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Das Neue Berlin episodes

  • Wohnen als soziale Infrastruktur – mit Inga Jensen

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    Mit dem erfolgreichen Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände in Berlin scheint die Wohnungsfrage endgültig im Zentrum aktueller sozialer Kämpfe angekommen. Nach den Privatisierungswellen der 90er- und Nullerjahre stehen vielerorts die Zeichen auf eine neue öffentliche Wohnungspolitik, die mit Neubau, Ankauf und gesetzlicher Preisregulierung auf die dramatischen Mietsteigerungen einwirken will.

    Wir sprechen darüber mit Inga Jensen. Sie arbeitet in ihrer Dissertation zu den Perspektiven der (Re-)kommunalisierung in der Wohnungspolitik am Beispiel Berlin. Ein hoher Bestand an öffentlichen Wohnungen ist für sie unerlässlich, um die Wohnungsfrage sozial zu gestalten. Ein solcher Bestand bietet Möglichkeiten der demokratischen Kontrolle und der sozialen Mietpreisgestaltung, die gewinnorientierten Unternehmen fremd sind. Mit Inga besprechen wir die verschiedenen politischen Instrumente, die zur Rekommunalisierung zur Verfügung stehen. Ebenso diskutieren wir das Verhältnis von genossenschaftlicher, kommunaler und bundesweiter Wohnungspolitik.

    Zuletzt denken wir über den Status der Wohnraumversorgung als sozialer Infrastruktur nach. Denn wie die technischen Netze ist auch der Wohnungsbestand von hohen Investitionserfordernissen und Pfadabhängigkeiten geprägt und bedient ein unbestrittenes Grundbedürfnis (mancherorts ein Grundrecht). In dieser Perspektive steht die Berliner Kommunalisierungskampagne in einer Kontinuität mit früheren Initiativen etwa zur Kommunalisierung der Wasserversorgung oder des Stromnetzes. Taugt die Infrastruktur sogar zum politischen Leitbegriff?

    Hinweis: Die Sendung wurde vor der Veröffentlichung der Koalitionsverträge auf Landes- und Bundesebene aufgenommen.

    Links
    • Inga Jensen: Wohnraum als soziale Infrastruktur. In: Wohnungsfragen ohne Ende?! (2020)
    • Wohnungsgemeinnützigkeit
    • Milieuschutzgebiet
    • Mietpreisbremse
    • Mietendeckel
    • Neue Heimat
    • Mietenwatch.de
    • zu den älteren Infrastrukturkämpfen in Berlin: Sören Becker et al.: Infrastruktur in Bürgerhand (2014)
    • eine anspruchsvolle theoretische Auseinandersetzung mit dem Konzept sozialer Infrastrukturen findet sich auch auf dem Blog Links-Netz
    • zum Motiv der Unsichtbarkeit in der Infrastrukturforschung siehe auch Samir Sellami: Die Produktion von Unsichtbarkeit (2020)
    Transkript

    Das Transkript zur Episode ist hier abrufbar. ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.

    Gast
    • Inga Jensen
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        • Ökonomisierung im Krankenhaus – Mit Robin Mohan und Kaspar Molzberger
        • Ungleichheit im deutschen Schulsystem – mit Marcel Helbig
        • Stadt gegen Land – mit Lukas Haffert
        • Die Infrastruktur der Wissensgesellschaft – mit Eva Barlösius
        • Mit Luisa Schneider über das Leben auf der Straße
          1 hr 29 min
        • Postkoloniale Soziologie – mit Marius Meinhof

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          Ob in Diskussionen um Raubkunst, koloniale Symbole im öffentlichen Raum oder um koloniale Genozide: Die westlichen Gesellschaften lernen erst langsam, Kolonialismus nicht nur als das Andere, sondern als ein wesentliches Strukturmerkmal der eigenen Geschichte zu begreifen. Was daraus für die Politik heute konkret folgt, ist ebenso umstritten wie die Folgen für Geistes- und Sozialwissenschaften.

