
Sign up to save your podcasts
Or


Die Booker Longlist ist da! Aber als wir die Folge aufgenommen haben, konnten wir nur spekulieren – verfolgt also unsere Treffer und Bücher, die es verdient gehabt hätten, es ebenfalls auf die (leider auf 12-13 Titel beschränkte) Liste zu schaffen! Und noch ein Thema hat es diese Woche ins Vorgeplänkel geschafft: Wir sprechen über das virtuelle Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, Kanada (und Joshua Whiteheads „Jonny Appleseed“)!
Und dann geht es auf Flusskreuzfahrt: Ilona Hartmann erzählt in ihrem Debüt „Land in Sicht“ die Geschichte einer jungen Frau, die ihren Vater nie kennen gelernt hat – bis sie herausfindet, dass er als Kapitän der MS Mozart über die Donau schippert. Die Proatgonistin bucht sich undercover auf dem Schiff ein…Ein charmanter Erstling, dem es aber leider etwas an Mut und Drive fehlt.
Danach geht es weiter mit dem letztjährigen Gewinner des wichtigsten französischen Literaturpreises: „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“ von Jean-Paul Dubois. Erzähler Paul sitzt in Montréal im Knast und berichtet über das Schicksal seiner Familie, angefangen bei seinen Eltern. Dubois‘ entschleunigt präsentierte Geschichte entwickelt eine große emotionale Intensität und meditiert über die Tragik eines ganz normalen Lebens.
Und zu guter Letzt sprechen wir über eine Frau, die das Prädikat „badass“ redlich verdient: Lucia Berlin hat ein wildes Leben mit häufigen Ortswechseln geführt, ihre große Liebe war ein heroinabhängiger Jazzmusiker, sie hat vier Kinder weitgehend allein mit allerlei Jobs durchgebracht und die hoch verdiente Anerkennung als Literatin wurde ihr erst viel zu spät zuteil. Höchste Zeit, ihre Kurzgeschichtensammlung „Abend im Paradies“ zu lesen – da wird Charles Bukowski blaß vor Neid!
Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS
Titel: Land in Sicht
Titel: Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise
Titel: Abend im Paradies
Der Beitrag Folge 112: Firestarter erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Was gibt‘s Neues zur Frankfurter Buchmesse 2020? Im Vorgeplänkel bringen wir euch auf den aktuellen Stand: Gastland Kanada verschiebt seinen Auftritt auf 2021, dafür haben einige deutsche Verlage ihr Kommen angekündigt. Auch im digitalen Programm tut sich eine ganze Menge. Bleibt nur noch zu klären, was die jeweiligen Vor- und Nachteile der digitalen und der analogen Messe sind.
„Schläge“ von Meena Kandasamy wurde von vielen Zeitungen zum „Buch des Jahres“ erkoren und für zahlreiche Preise nominiert – kein Wunder, denn das Werk ist ein besonderes Kaliber. Im Mittelpunkt steht eine Frau der indischen Oberschicht, deren Mann sie psychisch und physisch missbraucht. Misogynie in der indischen Gesellschaft, das Vexierspiel mit der Identität der Protagonistin/Autorin sowie die schockierende, meist sarkastische Sprache: Meena Kandasamy hat ihre eigene Gewalterfahrung in einem brutalen, aber sehr lesenswerten Buch verarbeitet.
Auch Delphine de Vigan lässt in „Nach einer wahren Geschichte“ die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen. Im Buch leidet die Autorin Delphine nach einem Bestseller an ihrem Ruhm und einer Schreibblockade. Ihre neue Freundin, die mysteriöse L., bietet Hilfe an. Doch die kleinen Gefälligkeiten ufern aus… wo fängt Übergriffigkeit an? Der Roman von Delphine de Vigan ist ein faszinierendes Lesevergnügen, das seine Leser*innen immer wieder aufs Neue verblüfft und mit einem tollen Twist am Ende aufwartet.
Zum Schluss noch was Niedliches: Die süßen Kaninchen aus dem Trickfilm „Watership Down“ ? Die Romanvorlage „Unten am Fluss“ von Richard Adams erzählt die Geschichte von Fiver, der spürt, dass das Leben im Kaninchengehege keine Zukunft hat. Gemeinsam mit seinem Bruder Hazel und einigen wenigen tapferen Freunden hoppelt er hinaus in die Welt, die nicht gerade kaninchenfreundlich ist. Ein großes Epos in Gestalt einer Tierparabel, das zurecht zu den Klassikern der Literatur zählt.
Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS
Titel: Schläge
Titel: Nach einer wahren Geschichte
