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  • L.I.S.A. - Wozu noch Geschichte?
    Welchen Wert hat Geschichte in der heutigen Zeit? In einer Zeit, in der wieder sagbar wird, was nach 1945 als unsagbar galt, in der wieder Feindbilder konstruiert werden, die sich über Kriterien des Anderen, des Fremden, des Bedrohlichen definieren - nicht selten in Anlehnung an rassistische Denkfiguren. All das galt lange als überwunden in Deutschland. Aus der Geschichte sei gelernt worden, darin war man sich sicher. Aber ist das wirklich so? Welche Lehren wurden aus der Geschichte gezogen, wenn Flüchtlingsheime angegriffen werden, wenn Menschen anderer Hautfarbe attackiert oder wie zuletzt in Chemnitz durch die Stadt gehetzt werden, wenn "besorgte Bürger" im Zusammenhang mit Flüchtlingen im Mittelmeer gemeinsam "Absaufen!" brüllen? Wozu dann noch Geschichte? Über diese und andere aktuelle Fragen der Geschichte und Geschichtspolitik haben wir - Dr. Nora Hilgert vom Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und Georgios Chatzoudis von der Gerda Henkel Stiftung - auf dem 52. Historikertag in Münster mit unseren Gästen diskutiert - mit Prof. Dr. Maren Lorenz von der Universität Bochum, Prof. Dr. Andreas Rödder von der Universität Mainz, Prof. Dr. Marko Demantowsky von der Pädagogischen Hochschule FHNW in der Schweiz und Sven Felix Kellerhoff von der Tageszeitung "Die Welt".
    1 hr 34 min
  • L.I.S.A. - Weltgeschichte aus der Nähe: Der Siebenjährige Krieg in Selbstzeugnissen
    Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) war ein Konflikt globalen Ausmaßes und verband Kriegsschauplätze und Konfliktlinien in Europa, Nordamerika, der Karibik, Afrika und Südasien. Auf der Grundlage von Selbstzeugnissen wird ein plastisches Bild eines globalen Konfliktes "aus der Nähe" gezeichnet, das die Effekte der globalen Verflechtung als Wahrnehmungs- und Deutungsgeschichte sichtbar macht. Der globale Konflikt bildete ein kulturelles Laboratorium, in dem alte und neue Praktiken nebeneinander wirkten und sich aus der Wiederverwendung alter Muster neue generierten. Die traditionellen Bündnissysteme in Europa wurden revolutioniert und der Streit um die Hegemonie auf den Weltmeeren zugunsten Großbritanniens entschieden. In einem öffentlichen Vortrag stellt Prof. Dr. Marian Füssel sein Forschungsprojekt vor.
    56 min
  • L.I.S.A. - Ländliche Kontaktzonen. Akteure und Konflikte des Übergangs im ländlichen Raum (ca. 1850–1950)
    Im Forschungsvorhaben von Dr. Anette Schlimm wird untersucht, wie sich zwischen 1850 und 1950 die Praktiken des Regierens im ländlichen Raum und die Regierung des ländlichen Raums gewandelt haben. Hierzu werden mehrere Mikrostudien zu bäuerlichen Gemeinden in Brandenburg, Oberbayern und dem Unterelsass angefertigt und mit breiteren Entwicklungen in Beziehung gesetzt, um den Wandel von Politik und Regierung auf der Ebene der Strukturen, der Deutungsmuster und der alltäglichen Praktiken aufzuspüren. Besonderes Augenmerk gilt der Frage, wie Akteure in den Landgemeinden mit Veränderungen umgingen und selbst zu ihnen beitrugen. Erforscht werden unter anderem: Probleme der lokalen Citizenship, Reformen ländlicher Selbstverwaltungsstrukturen, die Produktion von idealisierter Ländlichkeit sowie die Vorstellungen und Praktiken von „Volksgemeinschaft“ im Lokalen. In einem öffentlichen Vortrag gibt die Stipendiatin der Gerda Henkel Stiftung erste Einblicke in Ihre Forschung.
