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Jana Schlosser war Punk in der DDR und prangerte den SED-Staat an. In unserem Ostpodcast spricht sie über Protest, Anwerbeversuche der Stasi und ihre Zeit im Gefängnis.
Die DDR war ein Staat, in dem es viele Regeln und eine strenge Überwachung gab. Trotzdem existierten Nischen und Subkulturen. Eine von ihnen waren die Punks. Jana Schlosser war eine der wenigen Frauen in dieser Szene. In unserem Podcast "Wie war das im Osten?" erzählt sie, wie sie als Teenager in Halle zum Punk kam – und welchen Widerständen sie sich damit aussetzte. Fremde Leute beschimpften sie, ihre Eltern warfen sie raus. Außerdem rückte sie schnell ins Visier der Staatsmacht.
Aber Schlosser wollte "nicht kuschen", wie sie sagt, sich den Protest und das Anderssein nicht verbieten lassen. Ihr war es wichtig, offen anzusprechen, "was sich sonst keiner getraut hat". Hätte sie allerdings gewusst, was sie erwartet, sagt sie heute im Rückblick: "Weiß ich nicht, ob ich nicht weniger mutig gewesen wäre".
Als Punkerin hatte sie es auch mit ganz praktischen Problemen zu tun: Ihre Haare färbte sie mit Füllertinte. Ihr Outfit bastelte sie aus Gardinen. Die Texte ihrer Band musste sie verstecken. Als Punk in der DDR musste man nicht nur mutig, sondern auch kreativ sein.
Schlosser ging nach Ost-Berlin und lebte dort in besetzten Häusern. Sie gründete die Band "Namenlos". Weil sie es cool fanden, keinen Namen zu haben. Und weil sie es der Stasi schwerer machen wollten. Punkmusik war für sie der beste Weg, um ihre Wut "herausschreien zu können".
Die Lieder, die sie sang, schrieb sie meist selbst. Darin klagte sie schonungslos und offen die Stasi an, den Grenzschutz und andere Missstände der DDR. Die Lieder trugen Titel wie "MfS-Lied", "Nazis in Ost-Berlin" oder "Lied über die Staatsgrenze". Manche avancierten zu Kultsongs im Punkmilieu.
Die Staatsmacht indes hat sich das nicht gefallen lassen. "Diese Elemente sind nicht mehr mit Samthandschuhen anzufassen", hieß es in einem staatlichen Anti-Punker-Erlass von 1983. Die Szene sollte zerschlagen werden. Sie wurde mit zahlreichen Spitzeln unterwandert. Auch Jana Schlosser hat die Stasi versucht anzuwerben, erfolglos.
Stattdessen wurde die komplette Band verhaftet und verurteilt. Ihr Verteidiger war der spätere Ministerpräsident Lothar de Maizière. Es half wenig. Sie landete im berüchtigten Frauen-Gefängnis Hoheneck – mit Schwerverbrecherinnen in einer 16er-Zelle und vielen anderen Schikanen. Dreimal musste sie in den Arrest, einmal für 21 Tage. Noch heute leidet sie daran, "wie ich weggenommen worden bin vom Staat in der kraftvollsten Phase meines Lebens".
Dennoch sagt sie Rückblick auf ihre Punkzeit: "Mit meinen Kumpels war ich total glücklich. Das war eine sehr erfüllte und glückliche Zeit." Trotz der Repressionen sei es "gut gewesen, Stärke zu zeigen".
Mal witzig, mal anrührend spricht Jana Schlosser in unserem Podcast über ihr hartes Leben als Außenseiterin – und über die ungeschriebenen Gesetze in der ostdeutschen Punkerszene. Sie lebt in Berlin und ist in dem Stück Atlas des Kommunismus im Maxim-Gorki-Theater zu sehen.
Und: Sie singt. Hier die Inhaltsübersicht mit Minutenangaben:
Wenn Sie Vorschläge oder Anregungen für den Podcast haben, schreiben Sie uns gern an [email protected].