Titel: Watership Down – Unten am Fluss
Der Beitrag Folge 111: Vive la Résistance erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Die #CancelCulture ist unser Thema im Vorgeplänkel: J. K. Rowling hat sich mit Stephen King in den Haaren, Bestseller-Autor Jonathan Franzen kriegt von Umweltaktivisten auf den Deckel und ein ganzes Bataillon an Großschriftsteller*innen – von Atwood über Rushdie bis Kehlmann – hat einen offenen Brief für mehr Meinungsfreiheit unterschrieben. Was ist denn da schon wieder los? Eure Hobby-Foucaults klären auf! (Yup, das war ein Diskursanalyse-Gag! :-))
Los geht’s heute mit dem Gewinner-Buch unseres Insta-Votings, „Dunkelgrün fast schwarz“ von Mareike Fallwickl. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen toxische Beziehungen, allen voran die der besten Freunde Moritz und Raffael. Als junge Erwachsene trennen sich die beiden – die Gründe dafür bilden das mysteriöse Grundgerüst des Romans, bekannt ist nur: Es hat mit einer gewissen Johanna zu tun. 35 Jahre erzählte Zeit, 3 Erzählstimmen, 1 Lesesog: Kein Wunder, dass so viele für dieses Buch gestimmt haben!
Danach geht’s ums Siegen, um harte Arbeit, um den American Dream – und um den Unterschied zwischen Glück und Erfolg. Gabe Habashs Debütroman „Stephen Florida“ erzählt die Geschichte eines College-Sportlers, der seinem Traum, die Meisterschaft zu gewinnen, alles unterordnet: Stephen ist ein bewunderter Athlet mit eiserner Disziplin, besessen von Selbstregulation und Kontrolle, gnadenlos gegen sich und andere. Und er ist ein einsamer, traumatisierter junger Mann. Ein unvergesslicher Protagonist in einem Roman, der ein ganzes Literatur-Genre hinterfragt.
Und zum Schluss wird’s hardboiled: In Hank Zerboleschs Hörbuch „Morbus Leben“ kommen nicht nur jede Menge Drogen und Gewalt vor, der Autor selbst scheint auch mit hohen Dosen Beat-Literatur und Bukowski experimentiert zu haben. Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind, ein Mordfall (Noir-Alarm!), ein Berserker im Blutrausch – ist das nun ein prätentiöses Mash-Up klassischer Motive, die gemeinhin als cool gelten, oder ein spannendes Mosaik schillernder Versatzstücke? Bei uns erfahrt Ihr es!
Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS
Titel: Dunkelgrün fast schwarz
Titel: Stephen Florida
Titel: Morbus Leben
Der Beitrag Folge 110: Verhaftet wegen sexy erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Dass eure Podcast-Crew experimenteller Literatur gegenüber sehr aufgeschlossen ist, dürfte keine Überraschung sein. Doch warum schrecken viele Lesende zurück, sobald sie sich dem Gerne nähern? Dabei handelt es sich bei experimenteller Literatur nicht um Prosa aus dem Versuchslabor, sondern um teils lustige, teils vieldeutige und vor allem: sehr kreative Werke. Das ist unsere Botschaft im Vorgeplänkel, die wir natürlich mit literarischen Beispielen belegen.
Auch wenn die Zahl der Einwohner*innen der grönländischen Hauptstadt Nuuk mit 18.000 recht überschaubar ist, so hat die lokale Literaturszene mit Niviaq Korneliussen eine Autorin zu bieten, die perfekt in unser #ownvoices-Beuteschema passt: Queer, indigen und experimentell! Und auch ihr semi autobiografisches Debüt „Nuuk #ohneFilter“ ist beachtenswert: Im Fokus stehen fünf junge Grönländer*innen, die nicht den Normen und Konventionen der Mehrheitsgesellschaft entsprechen – und das im eher beschaulichen Nuuk. Raffiniert erzählt und toll gestaltet, wir sind schon jetzt gespannt, was da als nächstes kommt!
Ebenfalls experimentell, aber weit verschachtelter kommt „Der gute Sohn“ von Rob van Essen daher. Zwei Männer unternehmen einen Road Trip, in dessen Verlauf diverse Stationen und Szenen einer nahen Zukunft präsentiert werden, die vom bedingungslosen Grundeinkommen bis zu endlosen Karnevalsfeiern reichen. Neben gesellschaftlichen und philosophischen Überlegungen werden Leser*innen auch mit ganz grundsätzliche Fragen konfrontiert: Welche der Erinnerungen des Protagonisten sind real, welche Fiktion?