          Dies gilt insbesondere für die Soziologie. Ihr Anspruch, zu beschreiben, was gerade „die“ moderne Gesellschaft ausmacht, wird durch den Postkolonialismus herausgefordert. Lässt sich das bereits entwickelte, differenzierte Vokabular von Modernisierung, Herrschaft und Diskriminierung nicht auch für eine Soziologie des Kolonialismus nutzen? Liegt die Aufgabe der Soziologie darin, „den“ Kolonialismus empirisch genau in seine Bestandteile zu zerlegen und historische Fälle zu vergleichen? Oder geht es an die Überprüfung der oft unausgesprochenen Grundlagen des Faches insgesamt?

          In der Sendung sprechen wir mit Marius Meinhof, der im Rahmen einer Auseinandersetzung in der Zeitschrift SOZIOLOGIE für eine postkoloniale Soziologie wirbt. Nur wer kolonialistische Denkfiguren kennt, kann ein genaues Verständnis davon entwickeln, welche Bestandteile soziologischer Theorie darauf beruhen und in dieser Hinsicht zu überprüfen sind. Meinhof schlägt deshalb vor, den Kanon soziologischer Klassiker um die Klassiker des Postkolonialismus zu erweitern. Man müsse den Postkolonialismus als eigenständiges soziologisches Paradigma begreifen.

          Links
          • Manuela Boatcă, Sina Farzin und Julian Go: Postcolonialism and Sociology (2018)
          • Markus Holzinger: Alter Wein in neuen Schläuchen oder was ist neu am „neuen Postkolonialismus“? (2019)
          • Marius Meinhof: Postkoloniale Soziologie oder Soziologie des Kolonialismus? Irritationspotentiale postkolonialen Denkens für die Soziologie (2020)
          • Markus Holzinger: Im Westen noch immer nichts Neues. „Soziologie des Kolonialismus“ oder „postkoloniale Soziologie“? (2021)
          • Matthias Leanza und Axel T. Paul: Kolonialismus und globale Moderne. Jenseits der Vereinfachungen (2021)
          • Veranstaltung zum Thema auf dem Kongress der ÖGS/DGS
          • „Writing Culture“-Debatte
          • Julian Go
          • Kai-Uwe Hellmann
          • Dominik Schrage
          • Marius Meinhof: Die Kolonialität der Moderne: Koloniale Zeitlichkeit und die Internalisierung der Idee der ‚Rückständigkeit‘ in China (2021)
          • Marius Meinhof: Contesting Chinese modernity? Postcoloniality and discourses on modernisation at a Chinese university campus (2018)
          • Dipesh Chakrabarty: Provincializing Europe (2000)
          • Aníbal Quijano: Coloniality of Power and Eurocentrism in Latin America (2000)
          • Edward Said: Orientalismus (1978)
          • Ernesto Laclau und Chantal Mouffe: Hegemony and Socialist Strategy. Towards a Radical Democratic Politics (1985)
          • Prasenjit Duara: Rescuing History from the Nation. Questioning Narratives of Modern China (1995)
          • Zoltán Boldizsár Simon: (The impossibility of) acting upon a story that we can believe (2017)
          • Iddo Tavory und Stefan Timmermans: Two cases of ethnography. Grounded theory and the extended case method (2009)
          Transkript

          Das Transkript zur Episode ist hier abrufbar. ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.

          Gast
          • Marius Meinhof
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              • Das Elend der Geopolitik – mit Klaus Schlichte
                1 hr 30 min
              • Grenzen als Sortiermaschinen – mit Steffen Mau

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                Der Fall der Berliner Mauer steht nicht allein für die Wiedervereinigung Deutschlands. Er ist auch Symbol für die Überwindung von Grenzen überhaupt. Die letzten Jahrzehnte schienen immer mehr Freiheit in diesem Sinne zu bedeuten. In der Globalisierung, dem Freihandel oder dem Abbau der innereuropäischen Grenzen meinten die einen schon das Ende der ungeliebten Nation zu erkennen, während die anderen den drohenden Kontrollverlust beklagten.

