ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Bonn wird Sitz des Parlamentarischen Rates
    Auch Koblenz hatte seinen Hut in den Ring geworfen. Ebenso Frankfurt, Karlsruhe und Celle. Berlin schied wegen seiner Insellage und der gewaltigen Zerstörungen aus. Dann wurde, auch auf Drängen der Briten, Bonn zum Sitz des Parlamentarischen Rates bestimmt, der auf Geheiß der West-Alliierten die Verfassungsgrundlagen für einen westdeutschen Bundesstaat ausarbeiten sollte. Die Entscheidung am 13. August 1948 – acht Stimmen für Bonn, drei dagegen – fiel in einer schnöden telefonischen Abstimmung der westdeutschen Ministerpräsidenten. Übrigens ohne messbaren Einfluss des künftigen Kanzlers Adenauer, der nebenan in Rhöndorf zuhause war. Das von Kurorten umgebene Universitätsstädtchen am Rhein sollte ausdrücklich als Provisorium wahrgenommen werden, keinesfalls als künftiger Regierungssitz. Genauso ist es aber dann gekommen.
    15 min
  • Der Geburtstag des Schriftstellers Alfred Döblin
    Mit einer "Parabel vom Jedermann" schrieb sich Alfred Döblin 1929 in die Weltliteratur. "Berlin Alexanderplatz", die Geschichte des aus dem Gefängnis entlassenen Arbeiters Franz Biberkopf, spiegelt die moderne Großstadt als Moloch des Verbrechens. Als Facharzt für Nervenkrankheiten kannte sich Alfred Döblin mit den Abgründen und Störungen der menschlichen Seele bestens aus. Erst war er ein Vorreiter des Expressionismus, dann der kühl registrierenden Erzählweise der Neuen Sachlichkeit. Sein "Filmstil" und eine stark rhythmisierende Prosa prägten seine Romane. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung sah sich Alfred Döblin 1933 gezwungen, vor den Nazis nach Frankreich zu fliehen. 1940 folgte die zweite "Reise zwischen Himmel und Hölle": über Lissabon in die USA. Im trostlosen Exil, ohne Aufträge und hilfsbedürftig, wandte er sich dem Katholizismus zu. Nach 14 Jahren kehrte er nach Deutschland zurück. Würde der Schöpfer des Franz Biberkopf dort noch einmal heimisch werden?
    15 min
  • Der Todestag von Irene, Kaiserin von Byzanz (803)
    22 Jahre lang herrschte die Griechin Eirene (Irene) als Mitregentin oder Kaiserin über das byzantinische Reich, und dies in einer sehr konfliktreichen Zeit: Ein theologischer Streit war darüber entbrannt, ob Bilder von Heiligen verehrt werden dürfen oder nicht. Das von ihr einberufene zweite Konzil von Nicäa nahm das Verbot der Bilderverehrung zurück. Außerdem musste sie sich als Frau in einer männerdominierten Welt auf dem Thron behaupten.Bei der Wahl ihrer Mittel zum Machterhalt war Irene nicht zimperlich: Ihren eigenen Sohn Konstantin ließ sie blenden – er starb an den Folgen. Innenpolitisch musste sie sich gegen Aufstände der fünf Brüder ihres verstorbenen Mannes wehren. Äußere Feinde wie der legendäre Kalif Harun al Raschid machten ihr zusätzlich zu schaffen. Sie musste dem Kalifen hohe Tribute entrichten. Als sie schließlich Interesse bekundete, einen machtpolitisch motivierten Heiratsantrag des weströmischen Kaisers Karl des Großen anzunehmen, wurde sie durch eine Palastrevolte gestürzt und aus Byzanz verbannt.Von Walter Liedtke
    0 min
  • Die entscheidende Niederlage des deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg
    An diesem Sommertag rollten Hunderte schwere Panzer auf die deutschen Linien in Frankreich zu. Sie drängten die Truppen des Kaiserreiches nicht nur zurück, sondern nahmen den deutschen Soldaten auch den Glauben, dass dieser Weltkrieg für sie mit einem Sieg oder einem Remis enden könnte. Zu groß war die materielle Überlegenheit der Entente-Mächte, die nun auch durch die Truppen der USA verstärkt wurden. Die Deutsche Oberste Heeresleitung hatte alles auf eine Karte gesetzt und wollte mit aller Macht Paris erobern. Einen Plan B gab es nicht, so dass General Ludendorff nach diesem schwarzen Tag des deutschen Heeres einen Nervenzusammenbruch erlitt und die politische Führung dringend zu einem Waffenstillstand aufforderte. Deutschlands Truppen hatten damit den Weltkrieg verloren. Nach dem Krieg entstand allerdings die Dolchstoßlegende, nach der nicht die Armee an der Niederlage schuld sei, sondern dass die Heimatfront zusammengebrochen sei und ihrer eigenen Armee einen Dolchstoß von hinten versetzt hätte.
