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Hm, kein sonderlich aufmunterndes Wort am Anfang eines Tages.
Da gibt es „gefühlt“ gleich einen auf den Deckel: „Du hast versagt. Du hast die Not eines Menschen nicht wahrgenommen. Du hast versäumt, ihm zu helfen.“
Und so urteilt nicht irgendein weltlicher Herrscher. Der König, das ist Gott selber. Ganz offen gesprochen: Da wäre mir doch eine positive Beurteilung meines Lebens lieber.
Andererseits ist Gottes Wort kein Wunschkonzert. Ja, Gott ermutigt in seinem Wort, er tröstet, er schenkt Orientierung. Aber er warnt auch vor einer Lebensführung, die nicht seinem Willen entspricht. Und das nicht nur in den 10 Geboten.
Das weiß ich ganz gut von mir selbst: Solche Ermahnungen habe ich immer wieder nötig, obwohl ich schon lange in der Nachfolge Jesu stehe.
Allerdings überhöre ich schon mal gerne die Ermahnungen Gottes, ignoriere seine Warnungen. Mir kam eine Erzählung des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard in den Sinn. Er berichtet von einem Wanderzirkus, der in der dänischen Provinz sein Zelt aufschlägt. Zur ersten Aufführung sind fast alle Plätze belegt: Familien mit Kindern, neugierige Jugendliche, etliche Senioren.
Sie warten gespannt auf den Anfang der Vorführung. Dann betritt ein Clown die Manege. Mit gedämpfter Stimme sagt er: „Meine Damen und Herren! Bitte bleiben Sie ganz ruhig! Gehen Sie langsam nach rechts und links. Verlassen Sie das Zelt. Hinten im Fundus ist ein Brand ausgebrochen.“
Ein Augenblick - Totenstille! Aber dann fängt ein Zuschauer an zu lachen und zu klatschen, bald folgt ein zweiter, ein dritter….
Der Clown ruft noch einmal ganz leidenschaftlich: „Ein Brand ist ausgebrochen! Bitte verlassen Sie ihren Platz!“ Aber das Lachen und Klatschen breitet sich aus wie ein Orkan. Bis plötzlich die ersten schwarzen Rauchschwaden durch den Vorhang dringen.
Kierkegaard hat es zutreffend beobachtet. In unserer menschlichen Natur steckt es, dass wir Gott nicht ernst nehmen wollen, so wenig wie Weisungen von einem Clown, dass wir auch Gottes Warnungen ignorieren.
Deshalb will ich auch dieses zurechtweisende Wort des Königs nicht überhören. Genauso wenig ist es hilfreich, bei diesem Wort nur an andere Menschen zu denken: „Das sollte Herr XY sich mal konkreter zu Herzen nehmen“.
Was zählt der König als Versäumnis auf?
Nicht etwa Mord und Totschlag. Er nennt recht normale Dinge: Du hast mit dem Hungernden nicht das Essen geteilt, den Kranken vergessen, den Gefangenen nicht besucht. Ich denke, diese Liste der Unterlassungen könnte noch problemlos ergänzt werden.
Was kann ich mir konkret für heute vornehmen?
Vermutlich haben die wenigsten die Chance, jemanden im Gefängnis zu besuchen. Aber da ist die alleinerziehende Mutter zwei Etagen über mir. Ihr spüre ich ab, dass sie oft überfordert ist. Biete ihr doch an, mal zwei Stunden auf ihr Kind aufzupassen! Dann kann sie in Ruhe das erledigen, wozu sie sonst nicht kommt.
Es kann gut sein, das heute kein Obdachloser bei mir anschellt. Aber ich entdecke durchs Küchenfenster den kranken Nachbarn, der nach der Operation nicht richtig auf die Beine kommt. Wie würde er sich freuen, wenn ich für ihn das Schneeschieben übernehme oder einen Einkauf.
In diesem Sinne will das Bibelwort aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 25, 45 „keinen auf den Deckel geben“. Ich verstehe es eher als einen hilfreichen „Weckruf“: Gehe mit offenen Augen und mit einem weiten Herz durch diesen Tag! Übersehe den Menschen nicht, der in Not ist!
Niemand soll meinen, dass er sich dadurch einen Platz im Himmel verdienen könnte. Das ewige Leben ist ein Geschenk Gottes, ich bekomme es, wenn ich Jesus vertraue. Aber dieser Glaube an Jesus soll nicht nur ein Standpunkt sein.
Der Glaube will gelebt werden im Alltag. Wie sagt es Paulus: „Die größte Gabe und Frucht ist die Liebe“ (1. Korinther 13, 13 / Galater 5, 22).
