Sie waren in Weimar nicht mehr erwünscht, deswegen zogen Walter Gropius, Henry van de Velde und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter 1925 nach Dessau. Hier herrschte ein liberaleres Klima, außerdem bot die aufstrebende Industriestadt allerlei Vorteile. Und so entstanden ind Dessau die meisten Bauhaus-Gebäude. Allen voran das Schulgebäude, das mit seinem ikonischen Werkstattflügel bereits ein Jahr später — 1926 — eröffnet wurde. Gebaut wurde es in seinen Grundzügen aus Beton, Stahl und Glas — das waren die sogenannten neuen Materialien, die einer neuen Zeit. Aus ihnen wollten die Architekten eine Ästhetik und Produktionsweise entwickeln, die der Moderne angemessen war, erzählt Elke Buhr im Podcast. Über allem stand die grundsätzliche Idee nach einem ästhetisch gestalteten Umfeld.
In zwei Ausstellungen gehen die Kuratorinnen und Kuratoren des Jubiläumsjahrs dem Bauhaus im wahrsten Sinne des Wortes an die Substanz. In „Glas | Beton | Metall“ und „Algen | Schutt | CO₂“ erkunden sie die Materialien des Bauhauses, ihre Herkunft, ihren Einsatz und die Arbeitsbedingungen, unter denen sie weiterverarbeitet wurden. Mit drei weiteren Ausstellungen und zahlreichen Veranstaltungen bilden sie den Höhepunkt der Feierlichkeiten anlässlich von 100 Jahren Bauhaus in Dessau.
Beton, Glas, Stahl — Symbole einer neuen Zeit
„Die Materialien waren nicht neu“, sagt Dr. Barbara Steiner, „Gropius war davon sehr fasziniert. Neu war die bestimmte Art und Weise, wie man sie einsetzte.“ Alle Ideen, die bis dato oft nur Theorien waren kulminierten in dem Schulgebäude in Dessau. Während für Gropius Lehm und Holz die alten Materialien symbolisierten, standen Beton und Stahl für eine neue, moderne Zeit. Eine Zeit, in der es industriell gefertigte Bauteile gab und der modulare Wohnungsbau ein gutes Lebensumfeld für alle schaffen sollte. Aber 1926 war es noch nicht so weit. „Alles wurde vor Ort gemacht“, erzählt Barbara Steiner.
Dabei kam so viel Holz zum Einsatz, dass sich manche Sorgen um die umliegenden Wälder machten. Aber grundlegende Gedanken darüber hinaus, über die Umweltauswirkungen, insbesondere den Abbau von Sand und Kies, machte man sich damals noch nicht. Mit diesen Fragen und möglichen alternativen Baustoffen setzt sich die Ausstellung „Algen | Schutt | CO₂“ in dem ehemalige Kaufhaus Zeeck auseinander. Hier geht es auch um CO2-armes Restaurieren und Renovieren.
In dieser Folge von „Kunst und Leben“, dem Podcast in Kooperation mit dem Monopol-Magazin, spricht detektor.fm-Moderatorin Sara-Marie Plekat mit Elke Buhr, Chefredakteurin des Monopol-Magazins, über die Ideen hinter dem Bauhaus und ergründet mit Dr. Barbara Steiner, Direktorin und Vorständin der Stiftung Bauhaus Dessau, die Materialien des Bauhauses. Die Hauptausstellungen zum 100-jährigen Jubiläum eröffnen am 28. März 2026.