Himmel & Erdung: Spirituell leben in der Netzzeit (RefLab)

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Himmel & Erdung: Spirituell leben in der Netzzeit (RefLab) episodes

  • Expedition in die «Wild Church» – Manuel Perucchi
    Zwischen Shopping-Mall und Wüste ist der reformierte Pfarrer Manuel Perucchi in den USA in «Wild Churches» eingetaucht: ein Phänomen, das zunehmend auch bei uns ankommt.

    Die Idee ist so simpel wie radikal. Kirche verlässt die Mauern. Sie setzt sich auf den moosigen Waldboden, lässt sich auf die Nase regnen, lauscht Vögeln, sieht Eichhörnchen zu. Sie setzt sich der Natur aus: einer Natur, die hervorbringt und verschlingt, die schön ist und hart.

    Church goes Wild.

    Aber ist «Wild Church» mehr als ein Marketinglabel? Mehr als ein verzweifelter Escape-Versuch aus Strukturen der Erstarrung, aus institutioneller Erosion? Was ist das Verlockende, ins Weite zu gehen – und was macht es mit uns, wenn wir mit anders-als-menschlichen Wesen in Resonanz treten?

    Manuel Perucchi, Pfarrer und reformierter Theologe aus der Schweiz, hat einen mehrwöchigen Forschungsaufenthalt in «Wild Churches» der USA absolviert, eine neue Offenheit geübt – und sie mit nach Hause genommen.

    Gemeinsam mit oeku, der Schweizer Fachstelle für Kirche und Umwelt, will er nun ein Schweizer «Wild Church»-Netzwerk aufbauen. Einzelne Initiativen gibt es bereits: Pfarrer und Bestsellerautor Uwe Habenicht in St. Gallen, «Wandern & Wundern» (Reformierte Kirche Oberbipp), oder die von RefLab-Gründerin Evelyne Baumberger mitinitiierte «Hiking Church».

    Hiking Church

    Blogbeitrag «Meine Hiking Church» von Evelyne Baumberger

    Wandern & Wundern

    Podcast Geist.Zeit mit Uwe Habenicht

    47 min
  • Wir brauchen eine Paradiesreligion! – Elisabeth von Samsonow, Ökofeministin
    Ein Sommergespräch über Ökofeminismus, das Göttinnenland, Feen und den wunderbaren hohen Ton des Heiligen Augustinus

    «Wir leben schon im Paradies – das ist die schlechte Nachricht», sagt Elisabeth von Samsonow.

    Die Künstlerin, Philosophin und Theologin ist 2026 Trägerin des Österreichischen Staatspreises für Kulturpublizistik. Als Autorin bekannt geworden ist sie mit «Anti-Elektra», ihr neuestes Buch - «Konfuses Denken. Was der Geist schon immer konnte und was der KI fehlt» - dreht sich um die überlegende OI, Organische Intelligenz.

    Gemeinsam mit einem Kreis Gleichgesinnter hat sie vor sechs Jahren ein Stück Land in der Nähe von Wien gekauft, um es den Göttinnen zu überlasen. Das «Götinnenland» ist Lernort, Labor und Care-Station für die von Dürre und Extraktion geplagte Mutter Erde. Aber es sollte ausgerechnet dort ein riesiger Windpark kommen …

    Im Hintergrund des Gesprächs schüttelt der Dackel Romeo sein Fell, während wir Wermut trinken, Chips knabbern und über die Erde reden, die antwortet, das Mysterium der Mütter, den hohen Ton der Kirchenväter und den Kampf gegen Windmühlen.

    Das nächste Göttinnenfest ist am 15. August 2026. Ort: Göttinnenland in Niederösterreich nahe Wien.