Den Abschluss bildet „Alles was wir sind“ von Lara Prescott. Der Roman schildert die abenteuerliche Entstehungsgeschichte des Klassikers „Dr. Schiwago“, der während des Kalten Krieges ein echtes Politikum war: Olga, die Geliebte und Muse von Boris Pasternak musste für das Buch ins Gulag – auf Seiten der USA versuchten Spioninnen des CIA, den in der UdSSR verbotenen Roman in sein Heimatland zu schmuggeln. Ein versteckter Schatz für alle, die an Geschichten hinter den Geschichten interessiert sind.
Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS
Titel: Nuuk #ohneFilter
Titel: Der gute Sohn
Titel: Alles was wir sind
Der Beitrag Folge 109: #ohneFilter erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Auf ins Reich der Mitte: Eure Podcast-Crew hat heute eine Sonderfolge mit chinesischer Literatur im Gepäck. Im Vorgeplänkel sprechen wir zunächst allgemein über Literatur aus autoritären und totalitären Staaten. Was ist von Büchern zu halten, die der Zensur standgehalten haben – kann man den Stimmen trauen oder sind „own voices“, die dem System entkamen, die einzig „wahren“ Quellen? Diskussionswürdige Beispiele gibt es reichlich, wir stellen euch eine Auswahl vor.
Wisst ihr noch, damals, als Corona so ein Ding im fernen China war? In ihrem „Wuhan Diary“ beschreibt die chinesische Autorin Fang Fang den zweimonatigen Lockdown der Metropole zu Beginn der Pandemie. Da sie gut vernetzt ist, kann die Autorin viele Einwohner*innen sprechen lassen und spart auch nicht mit (für unsere Verhältnisse eher harmloser) Kritik an den Verantwortlichen, was zur wiederholten Löschung ihrer Einträge im Internet führte. Zum Glück hat das Tagebuch den Weg zu uns gefunden, denn es ist ein wichtiges Zeitdokument, das an Aktualität kaum zu überbieten ist.
Nicht nur eine, sondern gleich 17 Erzählungen des Genres Science Fiction bietet die Kurzgeschichtensammlung „Zerbrochene Sterne“. Herausgeber Ken Liu zeigt, wie vielfältig die chinesische Literatur das Genre bearbeitet und dabei auch westliche Leser*innen ohne große Vorkenntnisse anspricht. Die Geschichten sind nicht nur kreativ umgesetzt, sondern haben auch inhaltlich einiges zu bieten: Große gesellschaftliche Themen werden emotional und persönlich präsentiert, und an vielen Stellen blitzen überraschende Inspirationen auf.
Die semi-autobiographische Novelle „Die Klassenkameradinnen“ von Eileen Chang gilt als moderner Klassiker und erzählt die Geschichte zweier Freundinnen, deren Leben von den gesellschaftlichen Umwälzungen in China geprägt werden. Die Protagonistin wird in eine einflussreiche Familie geboren und überwirft sich mit deren traditionellen Vorstellungen – Politik und Schicksal bestimmen den weiteren Weg der Frauen über die folgenden Jahre. Ein auch narrativ sehr interessanter Schlüsselroman, der zu weiteren Erkundungen der chinesischen Geschichte animiert.
Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS
Titel: Wuhan Diary: Tagebuch aus einer gesperrten Stadt
Titel: Zerbrochene Sterne
Titel: Die Klassenkameradinnen
Der Beitrag Folge 108: Chinese Democracy erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Anja Rützel ist Autorin, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin, für den „Spiegel“ setzt sie sich regelmäßig mit Pop-Kultur und Fernsehen auseinander. Anika und Meike haben mit ihr über ihre Bücher „Trash-TV“, „Anja Rützel über Take That“ (KiWi-Musikbibliothek) und „Schlafende Hunde“ gesprochen – wird das Reality-Fernsehen besser oder immer schlimmer? Kann Meike doch noch zum Take That-Fan bekehrt werden? Und warum ist Menschen, die Hunde und/oder Christian Kracht nicht mögen, einfach nicht zu trauen? Das Interview klärt auf!
Copyright Foto: Gene Glover
Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS
Der Beitrag Interview: Anja Rützel erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
„Die Tribute von Klagenfurt“ a.k.a. der Bachmann-Preis fand in diesem Jahr coronabedingt erstmals digital statt – natürlich ein Thema für Eure Podcast-Crew, die auch gleich mal die besten Momente des normalerweise live vor Publikum ausgetragenen Wettlesens Revue passieren lässt. Blut, Beat, Beef – Klagenfurt heißt: Literaturkritik am Limit!
