Der Fall der 14-jährigen Ayleen, die von ihrem Online-Chat-Bekannten ermordet wurde, hat in ganz Deutschland Schlagzeilen gemacht. Jan P., der Ende September 2023 zu einer lebenslänglichen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt wurde, zeigt sich auch nach dem Urteilsspruch völlig empathielos und unbeteiligt. Die Staatsanwaltschaft bescheinigt ihm eine "eklatante Ignoranz gegenüber sämtlichen Regeln des menschlichen Zusammenlebens" und fragt: "Wie kann ein Mensch nur so kalt sein?"
P. und die 14-Jährige Ayleen hatten sich über die Chat-Funktion eines Online-Spiels kennengelernt. Der 30-Jährige forderte Nacktbilder von ihr, mit denen er sie später erpresste und drohte, Ayleen oder ihrer Familie etwas anzutun. Er benutzte Dutzende Flirt-Apps, schrieb allein Ayleen einmal 800 Nachrichten am Tag. Er erniedrigte und manipulierte sie, schaffte es schließlich, dass sie aus Angst, aufzufliegen, zu ihm ins Auto stieg. Das "System Jan P." beschreibt BZ-Redakteur Frank Zimmermann im Podcast (4:00). Zimmermann war mehrfach bei Gerichtsverhandlungen im Fall Ayleen vor Ort und hat den Fall für die BZ eng begleitet. Er benennt eklatante Mängel am Konzept der Führungsaufsicht für rückfallgefährdete Straftäter. Jan P. selbst stand unter Führungsaufsicht, nachdem er zehn Jahre seiner Jugend wegen versuchter Vergewaltigung einer Elfjährigen in einer Psychiatrie untergebracht war. In den fünf Jahren danach begeht er kleinere Delikte, im Januar 2022 läuft die Führungsaufsicht aus. Sechs Monate später ist Ayleen tot.
Wie können solche Taten verhindert werden? Selbst die Anwältin von Ayleens Familie ist sich sicher: "Zur Tötung von Ayleen wäre es trotzdem gekommen", das Konzept der Führungsaufsicht habe Grenzen. Dennoch wirft sie der Justiz schwerwiegende Versäumnisse vor.
Ayleens Mutter, die BZ-Redakteur Frank Zimmermann eindrücklich beschreibt, gibt vor Gericht einen klaren Appell an alle Eltern ab (8:15): Sie müssten genauer hinsehen, was ihre Kinder im Netz tun, mit wem sie chatten, was sie beschäftigt und womit es ihnen nicht gut geht. Dazu erklärt im Podcast auch der Mediencoach und Sozialpädagoge Clemens Beisel, was Eltern wissen müssen. Die ganze Folge "Ein Smartphone für's Kind? Was Eltern wissen müssen" hören Sie hier.
Das Gespräch führt BZ-Redakteurin Lisa Böttinger.
Wir freuen uns, wenn Sie diesen Podcast bewerten, empfehlen oder uns Feedback geben unter [email protected] !
Alle wichtigen News aus Südbaden gibt's hier: www.badische-zeitung.de