Wer uns nicht passt, muss ausgeladen werden - so sehen das auch in Deutschlands Kulturszene viele Leute. Und manchmal knicken die Einladenden dann tatsächlich ein, wie neulich im Fall der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart. Wenn es sich häuft, nennt man das "Cancel Culture". An die Stelle der freien Wahl, einfach nicht hinzugehen, tritt die aggressive Forderung, dass das Ganze nicht stattzufinden hat. Dann werden Künstler, die ursprünglich als geeignet befunden wurden, nachträglich wieder ausgeladen, weil die Forderung sich als Shitstorm in den sozialen Netzwerken manifestierte. Und wenn dann der Gegensturm losgebrochen ist, werden die Künstler oftmals wieder eingeladen. Das ist keine Zensur, aber ein massiver Druck, der unliebsame Äußerungen und die, die sie äußern, zum Verstummen bringen möchte. Mit der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, die zum Bauhaus-Jubiläum spielen sollte, fing es nicht an und mit Lisa Eckhart oder Dieter Nuhr, der auf einer Plattform der DFG auf-, unter- und wieder auftauchte, ist es noch lange nicht zu Ende. In den USA gibt es eine heftige Debatte um die Cancel Culture. Ist sie jetzt auch in Deutschland gelandet?