Und dann geht’s los mit „Oreo“ von Fran Ross, einem Schelmenroman aus den USA der 70 Jahre. Die titelgebende Heldin ist schwarz, jüdisch und eine Frau, ach was, eine Superheldin, deren Kampfsport WITZ (heißt echt so) die härtesten Typen umhaut. Die ungewohnte, experimentelle Ästhetik ist herausfordernd, aber auch faszinierend und voller Sprachfreude!
Danach geht’s weiter nach Südafrika, der Heimat von Comedian Trevor Noah. In seinem Memoir „Farbenblind“ erzählt er von seiner Kindheit in Soweto, wo er als Kind einer Xhosa-Mutter und eines weißen Schweizer Immigranten aufwuchs – damit war seine Existenz zum Zeitpunkt seiner Geburt nach den Gesetzen der Apartheid illegal. Ein berührendes, mitreißendes und auch lustiges Buch.
Und zu guter Letzt gehts ins fiktive Land „Kirthan“, das uns sehr stark an China erinnert: In „Alles was Sie sehen ist neu“ erzählt Annette Pehnt von einer westlichen Reisegruppe, die in einen autoritären Staat reist und dort von einem einheimischen Reiseführer betreut wird – was steckt hinter den neuen Fassaden und märchenhaften Erklärungen? Ein schlauer, spannender Roman voller überraschender Wendungen.
Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS
Titel: Oreo
Titel: Farbenblind
Titel: Alles was Sie sehen ist neu
Der Beitrag Folge 107: Augen auf erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Toughe Frauen mit starken Persönlichkeiten – das kennt ihr aus unserem Podcast (?), und das bieten wir euch natürlich auch literarisch! Vor der geballten Frauenpower machen wir im Vorgeplänkel einen musikalischen Schlenker: Welche Bücher über Musiker*innen lohnen einen zweiten Blick – und was ist davon zu halten, wenn Musikschaffende sich selbst als Autor*in versuchen?
Dann geht‘s los mit der Band der Stunde: In „Daisy Jones and The Six“ erzählt Taylor Jenkins Reid die Geschichte jener Rockgruppe, die in den 70er Jahren die Massen begeisterte und sich auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs auflöste. Die Gründe dafür stehen in diesem Buch, in dem die Bandmitglieder rund um die charismatische Frontfrau Daisy aus dem Nähkästchen plaudern. Dass es sich um eine fiktive Band handelt, fällt kaum auf, so real und umfassend sind die Charaktere und ihre Geschichten. Rock on!
An „Das wirkliche Leben“ der Belgierin Adeline Dieudonné kommt man dieser Tage kaum vorbei: Gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder und ihrer Mutter leidet die junge Erzählerin unter dem tyrannischen Vater. Um ihren Bruder vor dessen schlechten Einfluss zu schützen, beginnt sie, sich selbst zu ermächtigen, um Gegenwehr üben zu können. Das Buch ist sehr explizit in Bezug auf Gewalt gegen Menschen und Tiere und verliert sich an einigen Stellen in Nebenplots, bietet aber auch viele interessante Ansätze zur Diskussion.
Ähnlich schockierend hallt auch „Das Seidenraupenzimmer“ von Sayaka Murata nach. Schon als Kind ist die Protagonistin Natsuki Missbrauch und Gewalt ausgesetzt. Sie verliebt sich in ihren Cousin Yu, der ebenfalls als Außenseiter stigmatisiert wird. Glücklich sind die beiden nur im alten Bauernhaus der Großeltern, in dem sich das titelgebende Seidenraupenzimmer befindet. Jahre später kehrt Natsuki mit ihrem ebenfalls unkonventionellen Ehemann und Yu an diesen mystischen Ort zurück. Dort plant das Misfits-Trio, endgültig gesellschaftlichen Zwängen und Konventionen zu entfliehen…ein faszinierendes, verstörendes Meisterwerk.
Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS
Titel: Daisy Jones and The Six
Titel: Das wirkliche Leben
Titel: Das Seidenraupenzimmer
Der Beitrag Folge 106: Manchmal haben Männer… erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
100 Jahre wäre Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki in diesen Tagen geworden – Eure Podcast-Crew spricht darüber, was der streitbare und leidenschaftliche Literaturkritiker bewegt hat und was gute Buchbesprechungen ausmacht.
