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In den Sechzigern ziehen hunderttausend Süditaliener*innen nach Turin, um dort bei FIAT Autos am Fließband zu bauen. Die Gewerkschaften halten diese unqualifizierten Arbeiter*innen für unpolitisch und sind mehr mit nationalem Wiederaufbau beschäftigt, als mit Klassenkampf.
Währenddessen entwickeln Linke Intellektuelle, die unzufrieden mit dem Kurs ihrer Parteien sind, eine neue marxistische Strömung: den Operaismus.
Als dann 1968 eine Welle der Revolten die Welt überrollt, kommt es auch bei FIAT zu Aufständen. Ausgerechnet die Arbeiter*innen, die zuvor als unpolitisch galten, streiken jetzt und organisieren sich unabhängig von den Gewerkschaften autonom. Dafür tun sie sich mit Studierenden zusammen, die vom Operaismus beeinflusst sind.
Danke an Andrea Fumagalli für das Gespräch und das schöne Treffen.
Literatur
- Dietmar Lange: Aufstand in der Fabrik. Arbeitsverhätnisse und Arbeitskämpfe bei FIAT Mirafiori 1962 bis 1973
- Nanni Ballestrini: Wir wollen alles
- Nanni Ballestrini und Primo Moroni: Die goldene Horde. Eine Geschichte der italienischen Revolte 1960–1977
- Vortrag von Christian Frings
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In Zürich entsteht in den 1980er Jahren eine der größten offenen Drogenszenen Europas. Heroin und Koks ist weit verbreitet, viele Menschen leben auf der Straße und in besetzten Häusern. Die Politik reagiert mit Repression und Vertreibung.
Doch die Junkies organisieren sich - und viele nicht-junkende Menschen mit ihnen. Sie finden Strategien gegen die Polizei-Razzien auf dem Platzspitz, besetzen Häuser und kämpfen für eine bessere Drogenpolitik. Frauen entwickeln den Lila Bus und eine Frauen-Notschlafstelle speziell für diejenigen, die aus Geldnot auf den Drogenstrich gehen. 1994 treten sogar die Dealer in den Streik - aus Protest gegen rassistische Morde.
Wir erzählen Ausschnitte der Geschichte der Zür'cher Drogenszene, in der sich ganz unterschiedliche Formen von Solidarität und Widerstand entwickeln.
Die beiden Lieder von Dani Lüthi heißen “Fröschli” und “AIDS positiv”.
Vielen Dank an unsere Interviewpartner*innen Daniel Stern, Mischa Brutschin, Kathrin, Maia Ehrsam und Danièle, sowie an die Wochenzeitung WOZ, die den Live Podcast mit uns veranstaltet hat, insbesondere an Annika Lutzke, Daniel Stern und Dominik Müller.
WOZ: https://www.woz.ch/
Folgt der WOZ auch auf Instagram: https://www.instagram.com/woz_die_wochenzeitung/
Interviewausschnitte zum Mitlesen: https://steady.page/de/linkegeschichte/posts/bd19e163-6519-4fa4-93e3-eb008a1a4c6a
Inhaltswarnungen:
Wir sprechen über Polizeigewalt Drogen, Sucht, Spritzen, und dabei wird’s auch um Sexarbeit gehen im Zusammenhang mit Drogensucht, also um sogenannte Beschaffungsprostitution. Und am Ende auch um rassistische Morde.
[Time Stamps folgen noch im Laufe des Donnerstags.]
Falls ihr die Folge trotz Trauma-Belastung hören möchtet und euch das Skript dabei helfen kann, schreibt uns gern eine eMail.
Quellen & Literatur:
"Allein machen sie dich ein" DVD Box von Mischa Brutschin: https://zureich.net/.
"Nur saubergekämmt sind wir frei" von Gertrud Vogler und Chris Bänziger.
"Gertrud Vogler: Soziale Brennpunkte. Fotografien aus einer Zeit im Umbruch 1975-2000" von Stefan Länzlinger und Silvan Lerch.
Fotos von Gertrud Vogler aus dem Schweizerischen Sozialarchiv.
Dokumentation vom Lila Bus, zur Verfügung gestellt von Maia Ehrsam.
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Im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert sitzt so mancher Matrosen an Bord eines Handels- oder Marineschiffes und fragt sich: Wann kommen endlich die Piraten? Im Goldenen Zeitalter der Piraten haben nämlich Piratenschiffe so einiges zu bieten, was arme Menschen sonst nirgendwo bekommen. Hier gibt es Essen und Alkohol im Überfluss, einen gerechten Anteil an der Beute, die Gleichbehandelung von Männern aller Nationen und Rächer für die drakonischen Strafen der Kapitäne auf den Handelsschiffen. Aber vor allem bedeuten Piratenschiffe eins: Freiheit und Selbstbestimmung. Denn wohin das Schiff segelt und wer Kapitän wird, das wird an Bord demokratisch entschieden.
