Tagebuch eines Pfarrers

nach postfaktisch nun alternative fakten


Listen Later

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5158854/Trumps-Handelskriege-beginnen
Trumps Handelskriege beginnen
Der neue Präsident kündigt Strafsteuern für US-Firmen an, die Arbeitsplätze auslagern, beendet die Arbeit am transpazifischen Handelsabkommen und wirft dem Rest der Welt „unfairen“ Handel vor.
Washington. Umringt von den Chefs führender US-Konzerne wie Dell, Dow Chemical und Ford begann der neue US-Präsident, Donald Trump, am Montag mit der Umsetzung seiner protektionistischen Wirtschaftspolitik, die er bei seiner Angelobung unter der Parole „Amerika zuerst“ angekündigt hatte. „Wenn Sie in ein anderes Land gehen, werden wir eine sehr große Grenzsteuer verhängen“, sagte Trump im Eisenhower Room des Weißen Hauses. Er kündigte weiters die Neuverhandlung von Nafta an, dem Vertrag über die nordamerikanische Freihandelszone mit Mexiko und Kanada, und beschuldigte alle anderen Staaten unfairer Handelspraktiken. „Wir haben keinen Freihandel, weil wir die Einzigen sind, die es einfach machen, ins Land zu kommen“, erklärte Trump. Und er verfügte mittels eines präsidentiellen Erlasses, dass die USA nicht am fertig verhandelten transpazifischen Handelsabkommen TPP teilnehmen werden.
Mit diesen drei Entscheidungen wendet sich Trump von jenem amerikanischen strategischen Nachkriegskonsens ab, der im Abbau von Handelsschranken und der Schaffung gemeinsamer Regeln für das Investieren und Exportieren die Garantie für wachsenden Wohlstand und dauerhaften Frieden in der westlichen Hemisphäre sah.
Es gibt keine „amerikanischen“ Autos
An dessen Stelle tritt ein protektionistischer Nationalismus, den Trump am Freitag auf diese Quintessenz gebracht hat: „Wir müssen unsere Grenzen vor den Verwüstungen anderer Länder, die unsere Produkte herstellen, unsere Unternehmen stehlen und unsere Arbeitsplätze zerstören, schützen. Protektion wird zu großem Wohlstand und Stärke führen. Wir werden zwei einfachen Regeln folgen: Kauft amerikanisch und beschäftigt amerikanisch.“
Dieses Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge fiel schon während des Wahlkampfs bei Trumps Anhängern auf fruchtbaren Boden. Die Vorstellung, dass fremde Mächte und gierige Konzernkapitäne amerikanische Arbeiter aus Profitgier auf die Straße setzen, ist auch dem linken Rand des amerikanischen politischen Spektrums eingängig; Trump traf deshalb am Montag auch Vertreter der Gewerkschaften.
Doch ein genauerer Blick auf die industrielle Lohnfertigung zeigt, dass die Devise der Abschottung Amerika wirtschaftlich schaden dürfte. Das lässt sich am besten anhand der Autoindustrie – Trumps liebstem Beispiel für die angeblich verheerende Wirkung des internationalen Warenaustausches, vor allem in der Nafta – illustrieren. Mehr als die Hälfte der Bauteile, aus denen der Ford Focus besteht, welcher derzeit in Wayne, Michigan, zusammengeschraubt wird, werden außerhalb der USA und Kanada produziert. Ein Fünftel dieser Teile kommt aus Mexiko; einige der Motoren kommen aus Fabriken in Spanien, die Getriebe sind deutsch.
Integrierter Wirtschaftsraum
Der deutsche Oberklassehersteller BMW ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die amerikanische Autoindustrie heute komplett globalisiert ist. Nur zehn Prozent der Komponenten jener jährlich rund 200.000 Modelle aus der X-Reihe, die in Spartanburg, South Carolina, gebaut werden, stammen aus den USA und Kanada. Dafür werden die meisten dieser Autos exportiert.
Nafta hat zwar die Schließung vieler Fabriken in den USA beschleunigt. Es hat aber auch die Schaffung der weltstärksten Autoindustrie ermöglicht, die in einem integrierten Wirtschaftsraum, den Trump nun eingrenzen will, effizient produziert. Pointiert gesagt: In den USA zusammengeschraubte Autos aus mexikanischen und deutschen Einzelteilen sind ein Renner – aber rein amerikanische Autos gibt es nicht mehr.
Mexiko reagierte auf Trumps Ankündigungen bereits: “Wir sind eine weltoffene Nation. Wir werden unsere wirtschaftlichen Beziehungen diversifizieren”, kündigte der mexikanische Präsident Enrique Pena Nieto am Montag an. Man werde das Verhältnis zu Argentinien und Brasilien stärken, das Freihandelsabkommen mit der EU modernisieren und bilaterale Verträge mit asiatischen Ländern schließen.
Die argentinischen Zitronen waren dann bereits die ersten Opfer Trumps. Die Einfuhr sei zunächst für 60 Tage von der Behörde für Agrar- und Tierprodukte ausgesetzt worden, hieß es am Montag aus Regierungskreisen in Buenos Aires. Der Import war vor wenigen Wochen erst wieder freigegeben worden, nach Jahren der Sperre in den USA wegen diverser Konflikte mit der linken Vorgängerregierung.
China könnte der große Profiteur sein
Trumps Ankündigungen sind in der politischen Praxis jedoch wesentlich schwerer umgesetzt als verlautbart. Und sein Protektionismus erhöht die Gefahr von Handelskriegen signifikant. Sein erhofftes Freihandelsabkommen mit Großbritannien, welches er am Freitag in Washington mit Premierministerin Theresa May erörtern will, könnte erst nach dem Brexit in Kraft treten. Das wäre, nach derzeitigem Standpunkt, frühestens im März 2019. Und das Ende der Schaffung eines transpazifischen Handelsraums ohne China wird Peking darin bekräftigen, noch resoluter aufzutreten.
Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Trump Handelssanktionen gegen chinesische Firmen verhängt. Je mehr jedoch die USA wegen Dumpings und ähnlicher Verstöße gegen Peking agitieren, desto größer die Gefahr, dass US-Unternehmen ins Visier chinesischer Vergeltungsmaßnahmen geraten. Denn bisher sanktionierten die USA bloß Sektoren wie Stahl, in denen es ohnehin keine US-Exporte nach China gibt. „China könnte der größte Profiteur sein“, warnte Richard Haass, Präsident des Council on Foreign Relations, vor dem Ende von TPP.
(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 24.01.2017)
...more
View all episodesView all episodes
Download on the App Store

