt auch Abnehmspritzen. Im „ÄrzteTag“-Podcast spricht der Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ) darüber, wie sich aufgrund der Studienlage und seinen Erfahrungen die Medikamente sinnvoll einsetzen lassen. (Dauer: 31:30 Minuten)
Erst sah alles so gut aus: Im Koalitionsvertrag haben die Ampel-Parteien Reformpläne für eine bessere psychotherapeutische Versorgung festgehalten. Doch jetzt lassen diese Veränderungen auf sich warten. Entsprechend weniger Geduld hätten auch die Kolleginnen und Kollegen, die alltäglich mit Problemen wie dem hohen Bedarf, langen Wartezeiten und begrenzten Möglichkeiten konfrontiert sind. Davon berichten Dr. Andrea Benecke, seit diesem Sommer Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer, und Vize-Präsidentin Sabine Maur.
„Sicher ist es so, dass es im ganzen Gesundheitsbereich sehr viel zu tun gibt. Warum aber anderes wichtiger ist als die gute Versorgung psychisch kranker Menschen, erschließt sich uns nicht“, sagt Maur. In der Bedarfsplanung sei dringend eine Anpassung nötig. „Wir fordern eine Reduktion der Verhältniszahlen um 20 Prozent“, erklärt Benecke. Nur so ließen sich die Wartezeiten gerade im ambulanten Bereich reduzieren. Umgerechnet bedeute das in etwa 1.600 mehr Kassensitze.
Obwohl die Unzumutbarkeit der aktuellen Wartezeiten allen klar sein müsse, gehe es mit der versprochenen Reform nicht voran. Minister Lauterbach sei für sie nicht zu erreichen, berichten Maur und Benecke. „Aber unsere Anliegen, die Schwierigkeiten und Probleme, sind im BMG bekannt. Da kann sich keiner rausreden“, sagt Benecke. Warum beide müde sind, besonders gegenüber Krankenkassen und Politik immer wieder die gleichen Vorurteile entkräften zu müssen und wie sie mit ihren Anliegen durchdringen wollen, erklären die Psychotherapeutinnen im Podcast.
Die Anzahl der täglich eingelösten E-Rezepte wächst laut Dashboard der TI-Betriebsgesellschaft gematik und liegt mittlerweile an manchen Tagen bei über 300.000 Verordnungen. Der Anteil der E-Rezepte am gesamten Verordnungsvolumen geht damit in Richtung zehn Prozent. Doch ist damit alles bereit dafür, dass alle Vertragsärztinnen und -ärzte das elektronische Rezept in zweieinhalb Wochen verpflichtend können müssen?
Darüber haben wir im „ÄrzteTag“-Podcast mit Reza Mazhari gesprochen, als Fachbereichsleiter IT-Service / eHealth und Digitalisierung in der Versorgung „Mister E-Rezept“ in der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Er berichtet über die Aktivitäten der KV, ihre Mitglieder zu schulen und die Erfolge, die damit erzielt worden sind. Nach seiner Schätzung dürften mittlerweile 90 Prozent der KV-Mitglieder in Niedersachsen E-Rezept-fähig sein, und erste Ärztinnen und Ärzte seien so weit, dass sie 70 bis 80 Prozent ihres täglichen Rezeptaufkommens über die elektronische Variante abwickeln.
Mazhari berichtet aber auch über Probleme: Beispielsweise sei die Einlöse-Variante über das Stecken der elektronischen Gesundheitskarte sehr „ausfallanfällig“. Das wiederum bringe Probleme bei der Akzeptanz der elektronischen Verordnung, weil Patientinnen und Patienten im Fall der Fälle gezwungen seien, nochmals in die Praxis zu gehen, um sich den Papier-Beleg abzuholen, falls sie nicht über die E-Rezept-App der gematik verfügen. Das sei bei Muster 16 nicht so häufig erforderlich.
Probleme gebe es auch immer noch in einigen Praxisverwaltungssystemen, weil die digitale Signatur nach wie vor zu viel Zeit in Anspruch nimmt, auch wenn Mazhari durchaus Fortschritte bei vielen Systemen sieht. Das E-Rezept sei dennoch „die allererste Anwendung, die Sinn ergibt und die Praxisabläufe beeinflussen wird“.
