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Andri Silberschmidt bedauert das Ja zum Filmgesetz. «Man wird jetzt auf andere Branchen losgehen», befürchtet er. Im Parlament ist bereits ein Vorstoss hängig, eine solche Regelung bei Musikanbietern einzuführen. «Es wird ein ständiger Abwehrkampf, um neue Steuern und Quoten im Onlinebereich zu verhindern», sagt Silberschmidt. Wenn das durchkomme, bringe man es nicht mehr weg. «Allein schon deswegen ist es wichtig, alle Versuche abzuwehren.»
Das Spiel der SP mit dem Feuer
Für die Beziehungen mit der EU brauche es einige Jahre Ruhe. «Wir sind im Moment nicht gut unterwegs», findet Andri Silberschmidt. «Der Aktivismus von Brüssel und von Aussenpolitikern in der Schweiz ist nicht gut.»
Im Herbst erwartet Silberschmidt einen «Super Sunday». «Die Abstimmung über die AHV und die Abschaffung der Verrechnungssteuer wird hoch spannend. Es ist der wichtigste Abstimmungssonntag der Legislatur.»
Mehrwertsteuer von 12 Prozent
Was sagt aber Silberschmidt zum Vorwurf, mit der Reform würden die Frauen schlechter gestellt? Die Frauen seien heute gar nicht benachteiligt. «Frauen beziehen viel mehr, als sie einzahlen.» Die Rettung der AHV sei wichtiger, als auf dem Buckel der Frauen einen Kampf auszuführen. «Bei der Gleichstellung gibt es schon Verbesserungsbedarf, aber vor allem bei den Steuern, damit Doppelverdiener nicht in die Progression kommen.»
Die Forderung von SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer, Oligarchen für den Wiederaufbau zu enteignen, ist «abstrus», findet Ruedi Noser. «Das wäre gegen alle geltenden Gesetze. Unser Wohlstand beruht auf dem Rechtsstaat. Der Vorschlag ist vermutlich sogar rassistisch.» Die Forderung der SP sei «ebenso despotisch wie Putins Angriff» auf die Ukraine.
Sorgen macht dem FDP-Ständerat die Energieversorgung. «Das ist ein ziemlich brutales Problem, das wir nur lösen können, wenn wir eigene Kapazitäten aufbauen, und zwar schnell.» Es reiche nicht auf jedem Dach eine Solaranlage aufzustellen, ohne Grossanlagen gehe es nicht. Für Noser sind das grosse Solaranlagen, aber auch Wasserkraftwerke, Gaskraftwerke und erneuerte Atomkraftwerke. «Alle diese Projekte brauchen wir ganz dringend.» Es sei eine Illusion zu warten, bis jedes Dach eine Solaranlage habe.
«Die Umweltverbände haben wirklich das Gefühl, der Strom komme aus der Steckdose und um den Rest müsse man sich nicht kümmern.» Ohne Atomkraftwerke werde es nicht gehen, und wir müssen stoppen, dass die Deutschen ihre Atomkraftwerke abstellen.»
Es braucht Produktion
Was die Beziehung zur EU umgeht, findet Ruedi Noser, die Schweiz müsse sich auf schwierige Zeiten einstellen. Es brauche einen «Alternativplan» bei Forschung, Energie, beim Freihandel auch beim Marktzugang. «Wir können nicht im Seitenwagen der EU weiterfahren. «Wir haben uns so an die EU angelehnt, dass wir gar nicht mehr in der Lage sind selbständig Ideen entwickeln», befürchtet Noser, «das müssen wir wieder lernen.»
«Die anderen Kantone sind ein wenig eifersüchtig auf Basel», findet Patricia von Falkenstein. Die Präsidentin der Liberaldemokratischen Partei Basel ist seit zwei Sessionen Nationalrätin in der FDP-Fraktion. «Es ist schon komisch, dass ein Kanton, der so viel Steuern bezahlt, nur 5 Nationalräte und einen Ständerat haben im Moment, aber das kann man nicht ändern.»
