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Handwerker:innen mit Ausbildung oder Erfahrung sind jetzt eingeladen: Das Forschungsprojekt „Region als Werkstatt“will an drei besonderen Orten experimentieren, forschen und natürlich handfest arbeiten: im Ökodorf Sieben Linden, beim Projekt „Wir bauen Zukunft“ und im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide – Orte, die ökologisch und sozial andere Wege gehen.
Michael Würfel ist einer der Projektleitenden. Er lebt und arbeitet als Bauleiter im Ökodorf Sieben Linden – gelernter Zimmermann, Dokumentarfilmer, Vater und Künstler. Immer neugierig auf ungewöhnliche Perspektiven. Im Gespräch erzählt er, wie Handwerk im Ökodorf gerade aussieht – ehrlich und realistisch: „Wir haben in Sieben Linden als Selbstversorgungs-Projekt den Anspruch, möglichst viel selbst mit eigenen Fachleuten zu machen. Werden wir dem gerecht?“ Teils, teils. – Hört mal rein, was Micha berichtet.
Zurück zum Forschungsprojekt: 12 Monate aktive Praxiszeit (wie eine halbe Stelle) – zwischen März und Oktober 2027. Wer mitmachen will, ist nicht nur Handwerker*in, sondern auch Bürgerwissenschaftler*in: Erfahrungen werden dokumentiert und reflektiert. Das Thünen-Institut für Regionalentwicklung begleitet den Prozess wissenschaftlich. Das Ziel: Impulse für eine zukunftsfähige Handwerksausbildung.
Im Grunde geht es sogar um mehr: Um die Zukunft der Arbeit. Wie wollen wir morgen tätig sein?
Wir sind als Ökodorf nun wirklich blitzgespannt, wer da auf uns zukommt und wir werden weiter berichten.
Bewerbungsschluss ist der 2. November 2026. vorher werden Video-Calls angeboten in denen du alle Fragen stellen kannst. Alle Infos: region-als-werkstatt.de
Autorin: Simone Britsch
Mail: [email protected]
Interviewpartner Michael Würfel
Veröffentlicht unter der Creative Commons (CC BY 4.0)
Copyright Freundeskreis Ökodorf e.V., 24.09.2026
Alle Episoden …
Der Beitrag Folge 160: Was kann Handwerk von Ökodörfern lernen? – Wir wagen ein Experiment erschien zuerst auf Ökodorf Sieben Linden.
Kaum sagst du „Ökodorf“, kommen sie – die festen Bilder im Kopf. Die Kommentare. Hippies. Müsli. Irgendwo im Nirgendwo, abgeschnitten von der Welt.
Aber stimmt das wirklich? In dieser Episode nehmen Annika Alex aus Sieben Linden und Simone, unsere Moderatorin sich die 7 hartnäckigsten Vorurteile vor, die Ökodörfern immer wieder begegnen – und sie überlegen, was wirklich dahintersteckt:
In dieser Podcast-Folge findet du ein paar Antworten, die überraschen. Am Ende hilft bei Vorurteilen immer folgendes am Besten: Besuche Gemeinschaften und Ökodörfer. Bringe eine offene Haltung mit – und du wirst eine große Bandbreite entdecken.
Transkript (bereinigt) | Sprecher: Simone Britsch, Annika Alex
SIMONE
Hallo und herzlich willkommen zum Ökodorf-Podcast, Folge 159. Kaum sagst du „Ökodorf“, kommen sie schon – die Bilder in den Köpfen, die Kommentare zu Hippies, Müsli, irgendwo im Nirgendwo. Aber stimmt das alles wirklich? Heute nehmen wir uns die sieben hartnäckigsten Vorurteile vor, die Ökodörfern immer wieder begegnen.
Mit dabei ist Annika Alex aus Sieben Linden. Sie ist Vorstand bei GEN Deutschland, dem Netzwerk der Gemeinschaften, und arbeitet auch für das Europäische Gemeinschaftsnetzwerk. Kurz gesagt: Sie kennt das Feld wirklich, reist viel und hat viel gesehen.
Wir werden das Ganze ein bisschen auseinandernehmen – auch mit Humor. Und am Ende gilt, was bei Vorurteilen eigentlich immer hilft: Hingehen, anschauen, zuhören. Mit einem offenen Herzen und Neugier wirst du eine Bandbreite in den Ökodörfern und Gemeinschaften entdecken, die dich überrascht. Viel Spaß beim Reinhören – und komm mal vorbei bei uns im Ökodorf Sieben Linden.
Das ist der Ökodorf-Podcast aus Sieben Linden. Mein Name ist Simone Britsch. In unserem Ökodorf leben 150 Menschen seit 25 Jahren nachhaltig und gemeinschaftlich zusammen. Lass dich von Sieben Linden inspirieren. Besuche gern unsere Seminare vor Ort oder in der digitalen Webinar-Welt.
Hallo Annika.
ANNIKA
Hallo Simone.
SIMONE
Wir haben uns zusammengesetzt – beide aus Sieben Linden – und wollen über Vorurteile gegenüber Gemeinschaften und Ökodörfern sprechen. Du hast da ja schon einige Erfahrung und bist schon ziemlich lange in der Szene unterwegs.
ANNIKA
Ja, fast zehn Jahre bin ich in Sieben Linden – und fast genauso lange im GEN Norddeutschland und GEN Europe Netzwerk, also dem Global Eco-Village Network. Genauso lang auch im GEN-Deutschland-Netzwerk, dem Netzwerk für Gemeinschaften und Ökodörfer in Deutschland. Ich bin also auch im europäischen Netzwerk sehr viel unterwegs.
SIMONE
Ich kann auf jeden Fall sagen, dass du manchmal wirklich ganz schön wenig zu Hause bist, weil du in anderen Gemeinschaften unterwegs bist.
ANNIKA
Ja, das ist mir sehr stark aufgefallen, seit ich wieder zurück bin.
SIMONE
Das ist aber auch gut. Wir brauchen die Verbindung, die Kontakte und den Überblick. Du bist meine super Auskunftsquelle für heute.
SIMONE
Was ich ziemlich häufig höre: Ökodörfern wird unterstellt, dass sie ein Inseldasein führen – rückwärtsgewandt auf ihre Scholle zurückgezogen, und das Ganze deswegen gar nicht auf die Gesellschaft übertragbar. Was denkst du darüber?
ANNIKA
Das trifft es für mich nicht. Ich erlebe so viele verschiedene Modelle und Arten von Ökodörfern und Gemeinschaften. Wir bieten viele Alternativen – vielleicht nicht als ganzes Paket, aber in der Summe der kleinen Teile, die an verschiedenen Stellen in der Gesellschaft aufgenommen werden können. Wir haben hier zum Beispiel eine Verschenke-Ecke. In Leipzig gibt es Tauschboxen. Und wir haben in Sieben Linden den Lehmbau stark vorangetrieben – ein altes Konzept, das sich bewährt hat und alles andere als rückständig ist.
SIMONE
Zum Thema Inseldasein: In Sieben Linden laufen sehr viele Gäste durchs Gelände. Tagesgäste, Bildungsgäste, Schulklassen. Und in anderen Gemeinschaften ist es ähnlich – die meisten öffnen sich.
ANNIKA
Absolut. Viele Gemeinschaften haben offene Tage wie unser Sonntagscafé. Immer mehr öffnen sich auch für Schulen und bieten Bildung für nachhaltige Entwicklung an – Workshops, bei denen man wieder mit Natur in Kontakt kommt. Das reicht von den Jüngsten bis zu den Ältesten. Viele Gemeinschaften haben aktiven Bildungsbetrieb, damit kein Inseldasein entsteht.
SIMONE
Wir nennen uns ja intentionale Gemeinschaften – mit einer Intention, einem Ziel. Und das Ziel der meisten ist es, über ein Modell in die Gesellschaft zu wirken: zu zeigen, dass es funktioniert, und als Beispiel für andere zu stehen.
ANNIKA
Genau damit ist das Global Eco-Village Network vor mehr als 30 Jahren angetreten. Die Gesellschaft bewegt sich in Richtung mehr Individualismus, weg von Verbindung miteinander und mit der Natur. Der Punkt ist: Wie kommen wir mit unserer Erde in Einklang, so dass wir weniger schlechten Einfluss nehmen?
SIMONE
Schaut in die Shownotes – dort findet ihr die Websites von GEN Deutschland, GEN Europe und das Kommunenetzwerk. Lauter offene, gar nicht inselartige Projekte, bei denen man gerne vorbeischauen kann.
SIMONE
Ein zweites Vorurteil: Wir sollen technikfeindlich und unmodern leben, wie vor 100 Jahren. Hörst du das auch?
ANNIKA
Ja, das stimmt aber nicht. Wenn ich mir anschaue, wie verkabelt Sieben Linden ist – ich habe das Privileg, ans kabelgebundene LAN anzudocken und damit wunderbar zu arbeiten. Das brauche ich für meine Arbeit in den Netzwerken. Der einzige Punkt, den ich hier wirklich schätze, ist, dass wir das Smartphone im Flugmodus haben, wenn wir auf dem Gelände unterwegs sind. Freunde aus anderen Gemeinschaften sind dann immer wieder überrascht: „Wie komme ich jetzt an meine Nachrichten ran?“ Das ist witzig. Wir haben einfach ein anderes Commitment: Wir möchten der Person in die Augen schauen und nicht auf einen Handyscreen.
SIMONE
Wir haben überall PCs zur Verfügung und arbeiten fleißig daran – wenn wir nicht gerade in der Gärtnerei, auf der Baustelle, im Waldkindergarten oder in unserem großen Wald arbeiten. Eine andere Sache sind natürlich die Komposttoiletten. Die wirken auf den ersten Blick wie von vorgestern.
ANNIKA
Wobei – Besucher sind jedes Mal überrascht: „Boah, das riecht ja gar nicht. Wie habt ihr das hingekriegt?“ Ich finde das ein tolles Beispiel, das über die Jahre gewachsen ist. Mit 170 Personen am Platz nutzen wir immer noch Kompostklos – und sparen dadurch enorm viel Wasser. In einer Region, wo die Sommer immer trockener werden, ist das wichtig. Jede Ressource ist wertvoll.