Literatur
Peter Linebaugh und Marcus Rediker - Die vielköpfige Hydra: Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks
Marcus Rediker - Gesetzlose des Atlantiks: Piraten und rebellische Seeleute in der frühen Neuzeit
David Graeber - Piraten. Auf der Suche nach der wahren Freiheit
Talk mit Marcus Rediker aus dem zitiert wird: https://www.youtube.com/watch?v=xIG8IXBzGuc
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Josip Broz Tito ist eine der prägenden Figuren des "non-aligned movement" für politische Unabhängigkeit, die Überwindung des Kolonialismus und eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung. Doch warum wurde ausgerechnet das sozialistische Jugoslawien zu einem Impulsgeber dieser Bewegung, die vor allem von gerade unabhängig gewordenen Staaten in Asien und Afrika getragen wurde?
Wir schauen auf Titos Aufstieg vom Partisanenführer zum jugoslawischen Präsidenten, auf den Bruch mit Stalin 1948 und die daraus entstehende Politik zwischen den Blöcken. Dabei geht es auch darum, welche Widersprüche und Grenzen die Blockfreien prägten und warum "Bündnisfreie" eigentlich der passendere Begriff ist.
Vielen Dank an Prof. Jürgen Dinkel für das Interview!
Literatur:
Jürgen Dinkel - Die Bewegung Blockfreier Staaten
Paul Stubbs - Socialist Yugoslavia and the non-aligned Movement
Links:
Balkanbiro - https://balkanbiro.org/
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Mit dem Historiker Ralf Hoffrogge sprechen wir über die Geschichts-Studie von Communia “Energie, Staat und Markt – eine Geschichte der Vergesellschaftung der europäischen Energiewirtschaft”, über aktuelle Vergesellschaftungskämpfe und warum die Energiewirtschaft in Gemeineigentum und demokratischer Planung besser organisiert wäre.
Links:
“Geschichtsstudie: Energie, Staat und Markt – eine Geschichte der Vergesellschaftung der europäischen Energiewirtschaft” von Solveig Degen und Daniela Russ, im Auftrag von Communia: https://communia.de/geschichts-studie-energie-staat-und-markt/
https://communia.de/vergesellschaftungstag/
https://aktion-wind.de/
Buch von Ralf & Video der Buchpremiere: https://brumaireverlag.de/Ralf-Hoffrogge-Das-laute-Berlin
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Fünf Jahre, bevor Marx und Engels das kommunistische Manifest veröffentlichen, schreibt die Französin Flora Tristan das Buch "Arbeiterunion". Darin steht der Satz "Proletarier, vereinigt euch". Sie argumentiert als erste, dass das Proletariat sich nur selbst befreien kann, und dass es sich dafür einheitlich organisieren muss.
Ebendso erstaunlich wie Floras politische Ideen, die ihrer Zeit vorraus sind, ist das Leben, das sie geführt hat: Als uneheliches Kind in bitterer Armut aufgewachsen, aus einer gewaltvollen Ehe geflohen und als alleinerziehende Mutter, macht sie sich alleine auf den Weg nach Peru, um ihren reichen Verwandten etwas von dem Erbe ihres Vaters abzutrotzen. Über diese und andere Reisen schreibt sie brillante Reportagen. Aber Flora reicht es nicht, über das Unrecht zu schreiben. Sie will aktiv werden, um es zu beenden.
Inhaltswarnungen
30:12 - 30:37 Gewalt gegen Schwarze versklavte Menschen
58:17 - 1:00:06 sexualisierte Gewalt gegen Kinder in der Familie
1:01:13 - 1:03:19 versuchter Femizid
1:11:56 - 1:14:22 menschenunwürdige Lebensbedingungen, Zwangsprostitution, Gewalt gegen Kinder
Literatur
Gerhard Leo: Aufruhr eine Paria. Das abenteuerliche Leben der Flora Tristan
Florence Herve: Der Traum vom feministischen Sozialismus
Flora Tristan: Arbeiterunion
Flora Tristan: Reisen einer Paria
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Eine Folge über Sozialisierung, Räte-Demokratie und die Rote Ruhr Armee.
Die Novemberrevolution 1918 soll nicht nur die politische Ordnung verändern, sondern auch die wirtschaftliche. Doch als die Ebert-Regierung ihre Versprechen nicht umsetzt, nehmen hunderttausende Bergarbeiter die Sozialisierung selbst in die Hand: Im Ruhrgebiet entsteht eine Selbstverwaltung des gesamten Kohleabbaus in einem Räte-System, mit höheren Löhnen und kürzeren Arbeitszeiten.
Warum scheitert die Hoffnung auf eine demokratische Kontrolle der Wirtschaft am Ende? Wer hat uns verraten? Und was bleibt heute von der Idee der Vergesellschaftung?
Diese Folge ist eine Kooperation mit Communia, einem gemeinnützigen Verein, der Strategien für eine demokratische Wirtschaft entwickelt. Folgt ihnen auch auf Insta: https://www.instagram.com/communia_de/
Das Episodenbild zeigt eine Zeche im Ruhrgebiet (Bochum) um 1900.
