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  • Was wichtig wird | Klimakonferenz und politische Protestaktion - Ziel verfehlt
    Der politische Wille fehlt

    Am Montag hat die UN-Klimakonferenz in Madrid begonnen. Dort wird im Laufe des häutigen Tages wohl auch Greta Thunberg angekommen, die ganz ohne Co2-Austoß, mit dem Segelbot aus den USA nach Spanien gesegelt ist. Aber was muss auf dem Klimagipfel eigentlich passieren, damit uns unsere Welt, so wie wir sie kennen, noch eine Weile zu Vefügung steht? Die Forderungen sind klar: Weniger Co2 produzieren und Schritte gegen Abforstung einleiten. Den Ländern fehlt dazu aber oft der politische Wille.

    „Man muss Kompromisse machen und sich auf schmerzhafte Dinge einlassen. Dazu sind viele Staaten nicht bereit.“ sagt Tobias Schulze, taz.

    Maximale Provokation

    Das Künstlerkollektiv „Zentrum für politische Schöhnheit“ hat am Montag eine Säule vor dem Berliner Reichstag errichtet. Damit wollen sie gegen den Verrat an der Demokratie protestieren und Politikerinnen und Politiker dazu aufrufen, nicht mit rechten Parteien zusammen zu arbeiten. Das Denkmal ist umstritten, denn in der Säule soll sich angeblich die Asche von Opfern des Holocausts befinden. Damit lenkt der Streit um die Aktion vom eigentlichen Thema ab.

    „Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel. Die Debatte und ob man das darf überlagert jetzt alles.“ sagt Tobias Schulze, taz.

    Über die Klimakonferenz in Madrid und die Protestaktion des „Zentrums für politische Bildung“ spricht detektor.fm-Moderatorin Anja Bolle mit taz-Redakteur Tobias Schulze.

     

     

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    7 min
  • Flopcast | Gabriele Fischer - Volles Risiko für "brand eins"

    Das brand-eins-Magazin gehört heute zu den wichtigsten deutschen Wirtschaftsmagazinen. Wie steinig der Weg bis dahin war, wissen aber wohl die wenigsten Leser. Schon Ende der 90er-Jahre entwickelte Chefredakteurin Gabriele Fischer für den Spiegel-Verlag den Vorgänger „Econy“. Die Redaktion hatte kaum angefangen zu arbeiten, da stellte der Verlag das Magazin nach nur zwei Ausgaben wieder ein.

    „Es war relativ schnell klar, dass wir die Verlagsleute schnell loswerden wollten. Und kaum waren die draußen, haben wir uns erstens betrunken und zweitens nachts um Vier entschieden: Wir machen weiter“, so Gabriele Fischer.

    Tatsächlich kauften Gabriele Fischer und Team also die Rechte am Magazin und versuchten, Econy im Eigenverlag herauszubringen. Mit bescheidenem Erfolg. Nach zwei Ausgaben seien sie pleite gewesen, so Fischer im Flopcast. Auch die Partnerschaft mit dem Verlag für Wirtschaftsmedien, der daraufhin Econy inklusive Redaktion übernahm, hielt nur sieben Monate. Gabriele Fischer sieht es postiv: „In Krisen sind wir gut trainiert. Und die nächste Krise kommt bestimmt.“

    Wie aus Econy am Ende brand eins wurde, wie lange es gedauert hat, das Magazin profitabel zu bekommen, und wie viele Krisen noch dazwischenlagen, das erzählt Gabriele Fischer in der vierten Folge des „Flopcast“ mit detektor.fm-Moderatorin Maja Fiedler.

    Redaktion: Javan Wenz

    Der Flopcast – Was wir von gescheiterten Unternehmen lernen können

    Wer hierzulande ein Unternehmen gegen die Wand fährt, wird schnell als Verlierer abgestempelt. Dabei ist Scheitern keineswegs ein Makel – es ist eine große Chance. Im Flopcast von detektor.fm beschreiben Unternehmerinnen und Unternehmer, was sie vom Scheitern gelernt haben. Hier sprechen sie über große und kleine Fehler, über Lehren für die Zukunft und über ihren Weg zurück in die Erfolgsspur. Präsentiert von Lexware.