SIMONE
Viele Ideen von gestern sind modernisiert die Ideen von morgen. Thomas, unser Mitbewohner, hat mal gesagt: „Wir leben hier nicht wie vor 100 Jahren, sondern wie in 100 Jahren.“ Das Wasserklosett hat keine Zukunft. Es wäre gut, wenn manche Länder nach Sieben Linden schauen würden und von unserem modernen Komposttoilettensystem lernen würden – statt sich eine Wasserspülung zu wünschen und die Nährstoffe in der Kanalisation zu verlieren. Auch unsere Häuser sind modern – natürlich aus Baustoffen wie Holz, Stroh und Lehm, aber mit einem technischen Innovationsgrad, der sehr komfortabel ist.
ANNIKA
Absolut. Jedes Mal, wenn ich aus der Welt nach Hause komme, denke ich: Ich weiß, ich komme in mein Zimmer zurück – und es ist einfach schön. Das Raumklima eines Hauses mit Strohlehm-Außenwand ist einzigartig. Ich kann richtig tief durchatmen. Ich will nie wieder irgendwo anders leben.
SIMONE
Wir sind offen für Technologien, setzen sie aber bewusst ein. Nicht jede neue Mode machen wir mit – wir überlegen erst. Und der nächste Schritt in Sieben Linden: Wir kaufen einen hochmodernen Stromspeicher, um unsere selbst erzeugte Solarenergie besser zu speichern – mit Salz als Speichermedium. Dazu kommt eine eigene Podcast-Folge: Super-Technik im Ökodorf.
SIMONE
Die essen da nur Müsli und Karotten – da will ich gar nicht hin.
ANNIKA
Das ist ein schönes drittes Vorurteil – und klar, ich esse morgens auch gerne mal Müsli. Aber es gibt so viel anderes! Im Sommer die Vielfalt aus dem Garten: dieses Jahr sogar Artischocken. Meine Mutter war fassungslos: „Ihr habt Artischocken – aus dem eigenen Garten?!“ Wunderbar. Wir haben gerade eine Tomatenschwemme, dazu Wassermelonen, Auberginen, Paprika – es ist einfach genial. Wobei man ehrlich zugeben muss: Im Winter essen wir tatsächlich hauptsächlich Karotten, Kohl und Kürbis. Wir schauen, was regional und saisonal vorhanden ist, und fragen uns: Muss wirklich die Banane aus Südamerika zu dieser Jahreszeit bei uns landen? Unser Naturwaren-Verein gibt aber auch mal Weihnachtsleckereien heraus – Orangen, Mandarinen – damit wir gut durch den Winter kommen.
SIMONE
Ich finde das Individuelle wichtig. In der Gemeinschaftsverpflegung wird sehr ökologisch gekocht – überwiegend vegan, manches vegetarisch, kein Fleisch. Gleichzeitig hat man im Privaten die Freiheit, sich mal etwas Besonderes zu kaufen oder essen zu gehen. Wir sind schon ziemlich Müsli-und-Karotte, aber offen und vielseitig – und mit der richtigen Würzung kann man aus heimischen Lebensmitteln ein internationales Flair zaubern.
ANNIKA
Auf jeden Fall.
SIMONE
Vorurteil Nummer vier: Im Ökodorf musst du deine ganze Freiheit aufgeben.
ANNIKA
Auf keinen Fall. So viel wie ich ständig unterwegs bin, habe ich eine ziemlich große Freiheit zu sagen: „Ich bin die nächsten zwei Wochen nicht da – beruflich oder bei der Familie.“ Wir haben natürlich bestimmte Vereinbarungen – das Smartphone-Thema, die Komposttoiletten – aber vieles ist total individuell. Wie mein Raum aussieht, sagt mir keiner vor. Wie technologisiert ich bin, bestimme ich selbst. Es ist wie in jeder Partnerschaft: Man geht manchmal Kompromisse ein.
SIMONE
Es ist schon ein bisschen mehr soziale Kontrolle als beim Alleinleben – aber das ist Sinn einer intentionalen Gemeinschaft. Das weiß man vorher, wenn man hierher kommt. Und da wir ein demokratisches Ökodorf sind, hat man sobald man zieht – Mitbestimmungsmöglichkeiten, wie sich die Rahmenbedingungen weiterentwickeln.
ANNIKA
Das Thema Mobilität ist bei mir sehr präsent. Ich reflektiere ständig: Mit welchem Verkehrsmittel fahre ich? Glücklicherweise bin ich oft auf dem Land und gut mit Bus und Bahn unterwegs. Aber es gibt Momente, wo ich denke: „Ich habe mir doch wieder einen Schokoriegel gekauft – und der Kakao kommt aus Afrika.“ Das Gute: Hier gibt es Fair-Trade-Produkte. Aber diese Art der Reflexion gehört zum Leben hier dazu.
SIMONE
Findest du das positiv oder negativ – diese gefühlte soziale Kontrolle?
ANNIKA
Ich finde es positiv, weil es einen Stopp einlegt: „Brauche ich das gerade? Habe ich nicht schon genug?“ Es fühlt sich manchmal nicht ganz angenehm an – aber das sagt dann etwas darüber, warum. Entweder kaufe ich mir doch noch etwas – und dafür kommt dann etwas anderes in die Verschenke-Ecke. Es ist ein ständiges Abwägen.
SIMONE
Ich erlebe die Siebenlinder als ziemlich flexibel. Wenn man erklärt, warum man eine Ausnahme macht, sind die Menschen unglaublich verständnisvoll. Wir treffen eigentlich eine gute Balance zwischen individueller Freiheit und dem Sich-Anpassen.
ANNIKA
Genau. Und der Knackpunkt in Gemeinschaft ist, dass wir nicht über den Gartenzaun reden, sondern direkt in Kontakt gehen und fragen: „Was war die Motivation dahinter?“
SIMONE
Bist du eigentlich ein Hippie, Annika – wenn du in einer Hippie-Kommune lebst?
ANNIKA
Auf jeden Fall – an manchen Stellen. Wir tragen Klamotten mit Löchern, weil wir sie so lange wie möglich tragen wollen. Manchmal läuft jemand barfuß durchs Gelände. Aber wir sind auch „am Wirbeln und Machen und Tun“ – da sitzt niemand in der Rauchecke. Und was Beziehungen angeht: Das Thema wird reflektiert, aber es ist nicht so, wie es sich manche vorstellen. An anderen Stellen bin ich Geek – technisch affin und als Buchhalterin zahlenorientiert.
SIMONE
Ich habe das Gefühl, dass die Leute sich schicker anziehen, wenn sie den Platz verlassen. Ich selbst habe „Sieben-Linden-Klamotten“ und dann etwas für draußen. Die Menschen hier sind freestyle und vielfältig gekleidet – von Abendkleid bis barfuß.
ANNIKA
Genau. Im Alltag guckt man, was passt. Aber es gibt auch Partys mit Dresscode und Abendkleidern.
SIMONE
Ein Vorurteil, das ich mir zu Herzen nehme: Sind wir ein Eliteprojekt? Können alle partizipieren, oder ist es durch Kosten oder Bildungsniveau zu exklusiv?
ANNIKA
Das kommt tatsächlich vor – das existiert. Und wir sind uns dessen bewusst und suchen Wege, wie wir uns öffnen können. Es ist klar: Wer unsere Vereinbarungen grundsätzlich nicht mitgehen kann, findet hier vielleicht nicht den richtigen Platz. Aber es muss nicht an der Herkunft liegen. Eine Freundin aus der Türkei, die vor zehn Jahren herkam, hat hier viel mitgenommen – und war für eine Zeit ein gutes Auffangbecken. Es gibt Lebensphasen.
SIMONE
Zum Kostenaspekt: Man braucht in Sieben Linden als Genossenschaft etwa 25.000 Euro Genossenschaftsanteile, um hier zu bauen. Das klingt erst mal unüberwindbar. Aber ich beobachte: Menschen, die wirklich hierher passen, scheitern am Ende nicht an den Anteilen. Es gibt Leihanteile aus der Gemeinschaft oder aus der Familie. Dennoch sehe ich Hürden – und ich wünsche mir, dass die richtigen Menschen auch herkommen können.
ANNIKA
Ich bin als Freiwillige hergekommen – frisch aus der Uni, mit wenig Geld. Aber es hat sich gefügt. Ich wusste: Das ist der Platz für mich. Es gab Unterstützung von innen und außen. Die Genossenschaftsanteile sind auch eine Geldanlage – damit finanzieren wir zum Beispiel den neuen Stromspeicher oder das Regiohaus. Es geht am Ende darum, wie geborgen man sich fühlt – und dann fügt sich der Rest.
SIMONE
Was wir tatsächlich wenig abbilden: den migrantischen Anteil in der Gesellschaft. Wir haben einzelne Menschen aus Frankreich, der Slowakei, aus Mexiko – aber insgesamt ist der Anteil gering. Das liegt nicht nur an den Finanzen.
ANNIKA
Manchmal ist es unsere Strukturiertheit, die abschreckend wirkt. Und für Menschen mit Migrationshintergrund stehen so viele andere Fragen im Vordergrund: Wo bin ich? Wie komme ich zurecht? Da ist das Gemeinschaftsleben vielleicht erst ein späterer Schritt. Das heißt nicht, dass wir nicht offen sind – aber die richtige Brücke fehlt noch.
SIMONE
Wir halten niemanden bewusst draußen. Aber es gibt noch nicht die richtige Brücke – und wir sind da in einer Suchbewegung.
SIMONE
Letzter und siebter Punkt: „Das ist doch eine Sekte.“
ANNIKA
Das höre ich manchmal – und kann es nicht nachvollziehen. Was unterscheidet es von einem Sportverein? Wir leben nicht alle mit demselben religiösen Glauben zusammen. Wir haben in Sieben Linden das Haus der Stille, wo man meditieren kann – mit jeder Religion willkommen. Es ist nicht so, dass wir alle Christen oder alle Buddhisten sind. Was uns verbindet, ist Ökologie und das Soziale miteinander.
SIMONE
Und aus einer Sekte kommt man nicht leicht raus. Die Gemeinschaften, die ich kenne, haben alle klare Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten.
