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Jens Lehmann war nie nur Torwart. Er war Weltklassekeeper, Sommermärchen-Held, „Mad Jens“ – und einer jener Fußballer, die als echte „Typen“ gelten. Eigenwillig, unbequem, manchmal unberechenbar.
Viele seiner Geschichten wurden deshalb jahrelang fast liebevoll weitererzählt: die legendäre S-Bahn-Fahrt nach seiner Auswechslung bei Schalke, Rote Karten, die Pinkelpause hinter der Werbebande oder der bizarre Moment, in dem er einem Fan einfach die Brille vom Gesicht nahm.
Doch irgendwann reichen Begriffe wie „Typ“, „Charakterkopf“ oder „Mad Jens“ nicht mehr.
2021 sorgt eine an Dennis Aogo geschickte WhatsApp-Nachricht für massive Kritik und kostet Lehmann seinen Aufsichtsratsposten bei Hertha BSC. Ein Jahr später tauchen Überwachungsbilder auf, die ihn mit einer Kettensäge in der Garage seines Nachbarn zeigen. Der jahrelange Nachbarschaftsstreit landet vor Gericht. Lehmann wird schließlich rechtskräftig wegen Sachbeschädigung und zweier Fälle versuchten Betrugs verurteilt.
In dieser Folge von Tatort Sport rekonstruiert Malte Asmus die großen und kleinen Geschichten um Jens Lehmann – vom gefeierten Helden des WM-Sommers 2006 bis zu seinen späteren Gerichtsverfahren.
Dabei geht es aber um mehr als die Frage, was Jens Lehmann getan hat. Es geht auch darum, wie wir über Menschen wie ihn erzählen. Warum verlangen wir im Sport ständig nach „Typen“ – und wo endet die Eigenwilligkeit, die wir an ihnen feiern? Warum erscheinen uns frühere Anekdoten plötzlich wie Vorzeichen, sobald wir wissen, was später passiert ist? Und warum übt der Fall eines früheren Helden eine solche Faszination auf uns aus?
Denn Jens Lehmann ist verantwortlich für das, was Jens Lehmann getan hat. Und wir sind verantwortlich dafür, welche Geschichte wir daraus machen.
WM 2006 – Deutschland gegen Argentinien / Elfmeterschießen
YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=cI-KsX3gsNc
Urteil im Kettensägen-Prozess gegen Jens Lehmann
YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=2scCjiSknHI
Jens Lehmann über seine legendäre S-Bahn-Fahrt 1993 – Audi Star Talk
YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=lwjT43ePpZQ
Jens Lehmann und der VfB-Fan – „Kannst du nicht einmal normal sein?“
YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=V9IvTgPhg_Q
Jens Lehmann verliert nach Nachricht an Dennis Aogo seinen Hertha-Aufsichtsratsposten
YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=LpiwwQMWz-U
Kettensägen-Prozess / Überwachungskamera – ProSieben Newstime
YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=NJNB8AQf_rY
Staatsanwaltschaft nach dem erstinstanzlichen Urteil gegen Jens Lehmann
(Ausschnitt aus dem oben genannten Beitrag zum Kettensägen-Prozess)
YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=2scCjiSknHI&t=15s
Für die Coulibaly-Passage wird Jens Lehmann mit seiner damaligen Erklärung gegenüber dem Tagesspiegel zitiert. Außerdem wird eine damalige Äußerung von Uli Stielike im DSF wiedergegeben. Im Zusammenhang mit Lehmanns Fahrt nach dem Oktoberfest wird ein von BILD veröffentlichtes Lehmann-Zitat verwendet.
Hinweis: Einzelne historische Zitate, für die kein verwendbarer Originalton vorliegt, wurden für diese Folge nachgesprochen und als Zitate kenntlich gemacht.
Jens Lehmann, Tatort Sport, Fußball, Nationalmannschaft, WM 2006, Sommermärchen, Mad Jens, FC Schalke 04, Borussia Dortmund, Arsenal, VfB Stuttgart, Dennis Aogo, Kettensägen-Prozess, Starnberger See, Rückschaufehler, Hindsight Bias, Sportjournalismus, Medien, Helden, Grenzüberschreitungen, True Crime, Fußballgeschichte
Am Vorabend der Olympischen Spiele 2004 in Athen suchen Dopingkontrolleure zwei der größten Sportstars des Gastgeberlandes: 200-Meter-Olympiasieger Kostas Kenteris und Sprintstar Ekaterini Thanou. Doch die beiden sind nicht da. Stunden später tauchen sie wieder auf – in einem Krankenhaus. Sie sollen mit dem Motorrad ihres Trainers gestürzt sein. Schon bald kommen Zweifel an dieser Geschichte auf.