Bei den Beziehungen zur EU müsse man aber «vorwärts machen» findet von Falkenstein. Sonst werde alles komplizierter. Sie befürchtet, dass Lieferungen in die EU schwieriger werden. Die OECD-Mindeststeuer führe zudem dazu, dass Basel mit den Steuersätzen rauf müsse. Darum müsse der Kanton den Firmen zum Beispiel bei der Forschung entgegen kommen. «Es besteht die Gefahr, dass sie weg gehen.»
Liberales Gedankengut hinüberretten
Falsch sei, in diesen unsicheren Zeiten Ängste zu schüren, wie das die SVP beim Krieg in der Ukraine mit der Neutralität mache oder die Linken und Grünen beim Klima. «Das hilft einfach nicht.» Man wolle ja, dass die Leute mitmachen würden. «Dann sollte man mit positiven Botschaften auf sie zugehen, und nicht sagen, mein Gott, die Welt geht unter!»
«Verbote sind schrecklich»
Für Michael Hermann ist die grüne Welle von 2019 vorbei, obwohl die Grünen in den Kantonen weiterhin Wahlen gewinnen. «Die Grünen haben in kaum einem Kanton gleich viel hinzugewonnen wie bei den nationalen Wahlen.» Es werde schwierig zu wiederholen, was 2019 gelang. «Ich kann mir fast nicht vorstellen, wie sie im Jahr 2023 wieder auf das Level kommen wollen. Es ist vielmehr wahrscheinlich, dass sie eher verlieren.» Klima sei zwar immer noch ein Thema, aber er sehe keine Dynamik wie 2019.
Für die SP hat sich in den letzten kantonalen Wahlen eine Negativspirale entwickelt. «Es gibt einen Trend nach unten und es ist nicht auszuschliessen, dass sie noch mehr verlieren», findet Hermann. «Für die Grünen ist es fast normal, wenn sie 2023 verlieren, für die SP wäre das aber bitter.»
Er fände es nicht unrealistisch, wenn das rot-grüne Lager 2023 kleiner wird. Der Linksrutsch von 2019 sei auch eine Reaktion auf den Rechtsrutsch von 2015 gewesen. «2023 könnte es wieder eine Korrektur geben.»
SP ist «leninistische Kaderpartei»
Die SVP hat 2019 deutlich Wähleranteile verloren. Für die Partei war 2015 das beste Jahr, weil die Zuwanderung den Wahlkampf dominierte. Seit 2015 sei das Thema Migration nahezu verschwunden. «So wie Klima 2019 in die Mitte ausgestrahlt hat, hat Zuwanderung nicht mehr ausgestrahlt», sagt Hermann. Der Partei sei es bis jetzt nicht gelungen, ein genauso gutes Thema zu finden. «Bei der Ukraine ist jetzt das Problem, dass die Basis gespalten ist.» Die Partei habe aber 2019 so viel verloren, dass sie 2023, auch wenn sie nur mittelmässig unterwegs sei, nicht mehr verliere.
«Comeback der FDP»
Der CVP sei es mit der Fusion mit der BDP gelungen, aus dem katholischen Milieu auszubrechen. Ob sie mit dem neuen Namen auch neue Milieus erobern könne, sei offen. Und die Grünliberalen? Es werde nicht einfach, 2023 das gleiche Niveau wie 2019 zu erreichen. Die Grünliberalen seien erfolgreich in kleinen Städten und in der Agglomeration, oft auf Kosten von links-grün. Hermann warnt davor, dass die Partei zur «urbanen Hippsterpartei» werden könnte, der dann nicht mehr gelingen würde.
Das Komikerinnen-Duo über Kinder, deren Phasen und wie Eltern damit umgehen. Und über Grenzen der Satire und wie sie diese schon zu spüren bekommen haben.
Wir wollen die Kinder aufs Leben vorbereiten, sagten Rebecca Ritz und Linda Carmen. Was sie dabei erleben, haben sie in ein gemeinsames Programm aus Comedy, Musik und Show gearbeitet. Dabei kommen auch die Männer vor – und warum es die doch noch braucht.