ANNIKA
Absolut. Niemand ist hier bis ans Lebensende gebunden. Selbst bei solidarischer Ökonomie, wo man Geld einbringt, ist geregelt, was man mitnehmen kann. In GEN Deutschland haben wir vor Jahren Unvereinbarkeitskriterien aufgestellt – angeregt durch eine Gruppe, die sich uns angenähert hatte und hierarchische Strukturen sowie sogenannte „Bewusstseinsstufen“ verfolgte. Daraus wurde dann leider auch Gewalt. Wir haben klar gesagt: Keine sektenähnlichen Bewegungen in unserem Netzwerk. Wir stehen dafür, dass Individuen ihre Entscheidungsfreiheit behalten – rein und raus.
SIMONE
Ich bin sehr froh, wie das gelaufen ist. Die Gruppe „Go and Change“ hat damals Anträge gestellt – und nachdem wir uns als Netzwerk bereits dagegen entschieden hatten, ist es eskaliert. Was wir tun können: Solche Gruppen nicht ins Netzwerk aufnehmen und ein klares Signal setzen.
SIMONE
Wir haben sieben hartnäckige Vorurteile besprochen und einige davon entkräftet. An manchen ist auch was dran. Der beste Weg, Vorurteile zu überprüfen, ist aber: einfach mal vorbeischauen. Ihr könnt Sieben Linden und andere Ökodörfer besuchen.
ANNIKA
Genau – und schaut auf der GEN-Deutschland-Karte oder der GEN-Europe-Karte nach Gemeinschaften in eurer Nähe. Kommt einfach vorbei – wir sind gespannt, ob ihr noch Vorurteile findet, die sich bestätigen.
SIMONE
Sagt auf jeden Fall mal Bescheid. Wir sind neugierig. Tschüss, tschüss!
Das war die neue Folge des Ökodorf-Podcasts aus Sieben Linden. Besuche uns auf www.siebenlinden.org oder direkt im Ökodorf. In unseren Seminaren lernst du, die Welt von morgen nachhaltig und gemeinsam zu gestalten. Der Ökodorf-Podcast aus Sieben Linden ist eine Produktion vom Freundeskreis Ökodorf e.V.
GEN Global Ecovillage Network Deutschland: https://gen-deutschland.de/
GEN Global Ecovillage Network Europe https://gen-europe.org/
Kommuja-Netzwerk der Kommunen: https://www.kommuja.de/
Autorin: Simone Britsch
Mail: [email protected]
Interviewpartnerin Annika Alex
Veröffentlicht unter der Creative Commons (CC BY 4.0)
Copyright Freundeskreis Ökodorf e.V., 10.09.2026
Alle Episoden …
Der Beitrag Folge 159: Die 7 häufigsten Vorurteile gegen Ökodörfer erschien zuerst auf Ökodorf Sieben Linden.
Mit Clemens Ronnefeldt
Kriege in Europa und weltweit. Immer mehr Aufrüstung. Die Wehrpflicht rückt näher. Viele Menschen wollen etwas tun – wissen aber nicht wie. Dazu kommt die gesellschaftliche Polarisierung rund um friedenspolitische Fragen, die so manche zusätzlich verunsichert und lähmt.
Clemens Ronnefeldt ist seit bald vier Jahrzehnten als Referent für Friedensfragen für den Internationalen Versöhnungsbund tätig. In diesem Gespräch gibt er Orientierung – ohne die eigenen Widersprüche innerhalb der Bewegung kleinzureden.
In dem Interview erfährst du:
Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch
Clemens ist überzeugt, dass die Friedensbewegung gerade an Kraft gewinnt, weil sie bereit ist, sich zu verändern. Er beschreibt, wie die Bewegung mit ihren eigenen inneren Widersprüchen und konträren Meinungen umgehen kann.
Ein ehrliches und ermutigendes Gespräch für alle, die Frieden nicht nur denken, sondern ins Handeln kommen wollen.
Clemens Ronnefeldt:
Clemens Ronnefeldt, geb. 1960, ist seit 1992 Friedensreferent beim Internationalen Versöhnungsbund. Nach Theologie-Studium und Friedensarbeiterausbildung arbeitete er in Flüchtlingslagern im ehemaligen Jugoslawien und reiste vielfach in die Region Westasien. Seine Schwerpunkte: politische Konfliktanalyse (Ukraine, Westasien), Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying und Vernetzung der Friedensbewegung. Er verfasste zahlreiche friedenspolitische Artikel, ein Buch über „Die neue NATO, Irak und Jugoslawien“ und produzierte 135 TV-Sendungen zu Friedensfragen.
https://versoehnungsbund.de/aktiv/friedensreferat
Friedensblog von Clemens Ronnefeldt: https://versoehnungsbund.de/aktiv/friedensblog-von-clemens
Internationaler Versöhnungsbund: https://versoehnungsbund.de/
Netzwerk Friedenskooperative (Bonn). Network of the German Peace Movement. https://www.friedenskooperative.de/
Übersicht über Friedensinitiativen in Deutschland: https://www.friedenskooperative.de/friedensorganisationen
Friedenskooperative https://www.friedenskooperative.de/termine
1. September 2026 Antikriegstag, bundesweite dezentrale Aktionen
2. Oktober 2026 Demo gegen Wehrpflicht in Berlin: https://www.friedenskooperative.de/aktuelles/unzwingbar-kein-bock-auf-krieg-und-wehrpflicht
3. Oktober 2026 Bundesweite Demonstration in Berlin und in Stuttgart. https://nie-wieder-krieg.org/demo-03-10-26/
Kasseler Friedensforum. https://www.kasseler-friedensforum.de/
Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden. Kirchliche Auslandsdienste. https://friedensdienst.de
Connection e.V. Internationale Arbeit zu Kriegsdienstverweigerung und Desertion. https://de.connection-ev.org/
Bund für soziale Verteidigung: https://soziale-verteidigung.de/
IPPNW Internationale Ärzt*innen zur Verhütung des Atomkrieges https://www.ippnw.de/der-verein.html
Pax Christi https://www.paxchristi.de/
Artikel von Andreas Zumach in der Zeitschrift Wissenschaft und Frieden:
https://wissenschaft-und-frieden.de/artikel/juenger-europaeisch-und-auf-keinem-auge-blind/
Studie: Ukrainischer gewaltfreier ziviler Widerstand im Angesicht des Krieges. Analyse der Trends, Auswirkungen und Herausforderungen der gewaltfreien Aktionen in der Ukraine zwischen Februar und Juni 2022
https://www.transcend.org/tms/wp-content/uploads/2022/10/Ukrainian-Nonviolent-Civil-Resistance-in-the-Face-of-War.pdf
in deutscher Übersetzung: https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/media/pdf/Ukraine_Gewaltfreier_Ziviler_Widerstand_Studie_2022.pdf
Video-Podcast mit Sabine Lichtenfels aus Tamera „Wir weigern uns Feinde zu sein“: https://www.youtube.com/watch?v=B7Tfe2xrxco
Aufarbeitung kollektiver Traumata mit Kosha Joubert: https://siebenlinden.org/de/folge-124-gemeinsam-hinschauen-kosha-joubert-zur-globalen-transformation/ Das Pocket Project:https://pocketproject.org/
Israel-Palästina mit Autorin Anja Reumschüssel https://siebenlinden.org/de/folge-122-israel-palaestina-ein-interview-ueber-den-konflikt-mit-autorin-anja-reumschuessel/
Ökodörfer in der Ukraine: https://siebenlinden.org/de/folge-37-ukraine-krieg-oekodoerfer-in-der-ukraine-unterstuetzen-mit-steffen-emrich-von-gen-europe/
Irma (78 J. aus Sieben Linden) Stell dir vor, es ist Krieg und niemand geht hin: https://siebenlinden.org/de/folge-57-irma-78-jahre-stell-dir-vor-es-ist-krieg-und-keiner-geht-hin/
Autorin: Simone Britsch
Mail: [email protected]
Interviewpartner: Clemens Ronnefeldt
Veröffentlicht unter der Creative Commons (CC BY 4.0)
Copyright Freundeskreis Ökodorf e.V., 27.08.2026
Alle Episoden …
Der Beitrag Folge 158: Friedensbewegung 2026 – jünger, europäischer, auf keinem Auge blind! Mit Clemens Ronnefeldt erschien zuerst auf Ökodorf Sieben Linden.
Denkt die Maschine, wenn wir mit ihr sprechen? Spoiler: nein – aber die Antwort ist komplizierter, als du denkst.
Künstliche Intelligenz ist plötzlich überall – auch wir im Ökodorf kommen nicht drum herum. Passt eine Technologie, die in riesigen Rechenzentren läuft, überhaupt zu einem Leben, das sich an Nachhaltigkeit orientiert? Unser Geschäftsführer Jens Steger spricht mit dem technikbegeisterten angehenden Soziologen Falk Hanschmann über genau diese Reibung – zwischen Faszination und Vorsicht, zwischen Werkzeug und Abhängigkeit.
Das nimmst du mit:
Für wen ist diese Folge?
Für alle, die KI weder blind feiern noch reflexhaft verteufeln wollen. Für Menschen, die nachhaltig leben möchten und trotzdem wissen wollen, womit sie es bei dieser Technologie wirklich zu tun haben. Und für alle, die bisher gedacht haben: „Das ist nichts für mich im Ökodorf“ – und sich eines Besseren belehren lassen wollen.
Mach dir dein eigenes Bild. Hör rein, probier selbst aus, und schreib uns, wie du zu KI stehst – wir sind gespannt auf den Austausch.
Mehr über das Ökodorf Sieben Linden und unsere Bildungsangebote: siebenlinden.org
Transkript (bereinigt) | Sprecher: Simone Britsch, Jens Steger, Falk Hanschmann
SIMONE Hallo, herzlich willkommen. Ökodorf-Podcast aus 7linden, Folge 157.
Die künstliche Intelligenz ist ja plötzlich überall. Auch wir hier im Ökodorf sind damit konfrontiert. Aber passt eigentlich eine Technologie, die in riesigen Rechenzentren läuft, überhaupt zu einem Leben wie unserem, das sich so an Nachhaltigkeit orientieren möchte? In dieser Folge stellen wir die Fragen, die viele haben: Was ist KI wirklich und was kann sie nicht? Denkt die Maschine, wenn wir mit ihr sprechen?
