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Anfang Februar hat der Bundesrat das Digitalgesetz und das Gesundheitsdatennutzungsgesetz ohne Änderungen beschlossen, nun fehlen nur noch die Unterschrift des Bundespräsidenten und die Veröffentlichung im Bundesanzeiger, dann treten die neuen Regelungen in Kraft. Umsetzung der elektronischen Patientenakte (ePA), Videosprechstunde, Interoperabilität, Digitale Gesundheitsanwendungen, Digitalisierung des DMP Diabetes Mellitus: Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Dr. Kristina Spöhrer, Sprecherin der AG Digitales des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands (DHÄV), an welchen Stellen sich Änderungen ergeben und wie sich Praxen darauf vorbereiten können.
So sieht Spöhrer, die auch Mitglied des DHÄV-Vorstandes ist, bei der ePA noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Wenn sie einen Patienten oder eine Patientin, die bereits eine ePA hat, einbestelle, dann immer ans Ende der Sprechstunde, beschreibt die Fachärztin für Allgemeinmedizin ihren Umgang mit der ePA. Der Grund: Der Umgang mit den ePA-Daten dauere seine Zeit. Wenn dieser nächste Schritt der Digitalisierung ein Erfolg werden solle, dann müssten gematik und Hersteller von Praxisverwaltungssystemen noch „gründlich arbeiten“, so Spöhrer. Grundsätzlich begrüße der DHÄV die ePA, aber „wir brauchen für den Alltag ePA-Ladezeiten unter drei Sekunden“.
Beim E-Rezept hätten sie in ihrer Praxis das Glück gehabt, dass kurz vor dem Jahreswechsel ein Update des PVS die Geschwindigkeit bei der digitalen Signatur nochmals deutlich verbessert habe. Nun sei sie „ziemlich angetan“ von der Lösung – es gebe allerdings immer noch Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen, dass der Umgang mit dem E-Rezept keineswegs „holperfrei“ laufe, so Spöhrer. Der große Aufwand in allen Praxen sei allerdings jetzt, dass die Patientinnen und Patienten über den neuen Ablauf aufgeklärt werden müssten, das sei in der aktuellen Infektwelle eine große Herausforderung.
Insgesamt seien die Gesetze durchaus ein Schritt in die richtige Richtung, allein weil die Digitalisierung „Teil unseres Lebens“ werde. Digitalisierung allein, etwa die Einrichtung von Videosprechstunden, reiche allerdings nicht, sie brauche immer die Einbettung in ein gutes Versorgungskonzept, zum Beispiel bei Bedarf die Möglichkeit der Weiterbehandlung vor Ort in der Praxis. An dieser Stelle sei der Bewertungsausschuss bei der Ausgestaltung der Regelungen noch gefragt, so Spöhrer.
55 zugelassene Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), 370.000 Freischaltungen für Kassenpatienten, hohe Verordnungszahlen vor allem in den großen Indikationen wie Diabetes, aber auch dort, wo Versorgungslücken bestehen, etwa bei Endometriose. Im „ÄrzteTag“-Podcast beschreibt Dr. Anne Sophie Geier, Geschäftsführerin des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung (SVDGV), wie die DiGA „peu à peu“ in der Versorgung angekommen sind, seit sie über das Digitale Versorgung Gesetz noch unter Gesundheitsminister Jens Spahn eingeführt wurden.
Die meisten DiGA, so Geier, überspringen diese Hürde, nur wenige Anbieter würden mit ihrer Anwendung nach der Erprobungsphase nicht dauerhaft zugelassen. Das Erprobungsjahr, so Geier, sei ein entscheidender Erfolgsfaktor für die DiGA, betont Geier im Podcast. Bei der „kleinen Schwester“ der DiGA, den Digitalen Pflegeanwendungen, gebe es kein solches Erprobungsjahr. Die Folge: Bisher sei noch keine einzige Anwendung zugelassen.
Das gab es seit Menschengedenken nicht in Deutschland: Der Verband medizinischer Fachberufe (vmf) will am Donnerstag (8. Februar) für höhere Löhne parallel zu den in Berlin laufenden Verhandlungen einen Warnstreik veranstalten. Zu Wochenbeginn begründete vmf-Präsidentin Hannelore König den Warnstreik vor allem mit dem drohenden Lohnabstand von Medizinischen Fachangestellten in den ersten Berufsjahren zu Hilfsberufen in der Pflege, die zuletzt auf 16,50 Euro aufgestockt wurden.