    Elisabeth von Samsonow

    Götinnenland

    The Dissident Godesses Network

    Ein früheres Podcastgespräch von Johanna Di Blasi mit Elisabeth Samsonow

    «Technik ist ein Mädchen»

    1 hr 6 min
  • Technik ist ein Mädchen - Elisabeth von Samsonow, Ökfeministin
    Wiederveröffentlichung: Ein Gespräch über das Muttermysterium, Töchterkonflikte und wie der austrocknenden Erde zu helfen ist.

    Eine Podcastepisode, die ich vor einiger Zeit mit der Künstlerin Philosophin und Theologin aufgenommen habe - die nun hochverdient mit dem Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik geehrt wird. Und ein Nachfolgegespräch habe ich mit ihr vor wenigen Tagen im „Götinnenland“ nahe Wien aufgezeichnet. 😻 Erscheint am 11. Juli als „Himmel & Erdung“-Episode. Elisabeth von Samsonow ist neben Donna Haraway eine der wichtigsten ökofeministischen Denkerinnen.

    40 min
  • Paradies: Traum und Wirklichkeit – Nanina Guyer, Museum Rietberg
    Über koloniale Bilder, verdrängte Geschichten und die Rückkehr der Stimmen. Ein Gespräch mit der Kuratorin Nanina Guyer anlässlich ihrer sehenswerten Ausstellung «Fast ein Paradies» im Zürcher Museum Rietberg.

    Was sehen wir auf Bildern von «Paradiesen» – und was wurde sorgfältig daraus entfernt?

    Über Jahrhunderte entwarf der Westen seine Vorstellung vom Paradies in der Ferne: tropische Landschaften, unberührte Natur, vermeintlich ursprüngliche Kulturen. Noch heute sprechen wir beispielsweise von «Südseeparadiesen».

    Doch hinter diesen Bildern standen Gewalt, Ausbeutung und ein kolonialer Blick, der Realität systematisch ausblendete.

    Heute geschieht weltweit etwas Bemerkenswertes: Künstler:innen aus der sogenannten Mehrheitswelt kehren zu genau diesen Archiven zurück. Erstmals widmet sich eine Museumsausstellung dem Phänomen: «Fast ein Paradies» im Museum Rietberg in Zürich. 

    Künstler:innen schneiden Bilder heraus, bearbeiten sie, nähen Fragmente neu zusammen – und holen verdrängte Geschichten zurück ins Sichtbare.

    Oder sie stellen Bilder nach und korrigieren sie wie hier die indigene Künstlerin Wendy Red Star.

    Wendy Red Star, Spring – Four Seasons, 2006 © Wendy Red Star, courtesy the artist; collection of the Newark Museum of Art.

    Es ist eine künstlerische Form der Erinnerung und manchmal auch eine Form der Heilung. Denn Fotografien sind nie nur Dokumente. Sie tragen Spuren von Macht, Trauma und vielleicht auch von etwas Geistigem in sich.

    In dieser Episode mit der Kuratorin Janina Guyer geht es um die Frage, wer Geschichte erzählen darf – und wie Kunst dem Verdrängten Sichtbarkeit und eine Stimme verleihen kann. Die Fragen stellt Johanna Di Blasi (RefLab).

    Nanina Guyer hat Ethnologie sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte studiert und mit einer Arbeit über historische Fotografien des Frauenbunds Sande in Sierra Leone und Liberia an der Universität Basel promoviert. Seit 2018 ist die Schweizer Forscherin Kuratorin für Fotografie und Leiterin des Fotoarchivs des Museum Rietberg in Zürich. 

    «Fast ein Paradies. Kolonialzeitliche Fotografie in der Gegenwartskunst», Museum Rietberg Züich, bis 6. September 2026.

    Der Link zur Ausstellung «Fast ein Paradies» im Museum Rietberg.

    Der Link des im Gespräch erwähnten millionenfach aufgerufenen Ted Talks der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Adichie: «The danger of a Single Story» ist hier.