Für viele scheint der Fall schnell klar: Kenteris und Thanou wollten sich einer Dopingkontrolle entziehen, der Unfall sollte die Erklärung liefern. Der Verdacht wird noch größer, als bekannt wird, dass es bereits zuvor Probleme mit Dopingkontrollen gegeben hatte. Beide ziehen sich schließlich von den Spielen zurück und werden später wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln gesperrt. Doch einen positiven Dopingtest gibt es in diesem Fall nicht. Und auch die Geschichte vom angeblich inszenierten Motorradunfall entwickelt sich anders, als es die öffentliche Erinnerung vermuten lässt.
2011 werden Kenteris und Thanou zunächst wegen Falschaussage verurteilt – wenige Monate später jedoch in der Berufung freigesprochen. Nicht, weil das Gericht ihre Version des Unfalls bestätigt, sondern weil sich nicht ausreichend beweisen lässt, dass sie ihn vorgetäuscht haben.
Tatort Sport rekonstruiert die Nacht, die zwei Karrieren veränderte, trennt Verdacht von Beweis und fragt, was passiert, wenn sich eine Geschichte längst in der Öffentlichkeit festgesetzt hat. Denn ein Gericht kann einen Menschen freisprechen – aber kein Freispruch gibt einem Menschen seinen Ruf zurück.
Die in der Folge verwendeten bzw. zur Rekonstruktion herangezogenen YouTube-Aufnahmen:
Bei der Recherche, Strukturierung und redaktionellen Bearbeitung dieser Folge kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die journalistische Auswahl, Einordnung und Verantwortung für die veröffentlichten Inhalte liegen bei der Redaktion.
Montreal, 19. Juli 1976. Beim Fechten im Modernen Fünfkampf leuchtet plötzlich die Trefferanzeige auf. Punkt für Borys Onyschtschenko. Nur: Sein Gegner Jim Fox ist sich sicher, dass ihn die Degenspitze des sowjetischen Olympiasiegers überhaupt nicht berührt hat.
Als die Kampfrichter Onyschtschenkos Waffe untersuchen, entdecken sie eine ebenso simple wie dreiste Manipulation: Im Griff des Degens ist ein Schalter versteckt, mit dem Onyschtschenko einen Treffer auslösen kann, ohne seinen Gegner zu berühren. Einer der spektakulärsten Betrugsfälle der olympischen Geschichte ist aufgeflogen.
Doch damit beginnt das eigentliche Rätsel erst. Denn Onyschtschenko ist kein mittelmäßiger Athlet, der sich mit Tricks an die Weltspitze mogeln muss. Er ist Weltmeister, Olympiasieger mit der Mannschaft und einer der besten Fechter seiner Sportart. Selbst nachdem sein manipulierter Degen aus dem Verkehr gezogen wird, gewinnt er weiter.
Warum also riskiert ein Weltklasseathlet seine gesamte Karriere für einen Betrug, den er sportlich offenbar gar nicht nötig hat?
In dieser Folge von Tatort Sport rekonstruiert Malte Asmus den Skandal von Montreal, geht der Frage nach, ob Onyschtschenko möglicherweise schon früher manipuliert hatte, und schaut auf den enormen Erfolgsdruck im sowjetischen Spitzensport während des Kalten Krieges. Jahrzehnte später bekommt ein Journalist schließlich die Gelegenheit, Onyschtschenko selbst nach seinem Motiv zu fragen.
Der Fall führt damit zu einer größeren Frage: Nimmt Erfolg den Druck tatsächlich – oder kann gerade der Erfolg die Angst davor vergrößern, beim nächsten Mal nicht mehr gut genug zu sein?
Bei Recherche, Strukturierung und redaktioneller Bearbeitung dieser Episode wurde KI-gestützte Unterstützung eingesetzt. Die inhaltliche und redaktionelle Verantwortung liegt beim Autor.
Das als Intromusik verwendete Soundfile trägt den Titel "Cinematic Crime Suspense", wurde erstellt von tyops. Wir verwenden dieses Musikstück in Übereinstimmung mit der CC 4.0-Lizenz.