    Den Flopcast gibt es überall, wo es Podcasts gibt – bald auch direkt bei Apple Podcasts, Spotify, Deezer und Google Podcasts. Hier entlang zur Übersicht.
    33 min
  • Spenden in Deutschland - Moneten oder Müsli?
    Weniger, aber großzügiger

    Weniger Menschen spenden, und trotzdem wird in diesem Jahr das dritthöchste Spendenvolumen zusammenkommen, seitdem es vor 15 Jahren erstmals erfasst worden ist. Von Januar bis September 2019 wurden bereits knapp 3,3 Milliarden Euro gespendet. Ende Dezember sind es voraussichtlich rund fünf Milliarden Euro. Denn die Spendenden geben mehr Geld oder spenden häufiger: Im Schnitt 35 Euro beziehungsweise knapp sechs Mal pro Jahr. Das ist so häufig wie noch nie.

    Das meiste Geld fließt nach wie vor in die humanitäre Hilfe, vor allem in die Not- und Katastrophenhilfe. Außerdem steigen die Spenden für Kultur- und Denkmalschutz und für Sport. Für den Umweltschutz gibt es dagegen weniger Geld. Und das, obwohl der Klima- und Umweltschutz schon 2018 als drittwichtigstes Problem in Deutschland genannt worden ist.

    Ein Blick auf die Altersgruppen der Spendenden ist aufschlussreich: Die meisten Spendengelder stammen weiterhin von Senioren über 70 Jahre und deren Spendenanteil steigt sogar auf 41 Prozent an. Dagegen spenden junge Menschen bis 39 Jahre am wenigsten.

    Allumfassend sind die Zahlen des Deutschen Spendenrats aber nicht. Denn die Spendengelder werden nicht einheitlich erfasst, sondern von Hilfswerken und Organisationen geschätzt. Außerdem fließen Spenden an örtliche Vereine wie den Schwimmclub oder die Freiwillige Feuerwehr nicht mit ein, genauso wenig wie Großspenden aus der Industrie.

    „Die Tafel ist angetreten, um der Lebensmittelvernichtung zu begegnen“, erklärt der erste Vorsitzender der Tafel Bad Segeberg Hans-Joachim Wilde.

    Spenden statt auf den Müll

    Nicht Geld-, aber gerade große Sachspenden aus der Industrie sind ein Problem für viele Tafeln. Viele Supermärkte und Lebensmittelgroßhändler geben Produkte an die Tafel weiter, die sich zum Beispiel wegen des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht mehr verkaufen lassen. Zuletzt hatte der Vorsitzende des Dachverbands der Tafeln in Deutschland staatliche Unterstützung gefordert, um Großspenden aus der Lebensmittelindustrie annehmen zu können.

    Dagegen bemühen sich die Tafeln in Freiburg und Bad Segeberg um Privatpersonen als Lebensmittelspender. Von seiner Erfahrung mit Lebensmittelspenden und wie neue Konzepte dafür aussehen können erzählt Hans-Joachim Wilde, erster Vorsitzender der Tafel Bad Segeberg, im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Christian Eichler.

    7 min
  • Mission Energiewende | Weltklimakonferenz in Madrid geht los - Was soll das eigentlich?
    Es reicht einfach nicht

    Jedes Jahr kommen die Regierenden der Welt zusammen und feiern sich für ihre tollen Durchbrüche und wichtigen Entscheidungen. Aber der Klimakrise ist das bisher egal. Allein in diesem Jahr hat es fast wöchentlich neue Hiobsbotschaften aus der Wissenschaft gegeben. Wir kommen unumkehrbaren Kipppunkten immer näher, es wird weltweit mehr CO2 ausgestoßen als je zuvor, ja die Deutschen produzieren sogar immer mehr Plastikmüll. Und trotzdem scheint der Kampf gegen die Klimakrise nur mit der COP, der UN-Weltklimakonferenz zu funktionieren.

    Von der Leyen als Klimaretterin?

    Viel hat sich verändert seit 2018 im polnischen Kattowitze zumindest in Teilen ein Fahrplan für den internationalen Klimaschutz verabschiedet wurde: Fridays for Future sind auf den Straßen, Greta Thunberg ist einmal um die Welt gesegelt und – damit zusammenhängend – die Konferenz finden wegen Unruhen nichtmehr in Chile, sondern in Spanien statt. Und eine Frau, die vor einem Jahr noch deutsche Verteidigungsministerin war, lässt sich gerade für ihren „Green Deal“ feiern. Ursula von der Leyen ist nämlich seit kurzem EU-Kommissionspräsidentin. Sie will den Klimaschutz zu einem ihrer wichtigste Aufgaben machen.