    38 min
  • Wenn der Algorithmus zum Seelsorger wird – Studie von «Digital Religion(s)»
    Eine Zürcher Pilotstudie zeigt: Junge Erwachsene nutzen KI zunehmend als Gesprächspartner und Ratgeber auch für grosse Lebensfragen. Was bedeutet das für Kirche, Seelsorge und unser Verständnis von Menschlichkeit?

    Ein Tsunami kündigt sich an, indem sich erst einmal das Meer zurückzieht, um dann umso heftiger die Ufer zu überspülen. Künstliche Intelligenz ist wie eine mächtige Tsunamiwelle, deren Wucht immer spürbarer wird – ohne dass die vollen Ausmasse bereits bekannt wären.

    Die Fundamente unserer Bildungskultur, die Erziehung zum Benutzen des eigenen Verstandes, aber auch religiöse Traditionen drohen unterspült zu werden.

    Gleichzeitig bergen gerade die humanistische Kultur und die spirituellen und religiösen Traditionen Mittel der Resilienz.

    Benutze deinen eigenen Verstand!

    Für Pfingstmontag hat Papst Leo XIV. eine Enzyklika angekündigt. Der Titel «Magnifica humanitas» appelliert explizit an die Humanität. Es geht in dem Lehrschreiben um die «Bewahrung des Menschen im Zeitalter Künstlicher Intelligenz». In Zürich wird bereits seit mehreren Jahren einschlägige Grundlagenforschung betrieben: im interdisziplinären Forschungsschwerpunkt «Digital Religion(s)»; ein in dieser Form einzigartiges Projekt im deutschsprachigen Raum.

    Im Podcastgespräch geben Professor Thomas Schlag und die Doktoratsstudentin Sina Horner exklusiv Einblicke in eine aktuelle Studie zur Nutzung von künstlicher Intelligenz für persönliche Lebensfragen. Befragt wurden rund 500 junge Erwachsene in der Schweiz.

    Einbrüche religiöser Zugehörigkeit

    Die Ergebnisse der Pilotstudie bestätigen: KI wird immer stärker nicht nur als Werkzeug, sondern als Gesprächspartner und Lebensratgeber genutzt. Existenzielle Fragen spielen auch im KI-Zeitalter eine grosse Rolle. Die Verankerung in traditionellen christlichen Kirchen und Milieus aber erfährt bei Jüngeren regelrechte Einbrüche. Thomas Schlag und Sina Horner erzählen, was sie überrascht hat – und was die aktuellen Verschiebungen für Kirche, Seelsorge und unsere Vorstellung von Menschlichkeit bedeuten könnten.

    Die Züricher Studie stimm nachdenklich. Die Forscher:innen appellieren, die Bedürfnisse heutiger Menschen ernst zu nehmen und Personen, die bei KI Hilfe suchen, nicht vorschnell zu verurteilen. Gleichzeitig gelte es, kritisches Bewusstsein und Resilienz zu stärken. In diese Richtung zielt auch die päpstliche Enzykika:

    «Wir müssen die Gabe der Kommunikation als tiefste Wahrheit des Menschen bewahren, an der sich auch jede technologische Neuerung orientieren muss.»

    Das päpstliche Schreiben warnt vor erheblichen Risiken KI-gesteuerter Inhalte, menschenähnlichen ChatBots, gewinnorientierter algorithmischer Inhaltssteuerung und drohender Erosion des Denkvermögens durch einseitige Informationen.

    Triloge «Im Spiegel der KI»

    Die Podcastepisode ist Teil drei der Trilogie «Im Spiegel der KI»: Im ersten Teil klärt der Deep-Learning-Researcher Simon Baur (Fraunhofer Gesellschaft) über Realität und Mythen von ChatGPT & Co. auf. Er erläutert auch, wo die Grenzen der Sprachmodelle liegen. Im zweiten Teil spricht Johanna Di Blasi mit Jonas Simmerlein, der mit ChatGPT-Gottesdiensten international bekannt wurde. Im Podcastgespräch erklärt der Theologe und Phänomenologe, weshalb echte Begegnung mehr braucht als einen guten Output.