Unser Geschäftsführer Jens Steger und ein Experte, den wir eingeladen haben: Falk Hanschmann. Die beiden schauen genauer hin.
Wie viel Energie verbraucht KI, wohin gehen meine Daten? Wo hilft es mir im Alltag wirklich? Es ist ein ehrliches Gespräch zwischen Begeisterung und Skepsis.
Ich habe mich über manches ein bisschen gewundert, aber auch mit offenen Ohren zugehört. Hört gern rein und macht euch euer eigenes Bild.
Mein Name ist Simone Britsch. In unserem Ökodorf leben 150 Menschen seit 25 Jahren nachhaltig und gemeinschaftlich zusammen. Lass dich von Sieben Linden inspirieren. Besuche gern unsere Seminare vor Ort oder in der digitalen Webinar-Welt.
Hallo Falk, toll, dass du angereist bist. Hallo Jens.
FALK Hallo, herzlich willkommen.
JENS Ja, hi Simone!
SIMONE Freut mich total, mit euch heute über KI zu reden. Für mich selber ist das ein ziemliches UFO in meinem Leben. Wir fangen jetzt mal super basic an: Was ist denn KI? Könnt ihr das mal in drei Sätzen erklären?
JENS Ergänzt mich gerne, wenn ich mich da falsch ausdrücke. Ich habe auch noch mal ein bisschen recherchiert, auch KI-unterstützt, und versucht, das so einfach wie möglich zu fassen. Es ist im Prinzip eine Software, die mit Unmengen an Daten trainiert wurde und in der Lage ist, Sprache zu generieren, Text zu generieren, Bilder zu generieren. Und das Ganze basiert im Prinzip auf Mathematik.
FALK Ja genau, es ist ein Large Language Model – so heißt das im Hintergrund – also ein Sprachmodell, das im Hintergrund läuft und mit Algorithmen versehen ist, um auf eine entsprechende Anfrage eine entsprechende Ausgabe zu geben. Der Vorteil ist, dass wir ein großes Datennetz dahinter haben. Und verschiedene KIs haben sich daraus bereits entwickelt.
SIMONE Falk, du bist ja nun extra angereist, um uns hier im Ökodorf zu erklären, wie wir mit KI am besten umgehen sollten. Was würdest du sagen? Warum sollten wir uns damit beschäftigen – oder warum sollte man diesen Podcast doch zu Ende hören und nicht einfach abschalten und in den Garten gehen?
FALK Nö. Weil KI eine sehr besondere Entwicklung in der Geschichte der Menschheit darstellt. Es ist ein großer Fortschritt, den wir als Menschheit machen. Und man sollte davor auch ein bisschen die Angst verlieren. Momentan ist die KI noch sehr verrufen, oder es herrscht große Angst davor. Aber solange wir sie als Werkzeug nutzen und sagen, dass es unser Werkzeug ist, womit wir handeln, ist das eine sehr nützliche Unterstützung im Alltag – man bekommt quasi einen Profi an die Seite gestellt, den man sonst eventuell hätte bezahlen müssen, um Energiekosten zu berechnen oder einzusparen. Es ist quasi ein sehr guter, sehr naher Sparring-Partner.
SIMONE Jens, ist das auch deine Einordnung oder beschäftigst du dich vor allem damit, weil du unser Geschäftsführer bist und das einfach musst?
JENS Nee, ich habe da ein persönliches Interesse dran. Ich bin derselben Meinung, dass es wirklich ein Quantensprung ist. Viele sprechen von der nächsten industriellen Revolution – das wird die Arbeitswelt komplett verändern. Ich sehe es ähnlich, aber vielleicht ein bisschen kritischer: Das ist ein sehr, sehr mächtiges Werkzeug und der Umgang damit muss geschult werden. Natürlich müssen wir auch bestimmte Aspekte im Auge behalten – Energieverbrauch, wer stellt die KI bereit, wer hat die Datenhoheit, wo kommen die Daten her. Das spielt alles eine große Rolle, und da ist Aufklärung total wichtig. Und zur Aufklärung gehört auch, dass man die Technologie benutzt und sich damit auseinandersetzt, damit sie kein Schreckgespenst bleibt.
SIMONE Im Ökodorf sind wir nicht direkt technikfeindlich, aber sehr technikbewusst und setzen uns kritisch mit allen Neuerungen auseinander. Deswegen bin ich dankbar, dass wir uns heute ein bisschen vertiefen können. Und bevor wir darüber reden, was KI alles so kann: Was kann KI eigentlich nicht?
JENS Was kann KI nicht – oder besser: noch nicht? KI hat meiner Meinung nach kein Bewusstsein, das wird von vielen schon unterstellt. KI fühlt nicht. KI kann auch nur unter ganz bestimmten Umständen out of the box Dinge tun. Das stimmt meistens. Manchmal ergeben sich aber auch Dinge aus neuronalen Netzen oder aus diesen Large Language Models, die nicht explizit trainiert wurden – zum Beispiel lernen sie plötzlich Sprachen, die nicht explizit trainiert wurden, weil Sprachen ähnliche Muster über verschiedene menschliche Sprachen hinweg haben. Derzeit ist es noch relativ eingeschränkt. Es geht im Kern um Mustererkennung: Alles, was Muster hat und Mustererkennung braucht, da kann KI etwas leisten. Alles andere ist oft eine Unterstellung und eine Vermenschlichung von Technologie.
FALK Ich studiere noch nebenbei Soziologie. Gerade die subjektive Wahrnehmung, Mimik, Gestik – wenn man Umfragen auswertet, wie ein Mensch reagiert hat – das sind Feinheiten, die ein Mensch besser wahrnehmen und festhalten muss, um eine entsprechende Auswertung für ein Forschungsdesign zu bekommen. Dafür ist es sehr wichtig, dass wir die Hoheit behalten. KI ist ein Werkzeug, das wir gebrauchen können, aber echte menschliche Wahrnehmung kann sie nicht leisten. Und was ein eigenes Bewusstsein betrifft: Da sind wir zum Glück noch nicht dran. Menschliche Handlungen kann die KI zum Glück noch nicht nachahmen. Das wird auch sehr schwer werden, weil gerade die Wahrnehmung und das, was zwischen den Wörtern passiert, die KI auch mit dem besten Algorithmus in naher Zukunft nicht bewerkstelligen kann.
SIMONE Wir bleiben auf jeden Fall menschlich und unersetzlich in unserem Menschsein, in unserer Einzigartigkeit. Das finde ich eine ermutigende Botschaft.
FALK Das ist ja das, was ich am Anfang sagte: Wir müssen die KI ein bisschen entzaubern. Sie ist momentan sehr gehypt und der Respekt davor ist groß – das ist vernünftig. Es ist genauso wie damals mit der Einführung von Google: Welche Daten gebe ich preis? Aber wir stehen immer noch über der KI und werden das auch weiterhin tun – davon bin ich fest überzeugt. Und wir sind immer diejenigen, die im Endeffekt etwas rausschicken.
JENS Wenn du ‚wir‘ sagst, sprichst du einen Kritikpunkt an, der bisher noch nicht genannt wurde. Du sagst, wir als Menschen haben die Hoheit darüber – aber die Technologie wird größtenteils im privaten Sektor in den USA entwickelt, jetzt auch zunehmend in China. Wie ist da die demokratische Kontrolle? Wer füttert die Daten, wo kommen die Daten her? Das Thema Urheberrecht zum Beispiel. Ich bin mir da nicht so sicher, ob wir tatsächlich die Hoheit darüber haben. Und der Mensch neigt dazu, zu viel in diese Technologie reinzuinterpretieren. In den USA gibt es zum Beispiel schon Fälle, wo Menschen abhängig werden von KI oder ihr mehr vertrauen als ihren Freunden. Weil da scheinbar ein Gegenüber ist – der Mensch möchte überall Muster erkennen. Wenn man Wolken anschaut, sieht man Gesichter und Tiere. Und genauso sieht man in der KI ein Gegenüber. Das ist schon gefährlich.
FALK Das sehe ich vollkommen genauso. Eine Abhängigkeit von KI aufzubauen geht relativ schnell, weil man schnell in einer Bubble landen kann. Wenn man bestimmte Prompts stellt, kann man manchmal auch eine gewünschte Antwort erzwingen, weil der Algorithmus dahinter das entsprechend ausliest. Und das mit dem Datenschutz ist sowieso eine ganz interessante Sache. Da haben wir in Europa leider wieder mal den Anschluss ein bisschen verpasst. Wir geben unsere Daten leider an Amerika ab – die größten KI-Modelle sind momentan alle in Amerika angesiedelt, bis auf DeepSeek. Auch das Argument ‚uns gehören die Daten‘ lässt sich kaum aufrechterhalten. Man sieht das gerade an Claude – einem sehr tollen Werkzeug, einer sehr tollen KI.
SIMONE Nehmt mich mit: Wer oder was ist Claude?
FALK Claude ist ein KI-Modell, das vor zwei, drei Jahren auf den europäischen Markt kam. Es ist ein Unternehmen, das von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet wurde. Sie haben einen so mächtigen Algorithmus entwickelt, dass es – gerade fürs Programmieren und komplexe Aufgaben – momentan mit Abstand eines der besten KI-Modelle ist. Neben ChatGPT gibt es ja noch Gemini und andere – aber von den Large Language Models ist Claude ein sehr, sehr mächtiges Werkzeug mit sehr guten Ausgaben. Und beim Datenschutz ist das sehr, sehr schwierig.
[Anm.: Die ursprüngliche Aussage enthielt sachliche Ungenauigkeiten: Anthropic wurde von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet, nicht von ‚Mitgründern von ChatGPT‘ und nicht von Apple.]
SIMONE Woher hat die KI ihr Wissen? Was meinen wir damit, wenn wir sagen, jemand hat die KI trainiert?