    Der Emissionshandel

    Außerdem kommt auf dieser Konferenz wieder ein Thema auf den Tisch, das der brasilianische Präsident Bolsonaro im letzten Jahr noch zu verhindern wusste: der internationale Emissionshandel. Was es damit auf sich hat und wie der genau funktioniert, bespricht detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit dem Umweltökonom Reimund Schwarze vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

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    „Mission Energiewende“ ist eine Kooperation mit dem Ökostromanbieter LichtBlick und dem WWF

    15 min
  • 70 Jahre NATO - Der Fokus fehlt
    Gedämpfte Geburtstagsfreude
    Auf dem NATO-Gipfel hält sich die Freude zum 70. Jubiläum des Militärbündnisses in Grenzen. Von Donald Trump, der sich schon früher kritisch gegenüber der NATO geäußert hat, hat man gehofft, er würde dieses Mal auf Schmipftiraden verzichten. Diese Hoffnungen wurden vom US-Präsidenten routiniert enttäuscht: Deutschland zahle nach wie vor zu wenig und die Amerikaner bräuchten das Bündnis gar nicht, denn sie täten den Europäern doch lediglich einen Gefallen.
    Dass Teile der Europäer das anders sehen, hat kürzlich erst Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit drastischen Worten deutlich gemacht: Die NATO, so Macron, sei „hirntot“ und die Europäer bräuchten mehr Eigenständigkeit in der Sicherheitspolitik. Den Osteuropäern wiederum, allen voran den baltischen Ländern, geht Sicherheit vor: Sie befürchten, dass ihnen ohne eine starke NATO im Rücken schon längst ein ähnliches Schicksal wie die Ukraine gedroht hätte.
    Streit auf NATO-Gipfel zu erwarten
    Grundsätzlich sollte man jedoch festhalten: Mit 70 Jahren ist die NATO für ein Militärbündnis außergewöhnlich alt – die meisten Bündnisse zerbrechen an militärischen Niederlagen, interner Zerstrittenheit oder eben dem Wegfall der alten Feinde. Die Sowjetunion und der Warschauer Pakt sind zwar schon lange Vergangenheit, aber an einer neuen sicherheitspolitischen Bedrohungen für die Bündnispartner mangelt es nicht.
    Viele Osteuropäer sehen Russland als Gefahr, die USA blicken skeptisch nach China, während Frankreich vor allen Dingen in den Brutstätten des islamistischen Terrors im Maghreb und dem Nahen Osten intervenieren will. Dass sich das Bündnis nicht auf Prioritäten einigen kann, ist ein Problem. Und ob es auf dem NATO-Gipfel gelöst werden kann, ist noch offen.
    „Macron hat ganz zu Recht gefragt: Wer ist unser Feind?“, sagt Hans-Georg Ehrhart vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg.
    Über die Zukunft der NATO, die europäischen Sicherheit und die Idee einer EU-Armee, spricht detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit dem Friedens- und Konfliktforscher Hans-Georg Ehrhart.
    ist Friedens- und Konfliktforscher in Hamburg.
    Die Ukraine-Krise ist eine Antwort auf die NATO-Ausweitung, weil aus russischer Sicht damit eine rote Linie überschritten wurde.Hans-Georg Ehrhart
    Redaktion: Dominik Lenze
    9 min
  • Zitrusfrüchte mit Chlorpyrifos - Gift statt Vitamin
    Was die Pflanze schützt, schadet dem Mensch

    Das C steckt im Namen, aber es ist kein Vitamin. Chlorpyrifos heißt ein Insektizid, das häufig auf Zitrusfrüchte wie Orangen, Mandarinen, Zitronen oder Grapefruits gespritzt wird. Die Pflanzen schützt es vor Insektenbefall, aber dem Menschen schadet es. Das Pflanzenschutzmittel schädigt vor allem das Gehirn und bereits dessen Entwicklung im Mutterleib. Beispielsweise soll das Mittel den Intelligenzquotienten senken und Aufmerksamkeitsstörungen verursachen. An Ratten haben Wissenschaftler nachgewiesen, dass Chlorpyrifos sich bereits in kleinsten Mengen auf das Gehirn auswirkt: Die Rattenhirne schrumpfen.

    Ende dieser Woche stimmen die EU-Mitgliedsstaaten darüber ab, ob Chlorpyrifos ab 2020 weiterhin zugelassen ist. Denn im Juli diesen Jahres hat die EFSA das Insektizid neu bewertet und kommt zu dem Schluss, dass Chlorpyrifos die Zulassungskriterien nicht mehr erfüllt.