    56 min
  • KI und die Schwere der Belanglosigkeit – Jonas Simmerlein
    Im Spiegel der KI (2): Jonas Simmerlein wurde mit ChatGPT-Gottesdiensten bekannt. Nun erklärt der Theologe, weshalb echte Begegnung mehr braucht als einen guten Output.

    Im Spiegel der KI

    Himmel & Erdung-Reihe zu Künstlicher Intelligenz und wie sie das Menschsein neu reflektieren lässt. Wahrscheinlich haben Menschen noch nie so nachdrücklich nach dem genuin Menschlichen gefragt wie heute. Danach, was uns ausmacht, was uns unersetzlich macht. Und wo wir vielleicht zu sicher waren, dass uns Maschinen nicht übertrumpfen.

    In dieser Folge geht es um die Frage: Was geschieht mit Spiritualität, wenn Maschinen in Räume eindringen, die einmal von Präsenz, Offenheit und leiblicher Begegnung lebten? Der Theologe Jonas Simmerlein, international bekannt durch seine ChatGPT-Gottesdienste und Experimente mit religiöser Robotik, zieht Bilanz, auch ganz persönlich:

    Wo Maschinen in religiöse Praktiken treten, befällt ihn «eine Schwere der Belanglosigkeit».

    Warum ist das so? Was fehlt der Maschinenwelt?

    Im Gespräch wird deutlich: Das Problem ist nicht nur, dass KI halluziniert oder unzuverlässig bleibt. Tiefer liegend ist ein Mangel an Zeitlichkeit, an echter Offenheit, an Fleischlichkeit. Maschinen haben keine Endlichkeit, sie riskieren nichts, sie schenken keine Lebenszeit, sie sind auf Funktionieren angelegt.

    Gerade deshalb, so die These, erzeugen sie oft keine Resonanz, sondern Indifferenz.

    Widerstand statt Reibungslosigkeit

    Das Gespräch führt mitten hinein in eine Frage, die selten gestellt wird: Braucht Spiritualität vielleicht gerade das Widerständige? Nicht das System, das uns jederzeit bestätigt, sondern das Gegenüber, das sich nicht völlig verfügbar macht. Nicht die glatte Antwort, sondern Herausforderung und echte Begegnung.

    Von Levinas bis Michel Henry, von KI-Chatbots bis zur christlichen Inkarnation kreist diese Folge um die Einsicht, dass Bedeutung nicht einfach erzeugt werden kann.

    Was rettet uns vor der Belanglosigkeit?

    Es geht auch um die konkrete Gegenwart: um Kinder, die mit Maschinen aufwachsen, um die Versuchung, Denken auszulagern, um ökologische und politische Kosten von KI. Und es geht um die Gegenbewegung: um Offline-Räume, um analoge Präsenz, um Gespräche, in denen wirklich etwas auf dem Spiel steht.

    Einen solchen Offline-Raum, das Schenkhaus in Zürich, leitet Jonas Simmerlein.

    Kürzlich veröffentlichte er einen Beitrag zu religiösen Robotern in dem Buch: «Instrumente Gottes Werkzeuge. Soziale Roboter und KI-Tools in religiösen Kontexten».

    RefLab bietet weitere Podcast-Formate zu Spiritualität, Philosophie, Kultur, Psychologie und Popkultur. Zudem erscheinen wöchentlich neue Blogbeiträge. Wenn du informiert bleiben möchtest, abonniere den RefLab-Newsletter.

    58 min
  • Die Maschine, der wir zu viel glauben - Simon Baur
    Im Spiegel der KI (1): Ein Gespräch mit Deep-Learning-Researcher Simon Baur über Realität und Mythen von ChatGPT & Co. Und wo die Grenzen der Sprachmodelle liegen.

