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Entscheidungsunterstützungssysteme, Digitale Gesundheitsanwendungen, neue Anforderungen in der sektorübergreifenden Kommunikation: Wie können Praxen der Allgemeinmedizin sinnvoll in die digitale Transformation des Gesundheitswesens einbezogen werden? Dazu forscht – unter anderem – Dr. Angelina Müller vom Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Müller, die am Lehrstuhl von Professor Ferdinand Gerlach angesiedelt ist, wie Forschung an Universitäten dazu beitragen kann, die digitale Transformation voranbringen kann – bei allen Zeitverzögerungen durch Aufsetzen von Projekten, Akquise von Teilnehmern an Studien etc., während gleichzeitig die Entwicklung rasant voranschreitet.
Es gehe vor allem darum, die Forschungsschwerpunkte so zu setzen, dass am Ende im Prozess der Transformation alle mitgenommen werden, Ärztinnen und Ärzte, MFA, Studentinnen und Studenten und letztlich auch die Patientinnen und Patienten.
Hausärzte könnten auch bei der Entwicklung digitaler Tools mitwirken, glaubt Müller. Dabei gehe es nicht um die Programmierung, sondern darum, wie die Kommunikation der Akteure untereinander strukturiert wird, also um den Rahmen. Wenn in einer solchen App tatsächlich die Bedürfnisse der Praxen getroffen werden, dann falle es auch nicht schwer, Teilnehmer für Studien zu finden. Zum Beispiel die Erreichbarkeit einer Praxis zu verbessern.
Im Gespräch nimmt Angelina Müller auch Stellung dazu, welche Fortschritte durch diese Projekte tatsächlich erzielt werden, zum Beispiel überhaupt erst einmal eine Zusammenarbeit zu etablieren und dafür passende Kommunikationsstrukturen für einen Austausch aufzubauen.
Die Aufnahme des Podcasts ist bereits vor einigen Tagen erfolgt. Seitdem hat die Universitätsklinik Frankfurt nach dem Cyber-Angriff, der auch kurz Thema im Podcast ist, einige Notmaßnahmen ergriffen, um die Erreichbarkeit der Institute und Stationen wieder einigermaßen zu ermöglichen. Nach wie vor aber ist die reguläre Website des Uniklinikums nicht online und kämpft das Krankenhaus mit den Folgen des Cyber-Angriffs.
Wir haben in Deutschland mindestens zwei Millionen Krankenhausfälle, die genauso gut ambulant versorgt werden könnten, Deutschland hinkt bei der Ambulantisierung von Leistungen hinterher, und es ist höchste Zeit, dass sich etwas ändert: Dr. Wulf-Dietrich Leber, Abteilungsleiter Krankenhaus beim GKV-Spitzenverband, redet gleich zu Beginn des „ÄrzteTag“-Podcasts Klartext.
Die Krankenkassen wollen, dass mehr Leistungen, bei denen das möglich wäre, ambulantisiert werden. Bei den Zielen sind sie sich damit einig mit den niedergelassenen Ärzten und dem Bundesgesundheitsministerium (BMG), das den Referentenentwurf für die Verordnung zur sektorengleichen Vergütung (Hybrid-DRG-V) vorgelegt hat. Der Weg zu dem Ziel ist allerdings umstritten.
Er regt an, statt der Leistungen nach Paragraf 115f, für die das BMG mit dem Referentenentwurf einen Startkatalog vorgelegt hat, die ambulanten Operationen nach Paragraf 115b stärker ins Auge zu fassen. Dieser hatte bereits vor mehr als 20 Jahren Krankenhäusern die Möglichkeit gegeben, bestimmte Leistungen auch ambulant zu erbringen. Entscheidend sei zu differenzieren, bei welchen Leistungen „ein Bett“ benötigt wird und bei welchen nicht.
Im Podcast geht der Kassenvertreter auf die Probleme bei der Kalkulation der neuen Hybrid-DRG ein und beschreibt die Grenzen des Referentenentwurfs zur sektorengleichen Vergütung: Er sei zu spät und in zu vielen Teilen gehe er über „Überschriften“ kaum hinaus. Kritik übt Leber auch an der Möglichkeit, bei Leistungen nach Paragraf 115f alternativ zur Hybrid-DRG nach EBM abzurechnen. Das sei für ihn fast wie eine Meistbegünstigungsklausel: Die Fallpauschale sei höher bewertet als der EBM, aber wenn man mit den Sachkosten nicht so gut hinkomme, dann könne auch der EBM genutzt werden.
