
Sign up to save your podcasts
Or


Die SVP hat bei den Wahlen 2019 Anteile verloren, blieb aber die grösste Partei. Die «grüne Welle» der eidgenössischen Wahlen dauerte auch in den Kantonen an. Doch Albert Rösti, damals SVP-Präsident, sagt heute, die «Welle» sei nie so gross gewesen, wie sie in den Medien dargestellt worden sei.
Nach der Abstimmung über das CO2-Gesetz sieht er sich bestätigt. «Ich habe immer gehofft, wenn es dann ums Geld geht, dann ändert die Meinung über die Klimapolitik.» Genau das sei passiert. Man wähle Grün, aber wenn es dann kostet, stimme man anders ab.
«Riesige Umverteilung»
Rösti findet es erstaunlich, dass die Bevölkerung trotz des Drucks der Medien anders abgestimmt habe. «Wenn wir unsere Leute an die Urne bringen, dann gewinnen wir eine Abstimmung.» Die Klimajugend wolle den Wohlstand kaputt machen. «Wir müssen mit Technologie und Innovation den Klimawandel bekämpfen nicht mit Verzicht und Zerstörung des Wohlstandes.»
Covid-Referendum: «Super Sache»
Das Rahmenabkommen sei vor allem wegen der SVP gescheitert, ist Rösti überzeugt. Die EU soll die Börsengesetzgebung der Schweiz endlich anerkennen, dann könne man auch die beschlossenen Kohäsionsbeiträge bezahlen. Dann sei auch das Problem mit der Forschung rasch gelöst. Einfach so zu bezahlen sei aber «ein Chabis».
Sorgen macht ihm allerdings die Strompolitik. Jene, die uns die Energiestrategie eingebrockt hätten, würden nun behaupten, es liege am fehlenden Rahmenabkommen. Doch auch ein Abkommen nütze nichts, wenn niemand Strom liefern könne.
Eine sichere Stromversorgung sei nun wichtiger als ein neues CO2-Gesetz, Findet Rösti. «Die Versorgung muss die erste politische Priorität sein in den nächsten Jahren.» Für den Ausbau der Wasserkraft brauche es vor allem einen Ruck bei den Grünen, die im Moment alles blockierten. Und dann brauche es eine Diskussion um die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke. «Ich glaube, die werden deutlich länger laufen.»
Die SP hat in der Corona-Krise die Bürgerlichen medial vor sich hergetrieben mit Forderungen nach immer noch mehr Unterstützungsgelder. Cédric Wermuth stellt das nicht in Abrede, sieht das Problem aber bei den Bürgerlichen: «In diesem Bundeshaus interessiert sich niemand mehr für das Gewerbe, schon gar nicht die Parteien, die das behaupten. Die orientieren sich an Harvard und den Grossbanken.»
Wenn der Staat das Arbeiten wegen der Pandemie verbiete, werde er automatisch entschädigungspflichtig, findet Wermuth. Die Machtverschiebung in der Krise zur Exekutive erachtet Wermuth als «hochproblematisch». Der Abbruch der Frühjahrssession sei ungerechtfertigt gewesen und habe dem Parlamentarismus geschadet. «Diesen Rückstand haben wir nie mehr aufgeholt.» Erst mit der Schaffung des Covid-Gesetzes habe man wieder zu einer staatsrechtlich richtigen Lage zurückgefunden.
«Integration ist kein Selbstzweck»
Mit dem Rahmenabkommen habe die FDP die Schweiz von der EU entfernen und gleichzeitig die flankierenden Massnahmen schleifen wollen, sagt Wermuth. Doch warum waren dann alle Beitrittsbefürworter für das Vertragswerk? Weil es die Beziehungen zur EU auf eine neue Grundlage gestellt hätte, vermutet der SP-Co-Präsident.
Verelendungstheorie der Grünliberalen
Die EU entwickle sich aber in eine positive Richtung, findet Wermuth. Corona habe eine «Verschuldenslogik» geschaffen, aus der niemand mehr herauskomme. Auch die Schweiz sei eine Schuldenunion, und das sei gut so. «Nur das schafft einen ökonomischen Raum, um Ungleichheiten abzubauen.»
Zu viele Kompromisse beim CO2-Gesetz
Die öffentliche Hand müsse vorangehen und nun investieren, zum Beispiel die Preise im öffentlichen Verkehr massiv senken. Dann könne man mit einer Lenkungsabgabe kommen. Die schnellste Variante wären aber Kredite. Wermuth fordert dafür eine Klimabank, mit Garantien des Bundes und Klimaagenturen, die Gebäudesanierungen finanziert. Der ökologische Umbau dürfe kein Renditeprojekt sein.
Demokratisierung der Gesellschaft
Der erwähnte Artikel zum Abbau der Corona-Schulden: Link
«Die Befürworter haben es nicht geschafft, das CO2-Gesetz zu erklären», findet Jürg Grossen. «Wir konnten die Argumente der Gegner nicht kontern.». Dank der Technologie komme man dem Ziel einer klimaneutralen Schweiz aber sowieso näher. Grossen denkt dabei vor allem an die Elektromobilität, an die Sanierung von Gebäuden, Heizungen und an Solarenergie – alles Bereiche in denen der Unternehmer aus Frutigen im Berner Oberland ebenfalls engagiert ist.
