Wir kennen das: Man wirft alles in die Waagschale für ein gemeinsames Projekt. Der Geiger Mischa Elman spielt um sein Leben – doch der Komponist Bohuslav Martinů bleibt ungerührt. Keine Regung, nur ein stiller Abgang. Ist der Traum vom eigenen Violinkonzert damit geplatzt?
Mischa Elman, einer der gefeiertsten Geiger seiner Zeit, lädt Bohuslav Martinů ins Studio ein. Er hofft, dass ihm Martinů ein Violinkonzert auf den Leib schreibt. Also spielt er mit allem, was er hat. Martinů hört zu wie eine Sphinx: konzentriert, ungerührt, schweigend. Dann geht er und Elman hört wochenlang nichts.
Plötzlich taucht der Komponist wieder auf – mit einer fertigen Partitur. Und sie trifft den Geiger ins Herz. Das Orchester eröffnet mit gedämpfter Spannung, wie aus dem Halbdunkel heraus. Linien tasten sich vor, die Harmonik bleibt in der Schwebe. Wenn die Solovioline einsetzt, wirkt sie nicht wie eine Primadonna, sondern wie eine Suchende: lyrisch und zugleich brüchig, empfindsam, aber mit Widerstandskraft. Immer wieder kippt die Musik zwischen Innigkeit und nervöser Energie. Kein Virtuosenstück zum Vorzeigen – sondern ein Konzert, das unter der Oberfläche glüht ...
Wenn dir die Musik von Bohuslav Martinů gefällt, solltest du unbedingt weitere tschechische Komponisten wie Leoš Janáček (mit seiner Kreutzersonate) oder Antonín Dvořák (mit seiner Streicherserenade E-Dur) hören. Die passenden Folgen der WDR 3 Meisterstücke findest du auch in der ARD Audiothek.
In dieser Folge spielen wir diese Aufnahme:
Bohuslav Martinů
Violinkonzert Nr. 2
Frank Peter Zimmermann (Violine)
Bamberger Symphoniker; Jakub Hrůša (Ltg.)
(BIS)
Höre dir hier das Album an.
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Team hinter dieser Folge:
Autor: Christoph Vratz
Host: Michael Lohse
Grafik: Marc Trompetter / WDR