                In seinem neuen Buch nimmt Steffen Mau eine Korrektur an diesem Blick auf die Globalisierung vor. Empirisch sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr und immer stärker gesicherte Grenzen entstanden. Sie sind zu „Sortiermaschinen“ geworden, mit denen Staaten die Risiken der Mobilität kontrollieren. Globalisierung bedeutet ebenso sehr Öffnung für die einen wie Schließung für die anderen.

                Im Gespräch versuchen wir, eine Vorstellung der Grenze im 21. Jahrhundert zu gewinnen. Wie sind nationale Grenzen entstanden? Wie hat sich die Rolle des Staates geändert? Was heißt es, wenn die Grenze mit digitalen Erkennungstechniken aufgerüstet und in Drittstaaten vorverlegt wird? Ist territoriales Denken für uns derart selbstverständlich, dass es unsere politische Vorstellungskraft behindert?

                Notizen
                • Steffen Mau: Sortiermaschinen. Die Neuerfindung der Grenze im 21. Jahrhundert (2021)
                • Forschungsprojekt „Die Grenzen der Welt: Prozesse von De- und Rebordering in globaler Perspektive“
                • Georg Simmel: Soziologie des Raumes (1903)
                • Boaz Atzili: Good Fences, Bad Neighbors. Border Fixity and International Conflict (2011)
                • Oder-Neiße-Grenze
                • Bergkarabachkonflikt
                • Krimkrise
                • Gwendolyn Sasse
                • Forschungsprojekt „Das liberale Skript in den umstrittenen Grenzregionen der Ukraine“
                • Jürgen Habermas: Die postnationale Konstellation. Politische Essays (1998)
                • Samuel Huntington: Clash of Civilizations (1996)
                • „The Power of Passports“
                • Einreise-/Ausreisesystem der EU
                • Global Entry
                Transkript

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                • Steffen Mau
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                      1 hr 15 min
                    • Mit Johann August Schülein über die Wissenschaftstheorie der Psychoanalyse

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                      Die Psychoanalyse ist eine der einflussreichsten Theorien des 20. Jahrhunderts. Sie prägte das moderne Verständnis dessen, was es heißt, ein Subjekt zu sein. In den letzten Jahrzehnten hat sie jedoch an Bedeutung verloren und ist in der akademischen Psychologie weitgehend marginalisiert. Sie gilt als unwissenschaftlich, manchmal sogar als esoterisch. Aktuell kämpft eine Petition für den Erhalt einer der letzten psychoanalytischen Lehrstühle in Deutschland.

                      In der Sendung versuchen wir, die Psychoanalyse wissenschaftstheoretisch zu verorten. Wir sprechen mit Johann August Schülein, der seit vielen Jahre zum Thema forscht. Für Schülein ist das psychodynamische Unterbewusste eine „autopoietische“ Realität. Ihre Dynamik, Reflexivität und Individualität kann nicht von „denotativen“ Theorien erfasst werden, wie sie etwa für naturwissenschaftliche Gegenstände angemessen sind.

                      Psychoanalyse stellt sich (wie andere Sozial- und Geisteswissenschaften) als konnotative Theorie dar. Sie kann ihrem Gegenstand nicht in einem einheitlichen Paradigma gerecht werden. Der Prekarität der Theoriebildung entspricht eine prekäre Institutionalisierung. Nach innen wie nach außen lässt sich nur eine brüchige Einheit herstellen. Schulbildung kann die Pluralität einhegen, bringt aber das Risiko sachlich nicht gerechtfertigter Abschottung mit sich. Überhaupt bleibt der Wissenschaftsstatus umkämpft, Laien von Experten unscharf getrennt. Und nicht zuletzt sind Analysen des Unbewussten bis heute unwillkommen, berühren sie doch den Kern personaler Identität, sind naturgemäß schmerzhaft.

