Das Coldplay-Konzept: Erst die Freundschaft, dann die Musik
Die Geschichte von Coldplay und ihrem Debütalbum "Parachutes" beginnt 1996 am London University College. Dort lernen sich Chris Martin, Jonny Buckland, Will Champion und Guy Berryman kennen.
Bevor sie anfingen gemeinsam Musik zu machen, wurden die vier Briten erstmal Freunde. Beim ersten Auftritt der Gruppe stand noch nicht Coldplay als Bandname auf dem Plakat an der Londoner Kneipe, sondern noch "Starfish".
Einige der späteren großen Hits des Debütalbums "Parachutes" standen aber auch beim ersten Auftritt schon auf der Setliste, der spätere Albumopener zum Beispiel "Don't Panic". Damals klang der Song allerdings noch etwas anders und hieß auch einfach nur "Panic".
Bevor Coldplay im Juli 2000 ihr Debütalbum veröffentlichten, hatte die Band bereits insgesamt drei EPs veröffentlicht und war auch schon beim englischen Kultfestival Glastonbury aufgetreten. Dort hatten sich schon vor dem ersten Album tausende von Fans versammelt.
Mit "Parachutes" haben Coldplay die ersten Schritte als Profimusiker gemacht
Gegründet haben sich Coldplay 1997 und bis heute spielt die Band immer noch in Originalbesetzung, auch nach knapp 28 Jahren. Von der kleinen Kneipe auf die größten Bühnen dieser Welt – Coldplay sind gemeinsam gewachsen.
Wir kommen immer wieder zurück auf das Thema Freundschaft. Warum funktionieren Sachen so gut bei denen? Weil sie einfach richtig dicke miteinander sind.
Quelle: Patrick Schütz, SWR Musikredakteur über die besondere Verbindung der Band
Mit dem Plattenvertrag in der Tasche haben Coldplay sich an die Aufnahmen zu ihrem ersten Album gemacht, unter anderem in den legendären Rockfield-Studios in Wales. Dort hatten auch schon viele andere große Musiker wie die Britpop-Legenden Oasis oder auch Freddie Mercury und Queen Studioluft geschnuppert. Queen haben dort ihr Album "A Night At The Opera" und ihren Überhit "Bohemian Rhapsody" aufgenommen.
Mit dem Plattenvertrag und dem großen Studio fühlten sich Coldplay und auch ihr Sänger Chris Martin unter erheblichem Druck. Jetzt musste man schließlich liefern. Dieser Druck hat auch bei den vier Freunden für Komplikationen und Probleme gesorgt.
Das hat vor allem auch Drummer Will Champion zu spüren bekommen, der von Chris Martin – nur für ein paar Tage – aus der Band geschmissen worden ist, weil er nicht gut genug war. Vermutlich ein wichtiger Moment für die Band, weil sie so gemerkt haben, dass sie nur als eine Einheit zusammen funktionieren.
"Trouble" von Coldplay ist einer der größten Hits auf "Parachutes"
Ein großer Hit auf "Parachutes" ist auch der Song "Trouble", der davon handelt, dass man sich gegenüber Menschen, die man sehr liebt, schlecht benommen hat und damit sozusagen um Verzeihung bittet. Ein schöner Gedanke, wenn man daran denkt, dass Chris Martin sich damit vielleicht auch bei seinem Bandkollegen Will Champion selber entschuldigt hat.
Ich empfinde es auch ein bisschen als Liebeslied an die eigene Band!
Quelle: Katharina Heinius über die Bedeutung des Songs "Trouble"
Das ikonische Plattencover von "Parachutes" haben Coldplay selbst gemacht
Für das Debütalbum der Band wurde ein aufwendiges Fotoshooting im englischen Blackpool gebucht. Denn auf das Plattencover sollte eigentlich ein Foto von der bis dahin quasi unbekannten britischen Band. Coldplay selber waren mit den Bildern aber überhaupt nicht zufrieden.
Daraufhin hat die Band sich im Schreibwarengeschäft einen Globus und eine Einwegkamera geholt und im Backstagebereich bei einem Konzert einfach selbst das Coverfoto geschossen. Inzwischen ist es eines der bekanntesten Plattencover dieses Jahrtausends.
Coldplay sind auf "Parachutes" ganz intim
Die Songs auf dem Album "Parachutes" versprühen eine ganz intime, sehr nahbare Stimmung. Es gibt wenig große Effekte und ausgefallene Instrumente auf dem Album. Wir hören (größtenteils) eine sehr klassische Bandbesetzung aus Gitarren, Bass, Schlagzeug und zwischendurch einem Klavier.
Dieses Album hat die Popmusik insofern atmosphärisch geöffnet, als dass sie nicht nach "Schema F" funktioniert.
Quelle: Katharina Heinius, SWR Musikredakteurin über die Auswirkungen von "Parachutes"
Auch was die Band selbst spielt, das ist kein Paradebeispiel für Virtuosität, aber genau das macht den Sound und die Stimmung auf "Parachutes" aus. Es sind oft vermeintlich einfache Dinge, die aber so perfekt ineinandergreifen, dass die Musik ganz nah beim Hörer ist und trotzdem – auch durch das Gitarrenspiel von Jonny Buckland – Welten und Atmosphären öffnet, in denen man beim Hören versinken möchte.
Das mag ich am Gitarrenspiel von Jonny Buckland: Er spielt total uneitel für einen Gitarristen und gibt dem Song immer genau das, was er gerade braucht. Manchmal sind das nur ganz kleine Dinge.
Quelle: Patrick Schütz, SWR Musikredakteur über das Gitarrenspiel von Coldplay-Gitarrist Jonny Buckland
Shownotes
- Die Gitarreneffekte von Jonny Buckland
- Dokumentation über Coldplay bei Arte
- Die Leuchtarmbänder von Coldplay
- Das Rockfield Studio
- Das Musikvideo zum Song "Yellow"
- Das US-Version des Musikvideos zu "Trouble"
- SWR PopUp-Studio in Mainz
- ARD-Podcast-Tipp: "1plus1 – Freundschaft auf Zeit"
Über diese Songs vom Album "Parachutes" wird im Podcast gesprochen
- (13:24) – "Don't Panic"
- (22:37) – "Shiver"
- (31:13) – "Sparks"
- (39:56) – "Yellow"
- (53:17) – "Trouble"
Über diese Songs sprechen wir außerdem im Podcast
- (25:53) – "Last Goodbye" von Jeff Buckley
- (26:53) – "Lover You Shouldn't Have Come Over" von Jeff Buckley