Am 31. Oktober 1968 sticht Donald Crowhurst in See. Der britische Geschäftsmann und Hobbysegler will schaffen, was noch keinem Menschen gelungen ist: allein und ohne Zwischenstopp die Welt umsegeln. Beim Golden Globe Race tritt er gegen einige der besten Hochseesegler seiner Zeit an. Crowhurst dagegen hat noch nie allein einen Ozean überquert. Sein Boot ist kaum getestet, wichtige Systeme sind nicht fertig – und trotzdem muss er starten.
Mehr als acht Monate später scheint ausgerechnet der große Außenseiter vor einer Sensation zu stehen. In England laufen bereits die Vorbereitungen für seine triumphale Rückkehr. Doch am 10. Juli 1969 entdeckt der britische Frachter Picardy rund 700 Seemeilen westlich der Azoren Crowhursts Trimaran Teignmouth Electron. Das Boot treibt verlassen im Atlantik. Von Donald Crowhurst fehlt jede Spur.
Was anschließend an Bord gefunden wird, macht aus seinem Verschwinden eine der außergewöhnlichsten Geschichten der Sportgeschichte: Crowhursts Aufzeichnungen erzählen von zwei verschiedenen Reisen – einer tatsächlichen und einer, die nur auf dem Papier stattgefunden hat.
In dieser Folge von Tatort Sport rekonstruiert Malte Asmus, warum Crowhurst überhaupt zu seiner Reise aufbrach, wie wirtschaftlicher und öffentlicher Druck immer größer wurden und warum er schließlich in eine Situation geriet, in der ausgerechnet ein Sieg zur Gefahr wurde.
Und er fragt: Warum fällt es Menschen manchmal so schwer, eine einmal getroffene Entscheidung zu korrigieren? Was haben der Sunk-Cost-Effekt und die Eskalation des Commitments damit zu tun? Und wann wird aus dem Versuch, ein Scheitern zu verhindern, eine Falle?
Quellen:
Für viele ist René Higuita bis heute der spektakulärste Torwart der Fußballgeschichte. Der Mann, der den Scorpion Kick erfand, Elfmeter schoss und wie ein Libero spielte. In Kolumbien war er aber weit mehr als das: Nationalheld, Publikumsliebling – und plötzlich die Schlüsselfigur in einem der rätselhaftesten Kriminalfälle des Landes.
1993 bittet ihn ausgerechnet der Drogenhändler Luis Carlos Molina um Hilfe. Dessen 15-jährige Tochter wurde entführt. Higuita vermittelt, das Mädchen kommt frei. Doch statt als Held gefeiert zu werden, landet der Nationaltorwart selbst im Gefängnis.
War René Higuita ein Mann, der ein Leben rettete? Oder überschritt er eine Grenze, die auch gute Absichten nicht rechtfertigen konnten?
In dieser Folge rekonstruiert Malte Asmus den Fall – und zeigt, warum er weit mehr über Kolumbien erzählt als über René Higuita selbst. Über ein Land, in dem Fußball, Macht und organisierte Kriminalität Anfang der 1990er-Jahre so eng miteinander verflochten waren, dass selbst ein Nationalheld ihnen kaum entkommen konnte.
Atlético Nacional gewinnt 1989 die Copa Libertadores (Originalbilder)
René Higuita im Gespräch über Pablo Escobar und den Entführungsfall
Netflix-Dokumentation: Higuita – El camino del Escorpión
https://www.netflix.com/title/81640952
Weitere Folge von Tatort Sport: Der Mord an Andrés Escobar
Das als Intromusik verwendete Soundfile trägt den Titel "Cinematic Crime Suspense", wurde erstellt von tyops. Wir verwenden dieses Musikstück in Übereinstimmung mit der CC 4.0-Lizenz.
10,49 Sekunden.
Bis heute ist keine Frau der Welt diese Zeit jemals gelaufen.
Florence Griffith-Joyner hält seit 1988 die Weltrekorde über 100 und 200 Meter. Doch ihre außergewöhnlichen Leistungen machten sie nicht nur zur schnellsten Frau der Geschichte – sondern auch zu einer der umstrittensten.
War Flo-Jo ihrer Zeit einfach voraus? Oder steckt hinter ihren Rekorden mehr als außergewöhnliches Talent?