    50 min
  • L.I.S.A. - Souveränitätsbegehren. Die Enklave auf dem Skopusberg in Jerusalem 1948–1967
    In ihrem Vortrag am Historischen Kolleg München zeichnet Professorin Yfaat Weiss die Geschichte der Enklave auf dem Jerusalemer Skopusberg von der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 bis zum Sechstagekrieg 1967 nach. Dabei schildert sie die Auseinandersetzungen zwischen dem jungen Staat Israel und seinen arabischen Nachbarn und reflektiert die Rolle der Vereinten Nationen und des internationalen Rechts sowie moderne Konzepte staatlicher Territorialität und Souveränität. Indem Israel versuchte, seine territorialen Besitztitel in tatsächliche Souveränität umzuwandeln, und sich strikt gegen internationale Einmischung verwahrte, insistierte es auf seiner nationalstaatlichen Souveränität im Sinne des Westfälischen Systems.
    Yfaat Weiss ist Direktorin des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur und Professorin für Neuere Geschichte, insbesondere jüdische Geschichte, an der Universität Leipzig. Von März bis August 2017 war sie Honorary Fellow am Historischen Kolleg München. Die Gerda Henkel Stiftung fördert ihr Projekt „Deutsch-jüdischer Wissens- und Kulturtransfer 1918 bis 1948: Das historische Archiv der Hebräischen Universität Jerusalem“.
    52 min
  • L.I.S.A. - Kriegsneurosen und Hungersterben. "Irrenanstalten" während des Ersten Weltkriegs
    Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts entstanden moderne Irrenanstalten zur Unterbringung und Therapie der psychisch kranken Menschen. Diese Anstalten haben ihr architektonisches Bild wie auch ihre Funktionen immer wieder verändert. Auf der Basis verschiedenster Quellen wird der Wandel der psychiatrischen Anstalten im Hinblick auf die Verflechtung der medizinisch-psychiatrischen Sichtweisen mit den baulichen Aspekten und den sich wandelnden Funktionen der Anstalten in einer sich verändernden modernen Gesellschaft nachgezeichnet. Die Vielzahl von Räumen, wie der therapeutische Raum, der epistemische Raum, der Raum der Überwachung oder der Mikroraum des sozialen Subjekts in ihren sich gegenseitig durchdringenden Ausformungen als Resonanz komplexer gesellschaftlicher Dynamiken bilden den zentralen Untersuchungsgegenstand. In einem öffenltichen Vortrag führte Prof. Dr. Heinz-Peter Schmiedebach, Honorary Fellow 2018, in sein aktuelles Forschungsprojekt ein.
    1 hr 2 min
  • L.I.S.A. - Mehr Gegenwart als Geschichte? Historischer Roman revisited
    Wie viel Geschichte steckt in Historischen Romanen? Wie beeinflusst die Gegenwart unser Verständnis der Vergangenheit? Und inwieweit kann die Geschichtswissenschaft gar von ihrem literarischen Pendant profitieren? Diese und weitere Fragen stehen bei der sechsten Ausgabe von Der Geschichtstalk im Super7000 zur Debatte. Exemplarisch wird das Genre des Historischen Romans am aktuellen Werk des Bestseller-Autors Ken Follett besprochen: Das Fundament der Ewigkeit. Zu Gast sind Dr. Miriam Rürup, Leiterin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, Prof. Dr. Eva Schlotheuber, Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Prof. Dr. Achim Landwehr, Professor für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Moderiert wird der Talk von Georgios Chatzoudis.
    Bitte nehmen Sie sich nach dem Ansehen des Videos 5 Minuten Zeit, um unseren anonymen Fragebogen auszufüllen: https://ww2.unipark.de/uc/gts7000/. Vielen Dank!
    1 hr 10 min
  • L.I.S.A. - Die Hüter der Begriffe. Politische Sprache des Konservativen in Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland, 1945-1980
    Was meint "konservativ"? Nicht erst heute treibt diese Frage Intellektuelle, Politiker und Parteien um. Als in den 1960er und 1970er Jahren in Großbritannien und der Bundesrepublik die Konservativen ihre sprachliche Deutungshoheit an die Linke verloren glaubten – und selbst "konservativ" nicht mehr das zu bezeichnen schien, was es bezeichnen sollte –, wurden die politischen Sprachen des Konservativen neu formuliert. In Großbritannien führte die Debatte zu erbitterten Flügelkämpfen in der Conservative Party, aus denen die "Thatcherites" als Gewinner hervorgingen. In Deutschland kristallisierten sich eine liberale und eine neurechte Variante des Begriffs heraus. Für die Unionsparteien wurde dies zu einer enormen Herausforderung. Martina Steber arbeitet in ihrer Studie erstmals heraus, welche weitreichenden Folgen diese Auseinandersetzungen um die Begriffe hatten und wie stark sie unsere Gegenwart prägen.