Literatur & Quellen:
“Geschichtsstudie: Energie, Staat und Markt” von Communia: https://communia.de/geschichts-studie-energie-staat-und-markt/
Hans Marchwitza - Sturm auf Essen
https://herne-damals-heute.de/politische-teilhabe/die-essener-sozialisierungsbewegung-und-ihr-ende-januar-februar-1919/
Links:
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Als der Bundespräsident 1981 mit einer selbstdarstellerischen Rede das UNO Jahr der Behinderten eröffnen will, hat er seine Rechnung ohne die Krüppelgruppen gemacht. Mit Plakaten, Sprechchören und Gesang wird die Bühne von mehreren behinderten Menschen besetzt gehalten, die sich aneinander gekettet haben. Denn Grund zum Protest gibt es allerhand: Behinderte Menschen werden ausgesondert, in Heimen und Werkstätte werden Menschenrechte verletzt, Bus und Bahn sind für sie nicht nutzbar und die Täter der sogenannten Euthanasie arbeiten noch immer in der Behindertenfürsorge.
In den nächsten Jahrzehnten wird die Bewegung kreativ, frech und erfolgreich für ihre Rechte streiten. Und sie wird dem skrupellosen Leistungsideal der Profitgesellschaft, das alle Menschen behindert, eine Kampfansage machen.
Vielen Dank an Udo Sierck, den ich für diese Folge interviewen durfte. Mehr über Udo, seine Arbeit und Publikation findet ihr hier: https://www.udosierck.com/
Literatur:
Udo Sierck: Frech und Frei. Fünfzig Jahre Behindertenbeweung
Archiv der Behindertenbewegung mit digitalisierten Zeitschriften: https://archiv-behindertenbewegung.org/warum-dieses-archiv/
Film über den Protest gegen das UNO Jahr der Behinderten
"Behindertsein ist schön" war ein Slogan und Titel eines Textes von Gusti Steiner.
Der Fotograf des Titelbildes ist Ernst Herb.
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Zum Pride Month gibt es heute keine neue Folge, sondern ein ReUpload von GKW15. Das liegt daran, dass es Sina leider gesundheitlich nicht so gut ging. Danke für euer Verständnis!
Anfang der 70er gründen Sylvia Rivera und Marsha P. Johnson zusammen mit anderen Dragqueens in New York S.T.A.R : Street Transvestite Action Revolutionaries. Als eine der ersten radikalen Selbstorganisationen von trans Personen mischen sie die Gay Liberation Bewegung auf und schaffen ein Zuhause für queere Straßenkinder.
Quellen:
Queens in Exile - Sylvia Rivera
The Gay Liberation Youth Movement in New York : "An Army of Lovers cannot fail" - Stephan Cohen
Transgender Marxism - Jules Joanne Gleeson, Elle O'Rourke and Jordy Rosenberg
Audios:
Pay It no Mind - The Life and Times of Marsha P. Johnson
New York Historical Society
Sylvias Speech at the Pride 1973
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Eine Folge über die lesbische Subkultur der Weimarer Republik, die Liebe zwischen Margot Liu und Marta Halusa und ihre Verfolgung im Nationalsozialismus.
In den Zwanzigern gibt es in Berlin mehr Treffpunkte für Lesben als heute. Damenklubs laden zum Ball, in Tanzdielen spielen Frauen in Smoking Jazz auf. Als die beiden Tänzerinnen Margot Liu (geborene Holzmann) und Marta Halusa sich 1932 kennenlernen, ist diese Welt schon dem Untergang geweiht. Die Nationalsozialisten kommen an die Macht und zerstören die lesbische Subkultur der Weimarer Republik. Verfolgt werden die beiden Tänzerinnen jetzt nicht nur wegen ihrer Lieben zueinander. Sondern auch, weil Margot Jüdin ist, beide wegen Sexarbeit kriminalisiert werden und sie Antifaschistinnen sind. Aber Margot und Marta halten zueinander und werden sich allen Widerständen zum Trotz ein Leben lang lieben.
Contentwarning
An keiner Stelle wird explizite Gewalt szenisch beschrieben, sie wird aber behandelt.
1:11:33 - 1:35:22 In dem Teil geht es um die antisemitische, homophobe und sexarbeiterinnenfeindliche Verfolgung von Marta und Margot während des NS. Immer wieder geht es um Gestapo Haft und Verhöre.
1:20:25 - 1:21:12 Hier geht es um sexualisierte Gewalt.
1:27:33 - 1:27:55 Hier wird ein Zitat vorgelesen, das antisemitisch und homophob ist.
1:32:59 - 1:34:32 Hier geht es um Folter und Misshandlung in der Gestapohaft.
Literatur:
Marta Halusa und Margot Liu: Die lebenslange Liebe zweier Tänzerinnen von Ingeborg Boxhammer
Jahre des Glücks, Jahre des Leids. Gespräche mit älteren lesbischen Frauen von Ilse Kokula
Lila Nächte: Die Damenklubs in Berlin der 20er Jahre von Adele Meyer (hrsg.)
Die online Ausgaben der Zeitschrift "Die Freundin" sind hier zu finden
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Ein Podcast über linke Geschichte. Indigo und Sina erzählen davon, wie Menschen für eine bessere kommende Welt gekämpft haben. Jeden zweiten Donnerstag.

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