Mazhari ruft die Ärztinnen und Ärzte, die sich über Wartezeiten – „die Sanduhr bei TI-Anwendungen“ – ärgern, dazu auf „fair zu bleiben“ und einmal den gewohnten analogen Ablauf mit der Stoppuhr zu begleiten und dann zu vergleichen. Immerhin werde mit der E-Rezept auch Papier gespart.
Im Podcast spricht Mazhari außerdem darüber, welche Komponenten Ärzte fürs E-Rezept benötigen, über die Vorteile, die das E-Rezept bringen könnte, wenn es im Praxisalltag integriert ist, und über Qualitätsprobleme in den Praxisprogrammen.
Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Mit einer eigenen Initiative versucht die KV im ländlich geprägten Rheinland-Pfalz die Gemeinden und kleinen Städte mit ins Boot zu holen, um jüngeren Ärztinnen und Ärzten die Niederlassung schmackhaft zu machen. Dabei geht es nicht nur um eine finanzielle Förderung, sondern auch um das Umfeld.
Ob in Demonstrationen, über Schmierereien auf Häusern oder über Anfeindungen von Jüdinnen und Juden auf der Straße: So viel offenen Antisemitismus gab es nie in Deutschland seit dem Ende der Diktatur der Nationalsozialisten und seit dem Ende des Holocausts wie seit dem Terroranschlag der Hamas und dem Beginn des Krieges im Gazastreifen. „Enttäuscht und alarmiert“ sei er von dieser Entwicklung, äußert sich der Arzt und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Dr. Josef Schuster im „ÄrzteTag“-Podcast.
Der lange Zeit als Internist in Würzburg niedergelassene Mediziner macht sich vor allem Sorgen über das „Hufeisen-Syndrom“ – dass nun auch vom linken politischen Lager offen antisemitische Töne kommen: „Das gemeinsame Feindbild verbindet jetzt Rechte, Linke und Menschen mit Migrationshintergrund“, beschreibt Schuster die Entwicklung.
Persönlich habe er antisemitische Äußerungen in der Praxis nie erlebt. Er sei als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Würzburg aber auch hinreichend bekannt gewesen. „Wer zu mir in die Praxis kam, wusste in der Regel, dass ich Jude bin. Wer nicht zu einem jüdischen Arzt gehen wollte, der konnte unter vielen anderen internistischen Praxen wählen.“ In Notdienst-Einsätzen werde er zwar gelegentlich erkannt, aber „eine negative Reaktion habe ich nie erfahren“, erzählt er weiter. Seinen jüdischen Kolleginnen und Kollegen gehe dies nach seinen Informationen ähnlich, das Thema spiele dort in der Regel keine Rolle.
In Krankenhäusern, besonders an Universitäten und in den großen Städten sei dies teilweise anders, weil es dort Aktivitäten von der linken politischen Seite gebe. Die Klinikleitungen reagierten allerdings meist schnell auf diese Vorfälle.
Wenn das Geld knapp ist, muss die Politik die Kraft aufbringen, klare Prioritäten zu setzen, was geht und was nicht mehr geht. Darauf verweist der FDP-Gesundheitspolitiker und Bundestagsabgeordnete Lars F. Lindemann im „ÄrzteTag“-Podcast. In Zeiten, in denen der Staat so viele Steuern einnehme wie noch nie, müsse es möglich sein, sich bei den Ausgaben zu disziplinieren, postuliert der FDP-Politiker.
Der Bund werde nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Nachtragshaushalt 2021 auf jeden Fall darauf achten, dass die „Zuschüsse in den Gesundheitsfonds nicht weiter steigen“, zeigte sich Lindemann überzeugt. Hinterfragen müsse man auch das „Dogma“ von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), „dass es keinerlei Leistungskürzungen geben darf“. Das könne man so nicht aufrechterhalten, so lange der Staat nicht bereit sei, für versicherungsfremde Leistungen kostentragende Beiträge zu bezahlen.
In der vergangenen Woche schlugen die Wellen hoch, als bekannt wurde, dass zwölf von 17 STIKO-Mitgliedern für die kommende Amtsperiode nicht wieder berufen werden sollen, so der Wille des Bundesgesundheitsministeriums. Demnach solle in Zukunft ein Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) nur noch über maximal drei Amtsperioden dieses Ehrenamt ausüben, also maximal neun Jahre, hieß es. Dies sei den Mitgliedern vor der letzten Sitzung des Gremiums im November mitgeteilt worden, berichtet STIKO-Mitglied Dr. Martin Terhardt im „ÄrzteTag“-Podcast.
