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Kapitel:
0:03 - Verhandeln mit Harvard
Zusammenfassung
In dieser Folge sprechen wir über Verhandlungsansätze mit besonderem Fokus auf das Harvard-Modell und seine Bedeutung für Mediation und Verhandlungspraxis. Wir klären, warum Mediatorinnen und Mediatoren Grundwissen über Verhandlungsmodelle brauchen und warum Mediation häufig auch Verhandlung enthält.
Wir ordnen das Harvard-Konzept historisch ein und sprechen über seinen Ursprung an der Harvard University, seine Verbindung zu politischen Verhandlungen und zur Mediation sowie die Entwicklung rund um „Getting to Yes“. Dabei geht es um die Frage, wie aus einem wissenschaftlich-praktischen Ansatz eine einflussreiche Schule des Verhandelns wurde.
Im Mittelpunkt stehen die vier Grundprinzipien:
Person und Sache trennen,
Wir besprechen jeweils, warum diese Prinzipien kontraintuitiv wirken und wie sie in Konflikten, Vertragsverhandlungen und Mediationen praktisch helfen. Außerdem sprechen wir über die Grenzen des Ansatzes und über die BATNA als Nicht-Einigungs-Alternative. Wir ordnen das Harvard-Modell nicht als bloßes Nachgeben ein, sondern als kooperativen Verhandlungsansatz, der auch mit anderen Modellen verglichen werden kann.
In dieser Folge sprechen wir über Konfliktmanagement in Organisationen und den Zusammenhang von Konflikten und Resilienz. Wir bereiten ein Live-Online-Seminar vor und geben konkrete Hinweise für Konfliktparteien, Beobachtende und Führungskräfte.
In dieser Folge sprechen wir über Interkulturalität in der Mediation und darüber, warum Konfliktbearbeitung neben Wahrnehmung auch praktisches Handwerkszeug braucht. Wir ordnen ein, wie interkulturelle Konflikte entstehen und welche Anforderungen sie an Mediatorinnen und Mediatoren stellen.
Wir sprechen mit Claude-Hélène Mayer über ihren Weg in die interkulturelle Arbeit. Sie beschreibt ihren kulturellen Hintergrund, ihr Studium der Ethnologie und der interkulturellen Didaktik sowie ihren Einstieg in Konfliktmanagement und Mediation. Dabei betont sie, dass sie Mediation von Anfang an aus einer interkulturellen Perspektive betrachtet hat.
Ein Schwerpunkt ist die Frage, ob es allgemeine oder kulturspezifische interkulturelle Kompetenz braucht. Wir besprechen, dass beides relevant sein kann: eine allgemeine Sensibilität für Unterschiede, Vorurteile und Stereotype sowie Wissen über konkrete kulturelle Kontexte. Besonders wichtig hebt sie dabei Sprachkompetenz hervor.
Außerdem geht es darum, wie Konflikte in verschiedenen kulturellen Zusammenhängen wahrgenommen und benannt werden. Wir sprechen darüber, dass in manchen Kontexten eher von Missverständnissen oder Kommunikationsproblemen als von Konflikten gesprochen wird und dass Konflikte teilweise nicht direkt ausgetragen werden.
Ein weiterer Themenblock behandelt die Rolle der Mediatorin oder des Mediators. Wir sprechen über unterschiedliche Erwartungen an Neutralität, Expertenrolle, direkte Gesprächsführung und Entscheidungshilfe. In manchen Kontexten kann auch eine pendelnde oder indirekte Form der Vermittlung passender sein als ein direktes Gespräch am Tisch.
Zum Schluss gehen wir darauf ein, dass interkulturelle Mediation eine hohe Reflexion, vorsichtige Kommunikation und die Bereitschaft erfordert, Struktur und Methoden flexibel anzupassen. Wir halten fest, dass Offenheit, Sensibilität und die Kenntnis möglicher kultureller Unterschiede für die Vermittlungsarbeit zentral sind.