Erik Bodendieck, Vorsitzender der AAA, der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten, hält im „ÄrzteTag“-Podcast kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde dagegen: Auch die AAA, die die Arbeitgeberseite bei den Tarifverhandlungen vertritt, sorgt sich nach seinen Worten um den gerade entstehenden Lohnabstand bei den Einstiegsgehältern für MFA und wolle gegensteuern. Bodendieck sieht aber aufgrund der Honorarsteigerung beim Orientierungswert um 3,85 Prozent für dieses Jahr, keinen Spielraum für eine lineare Erhöhung über alle Tarifstufen.
Im Gespräch erläutert der AAA-Vorsitzende, warum er sich entschieden gegen den Begriff „knauserig“ als Eigenschaft ärztlicher Arbeitgeber verwahrt, und er fordert klare Regelungen, wie Tariferhöhungen bei MFA in höhere Honorare umgesetzt werden können. Nicht zuletzt nennt er Gründe, warum in manchen Regionen Deutschlands fast durchgängig über Tarif gezahlt werde – und warum er trotz der aktuellen Auseinandersetzung jungen Menschen weiterhin empfehlen würde, den Beruf der MFA anzustreben.
In der Regel laufen die Tarifverhandlungen zwischen dem Verband medizinischer Fachberufe (vmf) und der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten relativ geräuschlos ab. In diesem Jahr ist das anders: Der vmf hat für Donnerstag (8. Februar) einen Warnstreik angekündigt, zugleich sind trotz Karnevals parallel zu den Verhandlungen Kundgebungen in fünf deutschen Städten geplant.
Hannelore König, Präsidentin des vmf, schlägt im „ÄrzteTag“-Podcast Alarm. Sie warnt vor einer Abwanderungswelle aus dem Beruf, gefolgt von einem noch weiter verschärften Personalmangel, wenn die Stundenlöhne der MFA nicht deutlich angehoben werden. Eine Erhöhung parallel zu den 3,85 Prozent Aufschlag auf den Orientierungswert, der seit Jahresbeginn gilt, sei definitiv nicht genug, erläutert König. Nach dreijähriger Lehrzeit, bekomme eine MFA im 1. Berufsjahr nach Tarif einen Stundenlohn von 13,22 Euro – und damit nur unwesentlich mehr als der Mindestlohn von 12,41 Euro, der eigentlich für ungelernte Tätigkeiten gelte.
Im Gespräch führt König weiter aus, dass in „Nachbar“-Berufen wie in der Pflege, im Krankenhaus oder für Angestellte bei Krankenkassen deutlich höhere Gehälter von mehr als 16 Euro zum Einstieg bezahlt würden. Die Folge: 39 Prozent der MFA denken nach einer Umfrage darüber nach, dem Beruf den Rücken zu kehren, und auch als Ausbildungsberuf habe die MFA deutlich an Anziehung eingebüßt und sei erst kürzlich vom Top-1-Platz verdrängt worden. „Bei 15 Euro Stundenlohn im ersten Berufsjahr können wir deshalb auch definitiv nicht zustimmen“, so die vmf-Präsidentin.
Wer starke Angst vor Spritzen hat – oft verbunden mit einer Phobie gegen Blut oder Verletzungen – vermeidet Arztbesuche. Das wirkt sich auf die Gesundheitsvorsorge aus: Betroffene lassen sich nicht untersuchen und verpassen etwa Impfungen.
Gegen die Spritzen-, Blut- und Verletzungsphobie bietet das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München eine Kurzzeittherapie an, die einem Großteil der Betroffenen hilft. Teil der Therapie sind etwa auch Blutabnahmen oder, wenn gewünscht, eine Impfung, erklärt Professorin Angelika Erhardt, Oberärztin in der Ambulanz für Angsterkrankungen des Instituts. Gerade junge Menschen suchten das Angebot auf, die sich häufig zuletzt als Kind haben impfen lassen.