    „Die Verfahren sind komplex und brauchen ihre Zeit. Man kann den EU-Behörden nicht unterstellen, nicht aktuellste wissenschaftliche Erkenntnisse einfließen zu lassen – aber die Mühlen mahlen langsam. Im Fall Chlorpyrifos wurde der Druck seitens der NGOs erhöht, sodass die EU-Kommission sich schneller damit befasst“, erklärt Eva Achinger, Journalistin bei BR Recherche.

    Vergiftetes System

    Seit 2006 darf das Mittel EU-weit eingesetzt werden. Insbesondere die sogenannten „Zitrus“-Staaten Griechenland, Zypern, Spanien und Italien, die die Zitrusfrüchte anbauen und exportieren, unterstützen den Einsatz des Insektizids. Verboten ist das Mittel in Deutschland und Dänemark, die Dänen erwägen sogar ein Importverbot für mit Chlorpyrifos behandelte Früchte.

    Inzwischen ist nicht mehr nur das Insektizid an sich umstritten, sondern auch das EU-Gutachten an sich. Denn einige Passagen in EFSA-Abschlussberichten sind wortgleich zu Zeilen in den Studien der Hersteller des jeweiligen Insektizids. Das wirft die Frage auf, ob die EFSA Herstellerangaben zu den Risiken von Chlorpyrifos tatsächlich geprüft hat. Ist ein Pestizid einmal zugelassen, wird es erst zehn oder fünfzehn Jahre später erneut geprüft. Um das Zulassungsverfahren für Pestizide transparenter zu machen, arbeitet derzeit ein EU-Sonderausschuss an Vorschlägen.

    Ob und welche Zitrusfrüchte noch guten Gewissens essbar sind und wieso Chlorpyrifos bisher zugelassen war, bespricht detektor.fm-Moderatorin Anja Bolle mit der BR-Recherche-Journalistin Eva Achinger.

    ist Journalistin bei BR Recherche.
    Im Rahmen einer grenzüberschreitenden Kooperation unter der Leitung von Investigative Reporting Denmark mit Journalisten von „Knack“ in Belgien, „Le Monde“ in Frankreich, „VG“ in Norwegen, „Newsweek“ in Polen und „Ostro“ in Slowenien hat Eva Achinger zu Chlorpyrifos recherchiert. Weitere Partner der Kooperation sind „El Confidential“ in Spanien, die „Süddeutsche Zeitung“ und der Bayerische Rundfunk in Deutschland sowie das Midwest Center for Investigative Reporting in den USA. Die Recherche wird von Journalismfund.eu und n-ost unterstützt.Eva Achinger

    Redaktion: Nadja Häse

    11 min
  • Zeit Campus | Auswandern nach Norwegen - Leben in der Holzhütte
    Ein Ort wie ein Gemälde

    Johannas „Hytte“ liegt in Norwegen, direkt am Wasser. Im Hintergrund die malerische Kulisse der Bergketten. Vor drei Jahren tauschte die 29-Jährige ihr heutiges Leben gegen ihr Leben in Berlin. Obwohl dort eigentlich alles so lief, wie sie es geplant hatte.

    „Über zwei Jahre wurde die Idee dieses Artikels ausgebrütet bis ich dann zu ihr gefahren bin“, berichtet Anne-Sophie Balzer. Sie schreibt für Zeit Campus.

    Das BWL-Studium war abgeschlossen, das Praktikum in der Nachhaltigkeitsabteilung von DHL absolviert. Doch jetzt voll ins Berufsleben einsteigen? Nein. Also ab nach Norwegen. Genauer gesagt nach Rauland. Eine kleine Stadt im Süden des Landes. Hier kann Johanna folkemusikk studieren, ohne NC und ohne Studiengebühren.

    Stichwort Mut

    Das sich junge Menschen nach ihrem Studium fragen, ob sie den richtigen Weg gewählt haben, ist keine Seltenheit. Auch den Überdruss der Großstadt kennen viele. Genau wie die Sehnsucht nach Ruhe und Natur. Den Mut, so einen Schritt zu wagen wie Johanna, hat allerdings kaum jemand. Wieso ist das so?

    „Ich habe sie unglaublich dafür bewundert, wie mutig und selbstbestimmt sie daran gegangen ist“, erzählt Anne-Sophie Balzer.