    0 min
  • Der Geburtstag der Kabarettistin Helen Vita
    Theater gespielt hat sie auch immer wieder. Ganz seriös. Aber es hat ihr noch mehr Spaß gemacht, von der Kabarett-Bühne herunter ihr Publikum zu provozieren. Mit ihren "Frechen Chansons" beschäftigten sich in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts die Gerichte.Helen Vita beschreibt darin auf gut Deutsch die besondere Beschaffenheit des "Kuckucksnests" und des "Stehaufmännchens". Damit erregte sie Ärgernis, und sie tat es gern. Verkauft wurden die heißen Scheiben unter dem Ladentisch. Bertolt Brecht wollte die junge Schauspielerin 1949 mitnehmen nach Berlin, aber das wollte sie nicht. "Dann machen Sie Kabarett", riet ihr Brecht, "Sie sind ein verkapptes komisches Talent." Sie folgte seinem Rat, zunächst in Zürich, dann in München. Helen Vita ist 1928 in Bayern geboren und in der Schweiz aufgewachsen. Sie starb 2001 in Berlin. Zwischen den beiden Daten entfaltet sich ein reiches Künstlerleben, dessen Glanzpunkte im Kabarett aufleuchten und im Chanson.
    14 min
  • Das Bundesverfassungsgericht urteilt über die Gewissensentscheidung bei der Kriegsdienstverweigerung
    Es war ein kleiner Etappensieg für Wehrdienstverweigerer: Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in West-Berlin war eine gegen den Krieg gerichtete grundsätzliche politische Überzeugung als die im Grundgesetz geforderte Gewissensentscheidung anzuerkennen. Danach war Wehrpflichtigen die Verweigerung des Kriegsdienstes mit der Waffe aus politischen Gründen möglich.Zwar hatte bereits 1960 das Bundesverfassungsgericht klargestellt, dass auch die Ausbildung zum Kriegsdienst an der Waffe, also der Wehrdienst, verweigert werden darf, allerdings müssen bundesdeutsche Verweigerer zunächst fast drei Jahrzehnte lang eine Gewissensprüfung über sich ergehen lassen. Erst nach einer Gesetzesänderung 1983 wird diese nur noch dann eingefordert, wenn Soldaten während oder nach ihrem Wehrdienst einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen. 2011 wird die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland ganz ausgesetzt.
    0 min
  • Die Eröffnung der Mailänder Scala
    Am 03.08.1778 erfolgte die Eröffnung der Mailänder Scala."Der Fremde ist beym ersten Eintritte in das Theater alla Scala mehr als überrascht; man ist einen Augenblick wie verloren in dem weiten Saale von 240 Logen in sechs Reihen." So beschreibt ein Besucher aus Deutschland 1830 seinen Eindruck des berühmten Opernhauses in Mailand.