JENS Das ist Teil einer großen Debatte. Die KI hat das Wissen von frei zugänglichen Quellen im Internet. Alles, was du im Internet lesen kannst, wurde gescrapt – das heißt, kleine Programme wurden losgeschickt, die das gesamte Internet sozusagen abgefischt und ausgelesen haben und als Trainingsdaten diesen Modellen zur Verfügung gestellt haben. Zum Beispiel gibt es ganz große Foren, wo Programmierprobleme gelöst wurden – und das Wissen dieser Modelle kommt zu einem großen Teil aus diesen Foren. Es ist alles das Werk menschlicher Arbeit, menschlicher Intelligenz, Wissen und Erfahrung. Das ist im Prinzip zu großen Teilen Urheberrechtsverletzung, würde ich sagen. Da sind wahrscheinlich auch die ganzen alten Klassiker drin, die frei zugänglich im Internet verfügbar sind – Projekt Gutenberg zum Beispiel. Mittlerweile kommen die Daten natürlich auch aus den Chat-Fenstern, in denen die Menschen unterwegs sind – die Modelle trainieren sich weiter, indem die Nutzer die Antworten bewerten.
FALK Da habe ich eigentlich nicht viel zu ergänzen. Es ist manchmal sehr skurril, wo die Daten herkommen und wie sich die Modelle weiterentwickeln. Da steht ja alles in den AGBs – in den 4.000 Seiten, die man sich durchlesen müsste, die man von Grund auf akzeptiert. Mit jedem Prompt, den wir geben, trainieren wir mit. Wir füttern die KI leider selber mit, indem wir Daten hochladen – Studienbriefe, Bücher, Essays – was rein rechtlich auch nicht erlaubt ist, weil wir damit eine Urheberrechtsverletzung begehen.
SIMONE Jetzt mal ganz konkret: Welche Daten sollte ich niemals in eine öffentliche KI eingeben?
FALK Ganz grob: Sobald ich im Berufskontext bin, sollten keine personenbezogenen Daten drin sein. Keine Anschriften, keine Patientendaten, keine Firmendaten – Namen, Prozesse, interne Abläufe. Das alles wird quasi öffentlich gemacht, auch wenn man es im ersten Moment nicht sieht. Im privaten Bereich sollte man sehr vorsichtig sein, was man hochlädt. Sobald man im Firmenkontext ist: möglichst anonymisieren, Namen rausstreichen und sämtliche Bezüge zu personenbezogenen Daten aus den Dokumenten entfernen.
SIMONE Jens, wie habt ihr das für Sieben Linden gelöst?
JENS Es ist nicht so einfach, mit europäischen KI-Lösungen zu arbeiten. Es gibt Mistral aus Frankreich – das ist das Einzige, was noch halbwegs kompetitiv ist mit den großen US-Modellen. Wir haben es so gemacht, dass wir einen Proxy haben – eine vorgeschaltete Oberfläche, die die Anfragen anonymisiert und dann weitergibt an Modelle, die in Europa gehostet sind. Das sind dann die großen Modelle von OpenAI oder Anthropic – also ChatGPT oder Claude –, die aber nicht in den USA laufen, sondern in der Europäischen Union. Mit dieser Firma haben wir zusätzlich einen Vertrag geschlossen, dass die Daten nicht weitergereicht werden. Man muss da aber sehr genau lesen, was tatsächlich übergeben wird. Wir hatten auch in der Vergangenheit mit anderen US-Technologien das Problem, dass es auf dem Papier garantiert wird, das Papier aber nicht das wert ist, worauf es geschrieben ist, weil die Daten trotzdem zum großen Teil abfließen.
SIMONE Also: Wir haben eine eigene Oberfläche, die dann eine Verknüpfungsstelle zur großen KI-Ebene hat, und dazwischen ist ein Sicherheitssystem eingebaut?
JENS Genau. Zumindest scheinbar. Uns wird vertraglich garantiert, dass unsere Daten nicht für das Training benutzt werden. Und was für mich der große Sicherheitsaspekt ist: Die Modelle, die wir nutzen, laufen in Europa – in europäischen Rechenzentren, teilweise bei der Deutschen Telekom, teilweise bei Amazon, die ihre Serverfarmen in Europa haben. Wie bei allen Verträgen ist das auch immer ein bisschen eine Vertrauenssache. Wenn man diese Technologie auf diesem Level benutzen möchte, hat man wenig Möglichkeiten – und das ist meiner Meinung nach die beste Lösung, die es gibt.
SIMONE Wenn mich das interessiert – wie komme ich da dran oder ist das gar nichts für Privatleute?
JENS Es gibt verschiedene Dienste, die man auch privat buchen kann. Auch die amerikanischen Anbieter garantieren in der Bezahlvariante, dass die Daten nicht für Trainingszwecke genutzt werden. Das muss man dann selber entscheiden und auch seinem Bauchgefühl vertrauen. Ich würde sagen: Man sollte dafür bezahlen, wenn man es in einem größeren Maße nutzen möchte. Was ich noch für das zugänglichste Tool halte, ist DuckAI – das ist von DuckDuckGo, das kennen viele als Suchmaschine. Die versprechen, dass die Daten nicht weitergegeben werden. Da hätte ich schon Vertrauen rein.
SIMONE Was würdest du Privatmenschen raten, Falk? Wie kann man eine möglichst sichere KI-Variante wählen?
FALK Absichern kann man sich durch entsprechende Bezahlung. Es gibt aber eine wirklich sichere Variante: Ollama. Damit arbeite ich relativ viel. Dabei lädt man die Large Language Models auf den eigenen Rechner herunter und kann dann lokal arbeiten – Schreiben erstellen, programmieren und so weiter. Das verlässt den lokalen Rechner nicht. Man kann das Netzwerkkabel rausziehen und die Anfragen trotzdem stellen.
SIMONE Ollama – gut, das werden wir auch posten.
FALK Könnt ihr gerne posten. Das Problem ist: Ollama ist nicht intuitiv. Und das ist ja der große Vorteil aller anderen KI-Modelle – man hat mit Google diese einfache Eingabezeile eingeführt, und das hat sich bei allen KI-Modellen durchgesetzt: sehr intuitiv, sehr einfach. Das ist Ollama leider nicht. Auch die Anforderungen an die Hardware sind relativ hoch – man braucht viel Grafikkartenspeicher und einen großen RAM. Das ist unter anderem einer der Gründe, warum die Grafikkartenpreise in den letzten Jahren so explodiert sind. Und man muss sich gut einlesen, um das auf dem eigenen Rechner zu betreiben.
JENS Da möchte ich noch ergänzen: Es gibt mittlerweile relativ intuitive Lösungen dafür. Aber der Fallstrick ist, dass man starke Hardware braucht – der Rechner muss schnell sein, viel RAM haben, eine große Grafikkarte. Man sollte sich darauf einstellen, dass die Modelle vielleicht langsamer laufen und nicht so leistungsstark sind. Es gibt dazu auch einen Podcast mit Rainer hier aus dem Ökodorf – den kann man sich mal anhören. Der hat einen eigenen Server aufgesetzt und spielt da ziemlich viel rum. Er kann schon sehr viel damit machen, aber das setzt echtes Expertenwissen voraus.
SIMONE Bei der Anwendung – geht es für euch auch darum, KI so wenig wie möglich zu benutzen, also wirklich genau überlegen, welche Anfragen man stellt? Falk ist ja ein sehr begeisterter Nutzer. Wie siehst du’s, Jens?
JENS Du hast gesagt ‚einfach googeln‘ – die Google-Suche gibt es in der Form eigentlich nicht mehr, weil Google die Suche mittlerweile durch einen KI-Chat ersetzt hat. Das ist der Zeitgeist, dahin geht es. Das ist so wie mit allem: Man gibt im Zweifel Kompetenzen ab, verlernt auch Dinge. Eine schöne Handschrift zum Beispiel kann ich gar nicht mehr. Karten lesen, Telefonnummern memorieren und so weiter. Je mehr ich der KI gebe, desto mehr schmälere ich meine eigenen Kompetenzen. Und gerade wenn man an Umweltschutz denkt, sollte man das sehr gezielt einsetzen. Es gibt mit Sicherheit gute Anwendungsszenarien, aber auch viele Fälle, wo man herkömmlichere Techniken nutzen sollte. Wenn es um eine einfache Internetrecherche geht, ist eine normale Suchmaschine bestimmt das bessere Mittel.
SIMONE Benutzt du KI überall, Falk? Du bist ja jetzt so ein großer Fan.
FALK Tatsächlich ja, ich benutze KI sehr viel, in fast allen Alltagssituationen. Sei es Kochen, sei es den Kühlschrank abfotografieren, um zu schauen, was ich mir damit kochen kann.
SIMONE Warte mal – du fotografierst deinen Kühlschrank und lässt die KI überlegen, was du dir daraus kochen könntest?
FALK Genau, sehr gute Idee. Das ist alles möglich – und das ist das, warum ich davon so begeistert bin. Wenn ich keine Idee habe, fotografiere ich einfach mein Vorratsregal oder meinen Kühlschrank und bekomme sehr schnell sehr gute Rezeptvorschläge. Kochen kann die KI leider noch nicht – das wäre dann der nächste Schritt. Und auch die Anzahl an Prompts: Wenn ich das Erste nehmen würde, was die KI mir ausspuckt, ist es Müll. Anders kann man das nicht sagen. Es ist nicht so wie bei Google – ich muss es mir erarbeiten.
SIMONE Also: Wenn du einfach einmal die KI fragst, bist du mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden?
FALK Noch lange nicht. Wenn ich etwas schreibe – privat, für die Uni oder beruflich – kann es sein, dass ich für einen Satz bis zu 20 oder 30 Mal hin und her schreibe, bis der richtige Terminus drin ist, bis die Wortfolge passt, bis es menschlich klingt. Das ist sehr wichtig, weil KI leider manchmal sehr viel halluziniert. Und das ist etwas, was ich im Unterricht mitbekomme: KI-Prompting muss gelernt werden. Früher mussten wir googeln lernen – möglichst kleine Anfragen. Bei KI ist es umgekehrt: Wir müssen von Anfang an sehr viel mitgeben. Wenn ich ein Projekt habe, schreibe ich ganz am Anfang ein sogenanntes Master-Prompt – das kann zwei, drei, vier Seiten lang sein –, damit ich das richtige Setting bekomme. Man kann KI so nutzen, dass man einfach die erste Antwort nimmt – dann hat man nichts gelernt. Das vergleiche ich so: Ich bin Jahrgang 89. Als ich in den 2000ern zur Schule gegangen bin, gab es diejenigen, die sich einen Wikipedia-Eintrag ausgedruckt und vorgetragen haben – die haben nichts gelernt. Und es gab diejenigen, die mit dem Eintrag gearbeitet haben. Genauso sollten wir mit KI umgehen: als Sparring-Partner, als Werkzeug.