Und im Kindesalter liegt häufig die Wurzel für eine Spritzen-, Blut- und Verletzungsphobie: Denn wenn die Erinnerung an die ersten Arztbesuche mit Impfungen oder Blutabnahmen bleibt: „Ich wurde gezwungen, das war schrecklich, es hat wehgetan“, dann kann sich im weiteren Verlauf daraus eine Phobie entwickeln, erläutert Erhardt. Allerdings sei es in der Regel nicht eine schlechte Erfahrung allein. Was außer dem noch eine Rolle spielt und wie Kolleginnen und Kollegen Betroffenen entgegen kommen können, berichtet die Oberärztin in dieser Episode des „ÄrzteTag“-Podcasts. (Dauer: 17:21 Minuten)
Bis vor einem Jahr gab es für Ärztinnen und Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, keine nationalen Empfehlungen. Dies hat sich mit Publikation der S2k-Leitlinie „Schwangerschaftsabbruch im 1. Trimenon“ am 26. Januar 2023 geändert. Die Empfehlungen entstanden unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Doch auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) war an der Erstellung beteiligt. Vertreten wurde die DEGAM von Kristina Hänel, Allgemeinmedizinerin aus Gießen.
Im „ÄrzteTag“-Podcast spricht Hänel über die bisherigen „Erfolge im Kleinen“ seit Veröffentlichung der Leitlinie. Außerdem erzählt sie, woran es bei der Versorgung ungewollt Schwangerer bisher noch hakt.
Das Gesundheitswesen steht vor umfangreichen Reformen – wenn sie denn gelingen: Die Klinikreform stockt; zur verstärkten Förderung der Allgemeinmedizin gibt es nach dem Krisengipfel aktuelle Absichtserklärungen von Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach. In Aussicht stehen unter anderem eine deutschlandweite Entbudgetierung der Leistungen des hausärztlichen EBM-Kapitels und ein Ausstieg aus der Quartalslogik bei der Versorgung chronisch kranker Patientinnen und Patienten.
Damit rückt die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) verstärkt in den Blick der Politik, denn die nun angekündigten Reformen, die über die anstehenden Versorgungsgesetze umgesetzt werden sollen, finden sich auch in vielen Verträgen zur HZV. Hier stand im vergangenen Jahr die HZV in Baden-Württemberg zum 15-jährigen Bestehen im Mittelpunkt des Interesses – auch durch neu vorgelegte Evaluationsergebnisse.
Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutern die beiden Versorgungsforscher und Allgemeinmediziner Professor Joachim Szecsenyi vom Universitätsklinikum Heidelberg und Professor Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität in Frankfurt und ehemaliger Vorsitzender des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen, die Ergebnisse ihrer umfangreichen Studien zur HZV in Baden-Württemberg, die sich durch die Besonderheit vieler angedockter Facharztverträge auszeichnet.
Im Gespräch beschreiben Szecsenyi und Gerlach die Vorteile der engen Verzahnung der fachärztlichen mit der hausärztlichen Versorgung und ihre Auswirkungen für die Patientinnen und Patienten. Sie erläutern zudem die Ergebnisse der Evaluation der HZV im Vergleich zur Regelversorgung, wie sich die HZV langfristig auswirkt und ob die Untersuchungen allen Evidenzkriterien medizinischer Studien genügen.
Nicht zuletzt geht es im Podcast darum, die Erfolgsfaktoren einer guten primärärztlichen Versorgung herauszuarbeiten – und um die Chancen einer primärärztlichen Versorgung in der Gesundheitspolitik.
Die Entbudgetierung der kinder- und jugendärztlichen Leistungen ab April 2023 war die vielleicht wichtigste gesundheitspolitische Errungenschaft der Pädiater im vergangenen Jahr. Aber sie ist allein keine hinreichende Bedingung dafür, dass die ambulante pädiatrische Versorgung gesichert bleibt. Die Entbudgetierung habe den Kolleginnen und Kollegen schon etwas gebracht, vor allem in den Stadtstaaten, wo die Budgetierung besonders stark griff.