In dieser Folge rekonstruiert Malte Asmus einen der rätselhaftesten Fälle der Sportgeschichte. Es geht um einen beispiellosen Leistungssprung, einen Verdacht ohne positiven Dopingtest, ein überraschendes Karriereende, ein gescheitertes Comeback und den frühen Tod einer Olympiasiegerin, der die Spekulationen bis heute befeuert.
Doch am Ende geht es um mehr als Florence Griffith-Joyner. Es geht um die Frage, warum außergewöhnliche Leistungen irgendwann selbst zum Verdachtsmoment werden – und warum manche Zweifel selbst Jahrzehnte später nicht verschwinden.
Quellen (YouTube):
Hinweis: Diese Folge arbeitet ausschließlich mit öffentlich zugänglichen Quellen sowie dokumentierten Aussagen von Zeitzeugen, Medizinern und Funktionären. Florence Griffith-Joyner wurde zu Lebzeiten nie des Dopings überführt. Wie im Podcast erläutert, trennt diese Folge bewusst zwischen gesicherten Fakten, Indizien und Spekulationen.
Die eigentliche Tatort-Sport-Folge zu den Enhanced Games erzählt die Geschichte eines Sportevents, das weit mehr sein will als ein Wettkampf mit erlaubtem Doping. Sie stellt die Frage, ob sich außergewöhnliche Menschen tatsächlich technisch herstellen lassen.
Für diese Recherche habe ich ausführlich mit Luca Beutel gesprochen. Er hat sich für seinen Podcast Inspirierend anders intensiv mit den Enhanced Games beschäftigt und dafür unter anderem mit Medizinern, Juristen, Philosophen und Dopingexperten gesprochen.
In der Hauptfolge habt ihr nur einige Ausschnitte aus unserem Gespräch gehört. In dieser Bonusfolge veröffentlichen wir das Interview in voller Länge.
Wir sprechen darüber,
Wenn ihr die eigentliche Tatort-Sport-Folge „Enhanced Games – Der Irrtum vom perfekten Menschen“ noch nicht gehört habt, empfiehlt es sich, zunächst dort einzusteigen. Dieses Gespräch liefert die Hintergründe und die Recherche hinter dem Fall.
Weiterführende Links:
🎧 Luca Beutel – Gedopte Rekorde, Milliarden und Macht – Enhanced Games – Warum Athleten ihre Gesundheit aufs Spiel setzen
📺 CNN-Interview mit Maximilian Martin und Cody Miller
📺 Kristian Gkolomeev nach seinem Weltrekord
Doping legalisieren? Weltrekorde mit Medikamenten, Hormonen und modernster Medizin brechen? Was zunächst wie ein PR-Gag aus Las Vegas klingt, könnte weit mehr sein als nur ein neues Sportevent.
Die Enhanced Games versprechen eine Zukunft, in der Wissenschaft den Menschen immer weiter verbessert – körperlich, geistig und sportlich. Ihre Gründer sprechen von der „Vorhut einer neuen Über-Menschlichkeit“. Kritiker sehen darin ein gefährliches Menschenexperiment.
In dieser Folge von Tatort Sport geht es deshalb nicht nur um einen umstrittenen Weltrekord oder um die Frage, ob Doping erlaubt sein sollte. Es geht um ein Menschenbild. Um die Vorstellung, dass sich außergewöhnliche Leistung technisch herstellen lässt. Und um die Frage, ob aus besseren Körpern tatsächlich bessere Champions entstehen.
Für diese Recherche hat Malte Asmus unter anderem mit Podcaster Luca Beutel gesprochen, der sich für seine Doku „Gedopte Rekorde, Milliarden und Macht – Enhanced Games – Warum Athleten ihre Gesundheit aufs Spiel setzen“ intensiv mit den Enhanced Games und ihren Investoren beschäftigt hat.
Am Ende bleibt eine Erkenntnis, die weit über den Sport hinausreicht: Lässt sich Größe wirklich optimieren – oder gibt es Eigenschaften, die sich weder messen noch spritzen lassen?
Quellen und weiterführende Links:
Enhanced Games: „It’s like the Olympics, but on drugs“
CNN-Interview mit Maximilian Martin und Cody Miller
Kristian Gkolomeev nach seinem Weltrekord
Einschätzung zur sportlichen Bilanz der Enhanced Games
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