Dann geht es los mit einem Bestseller, der Medien und Leser*innen in den USA in Roman-Ekstase versetzt hat: Ann Patchett erzählt in „Das Holländerhaus“ die Geschichte eines Geschwisterpaares, das von der bösen Stiefmutter aus dem Haus geworfen wird – die nächsten fünf Jahrzehnte werden Maeve und Danny kämpfen, diese Erfahrung zu überwinden und das Geheimnis um ihre leibliche Mutter zu lüften. Ein großes amerikanisches Familienepos, das mit Elementen aus Märchen und psychologischem Roman spielt.
Auch Benedict Wells schreibt in „Vom Ende der Einsamkeit“ über das Schicksal von Geschwistern: Im Kindesalter verlieren Jules, Liz und Marty ihre Eltern bei einem Autounfall. Jede Figur versucht auf ihre Weise, den Verlust zu überwinden, und Jules findet emotionale Zuflucht bei seiner geheimnisvollen Mitschülerin Alva. Der eindringliche, intensive und melancholische Roman wurde mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet.
Zu guter Letzt wenden wir uns Ulla Lenzes „Der Empfänger“ zu: Der deutsche Auswanderer und Amateur-Funker Josef Klein wird während des Zweiten Weltkriegs in den USA vom Auslandsgeheimdienst der Nazis angeheuert, während sein Bruder Carl den Krieg im Rheinland erlebt. Passiv und naiv gerät Josef von einem moralischen Desaster ins nächste, ohne dass er für seine Entscheidungen Verantwortung übernimmt. Ein Roman voller enigmatischer Charaktere, der nicht recht in Gang kommen will.
Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS
Titel: Das Holländerhaus
Titel: Vom Ende der Einsamkeit
Titel: Der Empfänger
Der Beitrag Folge 105: Geschwisterliebe erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Bonjour, mesdames et messieurs! Lassen Sie sich von uns in dieser Sonderfolge in die garantiert nicht jugendfreien Gefilde der französischen Literatur entführen! Vorab bringen wir euch im Vorgeplänkel auf den neusten Stand der Literaturszene. Trotz Corona: Die Frankfurter Buchmesse findet statt – in einer Form, die uns nur so halb begeistern kann. Ganz schlimm finden wir hingegen die Proteste und Unruhen in den USA, die den historisch gewachsenen und strukturell verwurzelten Rassismus anklagen – wir geben Literaturtipps zum besseren Verständnis und für mehr Empathie #blacklivesmatter
Jetzt aber auf zum frankophilen Schmuddelkram – da starten wir mit einem echten Kracher: „Das Leben des Vernon Subutex“ von Virginie Despentes ist ein vielstimmiges Gesellschaftspanorama, das uns im besten Sinne umgehauen hat. Im Auftakt der Trilogie begleiten wir den Plattenhändler Vernon, der ohne Job und finanzielle Unterstützung den Halt verliert. Die Menschen, die ihm dabei begegnen, erzählen uns auch ihre Geschichte – roh, direkt und ohne Selbstzensur. Das ist nicht immer angenehm, aber durchgängig beeindruckend.
Auch Michel Houellebecq ist nicht unbedingt für feinfühlige Poetik bekannt – mit „Elementarteilchen“ stellen wir euch einen Klassiker des provokanten Meisters vor, der mit seinen Romanen gerne die Grenzen der Moralität sprengt. Erzählt wird die Geschichte der beiden Halbbrüder Michel und Bruno, die erst spät der Liebe begegnen – mit verwerflichen und tragischen Konsequenzen. Die augenscheinlich brutale Geschichte hält auf verschiedenen Metaebenen der Gesellschaft einen Spiegel vor und ist nicht ohne Grund zu einem wahren Kultbuch avanciert.
Zum Abschluss gehen wir dann dahin, wo es richtig wehtut – excusez-moi, der musste sein. In seinem teils nur fragmentarisch erhaltenen „Die 120 Tage von Sodom“ schildert der Marquis de Sade eine besonders lange und grauenhafte Orgie: Vier Libertins durch“spielen“ mit einem Haufen Sexsklav*innen (darunter auch die eigenen Töchter) so ziemlich jegliche Art der Perversion, die man sich vorstellen kann – und darüber hinaus. Das war sogar uns zu viel – mon dieu!
Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS
Titel: Das Leben des Vernon Subutex
Titel: Elementarteilchen
Titel: Die 120 Tage von Sodom
Der Beitrag Folge 104: Oh là là! erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
From the publisher's feed

6 Listeners

185 Listeners

71 Listeners

7 Listeners

25 Listeners

27 Listeners

17 Listeners

16 Listeners

6 Listeners

15 Listeners

28 Listeners

0 Listeners

3 Listeners

11 Listeners

3 Listeners