Leber geht im Podcast auch darauf ein, ob die über den Verordnungsentwurf festgelegt Höhe der Vergütung adäquat ist, beschreibt das Procedere, wie in Zukunft weitere Leistungen inkludiert werden sollen und warum das nicht ganz so schnell gehen kann, wie es sich manche vielleicht erhoffen.
Auch spricht er über die Erwartungen der niedergelassenen Ärzte an die Ambulantisierung und wägt sie ab mit den Chancen der Krankenhäuser, stärker in den ambulanten Bereich vorzustoßen.
„Wenn Du impfen darfst, dann will ich das Dispensierrecht!“ – die politischen Diskussionen über Kompetenzen und Aufgabenbereiche zwischen Ärzteverbänden auf der einen und Apothekerverbänden auf der anderen Seite sind oft heftig und fast reflexhaft. Dabei ergänzen sich die Fähigkeiten beider Berufsgruppen eigentlich sehr gut. Vor Ort läuft die Zusammenarbeit auch überwiegend gut, berichtet Dr. Andreas Rahn, als Hausarztinternist in Bad Laer bei Osnabrück niedergelassen, im „ÄrzteTag“-Podcast.
Eine „Medizin des Gesunden“ propagieren Präventionsmediziner zunehmend, nicht nur auf Kongressen. Mit mehr Prävention und Früherkennungsuntersuchungen wollen sie erreichen, dass die Krankheitslast durch chronische Erkrankungen in einer alternden Gesellschaft abgemildert wird. Professor Uwe Nixdorf, Inhaber und Geschäftsführer des European Prevention Centers mit Standorten unter anderem in Düsseldorf, ist ein exponierter Vertreter der Präventionsmedizin.
Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert der Kardiologe, der sich auch für die Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten in der Check-up-Medizin einsetzt, die „gigantischen Möglichkeiten“ der modernen Medizin, Krankheiten früher zu erkennen. Gerade in der Kardiologie gelte es, nicht erst den Arzt oder die Ärztin aufzusuchen, „wenn der Schuh drückt“.
Die Möglichkeiten der Kassenmedizin in der Prävention seien in Deutschland zwar teilweise besser als in anderen Ländern, beispielsweise über die Gesundheitsuntersuchung, die alle drei Jahre bei über 35-Jährigen möglich ist, oder auch bei den U-Untersuchungen von Kindern. Um Risiken genauer abschätzen zu können, seien die Grenzen bei Kassenleistungen aber eng gesetzt, so Nixdorff.
Im Podcast erläutert der Kardiologe die Grenzen älterer Methoden wie des Belastungs-EKG für die Früherkennung von Herzerkrankungen und die alternativen bildgebenden Methoden. Entscheidend sei es, die Risiken der Patienten zu erheben, das sei etwa bei Cholesterin, Taillenumfang oder Gewicht überhaupt nicht aufwändig. Über die Arbeit mit Risiko-Scores wie Procam oder European Heart Score ließen sich dann die Patienten herausfiltern, für die eine weitergehende Diagnostik etwas bringen könnte. Auch wie er dabei vorgeht und warum Patientinnen und Patienten keine Angst vor Überdiagnostik haben müssen, erläutert Nixdorff im Podcast.
Immobilität gilt gemeinhin als transienter Risikofaktor für venöse Thromboembolien (VTE). So einfach ist es aber nicht: Denn wenn Braunbären Winterschlaf halten und dadurch deutlich immobilisiert sind, haben sie ein deutlich erniedrigtes VTE-Risiko. Dasselbe betrifft auf Menschen zu, etwa nach einer Lähmung durch eine Rückenmarksverletzung. Das hat ein Münchner Forscherteam mit internationaler Beteiligung – unter den Probanden schwedische Braunbären – herausgefunden und am 13. April dieses Jahres publiziert (Science 2023; 380 [6641]: 178–187).
Für ihre Forschung haben der Arbeitsgruppenleiter Privatdozent Dr. Tobias Petzold und zwei der drei Erstautoren, die Dres. Manuela Thienel und Johannes Müller-Reif, am 19. Oktober den Galenus-von-Pergamon-Preis in der Kategorie Grundlagenforschung erhalten. Wie sie dem auf die Schliche gekommen sind und was hinter dem Hitzeschutzprotein 47 (HSP47) steckt, erzählen sie im „ÄrzteTag“-Podcast.
Trotz aller professionellen Strukturen, Hunderttausenden von Gesundheitsberufen und einer flächendeckenden Versorgung: Auch in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, fallen Menschen durchs Raster – und sie finden bei gesundheitlichen Problemen keinen Zugang zur Versorgung. Helfen mehr Geld, mehr Einrichtungen, noch mehr Professionalisierung oder sogar Gesundheitskioske, wie sie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) plant?