SIMONE Jens, kannst du mir das auch so einstellen? Bei unserer KI lobt sie mich immer so komisch – das nervt mich.
JENS Kann ich machen. Ich habe solche Systemprompts auch schon geschrieben für die Spezialanwendungen, die wir benutzen – zum Beispiel: Bring das in eine korrekte Form, gib mir das richtige Ausgabeformat und stell sicher, dass die und die Sachen drin sind und bestimmte stilistische Mittel nicht. Da kommen schon ein paar Seiten zusammen, und allein die Erarbeitung dieses Prompts ist schon aufwendig. Man muss viel reinstecken, damit das Ergebnis so wird, wie man es möchte. Und das ist auch das Interessante an KI: Es ist kein Programm, kein direktes Input-A-raus-kommt-B – man weiß nicht genau, was rauskommt. Es ist immer ein Herantasten. Und dabei kritisch bleiben – sich nicht einlullen lassen: ‚Ach, das hast du jetzt wieder so toll geschrieben, Simone. Auf die Idee wäre ich ja gar nicht gekommen.‘
SIMONE Mich macht das auch skeptisch, wenn ich sowas sehe.
JENS Ja, genau. Und das sollte es auch. Man kann die KI einstellen, dass sie super kritisch ist – aber wo ist da der gute Mittelweg? Das finde ich sowieso das Interessanteste an dieser KI: Es ist nicht klar, was hinten rauskommt. Selbst die Forscher, die sie entwickeln, wissen das nicht immer genau.
SIMONE Falk, als angehender Soziologe – kann KI die Gesellschaft gerechter, fairer machen?
FALK Da sehe ich durchaus Chancen. Zum Beispiel bei Auswahlverfahren für Berufe: Bewerber werden nicht mehr nach Name, Geschlecht oder Staatsangehörigkeit bewertet, sondern tatsächlich nur nach ihren Qualifikationen. Die KI könnte dem Auswahlverfahren eine gleichere Stellung einräumen, als wir als Menschen das leisten können.
SIMONE Kommen wir zur Nachhaltigkeitsschiene – Ressourcenverbrauch und Energieaspekte. Ich habe gehört, dass durch die KI-Expansion auch der Energieverbrauch weltweit steigt.
FALK Das ist wohl der größte Nachteil der KI. Wir bezahlen Geld an die KI-Konzerne, aber im Endeffekt wird unser Geld umgerechnet in sogenannte Token. Da mache ich immer gerne das Beispiel am Handyvertrag: Auch wenn man ein teures Abo kauft, hat man nur eine bestimmte Anzahl an Token. Und Token sind nichts anderes als Einsen und Nullen, die Energie verbrauchen. Die Tech-Industrie versucht momentan neue Wege – zum Beispiel Server in kältere Regionen umzuziehen. Es geht auch um seltene Erden, die für die Grafikkarten benötigt werden. Um Energie zu sparen, wäre das Einfachste: auf Freundlichkeiten mit der KI zu verzichten. Man muss ihr keinen guten Morgen wünschen – das ist unnötige Energie.
SIMONE Die Leute schreiben in ihrer KI ‚Guten Morgen, wie geht es dir‘?
FALK Sehr viele. Ich glaube, einer der häufigsten Prompts des letzten Jahres war ‚Hallo‘ oder ‚Wie geht’s dir?‘ – einer von den dreien ist unter den Top Ten. Und das frisst alles Energie. Da steckt manchmal auch eine Angst dahinter: Ich muss für die KI freundlich sein, nicht dass sie irgendwann klingelt. Das müssen wir nicht – das wird auch nicht passieren. Also: nicht mit vielen Wiederholungen arbeiten, keine Freundlichkeiten.
JENS Auf Freundlichkeiten kann man wirklich verzichten – das Danke kann man sich schenken. Aber um Token zu sparen, ist es vor allem sinnvoll, möglichst gut die Frage zu formulieren – also möglichst viel Kontext mitzugeben –, damit man nicht in ein Ping-Pong verfällt und beim ersten Output schon etwas Gutes rauskommt. Das finde ich sehr wichtig.
SIMONE Also ich überlege mir vorher ganz genau, was ich will, und lasse den Prozess dann möglichst zügig ablaufen.
JENS So ist es. Und man hat oft die Möglichkeit, kleinere Modelle zu wählen. Man muss nicht immer das größte, schnellste Modell nehmen – das verbraucht am meisten Token und da ist auch am meisten Energie fürs Training reingesteckt worden. Das darf man nicht vergessen: Es ist nicht nur die konkrete Anwendung, sondern auch die gesamte Energie, die in diesem Modell steckt.
SIMONE Okay, was ist denn nun das kleinste Modell?
JENS Man kann oft die Stärke des Modells auswählen. Das sieht man meistens an den Preisen beim Hersteller: Das günstigste ist in der Regel das kleinste Modell, und das sollte man wählen, was dem jeweiligen Anwendungsfall angemessen ist. Da muss man ein bisschen rumprobieren.
SIMONE Also: Bei einer KI, die ich bezahle, wähle ich das kleinste Modell?
JENS So ist es. Aber man muss nicht dafür bezahlen, um das kleinste Modell zu wählen – man sieht an den Preisen, welches das kleinste ist, und die Anbieter beschreiben das auch meistens.
FALK Ja, mit dem Ausdruck ‚immer das kleinste Modell nehmen‘ – es gibt ja eine Abstufung: Das kleinste Modell für Alltagssachen und Schreiben – okay. Aber wenn ich zum Beispiel eine Excel-Tabelle auswerten muss, sollte ich das leistungsfähigere Modell nehmen. Es gibt für jede Aufgabe das passende Werkzeug. Ich bin tatsächlich bei vier unterschiedlichen KI-Modellen angemeldet und nutze sie je nach Bereich. Claude ist ein sehr guter Sparring-Partner fürs Programmieren und für komplexe Aufgaben – aber dort sind die Token auch sehr teuer. Für Alltagssachen reicht Gemini oder ChatGPT aus. Oder Mistral, das ich auch schon getestet habe – es ist datenschutzkonform, aber okay. Für einfache Alltagsfragen braucht man keine der großen Plattformen mit den teuren Token.
SIMONE Ich würde nochmal betonen: Wirklich überlegen, wofür man KI nutzt. Das mit dem Kühlschrank fotografieren würde ich unter Energieaspekten doch mal in Frage stellen. Dass man KI dann einsetzt, wenn man sich wirklich einen großen Gewinn davon verspricht.
FALK Ja, aber das sehe ich auf beiden Seiten. Ich habe letztes Jahr mit der KI meine Gasheizung durchforstet – ich bin da nie so richtig durchgestiegen. Ich habe mein Haus eingegeben, meine Grundwerte, und konnte dann, ohne einen teuren Heizungsmonteur rufen zu müssen, 30 Prozent meiner Gaskosten einsparen, einfach weil die Heizung richtig eingestellt wurde. Und dann erlaube ich mir für die Lebensqualität andersrum, den Kühlschrank abzufotografieren.
SIMONE Kann ja auch sein, dass jemand Lebensmittel nicht wegschmeißen muss, weil ihm eine Idee kommt, wie er sie noch verkochen kann.
FALK Und wenn eine Konserve das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, kann ich nachfragen, ob das noch verwertbar ist. Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht gleich ‚ungenießbar‘. KI kann uns dabei helfen, nicht nur Geld zu sparen – indem ich teure Fachhandwerker nicht mehr rufen muss –, sondern auch Sachen zu verwerten. Wenn ich ein Problem im Garten habe: Ich habe die und die Werkzeuge, die und die Steine und Hölzer – kann ich damit das bauen, was ich im Kopf habe? So kann KI, wenn sie ressourcenbewusst eingesetzt wird, auch da einen guten Beitrag leisten.
JENS Ja, so ähnlich sehe ich das auch. Ich bin noch weit davon entfernt, den Kühlschrank zu fotografieren – aber bei uns wird auch super gekocht. Was du mit deiner Gasheizung gesagt hast: Ein Kumpel von mir macht das tatsächlich auch. Der fragt die Wetterdaten ab und nutzt die Trägheit seines Gebäudes, um die Heizung zeitversetzt zu steuern – damit hat er schon richtig Einsparungen gemacht. Und ich finde es auch gut, wenn man eine Frage nicht richtig formulieren kann – wenn man in einem Thema nicht tief drin ist, hilft die KI, mal einen Start zu kriegen, das Thema kennenzulernen, die richtigen Begriffe zu lernen. Da ist ein Riesenpotenzial und die Anwendungsfälle sind wahrscheinlich unbegrenzt.
SIMONE Habt ihr noch etwas Abschließendes für unsere Hörerinnen und Hörer? Eine Website, einen Buchtipp oder etwas auf der Meta-Ebene?
FALK Nicht so direkt, ehrlich gesagt. Ich bekomme über Instagram ab und zu kurz und knackig was. Ansonsten ist es vor allem: selber probieren. Man kann mittlerweile KI-Texte erkennen. Man sollte das Prompting richtig lernen – das ist wichtig. Die KI braucht die Meta-Ebene: nicht nur was man aufschreiben würde, sondern wie das Konstrukt am Ende aussehen soll. Man muss damit arbeiten, um die entsprechenden Grenzen zu sehen – wann fängt es an zu halluzinieren, wann muss ich einen neuen Chat aufmachen? Ich glaube, es ist wichtig, ein bisschen die Angst davor zu nehmen. Und ein gutes Beispiel: Seitdem wir die KI haben, gibt es kein neues Element, keine große wissenschaftliche Entdeckung, die wir ausschließlich dadurch erringen konnten.