    Im Spiegel der KI

    Auftakt einer «Himmel & Erdung»-Reihe zu Künstlicher Intelligenz und wie sie das Menschsein neu reflektieren lässt. Wahrscheinlich haben Menschen noch nie so nachdrücklich nach dem genuin Menschlichen gefragt wie heute. Danach, was uns ausmacht, was uns unersetzlich macht. Und wo wir vielleicht zu sicher waren, dass uns Maschinen nicht übertrumpfen.

    In der Auftaktepisode geht es grundsätzlich darum, wie KI funktioniert.

    Was können Large Language Models tatsächlich – und wo liegen ihre strukturellen Grenzen?

    Gast ist der Spezialist für Deep Learning, Simon Baur. Er forscht im Bereich Machine Learning und Deep Learning mit einem besonderen Fokus auf Unsicherheit und Verlässlichkeit von KI-Modellen.

    Künstliche Intelligenz erscheint derzeit vielen entweder als Heilsversprechen oder als Untergangsmaschine.

    Wie erlebt jemand diese Spannung, der selbst an der Entwicklung solcher Systeme arbeitet?

    Eine zentrale These des Gesprächs lautet:

    Gefährlich wird KI nicht, weil sie allmächtig wäre, sondern weil Menschen ihr Macht übertragen.

    Und weil sie zunehmend dort eingesetzt wird, wo statistische Systeme eigentlich nicht über Menschen entscheiden sollten.

    Im Gespräch geht es unter anderem auch darum, warum KI oft kompetenter wirkt als sie tatsächlich ist – und wieso Sprachmodelle trotz ihrer beeindruckenden Fähigkeiten grundsätzlich fehleranfällig bleiben.

    Simon Baur, Fraunhofer Gesellschaft, Foto privat.

    Simon Baur ist Deep-Learning-Researcher und Doktorand an der Fraunhofer-Gesellschaft, einer der grössten europäischen Organisationen für angewandte Forschung und Technologietransfer. Fraunhofer-Institute arbeiten an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft und entwickeln Technologien, die später in reale Anwendungen überführt werden – von Medizintechnik bis zu KI-Systemen.

    Nächste Folge

    Jonas Simmerlein, Theologe und international bekannt geworden mit ChatGPT-Gottesdiensten, zur Frage: Was geschieht mit Spiritualität, wenn Maschinen in Räume eindringen, die einmal von Präsenz, Offenheit und leiblicher Begegnung lebten?

    Linkbeschreibung

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    43 min
  • Minisode: Tradwives - ein biblisches Frauenideal?
    5-minütige Minisode zu den neuen Hausfrauen. Viele sind anti-feministisch und anti-woke – und stolz darauf.

    Langfolge mit Antje Schrupp auf www.reflab.ch: "Bro-Culture: Über Brüder, die Gott spielen".

    Kürzlich erschien von der Politologin und feministischen Denkerin das Buch "Postpatriarchales Chaos".

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    Antje Schrupp

    6 min
  • Bro-Culture: Über Brüder, die Gott spielen – Antje Schrupp
    Antje Schrupp über Bro-Culture, Tradwives und selbstgemachte Gummibärchen – und wieso ausgerechent Geschlecht global zum beliebten Kampffeld wurde.

    In dieser Episode von Himmel & Erdung unterhält sich Johanna Di Blasi (RefLab) mit der bekannten Politologin, Theologin und feministischen Denkerin Antje Schrupp über ihr gerade erschienenes Buch «Postpatriarchales Chaos». Buch «Postpatriarchales Chaos».

    Warum erleben wir gerade keinen einfachen Rückfall ins Patriarchat, sondern eine neue, ungeordnete Machtpolitik?
    Warum wirken heutige Machtfiguren eher wie Freibeuter als wie klassische Patriarchen? Weshalb ist ausgerechnet die Geschlechterfrage zum global zum beliebten politischen Kampffeld geworden? Wie können wir auf wild gewordenen Bros reagieren?
    Und was können wir als Christ:innen den religiös-Rechten entgegensetzen, die im Begriff sind jegliche Credibility des Christentums zu zerstören?

