ERF Plus - Wort zum Tag

Am Ende das Lob


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Am Ende der Psalmen steht diese Aufforderung zum Lob Gottes; mit schöner Musik, mit Harfen und Posaunen…: „Lobet Gott für seine Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!“ (Psalm 150,2)

Und ich denke daran, wie auch am Ende der Bibel in der Offenbarung so ein Lob Gottes beschrieben ist: am Ende der Welt verbeugen sich Menschen vor dem Lamm auf dem Thron und singen: „Du bist würdig, Lob zu bekommen…“ (z. B. Kapitel 5)

Am Ende der Psalmen und am Ende der Welt steht das Lob. Zwischendurch mag ich eher auf Klagen oder Seufzen gestimmt sein. So wie in den Psalmen das ganze bunte Leben drin ist: auch Klage und Trauer und Zweifel – und auch Dank, ja. Aber am Ende das Lob.

So erlebe ich es auch bei älteren Christen, die anlässlich eines Geburtstages sagen, wie dankbar sie sind; wie wunderbar ihnen Gott geholfen hat; wie sie nun in der Rückschau über ihr Leben staunen, dass es so schön war. Einfach war es sicher nicht – aber am Ende steht der Dank und das Lob. Genial!

Ob das Leben als Christ einfach anders ist – oder ob man es anders ansieht? Eher das Gute sieht?

Denn ich erlebe auch das andere: dass Menschen im Alter bitter werden über das Schwere in ihrem Leben; was man ihnen angetan hat.

Spannend! Und ich will eigentlich nicht so lange warten mit dem Lob Gottes, bis ich richtig alt bin (äh: wann ist man eigentlich richtig alt?!) – ich will schon jetzt das Loben einüben! Ich tue das gerne am Morgen. Denken Sie jetzt nur nicht, ich sei ein fröhlicher Morgenmensch – aber wenn ich den Sonnenaufgang sehe, dann bin ich oft überwältigt. Soooo schön! Einmal habe ich ein Foto gemacht, wie morgens im Wintergarten meine Katzen auf dem Fensterbrett saßen, schweigend. Die Sonne fing an, ihre Strahlen über die Berge zu werfen – und ich dachte: das ist ein Lobpreisgottesdienst anderer Art: schweigende Anbetung!

Die Schönheit der Schöpfung verzaubert mich und steckt mich an: Herr, wie schön hast du das gemacht! Und jeden Morgen neu geht die Sonne auf, ein Wunder, ein Wunder!

Ich staune oft – das ist so meine Art. Und dann muss ich meine Freude mit anderen teilen.

Neulich erzählte ich einer Bekannten, wie auf dem Gras die Tautropfen bunt glitzerten, wie Juwelen: rot, blau, grün, gelb – und sie sagte „Ja, ja, das ist doch von der Brechung des Lichtes!“ Das war mir auch klar, wie man das physikalisch erklären kann, aber deswegen staune ich doch! Manchen Menschen genügt es offenbar, die Dinge hinzunehmen; dass es halt so ist, wie es ist. Mir genügt das nicht – und Staunen hebt meine Stimmung. Oft, wenn ich anfange zu danken, sehe ich erst das Gute! Ich überlege mir jeden Tag, was gut war – oft nehme ich meine 10 Finger dazu, um aufzuzählen. Und dann hebt sich meine Laune deutlich. Ich sehe nicht nur, was Probleme und Herausforderungen sind – die sehe ich nämlich auch seeehr gut! Und ich bin oft geneigt das zu sehen, was Gott nicht tut: so viele Menschen beten – und es ist immer noch Krieg in der Ukraine; ich bete – und immer noch hat mein Bekannter keine Arbeit. Oft schäme ich mich, dass ich so undankbar bin.

Hat nicht Gott so ein Lob wirklich „verdient“? Er fordert ja nicht Unterwerfung – so wie ein Herrscher sich huldigen lässt, und dann ist alles in Ordnung, nein: er möchte seinen Geschöpfen Gutes tun. Er liebt sie, es geht um Liebe!

Nein, ich will Gott loben für seine Taten und für seine Herrlichkeit – ich will das Gute sehen! Ich will mich nicht dran gewöhnen und es hinnehmen, wie wenn es selbstverständlich wäre.

Was machen eigentlich Menschen, die Gott nicht kennen: wem danken sie? Wenn ihnen etwas gelungen ist, haben sie ja dafür gearbeitet – wozu also danken? Wenn das Essen gut war, loben sie den Koch. Wenn die Bahn pünktlich war – loben sie die Deutsche Bundesbahn. Wenn das Wetter gut ist, sagen sie „Es ist zu warm für diese Jahreszeit“. Ich werde demnächst geehrt für 25 Jahre passive Mitgliedschaft im Musikverein – aber ansonsten kommt Lob in unserem Leben nicht so oft vor…

Wie bin ich froh, dass ich jetzt meinen Gott loben kann, mit Worten, mit Liedern, ich weiß: Er freut sich drüber – und es hebt meine Stimmung!

Autor: Pfarrerin Renate Schmidt

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