                      Ein wenig Mitschuld an ihrer Situation trägt die Psychoanalyse laut Schülein freilich auch selbst. Zu sehr hat sie auf ihre Reinheit geachtet, und dabei mitunter eine eingehende Theoriediskussion und produktive Anschlüsse an quantitative Methoden versäumt. Für Schülein, emeritierter Professor für Soziologie, wäre demgegenüber ein großes Potential in der Verbindung von psychoanalytischer und soziologischer Forschung zu finden. Dazu müssen beide Disziplinen etwas von ihrer defensiven Selbstüberschätzung ablegen.

                      Links
                      • Johann August Schülein: Die Logik der Psychoanalyse (2016)
                      • Ders.: Ewige Jugend. Warum die psychoanalytische Theorie die Probleme hat, die sie hat (2012)
                      • Ders.: Psychoanalyse und Soziologie: Keine einfache Beziehung (2018)
                      • Rolf Haubl und Johann August Schülein: Psychoanalyse und Gesellschaftswissenschaften (2016)
                      • Petition „Forderung für den Erhalt des psychoanalytischen Lehrstuhls an der Goethe-Universität“
                      • Charles Percy Snow: The Two Cultures (1959)
                      • David Riesman: The Lonely Crowd (1950)
                      • Richard Sennett: The Corrosion of Character (1998)
                      • Alexander Mitscherlich: Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft (1963)
                      Transkript

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                      • Johann August Schülein
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                            1 hr 27 min
                          • Ökonomisierung im Krankenhaus – Mit Robin Mohan und Kaspar Molzberger

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                            Wie so viele gesellschaftliche Bereiche wurde auch das Krankenhaus in den letzten Jahrzehnten nach neuen Prinzipien organisiert. Mit gedeckelten Budgets und Fallkostenpauschalen sollte das vermeintlich überteuerte Gesundheitssystem auf Effizienz getrimmt werden. Kliniken sollten zu Konkurrentinnen werden, die Marktbereinigung unwirtschaftliche Häuser aussortieren. Eine tiefgreifende Ökonomisierung hat die Arbeitsweise im Krankenhaus grundsätzlich verändert.

                            Kaspar Molzberger und Robin Mohan haben beide zu diesem Thema promoviert und die Ökonomisierung des Krankenhauses intensiv erforscht. In Interviews mit Pflegern, Ärzten und Management sind sie der Frage nachgegangen, wie sich Ökonomisierung in der konkreten Praxis der Klinik zeigt. Im Zentrum steht dabei das Klassifikationssystem der DRGs, mit dem Krankheitsbilder zusammengefasst und mit durchschnittlichen Behandlungszeiten und ‑kosten versehen werden. Wer über dem Durchschnitt liegt, macht Minus, wer besser ist, kann Gewinne erwirtschaften – was viele privatgeführte Krankenhäuser rentabel tun.

                            Im Gespräch mit unseren beiden Gästen rekonstruieren wir die historischen Entwicklungslinien des modernen Krankenhauses. Ebenso sprechen wir über dessen traditionelle Arbeitsteilung und wie unterschiedlich sich die Ökonomisierung beim ärztlichen und dem Pflegepersonal auswirkt. Während bestimmte ärztliche Prozeduren hochrentabel sein können, wird die Pflege zum Kostenfaktor. Personalabbau und Arbeitsverdichtung sind die Folge. Andererseits kommt auch das ärztliche Professionsethos immer wieder in Konflikt mit ökonomischen Zielsetzungen.

                            Zuletzt diskutieren wir, wie sich Ökonomisierung theoretisch fassen lässt. Unsere Gäste sind uneins: Robin Mohan plädiert dafür, die Ökonomisierung der Organisation ins gesellschaftstheoretische Verhältnis zu setzen und den Begriff in Zusammenhang mit der Warenlogik des Kapitalismus zu bestimmen. Kaspar Molzberger verortet die Ökonomisierung in einer historisch spezifischen Praxis der Kalkulation, die nur in der Organisation selbst wirklich rekonstruierbar ist.