    15 min
  • Der Geburtstag des Publizisten Theodor Wolff
    T.W. steht für liberalen Journalismus. T.W. steht für Skepsis, Freiheit, Demokratie. T.W. steht für das Berliner Tageblatt, steht für Theodor Wolff, den Chefredakteur der überregionalen Hauptstadtzeitung.Nicht zuletzt durch seine "lundi", den montäglichen Leitartikeln, war das fortschrittliche Blatt ein Muss für die europäischen Intellektuellen. Geboren in Berlin, wuchs Theodor Wolff in einer großbürgerlichen, jüdischen Familie auf. Früh fing er zu schreiben an, verfasste Gedichte, Theaterstücke, Reiseberichte, ging als Korrespondent nach Paris. Berühmt wurde Theodor Wolff mit seinen kritischen Artikeln über einen antisemitisch motivierten Schauprozess, der als Dreyfuß-Affäre in die Geschichte einging. Zurück in Berlin schrieb er mit spitzer Feder gegen Kaiser und Konservative an. Er setzte sich für ein demokratisches Europa ein, gründete eine liberale Partei und warnte vor den Nationalsozialisten. Kaum saßen sie im Reichstag, musste Theodor Wolff fliehen. 1943 wurde er in Nizza verhaftet und nach Berlin verschleppt. Ein viertel Jahr später war Theodor Wolff tot. Sein Vermächtnis lebt in seinen Schriften und in der wichtigsten Auszeichnung des Zeitungsjournalismus, dem Theodor Wolff-Preis.
    15 min
  • Geburtstag des Filmproduzenten Artur Brauner
    Würde er einen Film über sich selbst planen, hätte Artur Brauner die Qual der Wahl zwischen Flüchtlingsdrama, Familiensaga, einer 70-jährigen Eheromanze mit seiner Frau Maria. Er bietet auch Stoff für einen Thriller oder Gerichtsfilm über einen knallharten Berliner Unternehmer und Immobilienhai, der dem Finanzamt über zwei Jahrzehnte lang Steuern von bis zu 35 Millionen Euro und Säumniszuschläge in ähnlicher Höhe geschuldet haben soll.Abraham Brauner, geboren als Sohn eines jüdischen Holzhändlers in Lódz, konnte sich in den Wäldern der Sowjetunion verstecken, während fast 50 seiner Verwandten im Holocaust geblieben sind. Erfahrungen, die seine Anfangszeiten als Filmproduzent in West-Berlin prägen, als viele noch keine Filme über den Holocaust sehen wollen. Mit seinen CCC-Filmstudios in Haselhorst bringt er ein bisschen Hollywoodflair an Spree und Havel. Hier werden bis heute rund 700 Filme produziert. Neben Unterhaltungsstoffen wie Edgar-Wallace-Verfilmungen, Dr. Mabuse und Karl May ist es Artur Brauner immer ein Ansinnen, mit Filmen wie "Die weiße Rose" und "Hitlerjunge Salomon" an die Vergangenheit zu erinnern. Er hat den Golden Globe, einen Oscar, die Goldene Berlinale Kamera und den Bambi erhalten und ist Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Mittlerweile leitet seine Tochter Alice die CCC-Studios, aber er mischt noch immer mit.
    15 min
  • Der Todestag des Kabarettisten Werner Finck
    "Spreche ich zu schnell? Kommen Sie mit? Oder muss ich mitkommen?" Mit solchen Doppeldeutigkeiten in Richtung der Gestapo-Spitzel im Publikum riskierte Werner Finck im Dritten Reich sein Leben.In seinem Kabarett "Die Katakombe" schoss er, so lange es möglich war, Spitzen gegen das Nazi-Regime - mal mehr, mal weniger versteckt, getreu Fincks Motto: "Wo der Spaß aufhört, beginnt der Humor."Das gewitzte und mehrdeutige Spiel mit der Sprache blieb auch nach Kriegsende Werner Fincks Waffe. Im deutschen Nachkriegsfilm konnte man ihn aber auch weniger scharf in eher volkstümlichen Produktionen wie 'Im weißen Rößl' erleben. Sein lakonischer Humor begleitete den Kabarettisten bis ins Grab. Seinen Grabstein in München ziert ein typischer Finck-Aphorismus: "Du stehst noch hier, und ich ging hin, bald bist du dort, wo ich schon bin."
    15 min

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