Corona hat dazu geführt, dass sie die Premiere mehrfach verschieben mussten. Aber im Mai geht es los. Die nächsten Auftritte in Winterthur und Zürich und Trailer aus dem Programm findet man hier.
https://missen-impossible.ch/
Nur noch wenige Leute gehen an Ostern in die Kirche, nur wenige wissen wirklich, was das Fest bedeutet. Ruedi Heim ist sich dessen bewusst: «Für viele Leute ist es ein X-Large-Weekend mit Osterbrunch, für uns ist es der Kern, das Zentrum des christlichen Glaubens.» Ostern gehe jede und jeden etwas an, weil es um die Frage des Lebens, des Sterbens gehe und darum, was danach komme. Mit diesen Bildern aus der Ukraine sei Ostern dieses Jahr spezieller als sonst.
«Das Thema von Tod betrifft uns alle irgendwann», sagt Heim. Er merke das bei der Begleitung von Sterbenden. «Niemand schläft einfach ein, für die Meisten ist es ein Chrampf, auch für die Angehörigen, die das kürzer oder länger aushalten müssen.» Was nach dem Sterben komme, das sei eine Hoffnung und eine Überzeugung. «Und das nennen wir dann Ostern.» Auch junge Leute hätten diese Fragen, zum Beispiel wenn nahe Verwandte gestorben seien. «Wenn Jugendliche mich nach meinem grössten Wunsch fragen, dann sage ich, dass ich in den Himmel kommen möchte», erzählt Heim, «und schon sind wir mitten in der Frage nach Tod und Auferstehung.»
Viele erleben die Kirche vorwiegend über die Missbrauchsskandale und haben den Eindruck, dass dies einfach nicht aufhört. Was ist das tiefer liegende Problem?
«Man hat den Opfern nicht geglaubt und die Institution durch alle Böden hindurch schützen wollen.» In der Schweiz sei die Kirche seit zehn Jahren an der Aufarbeitung. Heim anerkennt, dass es strukturelle Probleme gebe. «Die Zölibatsverpflichtung zieht Männer an, die mit ihrer Sexualität nicht wissen, wo sie stehen und meinen das meinen ausleben zu können und es auch gemacht und ihre Stellung ausgenützt haben.» Nur wenn alles auf den Tisch komme, aufgeklärt werde und Wiedergutmachung geleistet werde, nur dann könne die Kirche weiter bestehen. «Die Kirche hat Verantwortung, weil sie unsäglich Schuld auf sich geladen hat.»
In der Politik hat man die Kirche hauptsächlich durch die Kampagne für die Konzernverantwortungsinitiative wahrgenommen. Ist das richtig, dass sich die Kirche so für ein Anliegen einspannen lässt? Nicht die Landeskirchen hätten Kampagnen gemacht, betont Heim, sondern einzelne Personen darin. Die Landeskirche habe kein Geld für den Abstimmungskampf bezahlt. Als Katholik habe man für oder gegen die Initiative sein können.
Gleichzeitig findet Heim, die Kirche dürfe nicht nur der «Schlagrahm» bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen sein. «Die Kirche muss ihre Stimme erheben, wo Unrecht auf Kosten der Schwachen und Ärmsten geschieht.» Ob sie etwas konkret zu Abstimmungen sagen soll, das sei viel heikler. Bei der Konzernverantwortungsinitiative sei das möglicherweise einseitig wahrgenommen worden.
Man könne eine Pandemie wie Corona nur national lösen, das habe die Corona-Krise gezeigt, findet Mike Müller. Die Kantone seien überfordert gewesen. «Der Bund war aber dazu nicht in der Lage, das hat vielen Leuten das Leben gekostet.» Der Bundesrat habe es im grossen Ganzen nicht einmal so schlecht gemacht. «Er hätte aber mutiger sein können.»