                            Links
                            • Robin Mohan: Die Ökonomisierung des Krankenhauses (Open Acess)
                            • Kaspar Molzberger: Autonomie und Kalkulation (Open Acess)
                            • Robin Mohan: Ökonomisierung im Kapitalismus. Umriss eines theoretischen Zugangs. In: Otto: Soziale Arbeit im Kapitalismus
                            • Kaspar Molzberger: Das Krankenhaus als anpassungsfähiges Netzwerkarrangement? In: Stegbauer/Clemens: Corona-Netzwerke
                            • Michael Simon: Krankenhauspolitik in der Bundesrepublik Deutschland
                            • Jürgen Johann Rohde: Soziologie des Krankenhauses. Zur Einführung in die Soziologie der Medizin
                            • Thorsten Peetz: Mechanismen der Ökonomisierung
                            • Bruno Latour: Existenzweisen
                            • Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK GmbH)
                            • Kritische Mediziner*innen
                            • DRGs (Diagnosebezogene Fallgruppen)
                            Transkript

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                            • Kaspar Molzberger
                              • ResearchGate
                              • Robin Mohan
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                                  • Wohnen als soziale Infrastruktur – mit Inga Jensen
                                  • Ungleichheit im deutschen Schulsystem – mit Marcel Helbig
                                  • Das Verbrechen als Produkt der Gesellschaft – mit Daniela Klimke
                                    1 hr 59 min
                                  • Mit Ellen von den Driesch über die Demographie des Suizids in der DDR

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                                    Sich selbst das Leben nehmen – es gibt nur wenige derart existenzielle Entscheidungen. So individuell der Suizid im Einzelnen sein mag, so zeigt seine statistische Häufung doch Regelmäßigkeiten, haben unterschiedliche Regionen oder Ländern ihre eigenen Muster. Im Kalten Krieg sind diese zum Medium der Systemkonkurrenz geworden. Die chronisch hohen Suizidzahlen in der DDR, geheimgehalten von der politischen Führung, galten als Beweis für die drückenden Lebensbedingungen im Sozialismus.

                                    Doch was ist dran an dieser Erzählung? Ellen von den Driesch gibt in ihrem Buch Unter Verschluss erstmals belastbare Antworten, indem sie die in der Wendezeit verloren gegangenen Statistiken aufgespürt und umfassend ausgewertet hat. Wir sprechen mit ihr zunächst über die Grundlagen der demographischen Suizidforschung, den Suizid in der DDR und schließlich die Ergebnisse ihrer Studie. Dabei diskutieren wir, was am Wort „Selbstmord“ problematisch ist, was die Soziologie seit Durkheim dazugelernt hat und welchen Erklärungswert soziale Makrophänomene wie Modernisierung haben können. Bei all dem bleibt die Vorsicht: Keine Korrelation berechtigt zur Erklärung eines einzelnen individuellen Suizids. Diese Beschränkung soziologischer Erklärungskraft muss bei jeder Interpretation präsent bleiben.

                                    Notizen
                                    • Ellen von den Driesch: Unter Verschluss. Eine Geschichte des Suizids in der DDR 1952–1990 (Open Access)
                                    • Statistik des Suizid (Wikipedia)
                                    • ICD 10 X60-X84: Vorsätzliche Selbstbeschädigung
                                    • Émile Durkheim: Der Selbstmord (1897)
                                    • Tomáš Masaryk: Der Selbstmord als sociale Massenerscheinung der modernen Civilisation (1881)
                                    • Ökologischer Fehlschluss
                                    • Werther-Effekt
                                    • Spiegel-Artikel von 1963 zum Suizid in der DDR
                                    • Das Leben der Anderen
                                    • Zentralverwaltung für Statistik
                                    • Haus der Statistik
                                    • Datensatz: Suicide, demographic, socio-structural, infrastructure and crime statistics of the German Democratic Republic, 1952 – 1990 (GESIS)
                                    Transkript

                                    Das Transkript zur Episode ist hier abrufbar. ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.