    ✨ Aber don't worry! Übergangszeiten sind ambivalent: Sie zerstören Gewissheiten, ja!, aber öffnen auch Räume für neue Formen von Freiheit, Gemeinschaft und Spiritualität.

    Laut Deutschlandfunk ist Antje Schrupp «eine der klügsten feministischen Stimmen» der Gegenwart.

    Postpatriarchales Chaos – Warum neue Machtallianzen entstehen

    Antje Schrupps Analyse in ihrem neuen Buch: Wir erleben gegenwärtig keinen einfachen Rückfall in alte patriarchale Strukturen. Der gegenwärtige Backlash gegen Gleichberechtigung und Demokratie, so Schrupps These, lässt sich auch nicht einfach mit «toxischer Männlichkeit» oder nostalgische Rückkehr zu konservativen Werten erklären.

    Tatsächlich ist etwas anderes, gefährlicheres im Entstehen: eine neue, ungeregelte Herrschaft des Stärkeren.

    Die neuen Protagonisten dieser Entwicklung – von autoritären Politikern über Tech-Milliardäre bis zu rechten Influencern – agieren nicht wie klassische Patriarchen. Sie fühlen sich keiner Ordnung verpflichtet, keinem höheren Prinzip, keiner Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft.

    Schrupp beschreibt sie deshalb als «Piraten»: Akteure, die sich nehmen, was sie bekommen können – und nichts zurückgeben.

    Besonders gefährlich wird diese Entwicklung, weil sie Allianzen über ideologische Gräben hinweg ermöglicht. Evangelikale Prediger, islamistische Fanatiker, libertäre Tech-Bros aus dem Silicon Valley, rechte Nationalisten, antifeministische Influencer oder verunsicherte junge Männer in Online-Communities – sie teilen zwar keine einheitliche Ideologie.

    Verbunden sind sie jedoch durch ein gemeinsames Feindbild: Feminismus, Geschlechtervielfalt und weibliche Selbstbestimmung.

    Antifeministische Internationale

    Gerade diese «antifeministische Internationale», wie Schrupp sie nennt, wirkt heute als identitätsstiftendes Band zwischen sehr unterschiedlichen politischen Milieus.

    Gender- und Abtreibungsdebatten dienen dabei oft als emotionaler Mobilisierungspunkt – während im Hintergrund Macht, Ressourcen und politische Einflusszonen neu verteilt werden. Und Ungleichheit wachseln. Während Chancen auf friedliches Zusammenleben auf einem nicht aus dem ökologsichen Gleichgewicht gerissenenen Planeten rapid schwinden.

    Das «postpatriarchale Chaos» bedeutet Instabilität, Machtkämpfe und Orientierungslosigkeit – es stärkt aber auch die Fantasie und den Widerstand. Antje Schrupp:

    «Mit dem postpatriarchalen Chaos wächst auch die Liebe von Frauen und queeren Personen zur Freiheit.»

    Antje Schrupp gehört zu den wichtigen Stimmen des deutschsprachigen Feminismus. Ihre Analysen verbinden politische Theorie, feministische Philosophie und theologische Reflexion – und richten den Blick immer wieder auf die Frage, wie Freiheit in Beziehungen und Gemeinschaften konkret gelebt werden kann. Auf Einladung der Paulusakademie kam sie nach Zürich und machte einen Abstecher ins RefLab-Podcaststudio. :-)

    Website von Antje Schrupp

    51 min
  • Wie wild darf christliches Leben sein? Mit Jan Frerichs von «barfuß+wild».
    Barfuss und wild: So war Franz von Assisi unterwegs! Heute passt die Beschreibung auf Jan Frerichs: Influencer, Lebenslehrer, Waldflüsterer. Ein Gespräch über unsichere Zeiten, den christlichen Kompass – und gelegentliche Überforderung.