Der Pädiater ist selbst seit 2011 Mitglied der STIKO und wird damit voraussichtlich ebenfalls ausscheiden. Vor zwölf Jahren habe die STIKO unter anderem nach der Entscheidung für die HPV-Impfung wegen großer Industrienähe in der Kritik gestanden, erinnert Terhardt. Die Kommission habe dann ihre Methoden auf leichter nachvollziehbare und stärker evidenzbasierte Kriterien umgestellt.
Im Podcast beschreibt er, wie die STIKO seitdem in Zusammenarbeit mit der „chronisch unterbesetzten“ Geschäftsstelle bei anstehenden Entscheidungen vorgeht und wie sich dieses durchaus zeitraubende Verfahren in der Pandemie beschleunigt habe. „Die Art und Weise, wie in Deutschland Impfempfehlungen entstehen, ist international jetzt anerkannt“, hebt Terhardt hervor.
Da in den vergangenen Jahren aufgrund der Pandemie viele Themen „liegengeblieben“ seien – zum Beispiel die Influenza-Impfung für gesunde Kinder, Meningokokken B, Meningokokken ACWY, der „sehr diffizile Komplex“ RSV, Pneumokokken, Pertussis-Wiederholungsimpfungen für Erwachsene – sorgen sich die ausscheidenden STIKO-Mitglieder, dass Sand ins Getriebe der STIKO-Arbeit kommen könnte, da die neuen Mitglieder sich zunächst in die Methoden einarbeiten müssten. Aber Angebote, im Übergang für einen Teil der ausscheidenden Mitglieder nochmals ein oder zwei Jahre zu verlängern, seien vom Ministerium bisher nicht angenommen worden, so Terhardt. Die neue STIKO müsse zunächst die Prioritätenliste aktualisieren, die Mitglieder müssten in der Methodik ausgebildet werden, daher erwartet er „eine Unterbrechung in der Geschwindigkeit“ der Arbeit der Kommission.
Auch die Zusammensetzung der STIKO könnte sich in Zukunft ändern, fürchtet Terhardt. Genug Fachleute für die neue STIKO gebe es, allerdings sei das Verfahren der Berufung „intransparent“. Er hebt die Bedeutung der Praktiker in der Kommission hervor – er vertritt beispielsweise die in der ambulanten Versorgung impfenden Pädiater. Diese sei in Zukunft „fast überhaupt nicht mehr vorgesehen“. Zukünftig sollten auch Kommunikationswissenschaften in der Kommission Berücksichtigung finden. Die Kommissionsmitglieder versuchten noch, Ratschläge zu geben, „aber ich weiß nicht, wie viel davon ankommt“.
Zu wenige Leistungen, unklare Perspektiven für die weitere Ambulantisierung, Krankenhäuser bevorzugt, inkludierte Sachkosten bei den Hybrid-DRG: Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) hat mit harter Kritik auf den lange erwarteten Entwurf der Verordnung zu einer speziellen sektorengleichen Vergütung (Hybrid-DRG) reagiert.
Die Fachgruppen seien unterschiedlich von den bisher aufgenommenen Leistungen betroffen, führt Schneider weiter aus. Er erneuert die Kritik daran, dass Sachkosten in die Hybrid-DRG inkludiert werden, dies sei besonders im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie relevant. Wenn die Sachkosten so hoch seien, dass eine Leistung mit Hybrid-DRG nicht wirtschaftlich erbracht werden könne, dann werde die Ambulantisierung nicht vorankommen. Der Berufsverband der Deutschen Urologen dagegen hatte sich jüngst positiv dazu geäußert, wie die Ureteroenoskopien nun vergütet werden. Hier hatte es zuvor viel Kritik an der Honorierung der Leistung im EBM über den AOP-Katalog gegeben.
Im Podcast, beschreibt der SpiFa-Vertreter die Hürden, wenn die Ambulantisierung im kommenden Jahr von der Selbstverwaltung weiter getrieben werden soll, und er fasst die Positionen des Spitzenverbands zu einer echten sektorverbindenden Versorgung zusammen.
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