                                    Gast
                                    • Ellen von den Driesch
                                      • Website
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                                        • Mit Jochen Kibel über kollektive Identitäten durch Museumsbauten

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                                          In den letzten Jahrzehnten hat es eine Reihe architektonischer Rekonstruktionen in Deutschland gegeben. Ob am Frankfurter Markt, der Frauenkirche oder dem Berliner Schloss. In den Debatten um solche prestigereichen Bauprojekte geht es selten um rein funktionale Fragen. Gelesen werden die Gebäude stattdessen als Verräumlichung kollektiver Identität. Und das wird schnell zum Politikum: Will man eine detailgetreue Wiederherstellung eines historischen Ideals oder die Sichtbarkeit geschichtlichen Wandels?

                                          Unserem Gast Jochen Kibel geht es weniger um ein politisches Urteil als um die spezifischen zeitlichen und räumlichen Logiken in den konkurrierenden Erinnerungsdiskursen. In seiner Dissertation hat er die Debatten um die Rekonstruktion des Neuen Museums in Berlin und den Umbau des Militärhistorischen Museums in Dresden analysiert. Welche Beziehung zur Vergangenheit wird im Bau konstruiert? Wir sprechen mit ihm über aggressive Geschichtsrhetorik, unübersichtliche Planungsprozesse und die Mehrdeutigkeit historischer Authentizität.

                                          Links
                                          • Jochen Kibel: Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit. Kollektivierungsdiskurse und ihre Codes der Verräumlichung (2021, Open Access)
                                          • Graduiertenkolleg Identität und Erbe
                                          • Neues Museum Berlin
                                          • Militärhistorisches Museum der Bundeswehr Dresden
                                          • Fachgebiet Denkmalpflege an der Technischen Universität Berlin
                                          • Rekonstruktion in der Architektur
                                          • Joachim Fischer
                                          • Gesellschaft Historisches Berlin
                                          • Hermann Lübbe: Der Fortschritt und das Museum (1983)
                                          • Jürgen Straub
                                          • Martina Löw: Raumsoziologie (2000)
                                          • Episode 53 mit Gunter Weidenhaus über soziale Raumzeit
                                          • Claude Lévi-Strauss, Kalte und heiße Kulturen oder Optionen
                                          • Tzvetan Todorov
                                          • Berliner Museumsinsel
                                          • Adolf Behne: Die Museumsinsel – eine Tragödie Berliner Städtebaues (1930)
                                          • Altes Museum
                                          • Wilhelm von Kaulbach
                                          • Friedrich Nietzsche: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben (1874)
                                          • Eduard Gaertner
                                          • Artikel in der Bauwelt zur „ergänzenden Wiederherstellung“
                                          • Informationen zum Wiederaufbau des Neuen Museums beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
                                          • Stiftung Preußischer Kulturbesitz
                                          • James-Simon-Galerie
                                          • David Chipperfield
                                          • Frank Gehry
                                          • Mary Douglas: Purity and Danger (1966)
                                          • Jan Assmann: Erinnern, um dazuzugehören. Kulturelles Gedächtnis, Zugehörigkeitsstruktur und normative Vergangenheit (1995)
                                          • Arnold Gehlen
                                          • Helmut Schelsky: Institutionalisierte Dauerreflektion
                                          • Aleida Assmann: Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur (2013)
                                          • Heike Delitz

                                          Transkript

                                          Das Transkript zur Episode ist hier abrufbar. ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.