    Buchpräsentation mit der Autorin PD Dr. Martina Steber (Institut für Zeitgeschichte München-Berlin) und anschließender Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Paul Nolte (Freie Universität Berlin), Prof. Dr. Dietmar Süß (Universität Augsburg), PD Dr. Martina Steber (Institut für Zeitgeschichte München – Berlin), Moderation: Prof. Dr. Andreas Wirsching (Institut für Zeitgeschichte München – Berlin).
    1 hr 27 min
  • L.I.S.A. - Vergessenes Wissen ausgegraben
    Ein Streifzug durch verstaubte Bibliotheksbestände ist in der Regel damit verbunden, dass Namen erscheinen, von denen man zuvor noch nie etwas gehört hatte. Je älter die Bücher sind, desto häufiger diese Erfahrung. Zahlreiche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Vergangenheit sind heute längst vergessen. Woran liegt das? Warum werden die einen vergessen, andere aber nicht? Der Frühneuzeithistoriker Dr. Tobias Winnerling von der Universität Düsseldorf geht genau diesen Fragen nach. In seinem aktuellen Habilitationsprojekt hat er sich vier europäische Forscher des 17. Jahrhundert herausgesucht: den Gräzisten Thomas Gale (GB, 1636-1702) von der Cambridge University; den Theologen und Hebraisten Johannes Braun (GER/NL, 1628-1708) von der Universität Groningen; den Bibelforscher und Orientalisten Adrien Reland (NL, 1676-1718) von der Universität Utrecht sowie den Theologen und Orientalisten Eusebè Renaudot (FR, 1646-1720), Mitglied der Academie Française und der Academie des Inscriptions et Belles-Lettres. Unter Anwendung digitaler Methoden untersucht Tobias Winnerling unter anderem Ursachen und Gründe für das Vergessen von früherem Wissen, das aber offenbar doch wieder ausgegraben werden kann.
    57 min
  • L.I.S.A. - Agonale Renaissance. Städtische Pferderennen des 15. Jahrhunderts zwischen München und Rom
    Dr. Christian Jaser ist Förderstipendiat des Historischen Kollegs und beschäftigt sich im Rahmen seiner Forschungen mit den Pferderennen des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Geografisch konzentriert er sich dabei auf die zahlreichen italienischen und oberdeutschen Städte, in denen die Rennen unter Beteiligung fürstlich-höfischer Rennpatrone ausgetragen worden sind. Erstmals in der nachantiken Geschichte Europas bietet sich hier eine hinreichende Überlieferungsdichte, um die Formierung einer agonalen Sportkultur im Dreiklang von Organisation, Praxis und Wahrnehmung zu rekonstruieren. Im Fluchtpunkt dieser Kulturgeschichte equiner Leistungskonkurrenzen steht ein transalpiner Vergleich, der einen neuen Blick auf Städte und Höfe um 1500 und die kompetitive Dimension ihrer jeweiligen Statusdemonstrationen eröffnet. In seinem Vortrag gibt der Wissenschaftler erste Einblicke in seinen Forschungsschwerpunkt.
    48 min
  • L.I.S.A. - Wer hat Angst vor Deutschland? Ein Spiegelkabinett europäischer Wahrnehmungen seit 1870
    Wenn der deutsche Staatssekretär Bernhard von Bülow 1897 sagte, "wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne", dann mochte er das "auch" unterstreichen – der britische Diplomat Eyre Crowe argwöhnte, Deutschland maße sich das Recht an, "den Vorrang der deutschen Ideale zu etablieren." Und während die Deutschen sich im 21. Jahrhundert als solidarische Europäer fühlten, wurde Deutschland in der Euro-Schuldenkrise als herzloser Hegemon kritisiert. Das Forschungsprojekt "Wer hat Angst vor Deutschland" möchte zwei Geschichten miteinander verbinden. Die eine ist die Strukturgeschichte der deutschen Stärke in Europa von der "halbhegemonialen Stellung" des Deutschen Kaiserreichs (Ludwig Dehio) bis zur Rolle der Bundesrepublik in der Europäischen Union nach dem Brexit. Die andere ist die Perzeptionsgeschichte der Spannungen zwischen deutschen Selbstbildern und Außenwahrnehmungen von Deutschland. Was die Deutschen für ihr gutes Recht oder ihre moralische Pflicht hielten, verstanden die anderen als deutsches Vormachtstreben und als Bedrohung.
    58 min

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