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Das Neue Berlin episodes

  • Alles korrekt – Was ist dran an der linken Kritik politischer Korrektheit?

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    Zur Linken ist man sich nicht ganz einig, welches Unrecht dieser Welt man zuerst abschaffen soll. Ging es lange um Armut, Ungleichheit und Ausbeutung, entdeckte man irgendwann die Diskriminierung, die Exklusion, den Alltagsrassismus und den bösen weißen Geist, der immer noch die Welt beherrscht.

    „Politisch korrekt“ schimpfen manche die Wende. Nicht nur die Konservativen hüsteln „Hypermoral“, auch Sozialdemokraten (Sigmar Gabriel, Mark Lilla) fragen sich nach verlorenen Wahlen, ob man es mit der „Postmoderne“ nicht übertrieben hätte. Harte Gleichheitspolitik brauche es und kein Diversitätsgerede. Beim Philosophen Robert Pfaller hören wir, was falsch sein soll am „Zartsprechen“ in der Politik.

    Aber gibt es tatsächlich einen Widerspruch zwischen der Reflexion kultureller Ausschlüsse und der guten alten sozialen Frage? Haben sie nicht beide ihren Fluchtpunkt in der modernen Idee der Gleichheit? Muss eine progressive Politik nicht Antworten auf beide liefern, weil symbolische Entwertung und ökonomische Ausbeutung ein altes Liebespaar sind? Und wie steht es um die Frage der Strategie – wie lassen sich Mehrheiten gewinnen, wie lässt sich Politik machen und nicht nur Debatte?

    1 hr 46 min
  • Harte Kerle – Prekäre Männlichkeit im 21. Jahrhundert

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    „Wir müssen unsere Männlichkeit zurückgewinnen“, ruft Björn Höcke vor Gleichgesinnten ins Mikrophon. Und er ist nicht der einzige. Allerorts beklagen Autokraten und Nationalisten mal wieder die Feminisierung, die Verweichlichung von Gesellschaft und Kultur. Feministen, Liberale, Linke, Pazifisten – sie alle beraubten den Mann seiner natürlichen Rolle.

    In The crisis in modern masculinity  (deutsch im Lettre International) rekonstruiert Pankaj Mishra eine Geschichte dieser Geschlechtlichkeit, die so gar nichts mit Chromosomen zu tun hat. Männlichkeit zeigt sich dabei ebenso als eine Funktion der Industriegesellschaft wie als ein koloniales Beschreibungsmuster. Zugleich wird sie zur Identitätsstrategie, wenn der Fabrikjob unsicher wird, wenn die Frau mehr Geld verdient, wenn die Tradition sich verflüssigt.

    Unter der brutalen Eindeutigkeit der Geschlechterdichotomie müssen nicht nur Frauen, Homo- und Transsexuelle leiden. Auch die »Männer« haben für ihre Herrschaft einen hohen Preis zu zahlen. In seinem Aufsatz Männerpolitik zeigt Thomas Gesterkamp, dass Geschlechterpolitik eine Angelegenheit für alle sein muss. So wird dann die Krise der Männlichkeit zu einer Chance: Was fällt, das soll man auch noch stoßen!

    1 hr 54 min
  • Politische Schönheit – Über das Verhältnis von Kunst und Politik

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    Nichts ist harmlos an der Schönheit, wenn sie uns überwältigt, wenn sie die Welt eindeutig macht, wenn sie uns in moralischen Rausch versetzt.  Für Wolfgang Urlich wecken einige Zeitgenossen unangenehme ästhetische Erinnerungen: Bjung-Chul Han, Philipp Ruch, Martin Sellner – so unterschiedlich sie sind, so beschwören sie doch alle Die Wiederkehr der Schönheit. Sie alle fordern die Erschütterung des Alltäglichen, einen Kunstschock, der die alte Ordnung brüchig werden lässt.

    Wolfgang Ulrich ist das nicht ganz geheuer, denn auch Heidegger träumte 1936 vom Stoß, den die Kunst der Geschichte gäbe – eine Geschichte, in der das Volk in sein „Mitgegebenes“ einrücke. Eine Kunst, die Gemeinschaft durch Überwältigung erzeugt, kann für Ulrich keinen demokratischen Common Ground schaffen. Stattdessen zieht sie Grenzen, beteubt die Reflexion, entmündigt. Wir widmen uns eingehender Urlichs Argumentation und überlegen erneut, welche Rolle die Kunst im Verhältnis zur Politik spielen kann und spielen soll.