0:06 – Einführung und Überblick
In dieser Folge spreche ich mit Prof. Dr. Hemma Mayrhofer über eine mehrjährige Studie zur Mediation in Österreich und über neue Erkenntnisse zum sogenannten Mediationsparadoxon. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum ein Verfahren, das als schneller, günstiger und erfolgreich beschrieben wird, dennoch vergleichsweise selten genutzt wird.
Wir erläutern den Aufbau der Untersuchung: Erfasst wurden sowohl die Bevölkerung als auch Mediatorinnen und Mediatoren sowie Richterinnen und Rechtsanwältinnen in eigenen Berufsgruppen-Befragungen, ergänzt durch qualitative Fallstudien.
Ein zentrales Ergebnis ist die prekäre Lage des Berufsfeldes. Mediation wird laut den erhobenen Daten überwiegend nur als Nebentätigkeit ausgeübt, nur wenige können davon leben. Gleichzeitig sind die Honorare und die Zahl der Fälle stark unterschiedlich, und die institutionelle Verankerung bleibt schwach.
Wir sprechen auch über die geringe Nachfrage. Laut der Studie kennen nur rund die Hälfte der Bevölkerung Mediation überhaupt, und Bildung sowie Einkommen spielen eine deutliche Rolle dafür, ob Mediation bekannt ist und genutzt wird. Viele Konflikte werden stattdessen informell, durch Gespräche oder mit Unterstützung des sozialen Umfelds, bearbeitet.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Freiwilligkeit. In den qualitativen Interviews zeigt sich, dass Mediation oft unter Druck zustande kommt, etwa durch Familie, Arbeitgeber, Richter oder andere wichtige Stellen. Außerdem wird deutlich, dass der Einstieg in die Mediation häufig schon an der Bereitschaft einer Seite scheitert.
Am Ende ordnen wir das Mediationsparadoxon neu ein: nicht als Widerspruch, sondern als Zusammenspiel vieler Faktoren. Dazu zählen Bekanntheit, Zugang, Kosten, sprachliche und soziale Voraussetzungen, fehlende strukturelle Anreize sowie die Schwierigkeit, Menschen in akuten Konflikten für ein konsensorientiertes Verfahren zu gewinnen.
In dieser Episode bespreche ich mit der Mediatorin und Richterin a.D. Katrin Bühring-Uhle das Thema evaluative Mediation. Wir erörtern ihre Erfahrungen und die Integration evaluativer Elemente in den Mediationsprozess, um informierte Entscheidungen der Parteien zu fördern. Frau Bühring-Uhle thematisiert die Herausforderungen, rechtliche Einschätzungen transparent zu kommunizieren, ohne die Allparteilichkeit zu gefährden. Zum Abschluss plädieren wir für eine offene Diskussion in der Mediationsgemeinschaft zur Förderung verschiedener Stile und zur Verbesserung der Mediation als Konfliktlösungsinstrument.
Katrin Bühring-Uhle ist eine erfahrene Juristin und Mediatorin, die nach ihrer Zulassung als Rechtsanwältin im Jahr 1986 über zwei Jahrzehnte als Richterin in der Hamburger Justiz tätig war. Bereits 1994 spezialisierte sie sich durch eine Ausbildung an der Harvard University auf Mediation und baute ab 2006 maßgeblich die Mediationsabteilung am Amtsgericht Hamburg auf. Seit 2019 ist sie als Of Counsel in der Kanzlei BODENHEIMER tätig, wo sie ihre Expertise vor allem in der Wirtschaftsmediation, bei Gesellschafterkonflikten und in der Beratung von Familienunternehmen einbringt.