Zu viele Schlupflöcher
Auch in der Ukraine-Krise komme unser System an seine Grenzen. Die Neutralität müsse man neu definieren. «Neutralität würde heissen, dem Krieg die Mittel zu entziehen.» Müller ist dafür, den Rohstoffhandel durch die Schweiz zu unterbinden. Dass er dann einfach in andere Länder verlagert wird, glaubt er nicht. Müller kritisiert aber auch die ukrainische Seite: «Ich finde es schwierig, wenn jetzt die Leute sagen, der Selenskyj sei ‘en liebe Siech’ und alles wunderbar.»
Kein Zoll für Unterhosen
In Sachen Energiepolitik findet Müller, die Ölindustrie habe jahrzehntelang erneuerbare Energien blockiert. «Das kommt erst jetzt, wo der Druck zu gross wird.» Die Schweiz sei manchmal eine Gemütlichkeitsveranstaltung, wo sich Lobbys bedienen beim Staat.
Die Grünen eilen von Wahlsieg zu Wahlsieg. Für Balthasar Glättli hat das mit der Sorge der Bevölkerung um das Klima zu tun. «Man traut den Grünen zu, dass sie das Problem lösen» findet Glättli. Es sei im Moment einfacher, grüner Präsident als im Co-Präsidium der SP zu sein. «Für jene, die finden, dass die Klimaerhitzung Kernthema sein soll, sind wir glaubwürdiger, weil wir schon 2007 Plakate mit dem Slogan Klimawahl aufgehängt haben.» Da sei das Thema noch nicht sexy gewesen.
«Wir wollen Verantwortung»
Es gebe zwar keine einheitliche Meinung, was die Konkordanz genau sei. Es sei für die Demokratie aber schlecht, wenn 30 Prozent der Bevölkerung nicht in die Regierung einbezogen seien. «Ja, wir werden wieder antreten», sagt Glättli deshalb. «Aber wenn das Kartell der Macht untereinander hält, dann wird kein Sitz frei.» Entscheidend seien die Wahlen.
«Ziel Netto Null bis 2050»
Damit ist klar, dass es auch bei diesem neuen Anlauf um Benzinaufschläge, Solarpflicht auf Hausdächern, Pflicht zur Sanierung von Häusern, Ersatz von Ölheizungen, Verbot von Elektroheizungen gehen wird. Diese Forderungen sind aber alle vor einem Jahr im CO₂-Gesetz gescheitert.
Selbstverständliche Solardachpflicht
«Es ist eine herausfordernde Situation», sagt Reto Nause. «Wir müssen ungefähr ein ganzes Stadtquartier neu in Bern unterbringen.» Man überlege sich, eine Containerstadt aufzustellen.
«Grösste Flüchtlingswelle»
Sorgen macht ihm, was dies für die innere Sicherheit bedeuten könnte. Die mehrheitlichen Frauen seien in Gefahr, ausgenutzt und missbraucht zu werden. «Wenn wir heute Betriebe kontrollieren, dann arbeiten da Leute ohne geltende Aufenthaltsbewilligung, ohne Arbeitsverträge.» Nause befürchtet, dass dies zunehmen könnte. Probleme befürchtet er auch bei der Prostitution oder im Schlepperwesen. Es brauche oft zwei oder drei Verzeigungen bis die Leute wirklich bestraft würden. «Die Schweiz ist das Land mit der geringsten Polizeidichte.»
300 Demos in der Corona-Pandemie
Nause stand während der Pandemie immer wieder im Scheinwerferlicht. «2021 haben rund 300 Demonstrationen stattgefunden, fast jeden Tag eine.» Das sei eine riesige Belastung für die Stadt gewesen. Die meisten der Demos seien nicht bewilligt gewesen, weshalb man auch keine Absprachen mit Organisatoren habe treffen können. Nause erzählt, wie er persönlich angegangen und bedroht worden sei. «Ein Dialog mit diesen Leuten war nicht mehr möglich.» Geholfen habe, dass man über die Massnahmen abstimmen konnte.
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