    Wie wild und anarchisch darf christliches Leben sein?

    Ein Podcastgespräch mit Jan Frerichs von «barfuß+wild»: Influencer, Lebenslehrer, Theologe, selbst ernannter Stadteremit – und Podcaster mit der Gabe, zu den Herzen zu sprechen. Im Frühjahr kommt bei Herder das neue Buch des «Spiegel»-Bestsellerautors heraus. Es ist von Franz von Assisi inspiriert: «Anarchie des Herzens. 33 Anstiftungen zu einer Rebellion des einfachen Lebens. Ein zentrales Thema des Buches ist Kontrollabgabe:

    «Leben geschieht nicht, wenn wir es beherrschen, sondern wenn wir es zulassen. Das ist die Anarchie des Herzens, die nicht für Chaos, sondern für Befreiung steht. Befreiung von Angst, Leistungsdruck, Perfektionismus, Selbstoptimierung.»

    Jan Frerichs trat in seiner Jugend in den Franziskaner-Orden ein und lebt heute im weltlichen Zweig der Gemeinschaft. Mit seiner Lebensschule «barfuß+wild» bewegt er sich in Franziskus' Fussstapfen. Ausserdem hostet er den gleichnamigen Podacast, wo er praktische Lebenstipps gibt und «Seelenfutter» parat hält.

    In seiner Lebensschule Lebensschule «barfuß+wild» kann man in Anlehnung an Richard Rohr und der in den USA, aber zunehmend auch bei uns florierenden Wild-Church-Bewegung ausprobieren, wie es sich anfühlt, mehrere Tage und Nächte im Wald zu verbringen: allein mit Bäumen und Vögeln.

    Geerdete Spiritualität vermittelt die Lebensschule aber auch in Online-Meetings.

    Franz von Assisi stellte vor 800 Jahren eine ziemlich hohe Messlatte auf: als Apostel der Armut und des freien und fröhlichen Lebens. Als Bedürfnislose lösten sich die Franziskaner und Klarissen (der weibliche Zweig der Bewegung) aus unfrei machenden Bindungen. Die Loslösung von weltlichen Werten machte sie in den Augen Mächtiger ihrer Zeit allerdings verdächtig. 2026 jährt sich Franziskus' Todesjahr zum 800. Mal.

    Auszug aus Himmel-und-Erdung-Einsichten aus dem Gespräch mit Jan Frerichs (in Gänze zu finden am Schluss der Podcastaufnahme).

    «Franz is kaner» (bayrisch) - Keiner ist Franz

    Die Fussstapfen von Franz von Assisi sind zu gross, wenn man sie 1:1 nachlaufen will. Es geht aber auch nicht um kopieren, sondern um eigene, lebbare Formen von Bedürfnisfreiheit, Einfachheit und Mut zu finden.

    Rausgehen als geistliche Methode

    Die «Quest» ist kein Sammeln von Erfahrungen, sondern ein Entlernen von Besitzansprüchen – die Methode könne wir von Indigenen lernen, aber auch in der christlichen Tradition finden.

    Entkrampfen: Räume hüten statt Resultate erzwingen

    Was zählt ist, dass eine gerechte Welt denkbar bleibt. Daraus entsteht die Fähigkeit und Kraft, zugleich offen zu bleiben und klar «Stopp» zu sagen, wenn etwas zerstört wird.

    Lesetipp: «Bruder Sonne, Schwester Krise», ein Essay von Johanna Di Blasi bei feinschwarz.

    Sound im Podcast von Pixabay https://pixabay.com/de/music/meditation-spirituell-birds39-forest-20772/

    47 min

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Der Podcast für eine Spiritualität, die Himmel und Erde in Berührung bringt;

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