Aber wie soll ein neues CO2-Gesetz aussehen, damit es nicht nur im Parlament angenommen wird? Man müsse ein paar Sachen anpassen, sagt Grossen. «Ich würde die Benzinpreiserhöhung nicht mehr bringen», findet Grossen. Das erledige sich mit der Elektromobilität von alleine. Und man müsse die Massnahmen besser erklären. «Gerade die Landbevölkerung hat gar nicht gemerkt, dass sie viel Geld zurückbekommen hätte.» Die Kampagne der Befürworter habe das Land gar nicht erreicht. «Ich habe bei mir kein einziges Plakat gesehen.»
Auch Verbote sind nötig
Grossens Partei hat bei den letzten Wahlen von der «grünen Welle» profitiert. Grossen hält davon nicht viel und will lieber nachhaltiges Wachstum. «Mir ist völlig klar, dass es in der Politik nicht immer nur aufwärts geht.» Die Klimaproblematik bleibe aber wichtig.
In den Bundesrat
Es gehe jedoch nicht, die Grünliberalen mit den Grünen zusammenzurechnen, um den Sitzanspruch zu begründen. «Wir haben nicht das gleiche Parteiprogramm wie die Grünen und unsere Rezepte sollen im Bundesrat vertreten sein», sagt Grossen selbstbewusst. «Wenn die Bevölkerung unsere Rezepte versteht, werden wir die Grünen überholen», findet er.
Die Thurgauer Nationalrätin Diana Gutjahr hat im Parlament drei Wochen lang dafür gekämpft, dass die Maskenpflicht in den Schulen und anderswo aufgehoben wird und das Covid-Zertifikat nur für internationalen Reiseverkehr und für Grossveranstaltungen benötuigt wird. Auch die Taskforce wollte sie aufheben. Die Anträge die sind alle gescheitert.
Lukas Golder leitet das Forschungsinstitut gfs.bern und macht seit bald zwanzig Jahren Umfragen zu politischen Fragen. Bei den beiden Agrarinitiativen, über die am Sonntag abgestimmt wird, beobachtet er den üblichen Trend. Der Ja-Stimmenanteil geht im Abstimmungskampf zurück.
Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (Mitte) ist besorgt über den einseitigen Entscheid des Bundesrates zum Rahmenabkommen. Die Regierung habe es verpasst, mit den Nachbarstaaten und mit Brüssel den Dialog zu pflegen. Ignazio Cassis soll dies jetzt umso mehr tun, statt nach Asien zu reisen, fordert sie.
Rahmenabkommen, ein Ende mit Schrecken: Link
Exklusiv-Interview mit Prof. Dr. Carl Baudenbacher: Link
Artikel zur Position des Gewerbeverbandes: Link
Artikel zur Umfrage zum Rahmenabkommen: Link
Artikel zur FDP und dem CO2-Gesetz: Link
Gespräch mit FDP-Präsidentin Petra Gössi: Link
Für Christian Wasserfallen ist klar: Das Rahmenabkommen soll vom Tisch. Dann werde man die anstehenden Probleme lösen können. Das Gespräch zwischen Bundespräsident Guy Parmelin und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeige, dass auf der höchsten Ebene keine Einigung erzielt worden sei. «Das ist der Moment, wo man aufsteht und den Tisch verlässt», findet Wasserfallen. Das Abkommen sei nicht mehr zu retten.
«Die Unionsbürgerrichtlinie hätte eine dramatische Einwanderung in unsere Sozialwerke zu Folge.»
Für Wasserfallen ist der Souveränitätsverlust zu gross. Das sehe man am Beispiel der Unionsbürgerrichtlinie, die, obwohl im Abkommen nicht erwähnt, durch die verbindliche Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) eingeführt werden könne. «Das hätte eine dramatische Einwanderung in unsere Sozialwerke zu Folge», ist Wasserfallen überzeugt. Das Schiedsgericht könne dann nur noch über die Verhältnismässigkeit der Ausgleichsmassnahmen entscheiden. Was das mit Souveränitätsgewinn zu tun habe, wie ihn die Befürworter behaupteten, verstehe er nicht.
«Aussenpolitiker verhandeln aufseiten der EU»
Ein Problem sei die aussenpolitische Kommission des Nationalrates. Die habe wie die EU die Forschungszusammenarbeit mit dem Rahmenabkommen verknüpft. Wasserfallen hat den Eindruck, die Aussenpolitiker verhandelten im Moment für die EU-Kommission. «Das ist eine Katastrophe», findet er. «Mit den Verknüpfungen, die sie gegen den Bundesrat machen, verhandeln sie auf der anderen Seite.»
«Man muss den Mut haben, das toxische Dossier bei Seite zu lassen und dann deblockierende Massnahmen treffen», fordert Wasserfallen, «und man muss das Abkommen in den Ghüder werfen.» Je früher das Abkommen scheitere, desto besser sei es. Eine Volksabstimmung sei unnötig und man riskiere einen riesigen Kollateralschaden.