    Auf dem Z2X-Festival vor zwei Jahren leitete Johanna ein Panel in dem es darum ging einfach in die Natur zu ziehen. Viele junge Menschen aus der Großstadt lauschten gespannt. Unter anderem  Zeit Campus-Autorin Anne-Sophie Balzer. Später besuchte sie Johanna in Rauland und schrieb einen Artikel darüber für die aktuelle Ausgabe des Magazins.

    Über die Angst etwas zu verpassen, mit sich selbst allein zu sein und die Arbeit mit Johanna hat Anne-Sophie Balzer mit detektor.fm-Moderator Jonas Junack gesprochen.

    14 min
  • Neue SPD-Spitze - "Selbstzerstörung? Kann passieren!"
    Knappes Rennen

    Der ehemalige NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die bis dato kaum der breiteren Öffentlichkeit bekannte Bundestagsabgeordnete Saskia Esken bilden die neue SPD-Spitze. Das haben die Genossen und Genossinen in einer Stichwahl in den letzten Wochen entschieden. Mit 53,06 Prozent haben sich die beiden gegen Vizekanzler Olaf Scholz und Klara Geywitz durchgesetzt.

    Die knappe Mehrheit der Mitglieder, die abgestimmt haben, hat sich somit für eine SPD-Spitze ausgesprochen, die der ohnehin umstrittenen Großen Koalition kritisch gegenübersteht. Esken und Walter-Borjans wollen die SPD darüber hinaus wieder weiter nach links rücken. Ob es zu Nachverhandlungen oder gar zum Bruch der Koalition kommt, das entscheidet sich auf dem SPD-Parteitag. Auf diesem werden Walter-Borjans und Esken voraussichtlich auch als neue Vorsitzende bestätigt. Denn noch ist das Ergebnis der Mitgliederbefragung nicht offziell.

    Neue SPD-Spitze wird kritisch gesehen

    Während die einen mit dem neuen Führungsduo Hoffnungen auf ein Wiederaufleben linker Sozialdemokratie verbinden, überschlagen sich auf der anderen Seite die Kritiker. Mit Walter-Borjans und Esken habe der Populismus die SPD erreicht, raunt der Tagesspiegel. Auch Altkanzler Gerhard Schröder zeigt sich skeptisch. Und die Zeitung Die Welt meint gar, die SPD habe sich mit dieser Wahl für „ideologischen Fundamentalismus“ entschieden.

    „Das Presse-Echo ist verheerend für Esken und Walter-Borjans, weil sie als Instabilitätsfaktor gesehen werden“, urteilt Stefan Reinecke, Politik-Redakteur bei der taz.

    Weshalb so viele politische Beobachter mit Untergangsstimmung auf die neue SPD-Spitze reagieren und wie wahrscheinlich es ist, dass Walter-Borjans und Esken die Große Koalition platzen lassen, darüber spricht detektor.fm-Moderatorin Anja Bolle mit taz-Politikredakteur Stefan Reinecke.

    Die SPD ist nicht gut gerüstet für mögliche Neuwahlen. Außerdem gibt es gute Gründe für sie, in der Großen Koalition zu bleiben.Stefan Reinecke
    9 min
  • Album der Woche | Jack Peñate – After You - Bitte nach Ihnen!

    Das Album der Woche wird präsentiert von Dockin. Promo-Code: detektor.fmDockin10

    Und plötzlich ging alles ganz schnell: „Prayer“, der Opener des neuen Jack Peñate-Studioalbums „After You“, entstand innerhalb von etwa 20 Minuten im Studio in einer Garage in Oxford. Aber der Musiker hatte zehn Jahre gebraucht, bis er dazu in der Lage war, diesen Song in so kurzer Zeit zu schreiben. “I got lost, trying to be what I’m not,” heißt es dann auch in den Anfangszeilen des Songs, und das ist in seinem Fall mehr als eine Metapher. Denn die Reise, die Peñate zu „After You“ führte war kurvig und voller Umwege.