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    • Warum streiten wir über Kunst? – mit Johannes Franzen
      1 hr 59 min
    • Auf dem Marktplatz – Was ist Öffentlichkeit?

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      Auf der Liste von Dingen, die vermeintlich gerade den Bach runter gehen, steht die Öffentlichkeit ziemlich weit oben. Früher klopfte sie den Mächtigen auf die Finger, stellte einen Konsens her und gab dem „Volk“ eine Stimme. Heute fühlt sich keiner mehr repräsentiert, Aufmerksamkeit bekommen immer die Falschen und keiner liest mehr FAZ.

      Wir fragen uns, was ist Öffentlichkeit eigentlich? Ist sie ein Ideal oder immer nur ganz konkret? Soll sie die Menschen der Gesellschaft zusammenbringen an einem Ort des Allgemeinen oder soll nicht lieber jeder seine eigene haben, zum nachause nehmen und für zwischendurch?

      Mit Volkan Sayman sprechen wir über Öffentlichkeiten und landen bald fußtief in der Mediengeschichte. Ein Parforceritt durch die Jahrhunderte. Von Agora, Zeitungsreligion, Volksempfänger, fordistischer Massenkultur und natürlich der AfD.

      1 hr 57 min
    • J'accuse! – Was kann man von Intellektuellen noch erwarten?

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      Ob Liberalismus, Sozialismus oder Kommunismus: Die großen gesellschaftlichen Entwürfe und der politische Kampf um sie sind ohne bürgerliche Öffentlichkeit nicht zu denken. Die Helden dieser Öffentlichkeit sind die Intellektuellen, deren Aufstieg und Fall wir uns dieses Mal widmen. Wir schauen zunächst in die Geschichte, entdecken, welche Macht das gedruckte „J’accuse!“ (Ich klage an!) eines Émile Zola entfalten konnte.

      Wir verfolgen dann – holzschnittartig – die verschiedenen Generationen französischer Intellektueller. Als Leitfaden dient uns ein Beitrag von Caspar Hirschi zu Eribon und Macron, Bourdieu und Juppé. Über Jean-Paul Sartre und Pierre Bourdieu landen wir bei Didier Eribon. Wir diskutieren Hirschis These, dass Eribon, gefangen zwischen den verschiedenen Rollenerwartungen und politischer Desillusionierung, eigentlich nichts mehr zum Fortschritt der Gesellschaft beizutragen habe, mit seiner Verweigerungshaltung gar „symbolische Antipolitik“ betreibe. Wie ist der intellektuellen Ratlosigkeit beizukommen – auch über die Anklage hinaus?

      1 hr 50 min
    • Die neuen Bilderstürme – Was bedeutet die Freiheit der Kunst?

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      Kunst ist immer schon ein Politikum. Sie ist keine Konstante, sondern nimmt in jeder Gesellschaftsform eine andere Stellung ein. Sie steht in einem – wenn auch distanzierten, reflektierenden, kritischen – Aushandlungsverhältnis zu ihrer Zeit. Wie aber ist das Verhältnis zwischen Politik und Kunst genau zu verstehen?

      Wie lässt sich die Rolle der Kunst bestimmen, ohne dabei in die bürgerliche Fiktion einer Autonomie der Kunst zurückzufallen und ohne sie andererseits zum Opfer von puritanischer Sittenpolizei, politischer Instrumentalisierung oder biographischer Reduktion werden zu lassen? Mit halbrichtigen Kant-Bezügen und holprigem Spanisch gehen wir der Sache auf den Grund.

      1 hr 33 min
    • Smarte Deals – Trump erklären mit Robert K. Merton

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      Die Wahl des Orangenmannes zum Präsidenten der Vereinigten Staaten ist halbwegs verdaut. Die Erklärungen dafür kennt man. Auf der einen Seite scheint es immer noch zu reichen, ihn als irre abzutun. Auf der anderen Seite hat man „die Abgehängten“ entdeckt, die ihn aus Wut und Verzweiflung – und entgegen ihrer Interessen – gewählt hätten. Wir versuchen demgegenüber, eine soziologische Erklärung nachzuvollziehen, die Trump als Figur ernst nimmt und eine Antwort darauf hat, warum gerade sie zu den Vereinigten Staaten heute passt.