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By DIE ZEIT5
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Jana Schlosser war Punk in der DDR und prangerte den SED-Staat an. In unserem Ostpodcast spricht sie über Protest, Anwerbeversuche der Stasi und ihre Zeit im Gefängnis.
Die DDR war ein Staat, in dem es viele Regeln und eine strenge Überwachung gab. Trotzdem existierten Nischen und Subkulturen. Eine von ihnen waren die Punks. Jana Schlosser war eine der wenigen Frauen in dieser Szene. In unserem Podcast "Wie war das im Osten?" erzählt sie, wie sie als Teenager in Halle zum Punk kam – und welchen Widerständen sie sich damit aussetzte. Fremde Leute beschimpften sie, ihre Eltern warfen sie raus. Außerdem rückte sie schnell ins Visier der Staatsmacht.
Aber Schlosser wollte "nicht kuschen", wie sie sagt, sich den Protest und das Anderssein nicht verbieten lassen. Ihr war es wichtig, offen anzusprechen, "was sich sonst keiner getraut hat". Hätte sie allerdings gewusst, was sie erwartet, sagt sie heute im Rückblick: "Weiß ich nicht, ob ich nicht weniger mutig gewesen wäre".
Als Punkerin hatte sie es auch mit ganz praktischen Problemen zu tun: Ihre Haare färbte sie mit Füllertinte. Ihr Outfit bastelte sie aus Gardinen. Die Texte ihrer Band musste sie verstecken. Als Punk in der DDR musste man nicht nur mutig, sondern auch kreativ sein.
Schlosser ging nach Ost-Berlin und lebte dort in besetzten Häusern. Sie gründete die Band "Namenlos". Weil sie es cool fanden, keinen Namen zu haben. Und weil sie es der Stasi schwerer machen wollten. Punkmusik war für sie der beste Weg, um ihre Wut "herausschreien zu können".
Die Lieder, die sie sang, schrieb sie meist selbst. Darin klagte sie schonungslos und offen die Stasi an, den Grenzschutz und andere Missstände der DDR. Die Lieder trugen Titel wie "MfS-Lied", "Nazis in Ost-Berlin" oder "Lied über die Staatsgrenze". Manche avancierten zu Kultsongs im Punkmilieu.
Die Staatsmacht indes hat sich das nicht gefallen lassen. "Diese Elemente sind nicht mehr mit Samthandschuhen anzufassen", hieß es in einem staatlichen Anti-Punker-Erlass von 1983. Die Szene sollte zerschlagen werden. Sie wurde mit zahlreichen Spitzeln unterwandert. Auch Jana Schlosser hat die Stasi versucht anzuwerben, erfolglos.
Stattdessen wurde die komplette Band verhaftet und verurteilt. Ihr Verteidiger war der spätere Ministerpräsident Lothar de Maizière. Es half wenig. Sie landete im berüchtigten Frauen-Gefängnis Hoheneck – mit Schwerverbrecherinnen in einer 16er-Zelle und vielen anderen Schikanen. Dreimal musste sie in den Arrest, einmal für 21 Tage. Noch heute leidet sie daran, "wie ich weggenommen worden bin vom Staat in der kraftvollsten Phase meines Lebens".
Dennoch sagt sie Rückblick auf ihre Punkzeit: "Mit meinen Kumpels war ich total glücklich. Das war eine sehr erfüllte und glückliche Zeit." Trotz der Repressionen sei es "gut gewesen, Stärke zu zeigen".
Mal witzig, mal anrührend spricht Jana Schlosser in unserem Podcast über ihr hartes Leben als Außenseiterin – und über die ungeschriebenen Gesetze in der ostdeutschen Punkerszene. Sie lebt in Berlin und ist in dem Stück Atlas des Kommunismus im Maxim-Gorki-Theater zu sehen.
Und: Sie singt. Hier die Inhaltsübersicht mit Minutenangaben:
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