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In gut organisierten Teams werden kaum noch echte Entscheidungen getroffen. Die meisten Tätigkeiten sind durchprozessiert, automatisiert oder mittlerweile auch intelligiert. Was bleibt, sind Auswahlen: Incident XY erfordert Maßnahme A oder B. Das funktioniert wie in der Systemgastronomie – und genau so soll es sein. Denn von guten Mitarbeitern abhängig zu sein, ist riskant. Der Tagesbetrieb muss auch mit durchschnittlichen Kräften laufen.
Large Language Models übernehmen immer mehr repetitive Aufgaben – schneller und billiger als Menschen. Mittlerweile prüfen sogar KIs die Ergebnisse anderer KIs. Die zentrale Frage lautet also: Was bleibt für uns Menschen übrig? Die Antwort ist klar: Urteilsvermögen. Das ist die Fähigkeit, die Menschen der KI noch lange voraus haben werden.
Nicht alle Entscheidungen sind gleich. Sie lassen sich in einer Matrix einordnen:
Die Button-Farbe auf einer Website? Geringer Einfluss, hohe Reversibilität. Die Produktionsverlagerung ins Ausland? Hoher Einfluss, geringe Reversibilität. Bei letzteren Entscheidungen zählt echtes Urteilsvermögen
Gutes Urteilen basiert auf drei Komponenten, die zusammenwirken müssen:
Ist etwas wahr oder nicht? Stimmt es oder stimmt es nicht? Klingt trivial, ist es aber nicht. Es gibt genügend Bereiche, wo Fakten vorliegen, aber keine eindeutige Information. Klimatabellen lassen sich je nach gewünschtem Ergebnis unterschiedlich interpretieren.
Was ist richtig? Hier kommen Ethik, Unternehmensziele und Prioritäten ins Spiel. Eine KI kann hier kaum unterstützen. Versuchen Sie mal, mit einem chinesischen LLM über westliche Ethikvorstellungen zu diskutieren. Die Ergebnisse dürften aufschlussreich sein.
Was machen wir jetzt konkret? Hier fließen beide vorherigen Urteile zusammen. Müssen wir entscheiden, obwohl nicht alle Informationen vorliegen? Das nennt sich dann Führen. Führen bedeutet, das Unentscheidbare zu entscheiden – und genau das kann eine KI nicht leisten.
Die gute Nachricht: Urteilsvermögen lässt sich üben. Nicht im Seminar, aber in der Praxis. Der wichtigste Muskel dabei ist der Perspektivenwechsel. Sie müssen nicht Ihre Überzeugungen aufgeben. Aber Sie sollten in der Lage sein, andere Sichtweisen auszuprobieren. Was wäre, wenn das Gegenteil richtig wäre? Zu welchem Ergebnis kämen Sie dann?
Wer keine anderen Perspektiven einnehmen kann, ist nicht in der Lage, sauber zu urteilen. Das gilt auch für festgefahrene Positionen nach dem Motto “Mit denen reden wir nicht”. Solche Menschen können keine guten Entscheidungen treffen
Was die KI liefert, ist Rohmaterial, kein Ergebnis. Ihre Aufgabe ist es zu bewerten, zu kontextualisieren und zu verantworten. Wer das nicht kann, wird ersetzt – denn KI braucht keine Mitarbeiter, die ebenfalls nicht beurteilen können.
Urteilen ist das, wofür wir bezahlt werden, nicht für Fleiß. Für Fleiß bezahlen wir die Automatisierung. Wenn Ihr Job ein Prompt ist, sind Sie jetzt schon arbeitslos.
Erwähntes Webinar “Beförderungsfahrplan“: 6. Mai, 12:30 Uhr (kostenlos, ca. 1,5-2 Stunden)
Bleiben Sie in Führung
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By Olaf KapinskiIn gut organisierten Teams werden kaum noch echte Entscheidungen getroffen. Die meisten Tätigkeiten sind durchprozessiert, automatisiert oder mittlerweile auch intelligiert. Was bleibt, sind Auswahlen: Incident XY erfordert Maßnahme A oder B. Das funktioniert wie in der Systemgastronomie – und genau so soll es sein. Denn von guten Mitarbeitern abhängig zu sein, ist riskant. Der Tagesbetrieb muss auch mit durchschnittlichen Kräften laufen.
Large Language Models übernehmen immer mehr repetitive Aufgaben – schneller und billiger als Menschen. Mittlerweile prüfen sogar KIs die Ergebnisse anderer KIs. Die zentrale Frage lautet also: Was bleibt für uns Menschen übrig? Die Antwort ist klar: Urteilsvermögen. Das ist die Fähigkeit, die Menschen der KI noch lange voraus haben werden.
Nicht alle Entscheidungen sind gleich. Sie lassen sich in einer Matrix einordnen:
Die Button-Farbe auf einer Website? Geringer Einfluss, hohe Reversibilität. Die Produktionsverlagerung ins Ausland? Hoher Einfluss, geringe Reversibilität. Bei letzteren Entscheidungen zählt echtes Urteilsvermögen
Gutes Urteilen basiert auf drei Komponenten, die zusammenwirken müssen:
Ist etwas wahr oder nicht? Stimmt es oder stimmt es nicht? Klingt trivial, ist es aber nicht. Es gibt genügend Bereiche, wo Fakten vorliegen, aber keine eindeutige Information. Klimatabellen lassen sich je nach gewünschtem Ergebnis unterschiedlich interpretieren.
Was ist richtig? Hier kommen Ethik, Unternehmensziele und Prioritäten ins Spiel. Eine KI kann hier kaum unterstützen. Versuchen Sie mal, mit einem chinesischen LLM über westliche Ethikvorstellungen zu diskutieren. Die Ergebnisse dürften aufschlussreich sein.
Was machen wir jetzt konkret? Hier fließen beide vorherigen Urteile zusammen. Müssen wir entscheiden, obwohl nicht alle Informationen vorliegen? Das nennt sich dann Führen. Führen bedeutet, das Unentscheidbare zu entscheiden – und genau das kann eine KI nicht leisten.
Die gute Nachricht: Urteilsvermögen lässt sich üben. Nicht im Seminar, aber in der Praxis. Der wichtigste Muskel dabei ist der Perspektivenwechsel. Sie müssen nicht Ihre Überzeugungen aufgeben. Aber Sie sollten in der Lage sein, andere Sichtweisen auszuprobieren. Was wäre, wenn das Gegenteil richtig wäre? Zu welchem Ergebnis kämen Sie dann?
Wer keine anderen Perspektiven einnehmen kann, ist nicht in der Lage, sauber zu urteilen. Das gilt auch für festgefahrene Positionen nach dem Motto “Mit denen reden wir nicht”. Solche Menschen können keine guten Entscheidungen treffen
Was die KI liefert, ist Rohmaterial, kein Ergebnis. Ihre Aufgabe ist es zu bewerten, zu kontextualisieren und zu verantworten. Wer das nicht kann, wird ersetzt – denn KI braucht keine Mitarbeiter, die ebenfalls nicht beurteilen können.
Urteilen ist das, wofür wir bezahlt werden, nicht für Fleiß. Für Fleiß bezahlen wir die Automatisierung. Wenn Ihr Job ein Prompt ist, sind Sie jetzt schon arbeitslos.
Erwähntes Webinar “Beförderungsfahrplan“: 6. Mai, 12:30 Uhr (kostenlos, ca. 1,5-2 Stunden)
Bleiben Sie in Führung
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