                                          Gast
                                          • Jochen Kibel
                                            • Website
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                                              • Ökologie in der soziologischen Theorie – Mit Katharina Block, Andreas Folkers und Katharina Hoppe

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                                                Die drohende ökologische Katastrophe wird sich nicht allein technisch abwenden lassen. Sie verlangt radikales Umdenken, neue Konzepte und komplexe Erklärungen. Kurz: Theorie. Doch auch die Theorie muss sich dabei selbst in Frage stellen. Sie muss Inventur machen, welche ihrer Werkzeuge noch für die veränderte Wirklichkeit taugen.

                                                Ende Januar 2021 hat eine Tagung mit dem Titel Die ökologische Frage danach gefragt, was die soziologische Theorie zum Verständnis der ökologischen Krise leisten kann und inwieweit sie selbst von dieser herausgefordert wird. Wir sprechen in der Folge mit den VeranstalterInnen Katharina Block, Andreas Folkers und Katharina Hoppe. In einer Mischung aus Tagungsrückblick und freier Diskussion versuchen wir, Kernfragen einer problembezogenen Sozial- und Gesellschaftstheorie herauszuarbeiten.

                                                Wir diskutieren, wie sich das Soziale in seiner konstitutiven Verwobenheit mit der nicht-menschlichen Welt am besten auf den Begriff bringen lässt. Wie kann man den anthropozentrischen und ethnozentrischen Bias der Soziologie überwinden? Muss sie dafür eine neue Wissenschaft werden? Und in welcher Beziehung steht sie dann zu den „echten“ Naturwissenschaften? Zentraler Bezugspunkt in der Diskussion bleibt dabei die Moderne in ihren immanenten Logiken, Zwängen, aber auch Mehrdeutigkeiten.

                                                Links
                                                • Tagungsprogramm »Die ökologische Frage«
                                                • Elena Beregow
                                                • Doris Schweitzer
                                                • Athanasios Karafillidis
                                                • Franka Schäfer
                                                • Bruno Latour
                                                • Niklas Luhmann
                                                • Michel Foucault
                                                • Neue Materialismen
                                                • Ulrich Beck: Die Metamorphose der Welt
                                                • Achille Mbembe: Nekropolitik
                                                Transkript

                                                Das Transkript zur Episode ist hier abrufbar. ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.

                                                Gäste
                                                • Katharina Block
                                                  • Website
                                                  • Andreas Folkers
                                                    • Website
                                                    • Katharina Hoppe
                                                      • Website
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                                                        • Mit Stefan Hirschauer über soziologische Mehrsprachigkeit

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                                                          Dass die Soziologie eine „multiparadigmatische” Disziplin ist, ist beinahe schon ein Klischee. Mehr als in den meisten anderen Sozialwissenschaften herrscht ein Pluralismus der Theorien und der Methoden. Das bringt auch Probleme mit sich. Oft begegnen sich die verschiedenen Schulrichtungen der Soziologie mit Unverständnis, manchmal sogar mit Sektiererei und radikaler Abgrenzung.

                                                          Mit unserem Gast Stefan Hirschauer diskutieren wir die umkämpfte Identität des Faches. Laut Hirschauer sind die Vorstellungen eines Einheitsmodells der Wissenschaften durch Jahrzehnte der Wissenschaftsforschung widerlegt. Gleiches gilt für die Trennung von Theorie und Empirie, wie sie immer noch im Anschluss an Karl Popper gelehrt wird. Für Hirschauer kann eine allgemeine Methode nicht die strenge Richterin der Forschungspraxis sein. Orientieren müsse sich die Forschung vielmehr an einer (richtig verstandenen) Gegenstandsangemessenheit und dem kritischen Dialog in der Forschungsgemeinschaft.

                                                          Stefan Hirschauer plädiert dafür, den Streit zu kultivieren und als Stärke des Faches anzusehen. Dies setzt aber auch voraus, dass die soziologische Mehrsprachigkeit bereits im Studium ausreichend angelegt wird und dass sich die verschiedenen Schulrichtungen auf gemeinsamen Tagungen und in gemeinsamen Zeitschriften überhaupt noch begegnen.