«Möglichst teuer»
Er sei für Klimaschutz aber gegen das CO2-Gesetz. Die Schweiz müsse mit dem eingesetzten Franken möglichst viel CO2 einsparen. «Das ist beim jetzigen Gesetz genau umgekehrt», findet Wasserfallen, «es ist möglichst teuer und spart wenig ein.
Die Befürworter, zum Beispiel FDP-Präsidentin Petra Gössi (Sehen Sie hier Feusi Fédéral mit ihr zu diesem Thema) sagen allerdings, das Gesetz bringe Innovationen. Wasserfallen sieht das ganz anders: «Die Leute die von Innovationen reden, haben immer Dollarzeichen in den Augen», findet Wasserfallen, «sie sehen die Subventionen nicht die Innovation. Die Befürworter setzten Innovation mit Subvention gleich. Sie seien alles Profiteure, die Aufträge und Geld wollten.
Aber ist nichts machen nicht teurer? «Das Falsche machen ist noch teurer als nichts machen», ist Wasserfallen überzeugt. Bei einer Ablehnung würde er das bestehende CO2-Gesetz verlängern. «Das Gesetz ist ein zu fauler Kompromiss.»
«Die FDP hat man im Wahljahr die Nerven verloren und jetzt kommt man mit Subventionen und einem Klimafonds.»
Die FDP sei geschlossen unterwegs gewesen mit dem Bekenntnis zur allen drei Dimensionen von Nachhaltigkeit und der Politik, und der Forderung, pro eingesetztem Franken möglichst viel zu erreichen. «Dann hat man im Wahljahr die Nerven verloren und alles umgedreht», sagt Wasserfallen, «jetzt kommt man mit Subventionen und einem Klimafonds.» Die Vorlage führe zu mehr Etatismus und in eine Planwirtschaft mit Milliarden an Umverteilung und einen riesigen Verwaltungsapparat. «Deshalb sind sehr viele Freisinnige von dem Gesetz nicht überzeugt.»
Thomas Aeschi kritisiert die Corona-Politik des Bundesrates hart. Er stehe auf der Bremse und plane weitere Lockerungen der Massnahmen erst im Sommer. «Die Risikogruppen sind geimpft, man könnte aufmachen, ohne dass es zur Überlastung der Spitalbetten käme» findet Aeschi.
Zudem sei Berset und sein Bundesamt dafür verantwortlich, dass die Impfkampagne weniger schnell vorwärtskomme als möglich. «Das Impfziel vom Juni hat Alain Berset geschickt nach hinten verschoben», sagt Aeschi. «Wenn alle geimpft sind, dann sollten alle Massnahmen aufgehoben werden.»
Kein Zertifikat zeigen
Der SVP-Fraktionschef ist allerdings dagegen, dass die Massnahmen nur für Geimpfte gelockert werden. «Beim Restaurantbesuch bin ich strikte dagegen, dass man ein Zertifikat zeigen muss.» Wenn man sich in Zukunft überall ausweisen müsse und registriert werde, dann sei das nicht das Leben, das ihm vorschwebe.
«Die Personen an der Spitze des BAG haben versagt.»
Nach der Pandemie müsse die Krise aufgearbeitet und die Machtfülle des Bundesrates eingeschränkt werden. «Der Bundesrat kann seit 14 Monaten schalten und walten wie er will». Das habe sich nicht bewährt, im Gegenteil. Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) fällt bei Thomas Aeschi durch: «Die Personen an der Spitze des BAG haben versagt.» Und die Taskforce betreibe vor allem Alarmismus, wie man auch jetzt wieder habe beobachten können.
«Sieg der SVP»
Dass der Bundesrat das Rahmenabkommen kritisch sieht, sei ein «Sieg der SVP», die von Anfang an die Mängel des Abkommens hingewiesen habe. Das habe nichts mit Abschottung zu tun. «Auch wir sind für eine weltoffene Schweiz», sagt Aeschi, «aber gegen eine politische Anbindung.»
«Der Bundesrat muss das Abkommen definitiv beerdigen.»
Der wichtigste Schritt sei nun, dass der Bundesrat das Abkommen definitiv beerdige. Das könne man freundlich machen, aber bestimmt. Dann würden sich auch Lösungen für die anstehenden Probleme ergeben, zum Beispiel für die Medtech-Branche, die Forschungszusammenarbeit oder das Stromabkommen.
Nicht der EU anpassen
Dann müsse die Schweiz dafür sorgen, dass sie global noch wettbewerbsfähiger werde. Die Schweiz exportiere nur noch 41 der gesamten Exporte in die EU. «Wir sollten uns nicht der EU anpassen, denn die Wachstumsmärkte sind andernorts» findet Aeschi. «Wir müssen globaler, weltoffener werden», fordert Aeschi. «Das Konstrukt EU ist dem Untergang geweiht.»
From the publisher's feed

90 Listeners

16 Listeners

10 Listeners

5 Listeners

6 Listeners

10 Listeners

35 Listeners

23 Listeners

6 Listeners

4 Listeners

5 Listeners

0 Listeners

0 Listeners

0 Listeners

0 Listeners