In den 80ern haben sich einige Musiker für die Menschen in Afrika und gegen die Apartheidpolitik dort eingesetzt. Das bekannteste Projekt davon dürfte wohl das weltweit ausgestrahlte Live-Aid-Konzert gewesen sein, das die beiden Musiker Bob Geldof und Midge Ure initiiert haben.
Paul Simon hat sein Album "Graceland" zusammen mit afrikanischen Musikern aufgenommen – unter anderem in Johannesburg.
Für "Graceland" wird Paul Simon teils stark kritisiert
"Graceland" gilt als Meisterwerk der Fusion von südafrikanischer Straßenmusik mit westlicher Popmusik. Schwarze und weiße Musiker bringen ihr Können, ihre Inspiration, ihre musikalische Sozialisation ein und daraus entsteht ein ganz neuer Sound", sagt Meilensteine-Host Frank König.
Neben der reinen Musik wird "Graceland" aber auch kritisiert, weil die Menschen dort eben nicht frei gewesen sind, sondern durch das Apartheidsregime massiv unterdrückt worden sind. Die Vereinten Nationen riefen zum Kulturboykott auf, der besagte, dass niemand mit den Künstlerinnen und Künstlern eines Staates zusammenarbeiten sollte, der die Mehrheit seiner Bevölkerung aus rassistischen Gründen unterdrückt.
Ob die gemeinsame, gleichberechtigte Zusammenarbeit ein Statement gegen Rassismus ist, wenn Musiker unterschiedlicher Herkunft gemeinsam etwas Berührendes schaffen, oder ob es kulturelle Aneignung ist, auch darüber wurde öffentlich gestritten.
Paul Simon selbst hat sein Album und die Arbeit mit den südafrikanischen Musikern so betrachtet, dass er den dort arbeitenden Musikern helfen und sie unterstützen wollte, erklärt Benjamin Brendebach im Podcast zu "Graceland".
Es ist schon problematisch, denn er sammelt hier Kulturgut ein. Er beutet es nicht aus, […] aber er sammelt es ein, um es nachher für sich zu gebrauchen.
Quelle: Stephan Fahrig, SWR1-Musikredakteur über Paul Simon und "Graceland"
Der politische Diskurs sei hier somit erwähnt worden. Wir sprechen im Podcast über die Musik von "Graceland" und die ist einfach nur schön und berührend.
Für mich eines der schönsten Alben meines Lebens!
Quelle: Meilensteine-Host Frank König über "Graceland"
Vor "Graceland" brauchte Paul Simon eine Veränderung
Bevor Paul Simon sich an die Arbeit zum Album "Graceland" gemacht hat, ist er bereits längst ein erfolgreicher und weltbekannter Popstar gewesen – nicht nur durch seine Arbeiten mit Art Garfunkel.
Aber sein letztes Album vor "Graceland" war kein großer kommerzieller Erfolg geworden, die Zusammenarbeit mit der Plattenfirma war ihm ein Dorn im Auge, und auch privat kriselte es.
Dann soll ihm eine Kassette in die Hände gefallen sein, mit Akkordeonmusik und Rhythmen, die ihn zu dieser Musik inspiriert hat. Allerdings ist die Existenz dieser Kassette nicht offiziell belegt, erklärt Musikredakteur Stephan Fahrig im Podcast.
Daraufhin ist Paul Simon nach Johannesburg geflogen, hat sich viele verschiedene Musiker aus der Region zusammengesucht, mit ihnen gejammt und schlussendlich in den "Ovation Studios" Songs aufgenommen.
In der Dokumentation "Under African Skies" sieht man immer wieder, wie Paul Simon selbst sehr beeindruckt ist von der Musik und dem Können der Musiker, erklärt Stephan Fahrig im Podcast.
Der Aufnahmeprozess von "Graceland" ist etwas Besonderes
Die Songs für "Graceland" sind auf eine nicht ganz typische Weise entstanden. Paul Simon hat sich die Musiker ins Studio geholt und ganz viel mit ihnen gejammt, also im Grunde genommen einfach darauf losgespielt – gleichberechtigt und auf Augenhöhe, wie Benjamin Brendebach im Podcast erklärt.
Und auch wenn die Kommunikation nicht immer einfach gewesen ist, weil es zwischen den Musikern sprachliche Barrieren gegeben hat, haben sie sich eben über die Musik gut verstanden. So gut, dass die Aufnahmesessions teilweise richtige "Happenings" geworden sind. Oft haben die Musiker dann sogar ihre Familien und ihre Kinder zu den Sessions mitgebracht.
Dabei sind meistens keine fertigen Songs entstanden, sondern tatsächlich nur einzelne verschiedene Songteile – davon aber eben unheimlich viele.
Mit diesen Songteilen ist Paul Simon dann in unterschiedliche Studios gegangen und hat diese unzusammenhängenden Teile zu fertigen Songs sozusagen "zusammengepuzzelt".
Paul Simon und Chevy Chase – Das Musikvideo zu "You Can Call Me Al” wird zum Hit
Einer der großen Hits des Albums ist neben dem Titelsong auch der Song "You Can Call Me Al". Der Song war vor allem beim Musiksender MTV ein großer Hit, wegen des durchaus unterhaltsamen Musikvideos mit Hollywoodstar Chevy Chase.
Dieses Musikvideo hat (...) dem Album einen riesen Push gegeben!
Quelle: Stephan Fahrig, Musikredakteur über "You Can Call Me Al"
Darum ist "Graceland" von Paul Simon ein Meilenstein
Für SWR1-Musikredakteur Benjamin Brendebach ist "Graceland" ein Album, auf dem kein schlechter Song zu finden ist, und ein Album, das Paul Simon auf dem Höhepunkt seines Schaffens zeigt.
Das Album präsentiert Paul Simon (...) in seiner Bestform, mit allem was er kann: Er kann grooven, er hat eine wunderbare Stimme und das Ganze wird dann verbunden mit diesen typischen Melodien, die er auch schon bei Simon & Garfunkel geliefert hat!
Quelle: Benjamin Brendebach über die Qualität von "Graceland"
Shownotes
- "Paul Simon – The Story of Graceland"
- Das legendäre Video zu "You Can Call Me Al"
- Die Hommage von George Ezra
- Der Film zum Album "Under African Skies"
- Interview mit Paul Simon im Spiegel zu 25 Jahre Graceland
- Anmeldung für die Liveshow der Meilensteine am 24.09. in Sinsheim
- ARD-Podcast-Tipp: "Kontinental-Platten – Podcast für Weltmusik und globale Sounds"
Über diese Songs vom Album "Graceland" sprechen wir im Podcast
- (15:47) – "The Boy In The Bubble"
- (33:26) – "Graceland”
- (47:40) – "Homeless”
- (52:16) – "Diamonds On The Soles Of Her Shoes”
- (55:43) – "You Can Call Me Al”
Über diese Songs sprechen wir außerdem im Podcast
- (01:01) – "Biko" von Peter Gabriel
- (01:59) – "In Your Eyes" von Peter Gabriel und Youssou N’Dour
- (02:47) – "Double Dutch" von Malcolm McLaren
- (07:13) – "Hearts And Bones” von Paul Simon
- (43:15) – "Folsom Prison Blues” von Johnny Cash