                                                          Links
                                                          • Stefan Hirschauer: Ungehaltene Dialoge. Zur Fortentwicklung soziologischer Intradisziplinarität (2020)
                                                          • Stefan Hirschauer: Die Empiriegeladenheit von Theorien und der Erfindungsreichtum der Praxis (2008)
                                                          • DFG Forschungsgruppe 1939: Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung
                                                          • Wiener Kreis
                                                          • Karl Popper: Kritischer Rationalismus
                                                          • Gesa Lindemann: Das Soziale von seinen Grenzen her denken (2009)
                                                          • Duhem-Quine-These
                                                          • Science Studies
                                                          • Ludwik Fleck
                                                          • Thomas Kuhn
                                                          • Karin Knorr-Cetina
                                                          • Social epistemology
                                                          • Bina Elisabeth Mohn
                                                          • Kornelia Engert: The Body of Knowledge: Fieldwork, Concepts and Theory in the Social Sciences (Disserationsprojekt)
                                                          • Christian Meier zu Verl: Doing Social Research. Eine ethnomethodologische Untersuchung ethnografischer Arbeit (Dissertationsprojekt)
                                                          • Björn Krey: Doing Discourse. Textuale Praktiken der Produktion soziologischen Wissens (Dissertationsprojekt)
                                                          • Alfred Schütz: Der Fremde (1972)
                                                          • Karl Mannheim
                                                          • Pierre Bourdieu: Meditationen. Zur Kritik der scholastischen Vernunft (2004)
                                                          • Grounded Theory
                                                          • Johan Galtung: Structure, culture, and intellectual style. An essay comparing saxonic, teutonic, gallic and nipponic approaches (1981)
                                                          • Alexander Lenger/Tobias Rieder/Christian Schneickert: Theoriepräferenzen von Soziologiestudierenden. Welche Autor*innen Soziologiestudierende tatsächlich lesen
                                                          • Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie zur Methodenausbildung (2002)
                                                          • Akademie für Soziologie
                                                          • Niklas Luhmann: Die Praxis der Theorie (1969)
                                                          • Nina Baur/Hubert Knoblauch: Die Interpretativität des Quantitativen oder: Zur Konvergenz von qualitativer und quantitativer empirischer Sozialforschung (2018)
                                                          Transkript

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                                                          Gast
                                                          • Stefan Hirschauer
                                                            • Website
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                                                                ⎯

                                                                Donald Trump ist abgewählt. Die amerikanische und internationale Politik kehrt zur Normalität zurück, so der Tenor. Doch wie „normal“ waren die Vereinigten Staaten in den Jahrzehnten vor Trumps Präsidentschaft? Und welche Entwicklungen wirken weiter, die ihn erst ins Amt brachten? Solchen langfristigen Perspektiven haben Johannes Simon und Paul Simon ihr Buch „Eine Welt voller Wut“ gewidmet.

                                                                In der Sendung sprechen wir mit ihnen über die Entstehung des modernen amerikanischen Konservatismus in der Nachkriegszeit, als die Republikanische Partei zu ihrer heutigen Identität fand. Wir diskutieren die Rolle der radikalen Rechten, darunter Evangelikale, die Politik und Religion auf einzigartige Weise verbinden. Und wir sprechen über die wirtschaftlichen Entwicklungen, Neoliberalismus und Deindustrialisierung, die seit Reagan die Politik prägten. Schließlich fragen wir nach der amerikanischen Hegemonie, der liberalen Weltordnung also, die durch Freihandel und militärische Interventionspolitik geprägt war und die mit Trump endgültig an ihr Ende gelangt ist. Es bleibt ein tief zerrüttetes Land in einer multipolaren Welt – und Pessimismus, wie viel der neue Präsident daran ändern wird.

                                                                Links
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                                                                • QAnon
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                                                                • Prosperity theology
                                                                • Rush Limbaugh
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                                                                Transkript

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                                                                  • Website
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                                                                      From the publisher's feed

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