Tagebuch eines PfarrersBy Pfarrer Hans Spiegl


More shows like Tagebuch eines Pfarrers

View all
Sternengeschichten by Florian Freistetter

Sternengeschichten

46 Listeners

Eine Stunde History - Deutschlandfunk Nova by Deutschlandfunk Nova

Eine Stunde History - Deutschlandfunk Nova

108 Listeners

Psychologie to go! by Dipl. Psych. Franca Cerutti

Psychologie to go!

49 Listeners

Sicherheitshalber by Der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt.

Sicherheitshalber

49 Listeners

Betreutes Fühlen by Atze Schröder & Leon Windscheid

Betreutes Fühlen

61 Listeners

Apokalypse & Filterkaffee by Micky Beisenherz & Studio Bummens

Apokalypse & Filterkaffee

94 Listeners

Amerika, wir müssen reden! by NDR Info

Amerika, wir müssen reden!

52 Listeners

Alles Geschichte - Der History-Podcast by ARD

Alles Geschichte - Der History-Podcast

59 Listeners

Machtwechsel by Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander

Machtwechsel

75 Listeners

Lanz + Precht by ZDF, Markus Lanz & Richard David Precht

Lanz + Precht

329 Listeners

Inside Austria by DER STANDARD

Inside Austria

19 Listeners

KI verstehen by Deutschlandfunk

KI verstehen

9 Listeners

RONZHEIMER. by Paul Ronzheimer

RONZHEIMER.

118 Listeners

Der KI-Podcast by ARD

Der KI-Podcast

17 Listeners

NDR 2 - Frühstück bei Stefanie by NDR 2

NDR 2 - Frühstück bei Stefanie

5 Listeners