    Kontrolle über gesamten Prozess

    Nachdem er die Tour zu seinem zweiten Album „Everything is New“ beendet hatte, kehrte der Südlondoner Songwriter nach Hause zurück und merkte, dass er nicht fähig war ein weiteres Album aufzunehmen. Alles, was er besaß, war ein kleines Aufnahmegerät und seine Tour-Instrumente und mit Studiotechnik kannte er sich auch nicht aus. Er wollte aber die Kontrolle über den gesamten Prozess haben, denn auch viele seiner Vorbilder sind Musiker und Produzenten, darunter Todd Rungren und Prince. Er baute sich einen Raum zum Studio um, das sich zu einem Hotspot für allerlei befreundete Musiker von Sampha über The xx bis Wild Beasts entwickelte. Er reiste nach New York und Peru und schrieb an die tausend Songs. Aber er wollte nichts veröffentlichen, von dem er nicht 100%ig überzeugt war. Als er den Produzenten Inflo kennenlernte, fügten sich schließlich alle Puzzleteile zusammen.

    „After you“ ist voll von inbrünstigem Gesang, der die vielseitige Instrumentierung zusammenhält. Moderner R’n’B, Gospel-Anleihen findet man ebenso auf dem Album wie Bollywood-Streicher wie in „Round And Round“. Mal lässt sich der 35-Jährige von den Beatles, mal von David Bowie inspirieren – wie in „Loaded Gun“. Ein zartes Piano und eine sanfte Akustik-Gitarre untermalen seinen Gesang, der die Selbstzweifel und Schwierigkeiten des Weitermachens zeigt: „I want the world to know my name, so I survive. And there is nothing in my way, except my cruel mind“.

    Selbstvertrauen und Freude

    „After you“ zeigt Jack Peñate als talentierten Songwriter klassischer Popsongs, der Selbstvertrauen und die Freude an seiner Musik wiederentdeckt hat. Vielleicht dauert es bis zum nächsten Album ja nicht wieder zehn Jahre.

    5 min
  • Fortschritt | Wie sicher sind Hotspots? - "Wie auf einer Postkarte"

    Ob in der Straßenbahn, im Zug oder am Flughafen: Überall gibt es kostenlose Hotspots. Das ist für viele Nutzer attraktiv, schließlich lassen sich so etwa Serien streamen oder große Datenmengen versenden, und das von quasi überall. Allerdings ist in öffentlichen Hotspots Vorsicht geboten. Denn wer in denen unterwegs ist, wird für Hacker unter Umständen zu einem leichten Ziel.

    Man bekommt alles mit

    Das Problem liegt in der Natur der Sache: Öffentliche Hotspots sind oftmals unverschlüsselt. Wozu das führt, weiß Jan Gruber von Mobilegeeks.de:

    „Alles, was nicht verschlüsselt ist, ist ein bisschen wie eine Postkarte. Da muss ich einfach nur mitlesen und bekomme alles normal mit. In der Regel kann ich also in einem öffentlichen WLAN den kompletten Verkehr mitlesen“, erklärt Jan Gruber von Mobilegeeks.de.

    Dafür braucht man lediglich einen sogenannten WLAN-Sniffer. So ein Tool hilft dabei, Daten aus WLAN-Netzwerken auszulesen. Viele dieser Programme sind leicht zu bedienen und überall erhältlich.

    Wie man sich in Hotspots schützt

    Wer auf das Surfen in öffentlichen Netzwerken nicht verzichten will, kann sich allerdings absichern. Dafür reichen oft schon kleine Dinge. Etwa, das WLAN auf dem Smartphone abzuschalten. So kann man verhindern, dass das Gerät sich automatisch in ein bekanntes Netzwerk einwählt. Denn für die meisten Dinge reichen oft schon die mobilen Daten, die um einiges sicherer sind als offene Netzwerke.

    Eine andere Möglichkeit bieten sogenannte VPNs. Die leiten den Datenverkehr in einem Netzwerk über einen Anbieter durch eine Art sicheren Tunnel. So können andere Nutzer in einem Hotspot nicht sehen, welche Daten versendet werden.

    „Wichtig ist da, auch bei der Wahl des VPN die Augen drauf zu halten, Rezensionen lesen zum Beispiel, und prüfen, ob man dem Anbieter denn vertrauen kann“, rät Jan Gruber.

    Warum öffentliche Hotspots unsicher sind und wie man sich in ihnen schützt, weiß Jan Gruber vom Onlinemagazin Mobilegeeks.de. detektor.fm-Moderator Lars-Hendrik Setz hat mit ihm darüber gesprochen.

    Der Podcast „Fortschritt“ zeigt, wie Technik unser Leben verändert. Alle Folgen gibt es auch direkt bei Apple Podcast, Deezer, Google Podcasts und Spotify.
    9 min

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