Nein, das würde es nicht, darin sind sich Mitglieder der Jury des Springer Medizin Charity Awards einig. Im Gegenteil: Mehr Professionalisierung, gar Bürokratie würden den Keim für gutes Ehrenamt ersticken.
Der Charity Award wurde am Donnerstag, 19. Oktober zum mittlerweile 15. Mal an Ehrenamt in der Gesundheitsversorgung verliehen. Dotiert sind die drei Preise mit insgesamt 60.000 Euro Barpreisen und weiteren Medienleistungen durch den Springer Medizin Verlag.
Am Rande der festlichen Preisverleihung haben wir mit Jury-Mitgliedern über Ehrenamt in der Medizin gesprochen, darunter Jury-Präsidentin und Diabetologin Professorin Monika Kellerer, Gesundheitsökonom Professor Frank-Ulrich Fricke, den Ehrenvorsitzenden der KV Hessen Dr. Jürgen Bausch, die BMG-Staatssekretärin a.D. Gudrun Schaich-Walch und die Demenz-Aktivistin Sophie Rosentreter.
Eine Studie zu Auswirkungen von Hitze auf Pflegeheimbewohnerinnen und eine Studie zur Wirkung von COVID-Impfungen auf alte Menschen: In der Praxis von Dr. Irmgard Landgraf wird Versorgungsforschung groß geschrieben. Die hausärztlich arbeitende Internistin betreut viele Pflegeheimbewohner. „Ich wollte, als die COVID-Impfstoffe kamen, persönlich wissen, wie die alten Patientinnen und Patienten profitieren und wie oft sie geimpft werden müssen“, erzählt Landgraf im „ÄrzteTag“-Podcast.
„Die Hausarztpraxis als Ort für Lehre, Forschung und Weiterbildung – Vision oder Wirklichkeit?“ Das Motto des am Samstag in Berlin zu Ende gegangenen DEGAM-Kongresses 2023 lag voll im Trend. Mehr Forschungsdaten aus Hausärztinnen- und Hausarztpraxen, mehr Weiterbildungsstellen für dringend benötigten Nachwuchs: Beides sei dringende Notwendigkeit, sagt Dr. Sabine Gehrke-Beck vom Institut für Allgemeinmedizin an der Charité im „ÄrzteTag“-Podcast.
Gehrke-Beck, die zu dem Team um Professor Christoph Heintze gehörte, das den Kongress zusammengestellt hat, glaubt nicht, dass werdende Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner in der Fortbildung von anderen Fachgruppen benachteiligt würden, wie das in Veranstaltung beim DEGAM-Kongress vereinzelt anklang – etwa in der Inneren Medizin. Sie selbst habe das nicht erlebt und habe den Eindruck, dass es auch mehr und mehr Studentinnen und Studenten gebe, die sich dazu bekennen, wenn sie in diese Fachrichtung gehen wollen. Die Wertschätzung des Faches sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Im Podcast gibt Gehrke-Beck auch Einblicke in das Netzwerk der Lehrstühle, um die weiterbildenden Praxen zu unterstützen. Die Nachfrage nach Kursen für weiterbildende Ärztinnen und Ärzte sei mittlerweile sehr groß. Mehr und mehr hausärztliche Praxen meldeten sich mittlerweile, um sich in der Weiterbildung zu engagieren. Deshalb sei sie auch optimistisch für die Zukunft der Allgemeinmedizin. (Dauer: 8:44 Minuten)
Noch gibt es keinen Kabinettsentwurf für das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG). Aber einer der Hauptpunkte im Gesetz, die Einrichtung von Primärversorgungszentren (PVZ), wird schon eifrig diskutiert in der AG Soziale Gesundheit der DEGAM. In diesen Zentren ist vorgesehen, dass Ärztinnen und Ärzte mit anderen Gesundheitsberufen unter einem Dach zusammenarbeiten, zum Beispiel mit Sozialarbeitern, Psychologen, Physiotherapeuten oder Ernährungsberatern.
Die Teampraxis als Modell für die Zukunft ist eines der Schwerpunktthemen beim diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). MFA, VERAH, Ärztinnen und Ärzte sollen auf Augenhöhe zusammen arbeiten, so die Wunschvorstellung einiger Referentinnen und Referenten in Berlin.
Im „ÄrzteTag“-Podcast haben wir neun Kolleginnen und Kollegen zur Zukunft der Hausarztpraxis befragt: Können Sie sich vorstellen, dass Sie in Ihrer Praxis künftig mit anderen Gesundheitsberufen auf Augenhöhe arbeiten – und nicht mehr der klassische Chef oder die klassische Chefin sind? (Dauer: 12:30 Minuten)
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