JENS Oh doch, ohne Ende! AlphaFold zum Beispiel, von Google – das ist ein Deep-Learning-System, das alle denkbaren Proteine gefaltet hat. Proteine falten sich dreidimensional im Raum –
SIMONE Hey, ihr seid Nerds! Das geht zu weit.
JENS Okay, okay – aber das ist ein krasser Meilenstein. Die Forschung wurde dadurch massiv beschleunigt. Da passiert schon einiges.
FALK Ja, Forschung wird beschleunigt – aber es ist nicht so, dass die KI selbstständig von sich aus etwas entwickelt. Es basiert alles auf menschlichem Denken. Wir mussten damals googeln lernen, wir mussten lernen, mit dem Computer umzugehen. Es wird sich in der Wirtschaft einiges tun. Berufe müssen sich anpassen, es werden Berufe wegfallen und neue entstehen. Handwerksberufe werden immer bleiben – die kann KI nicht ersetzen. Es ist viel: selber ausprobieren, ein bisschen die Angst nehmen. Und das Wichtigste: Wir sind immer noch über der KI. Die KI ist unser Werkzeug, und wir tragen die Verantwortung für das, was wir rausschicken, was wir veröffentlichen, was wir mit der KI machen. Unser eigener Geist sollte immer über der KI stehen.
JENS Du hattest nach Literatur und Quellen gefragt. Gerade bei Themen, die einem nicht passen oder die man intuitiv nicht gut findet, sollte man die Gegenseite lesen. Wenn jemand komplett gegen KI ist, sollte er sich einfach mal ein Interview mit Sam Altman ansehen – das ist der Geschäftsführer von OpenAI, der ChatGPT vorantreibt. Einfach mal ein Interview mit diesen Menschen lesen und sich ein eigenes Bild machen – das finde ich sehr wichtig. Und außerdem: KI ist digital, das echte Leben ist woanders. Wir können es für die Arbeit nutzen, uns damit unterhalten und rumspielen – aber um die Menschlichkeit nicht zu verlieren, müssen wir Menschen bleiben: menschliche Dinge tun, Menschen treffen, menschliche Erfahrungen machen.
SIMONE Ja, schön. Danke euch. Ihr könntet euch wahrscheinlich stundenlang darüber austauschen. Ich hoffe, es hat befruchtet – und man kann etwas rausnehmen, auch als jemand, der nachhaltigkeitsbewusst ist und trotzdem am modernen Leben teilhaben möchte. Danke euch.
JENS Dankeschön..
Leider gibt es nicht viele gute deutschsprachige Quellen, daher hat euch Jens ein paar gute Sachen auf Englisch rausgesucht.
Eine weitere Episode zum Thema findet ihr hier: https://siebenlinden.org/de/folge-94-kapitalismus-trifft-ki-und-dann/ (Podcast aus 2024 zu Rainer aus Sieben Linden und seiner eigenen KI)
Autorin: Simone Britsch
Mail: [email protected]
Interviewpartner: Falk Hantschmann und Jens Steger
Veröffentlicht unter der Creative Commons (CC BY 4.0)
Copyright Freundeskreis Ökodorf e.V., 06.08.2026
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Der Beitrag Folge 157: KI, Nachhaltigkeit und das Leben erschien zuerst auf Ökodorf Sieben Linden.
Mit Grit Bümann (Mehr Demokratie e.V.)
Der Rechtsruck in Ostdeutschland macht Schlagzeilen, am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Grit Bümann vom Verein Mehr Demokratie e.V. aus Magdeburg macht statt „Wahlkampf“ etwas sehr Menschliches: Sie bringt Menschen zum Zuhören. In dieser Folge sprechen wir über Demokratie aus ostdeutscher Perspektive, über das Dialogformat „Sprechen & Zuhören“ und über die Frage, ob unsere Demokratie im Abbau begriffen ist oder ob genau jetzt ihre Erneuerung beginnt.
Grit Bümann lebt und arbeitet in Sachsen-Anhalt und ist bei Mehr Demokratie e.V. angestellt – dem Verein, der sich für direkte Bürgerbeteiligung stark macht: Bürgerräte, Volksentscheide, losbasierte Formate. Wir als Ökodorf in Sachsen-Anhalt blicken mit einer gewissen Besorgnis den Wahlen entgegen und reden mit Grit über:
Passend zum Thema: Unser Gespräch mit Grit Bümanns Kollegen Dr. Josef Merk (Mehr Demokratie e.V.) über Gemeinschaft als Demokratie-Labor.
Zur Episode…
Für Mitglieder des Freundeskreis Ökodorf e.V.: Für das Demokratie-Training bieten wir euch Sonderpreise: 190 EUR / 120 EUR (sozialermäßigt). Bitte bei der Buchung im Textfeld angeben: Hier Mitglied werden!
Autorinnen: Simone Britsch
Mail: [email protected]
Interviewpartnerin: Grit Bümann
Veröffentlicht unter der Creative Commons (CC BY 4.0)
Copyright Freundeskreis Ökodorf e.V., 29.07.2026
Dieser Podcast wurde gefördert durch:
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Der Beitrag Folge 156: Sachsen-Anhalt vor der Wahl – Kann Zuhören die Demokratie retten? erschien zuerst auf Ökodorf Sieben Linden.
Es brennt. An allen Ecken und Enden. Ein marodes Gesundheitssystem, Klimakrise, Militarisierung, Rechtsruck und soziale Spaltung. Alles ruft nach politischer Einmischung. Gleichzeitig wächst in vielen Menschen der Wunsch, innezuhalten, sich zu spüren, zu heilen und sich weiterzuentwickeln. Aber ist das nicht ein Luxus, den wir uns gerade nicht leisten können?
Müssten wir als verantwortungsvolle Menschen nicht alle auf die Straße, statt uns mit uns selbst zu beschäftigen? Oder braucht jede echte Transformation beides – den äußeren Einsatz und die innere Arbeit?
Anita Maas, Naturcoach und Herausgeberin des Podcast „Wild und Weise“ und Simone Britsch, seit 23 Jahren im Ökodorf Sieben Linden wälzen große, weltbewegende Fragen:
Offensichtlich ist: wer innerlich erschöpft und orientierungslos ist, kann nach außen wenig bewegen. Und wer nur nach innen schaut, verpasst das akute Weltgeschehen.
Fakt ist, dass das Volk, und damit sind wir alle gemeint, aktiv werden muss, damit sich etwas substantiell ändert. In dieser Folge sammeln wir Ideen, Möglichkeiten und Vorbilder, wie wir gemeinsam dazu beitragen können, dass die Transformation in eine neue Welt gelingt. Die Vision einer friedlichen Revolution kann ein Leitstern sein.
Anita Maas ist Gastgeberin des Podcasts „Wild und Weise„. Sie spricht mit inspirierenden Menschen über Themen, die in Zeiten des Wandels ermutigen.
Anita Maas Naturcoaching: maas-naturcoaching.de
Sommercamp im Ökodorf Sieben Linden (1.-9. August 2026) – „Irgendwas für Frieden“. Weltretten und Auftanken: siebenlinden.org/sommercamp.
Angebote für Persönlichkeitsentwicklung, Stressbewältigung und Resilienz im Ökodorf
Verein Reinventing Society (Berlin): www.realutopien.de
„Zähne Putzen“ – Retreats für Aktivisti in verschiedenen Gemeinschaften: aktivisti-retreat.org
Autorinnen: Anita Maas und Simone Britsch
Mail: [email protected]
Interviewpartnerin: Anita Maas
Veröffentlicht unter der Creative Commons (CC BY 4.0)
Copyright Freundeskreis Ökodorf e.V., 16.07.2026
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Der Beitrag Folge 155: Multikrise – Haben wir noch Zeit für „innere Arbeit“? erschien zuerst auf Ökodorf Sieben Linden.
Es brennt. An allen Ecken und Enden. Ein marodes Gesundheitssystem, Klimakrise, Militarisierung, Rechtsruck und soziale Spaltung. Alles ruft nach politischer Einmischung. Gleichzeitig wächst in vielen Menschen der Wunsch, innezuhalten, sich zu spüren, zu heilen und sich weiterzuentwickeln. Aber ist das nicht ein Luxus, den wir uns gerade nicht leisten können?
Müssten wir als verantwortungsvolle Menschen nicht alle auf die Straße, statt uns mit uns selbst zu beschäftigen? Oder braucht jede echte Transformation beides – den äußeren Einsatz und die innere Arbeit?
Anita Maas, Naturcoach und Herausgeberin des Podcast „Wild und Weise“ und Simone Britsch, seit 23 Jahren im Ökodorf Sieben Linden wälzen große, weltbewegende Fragen:
Offensichtlich ist: wer innerlich erschöpft und orientierungslos ist, kann nach außen wenig bewegen. Und wer nur nach innen schaut, verpasst das akute Weltgeschehen.
Fakt ist, dass das Volk, und damit sind wir alle gemeint, aktiv werden muss, damit sich etwas substantiell ändert. In dieser Folge sammeln wir Ideen, Möglichkeiten und Vorbilder, wie wir gemeinsam dazu beitragen können, dass die Transformation in eine neue Welt gelingt. Die Vision einer friedlichen Revolution kann ein Leitstern sein.
Anita Maas ist Gastgeberin des Podcasts „Wild und Weise„. Sie spricht mit inspirierenden Menschen über Themen, die in Zeiten des Wandels ermutigen.
Anita Maas Naturcoaching: maas-naturcoaching.de
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„Zähne Putzen“ – Retreats für Aktivisti in verschiedenen Gemeinschaften: aktivisti-retreat.org
Autorinnen: Anita Maas und Simone Britsch
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Interviewpartnerin: Anita Maas
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Alle Episoden unseres Podcasts findest du HIER.
Der Beitrag Folge 155: Multikrise – Haben wir noch Zeit für „innere Arbeit“? erschien zuerst auf Ökodorf Sieben Linden.