„Das Versorgungsgefährdungs-Puzzle in der Pädiatrie besteht trotzdem weiter“, beschreibt der seit Dezember 2023 amtierende Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen Dr. Michael Hubmann die aktuelle Situation für seine Fachgruppe im „ÄrzteTag“-Podcast. „Uns fehlt die Luft zum Atmen, wir verbrauchen zu viel Energie, um zu erfahren, wo es ein freies Bett auf einer Kinderstation gibt, in die wir ein akut schwer erkranktes Kind schicken können. Und wir verbrauchen zu viel Energie, um zu erfragen, welche Medikamente in der Apotheke noch vorrätig sind.“
Zu den Puzzleteilen, die eine gute ambulante Versorgung gefährden, gehörten außerdem die überbordende Bürokratie und die Misstrauenskultur, die Ärztinnen und Ärzten überall entgegenschlage. „Wieso muss ein Arzt, der einer 50-jährigen Mukoviszidose-Patientin Sauerstoff verordnet, dies vor der Krankenkasse rechtfertigen. Das macht doch keinen Sinn, es läuft doch niemand freiwillig mit einer schweren Sauerstoff-Flasche herum!“, ärgert sich Hubmann. Oder die Hilfsmittelverordnung für ein schwerbehindertes Kind, die zuerst vom MDK abgelehnt wird, weil eine Einwilligungserklärung fehlt: Hubmann: „Das nimmt einem doch den Spaß an der Arbeit.“
Positiv beschreibt der BVKJ-Chef die Arbeit in der Arzneimittel-Task-force in Bayern, zusammen mit Pharma-Industrie, Großhandel und Apotheken, die jetzt auch bundesweit aufgegriffen worden sei. Man könne nicht erwarten, dass die Lieferprobleme, die über viele Jahre hinweg entstanden sind, mit einem Federstrich beseitigt werden können. Aber die Zusammenarbeit über die Berufsgrenzen hinweg sei sehr konstruktiv.
Im Gespräch fordert der Pädiater eine „enkeltaugliche Gesundheitspolitik“, die verantwortlich mit den Ressourcen umgehe. Wichtig sei es, sich dabei realistische Ziele zu setzen, damit in der immer komplexer werdenden Politik der Überblick nicht verloren geht. Dazu gehörten mehr Medizin-Studienplätze, eine gemeinsame, über die Sektorengrenzen hinausdenkende Weiterbildung, die Kinderheilkunde in Kliniken als Teil der Daseinsvorsorge zu sehen und eine Umgestaltung der Gesundheitsversorgung weg vom Quartalsdenken und von den Budgets, hin zu mehr Steuerung der Patienten.
Nicht zuletzt berichtet Hubmann im Podcast auch, warum er es für so wichtig hält, sich als Pädiater in der Politik einzubringen, warum der Beruf des Pädiaters aus seiner Sicht der Schönste ist, den es gibt, und was zu tun ist, damit es auch in den nächsten zehn Jahren so bleibt.
1,3 Millionen ausgestellte E-Rezepte am ersten Arbeitstag des Jahres: Die Bilanz könnte trotz gemeldeter Störungen gleich zum Jahreswechsel schlechter aussehen, meint Hannes Neumann, Produktmanager der gematik für das E-Rezept. Im „ÄrzteTag“-Podcast räumt Neumann Probleme mit der neuen Pflichtanwendung in den ersten Tagen ein. Die Kommunikation der ersten Störungen sei nicht gut gelaufen, und die technischen Probleme selbst seien ebenfalls unglücklich gleich beim Start.
Die Versorgungssituation in der Dermatologie spitzt sich zu, besonders auf dem Land. Auch deshalb hat sich der Berufsverband der Deutschen Dermatologen als einer von 23 Verbänden an den vom Virchowbund im Rahmen der Aktion „Praxis in Not“ initiierten Praxisschließungen und Protesten zwischen den Jahren beteiligt.
Auch wenn er in Urlaub gehe, sei es bereits schwierig, eine Praxisvertretung zu bekommen, berichtet Dr. Ralph von Kiedrowski, Hautarzt in Selters im Westerwald und Präsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen, im „ÄrzteTag“-Podcast.
Vor der Praxisschließungszeit habe die Praxis rechtzeitig organisiert, dass die chronisch kranken Patienten genügend Dauermedikation vorrätig haben. Außerdem hat er in seiner Praxis mit Plakaten über die Schließung und die Gründe dafür informiert: wenig attraktive Rahmenbedingungen für die Niederlassung, hohe Bürokratielast, holprige Digitalisierung, budgetierte Honorare und Regresse. Insgesamt gehe er davon aus, dass die Praxisschließungen für den einen oder anderen Patienten „unangenehme Folgen“ gehabt haben könnten, weil „das bequeme Aufsuchen einer Praxis zwischen den Jahren“ eben nicht möglich gewesen sei.
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