Autor: Pfarrer Rainer Heuschneider
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By ERF - Der SinnsenderHm, kein sonderlich aufmunterndes Wort am Anfang eines Tages.
Da gibt es „gefühlt“ gleich einen auf den Deckel: „Du hast versagt. Du hast die Not eines Menschen nicht wahrgenommen. Du hast versäumt, ihm zu helfen.“
Und so urteilt nicht irgendein weltlicher Herrscher. Der König, das ist Gott selber. Ganz offen gesprochen: Da wäre mir doch eine positive Beurteilung meines Lebens lieber.
Andererseits ist Gottes Wort kein Wunschkonzert. Ja, Gott ermutigt in seinem Wort, er tröstet, er schenkt Orientierung. Aber er warnt auch vor einer Lebensführung, die nicht seinem Willen entspricht. Und das nicht nur in den 10 Geboten.
Das weiß ich ganz gut von mir selbst: Solche Ermahnungen habe ich immer wieder nötig, obwohl ich schon lange in der Nachfolge Jesu stehe.
Allerdings überhöre ich schon mal gerne die Ermahnungen Gottes, ignoriere seine Warnungen. Mir kam eine Erzählung des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard in den Sinn. Er berichtet von einem Wanderzirkus, der in der dänischen Provinz sein Zelt aufschlägt. Zur ersten Aufführung sind fast alle Plätze belegt: Familien mit Kindern, neugierige Jugendliche, etliche Senioren.
Sie warten gespannt auf den Anfang der Vorführung. Dann betritt ein Clown die Manege. Mit gedämpfter Stimme sagt er: „Meine Damen und Herren! Bitte bleiben Sie ganz ruhig! Gehen Sie langsam nach rechts und links. Verlassen Sie das Zelt. Hinten im Fundus ist ein Brand ausgebrochen.“
Ein Augenblick - Totenstille! Aber dann fängt ein Zuschauer an zu lachen und zu klatschen, bald folgt ein zweiter, ein dritter….
Der Clown ruft noch einmal ganz leidenschaftlich: „Ein Brand ist ausgebrochen! Bitte verlassen Sie ihren Platz!“ Aber das Lachen und Klatschen breitet sich aus wie ein Orkan. Bis plötzlich die ersten schwarzen Rauchschwaden durch den Vorhang dringen.
Kierkegaard hat es zutreffend beobachtet. In unserer menschlichen Natur steckt es, dass wir Gott nicht ernst nehmen wollen, so wenig wie Weisungen von einem Clown, dass wir auch Gottes Warnungen ignorieren.
Deshalb will ich auch dieses zurechtweisende Wort des Königs nicht überhören. Genauso wenig ist es hilfreich, bei diesem Wort nur an andere Menschen zu denken: „Das sollte Herr XY sich mal konkreter zu Herzen nehmen“.
Was zählt der König als Versäumnis auf?
Nicht etwa Mord und Totschlag. Er nennt recht normale Dinge: Du hast mit dem Hungernden nicht das Essen geteilt, den Kranken vergessen, den Gefangenen nicht besucht. Ich denke, diese Liste der Unterlassungen könnte noch problemlos ergänzt werden.
Was kann ich mir konkret für heute vornehmen?
Vermutlich haben die wenigsten die Chance, jemanden im Gefängnis zu besuchen. Aber da ist die alleinerziehende Mutter zwei Etagen über mir. Ihr spüre ich ab, dass sie oft überfordert ist. Biete ihr doch an, mal zwei Stunden auf ihr Kind aufzupassen! Dann kann sie in Ruhe das erledigen, wozu sie sonst nicht kommt.
Es kann gut sein, das heute kein Obdachloser bei mir anschellt. Aber ich entdecke durchs Küchenfenster den kranken Nachbarn, der nach der Operation nicht richtig auf die Beine kommt. Wie würde er sich freuen, wenn ich für ihn das Schneeschieben übernehme oder einen Einkauf.
In diesem Sinne will das Bibelwort aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 25, 45 „keinen auf den Deckel geben“. Ich verstehe es eher als einen hilfreichen „Weckruf“: Gehe mit offenen Augen und mit einem weiten Herz durch diesen Tag! Übersehe den Menschen nicht, der in Not ist!
Niemand soll meinen, dass er sich dadurch einen Platz im Himmel verdienen könnte. Das ewige Leben ist ein Geschenk Gottes, ich bekomme es, wenn ich Jesus vertraue. Aber dieser Glaube an Jesus soll nicht nur ein Standpunkt sein.
Der Glaube will gelebt werden im Alltag. Wie sagt es Paulus: „Die größte Gabe und Frucht ist die Liebe“ (1. Korinther 13, 13 / Galater 5, 22).
Autor: Pfarrer Rainer Heuschneider
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