      Es geht um Anomie, wie sie Robert K. Merton in Social Theory and Social Structure beschrieben hat. „Kulturelle Ziele“ und „institutionelle Normen“ fallen, so seine Vorstellung, in modernen Gesellschaften immer wieder auseinander. In den Vereinigten Staaten bedeutet das, dass man zwar reich werden soll, aber es keine festen Regeln gibt, wie. Get Rich or Die Tryin‘. „Smarte Kerle“ wie Trump, die sich nicht an die Regeln halten und gerade dadurch Erfolg haben, sind nicht nur Ausdruck, sondern die Helden dieser Anomie.

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      • Mit Johannes und Paul Simon über Trumps Amerika
        2 hr 25 min
      • Lose verbunden – Internettheorie mit David Weinberger

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        Leo ist erkältet, Menschen haben das manchmal so an sich. Damit sind wir schon beim Thema, denn wir sprechen darüber, wie sich modernes Wissen von Wissen unterscheidet, das aus lose verbundenen Stücken besteht. Dafür lesen wir ein paar Stellen aus Small Pieces Loosely Joined von David Weinberger. Das moderne Wissen war ein Prachtbau, gebaut aus den Fakten wie Ziegelsteinen, wie wir am Beispiel der Zentralbibliothek von Los Angeles nachvollziehen. Die Disziplinen hatten sich die Welt aufgeteilt, die große Leistungsfähigkeit der modernen Gesellschaft fußte auf dem Vertrauen ins Expertentum.

        Im Web, so Weinberger, ist das alles anders. Die lose verbundenen Wissensstücke sind keine Ziegelsteine mehr. Viel mehr sind es Elemente, die dynamisch zusammengesetzt werden, deren Sinn immer neu hergestellt wird – und zwar von uns. Wir werden somit Teil dieses Wissens. Wir können die Verantwortung nicht abgeben, deswegen funktioniert Fact Checking, wie bei Verrit oder Snopes, auch nicht; zumindest nicht so, wie es soll. Ironischerweise – und damit erinnern wir uns an die zweite Folge von Das Neue Berlin – macht das entkörperlichte Web damit die „Wahrheiten des Körpers“ sichtbar. Wir werden auf niemand anderen zurückgeworfen als uns selbst.

        1 hr 34 min
      • Politik ohne Eigenschaften – Was ist übrig vom Konservatismus?

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        Ein Gespenst geht um in Deutschland. Eine nebulöse Gestalt – unheimlich und faszinierend – durchschwebt die politischen Hallen und spukt in den Zeitungsredaktionen. Man munkelt von konservativen Werten, gar einer neuen Konservativen Revolution. Greift man nach der Gestalt, fasst man ins Leere. Er will sich nicht recht festnageln lassen, der Konservatismus.

        Was hat es auf sich mit dieser politischen Tradition, die keine Manifeste schreibt? Was sind seine gedanklichen Grundlagen, wo liegt sein Ursprung in der Moderne? Kann es überhaupt eine Theorie des Konservatismus geben, die sich nicht in Widersprüche verfängt? Wir versuchen den geistigen Störenfried auf den Begriff zu bringen und machen uns Gedanken, ob, Gott bewahre, sich auch etwas von ihm lernen lässt.

        1 hr 41 min
      • Ironie

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        Nur Idioten sagen, was sie denken. Der Zeitgeist spricht ironisch. Jedes Wort mit Augenzwinkern, jeder Satz sarkastisch überbetont. Wir wollen auf nichts hinaus oder auf alles.

        Aber was ist Ironie? Nur ein Stilmittel der Coolness für saturierte Intellektuelle? Oder Lebens- und Überlebensmittel?  Gibt die Ironie uns einen Ausweg aus unserer Epoche, in der es zu viele Stimmen gibt, um noch ernsthaft der einen Wahrheit anzuhängen? Oder ist es nur bequem, sich ironisch aus der Affäre zu ziehen? Nicht Stellung zu beziehen und immer so verdammt Bescheid zu wissen. – Eine verworrene Annäherung.

        1 hr 39 min

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