Was bedeutet Frieden – und wie baut man ihn auf? Sabine Lichtenfels beschäftigt diese Frage seit ihrer Jugend. Mit 16 Jahren hatte sie bereits einen großen Traum: einen Lebensort zu gründen, der zum Modell wird für eine neue, friedliche Gesellschaft. Heute ist sie über 70, Theologin, Autorin, Friedensbotschafterin – und Mitgründerin der Friedensgemeinschaft Tamera in Portugal. In dieser Folge sprechen wir mit ihr über eine der drängendsten Fragen unserer Zeit.
Ein Weltkrieg scheint nicht mehr ausgeschlossen, die Spirale der Gewalt zieht weite Teile der Welt in ihren Bann. Wie können wir eine Kultur entwickeln, die nicht auf Konkurrenz und Angst beruht, sondern auf Kooperation und Vertrauen? Dazu brauchen wir eine präzise Vision einer heilen Welt. Diese Vision zu entwickeln ist für sie sehr bodenständig, eine Voraussetzung für wirksames Handeln. Dabei schöpft die Gemeinschaft Tamera aus einem breiten Fundus: Traumarbeit, spirituelle Forschung und Frieden zwischen den Geschlechtern. Es gab friedliche Kulturen in der früheren Menschheitsgeschichte und Sabine setzt darauf, dass wir diese Informationen heute wieder „abrufen“ können: Wie haben dezentral organisierte Gemeinschaften gewaltfrei gelebt?
Unsere Gesellschaft polarisiert sich auf eine Weise, die zunehmend eine Kriegs-Matrix aktiviert. Inhaltliche Positionen trennen Menschen voneinander, statt sie zu verbinden. Gerade in diesen „Zeiten der Meinungskriege“ sieht Sabine Gemeinschaften in einer besonderen Verantwortung. Wer das Privileg hat, in einer Gemeinschaft zu leben, sollte auch zur Verständigung beizutragen – über die eigene Bubble hinaus.
Gemeinschaft kann als Oase der politischen Kraft dienen: Menschen aus Krisengebieten können hier auftanken. Und Menschen aus Gemeinschaften sollten von ihren sicheren Orten aus in die Welt gehen, um tätig zu werden. Tamera ist hier europaweit vorbildlich und kooperiert mit Friedensprojekten in Brasilien, Kolumbien und Nahost – und Sabine ist immer wieder in diese Krisenregionen gereist. Für sie ist das echte Kooperation, sich dem Schmerz der Menschen in diesen Regionen bewusst auszusetzen:
„Es ist für mich unglaublich, wie Menschen, die in diesen Krisenherden leben, ihre Hoffnung nicht verlieren. Das können wir unterstützen durch unsere Aufmerksamkeit und unseren politischen Aktivismus.“
Frieden ist nicht nur etwas zwischen Menschen. Es geht um die Kooperation mit der Erde, mit dem Wasser, mit allen Lebewesen. Wasserrechte und Erdrechte sind für Sabine keine abstrakten politischen Forderungen – sie sind Ausdruck einer tiefen Haltung der Zugehörigkeit und eine Quelle für echten Frieden. Wer mehr über Tameras Arbeit mit Wasser und Ökologie erfahren möchte, findet spannende Hintergründe in der Podcast-Folge über Permakultur und Wassermanagement in Tamera.
Sabine Lichtenfels: sabine-lichtenfels.com
Gemeinschaft Tamera in Portugal: www.tamera.org
Sabine Lichtenfels und ihr internationales Wirken: https://sabine-lichtenfels.com/grace-pilgerschaften-global-grace-day/
„Wir weigern und Feinde zu sein“: Dokumentation von der Friedenspilgerschaft 2005 mit Sabine Lichtenfels: youtube.com
Autorin: Simone Britsch
Mail: [email protected]
Interviewpartnerin: Sabine Lichtenfels
Veröffentlicht unter der Creative Commons (CC BY 4.0)
Copyright Freundeskreis Ökodorf e.V., 02.07.2026
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Der Beitrag Folge 154: „Wir weigern uns Feinde zu sein“ – Friedensbotschafterin Sabine Lichtenfels erschien zuerst auf Ökodorf Sieben Linden.
Sie schloss ihr Psychologiestudium erfolgreich ab– und arbeitet jetzt glücklich im Ökodorf Sieben Linden als Hausmeisterin. Klingt nach einem Karriereknick. Ist aber genau das Gegenteil davon.
In dieser Podcast-Folge erzählt Annika Deisser, wie sie über einen Freiwilligendienst zum Ökodorf Sieben Linden gefunden hat – und warum sie geblieben ist. Nicht als Psychologin, sondern als Hausmeisterin, Landschaftsgestalterin und in der Jugendbildungsarbeit. Eine Geschichte über den Mut unkonventionelle Wege zu gehen. Eine Erfolgsstory über Patchwork-Berufsbilder. Und alternative Ausbildungswege Und eine Reflexion zur Frage, was ein erfülltes Arbeitsleben eigentlich ausmacht.
Annika hat Psychologie studiert. Doch statt den klassischen Karriere-Weg einzuschlagen, zog es sie in unsere ländliche Gemeinschaft mitten in der Altmark. Nach einer Anfangszeit in der Gemüsegärtnerei ist sie nun eine von zwei Hausmeisterinnen beim Verein Ökodorf e.V. und feste Bewohnerin Sieben Lindens.
Die Hausmeisterei ist dabei mehr als Glühbirnen wechseln. Im Ökodorf bedeutet sie: Verantwortung für eine Infrastruktur tragen, die für Bildung, Begegnung und gemeinschaftliches Leben. Das gibt etwas zurück, das in vielen Bürojobs fehlt: sichtbare, spürbare Wirkung.
Neben der Hausmeisterei arbeitet Annika in der Jugendarbeit, begleitet Freiwillige und macht Bildungsarbeit für junge Erwachsene. Hier kann Sie ihr Wissen aus dem Studium einfließen lassen: Räume schaffen, in denen junge Menschen sich entwickeln können. Viele suchen Orientierung, echte Begegnungen und Antworten auf die Frage: Wie will ich eigentlich leben? Genau das bietet das Ökodorf. Und genau das macht Annikas Arbeit aus.
Fast alle Bewohner:innen in Sieben Linden verdienen ihr Geld durch Teilzeitarbeit, weil Gemeinschaft, Ehrenamt und persönliche Projekte ebenfalls Zeit brauchen. Das sogenannte Patchwork-Einkommen ist kein Notbehelf, sondern frei gewählt: Verschiedene Tätigkeiten, verschiedene Rollen, verschiedene Talente – das läuft nebeneinander und braucht ein gutes Händchen für Organisation und ein Feeling für die richtige Work-Life-Balance.
Für junge Menschen, die sich fragen, ob ein unkonventioneller Weg empfehlenswert sein kann, hat Annika eine klare Botschaft: Ja. Und ein guter Einstieg ist oft ein Freiwilligendienst. FÖJ, BFD oder ESC – alle Programme bieten eine tolle Chance Praxiserfahrungen zu sammeln und sich selbst besser einschätzen zu lernen: Was liegt mir gut? Was mag ich gar nicht?
Alternativen zu Studium und Ausbildung:
UniArtCity: uniartcity.org
Wanderuni wanderuni.de
Bachelor of Being, das Orientierungssemester bachelor-of-being.de
Verbund der Orientierungszeiten: verbund-orientierungszeiten.de
Autorin: Simone Britsch
Mail: [email protected]
Interviewpartnerin: Annika Deißer
Veröffentlicht unter der Creative Commons (CC BY 4.0)
Copyright Freundeskreis Ökodorf e.V.,18.06.2026
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Der Beitrag Folge 153: Psychologie studiert. Hausmeisterin aus Überzeugung – Annikas Karriereknick oder Glücksfall? erschien zuerst auf Ökodorf Sieben Linden.
Der Krieg im Nahen Osten treibt Düngerpreise hoch – dabei spülen wir täglich den wertvollsten Dünger der Welt ins Klo.
Während geopolitische Spannungen die Abhängigkeit von importierten Mineraldüngern sichtbar machen, zeigen Expert:innen aus der Sanitärwende: Die Lösung liegt buchstäblich vor uns. Oder besser gesagt: unter uns. Wer groß und ganzheitlich denkt, beginnt mit der Frage, was nach dem Frühstück im Badezimmer passiert – und warum das alles andere als eine Kleinigkeit ist.
Beim Jahreskongress des Netzwerks für nachhaltige Sanitärsysteme (NetSan) im Ökodorf Sieben Linden treffen wir drei Menschen, die diese Zusammenhänge nicht nur denken, sondern täglich leben und gestalten.
Direkt vom Küchentisch im Ökodorf Sieben Linden: Beim Jahreskongress des Netzwerks für nachhaltige Sanitärsysteme (NetSan) treffen sich die Klügsten der Branche – und wir sind dabei.
In dieser Folge sprechen wir mit drei Expert:innen über die große Frage: Warum spülen wir wertvolle Nährstoffe ins Meer, während die Düngerpreise explodieren – und was wäre die Alternative?
Unsere Podcast-Gäste:
Wir reden über Nährstoffkreisläufe, planetare Grenzen, Trommelkompost-Systeme – und die Frage wie die Sanitärwende auch in Städten funktionieren kann. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran bringen eine Aktualität in die Debatte, denn die Preise für importierte Düngemittel steigt – und nachhaltig sind diese Produkte natürlich auch nicht.
Also. Klüger scheißen! Eine Folge für alle, die verstehen wollen, warum die Revolution vielleicht im Badezimmer beginnt.
Netzwerk NetSan für nachhaltige Sanitärsysteme
Firma finizio
„Großes Geschäft – Kleiner Fußabdruck“ Blogbeitrag von Max Werdenigg
Hier ein Blogbeitrag zum NetSan-Kongress 2026 in Sieben Linden
Holy Shit – der Film
Holy Shit – Das Buch
Autorin: Simone Britsch
Mail: [email protected]
Interviewpartner:innen: Annette Jensen, Katharina Müller, Max Werdenigg
Veröffentlicht unter der Creative Commons (CC BY 4.0)
Copyright Freundeskreis Ökodorf e.V., 04.06.2026
Alle Episoden …
Der Beitrag Folge 152: Klugscheißen! Aus Fäkalien Dünger machen. erschien zuerst auf Ökodorf Sieben Linden.
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