0:17 Mediatoren als Regisseure und Publikum
20:23 Der König, den spielen die anderen
27:37 Spiel die Situation, nicht das Gefühl
35:07 Der Text ist das letzte Mittel
35:38 Jeder Auftritt ist eine Entscheidung
39:50 Tschechows Gewehr und seine Bedeutung
In dieser Episode spreche ich mit Günther Sturmlechner, einem erfahrenen Schauspieler, der interessante Verbindungen zwischen Theater und Mediation zieht. Wir diskutieren, wie Mediatorinnen die Rolle des Regisseurs übernehmen, indem sie den Rahmen für die Konfliktbearbeitung schaffen und die Perspektiven der Beteiligten einnehmen. Günther erklärt, wie Prinzipien der Schauspielerei auf die Mediation anwendbar sind, insbesondere in Bezug auf Rollenverteilungen und die Wahrnehmung des Mediators durch die Parteien. Wir beleuchten, wie Vertrauen die Kommunikation beeinflusst und wie die Dynamik zwischen den Akteuren sowohl auf der Bühne als auch im Mediationsprozess entscheidend ist. Zudem wird die Bedeutung bewusst getroffener Entscheidungen und der Einsatz von Metaphern, wie Tschechows Gewehr, für die Dramaturgie in beiden Bereichen thematisiert. Diese Episode bietet wertvolle Einblicke in kreative Problemlösungsstrategien für Mediatorinnen.
In dieser Episode von "Gut durch die Zeit" bespreche ich mit Dr. Carla Schraml und Luxshi Vimalarajah von der Berghof Stiftung die Friedensmediation und ihre Herausforderungen in aktuellen Konflikten. Carla teilt ihre Erfahrungen aus Krisenregionen, während Luxshi ihre Erinnerungen an den Bürgerkrieg in Sri Lanka einbringt. Wir analysieren die Erreichbarkeit von Frieden durch Mediation, beleuchten den Havanna-Prozess und hinterfragen traditionelle Ansätze im Kontext geopolitischer Veränderungen. Abschließend reflektieren wir die ethischen Grundlagen der Mediation und die Definition nachhaltiger Lösungen für konfliktbetroffene Gesellschaften.
Dr. Carla Schraml ist Advisor Mediation & Negotiation Support. Sie ist zertifizierte Mediatorin, hat im Bereich Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Marburg promoviert und besitzt ein Diplom/laurea in Soziologie der TU Dresden und der Università degli Studi di Trento. Bevor sie zu Berghof kam, hat sie im Bereich Friedens-, Dialog- und Mediationsunterstützung bei CSSP Berliner Zentrum für Integrative Mediation, als selbständige Gutachterin, bei der GIZ und der Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung (FriEnt) und an der Universität Marburg gearbeitet. Carla hat in der Côte d’Ivoire, in Ruanda, Burundi und Frankreich gelebt und gearbeitet, hat für mehrere Jahre ein Dialog und Mediationsprojekt in Bosnien-Herzegowina geleitet und hat Erfahrungen mit Kurzzeiteinsätzen und -projekten in Kenia, Uganda, Guinea, in der DR Kongo und in Liberia.
Luxshi Vimalarajah ist leitende Beraterin für Friedensvermittlung bei der Berghof Foundation und arbeitet hauptsächlich auf den Ebenen 1 und 1,5. Seit 2003 ist sie aktiv an der Gestaltung, Leitung und Förderung von Dialog- und Vermittlungsprozessen beteiligt. Sie unterstützt Verhandlungsführer, Berater, Sondergesandte und Mediatoren, die an Friedensverhandlungen beteiligt sind, bei Verhandlungen und leistet auf Anfrage Unterstützung. Als Wissenschaftlerin und Praktikerin im Bereich Mediation umfasst ihre Arbeit Politikberatung, Wissensaustausch, Kapazitätsaufbau sowie technische und thematische Unterstützung.Sie hat mehrere Jahre lang Friedensverhandlungen und nationale Dialogprozesse in verschiedenen Regionen unterstützt, darunter Sri Lanka, Nepal, Myanmar, die Türkei, der Jemen, das Baskenland, Nordmazedonien und Kolumbien. Derzeit ist sie an diskreten Mediationsprozessen in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum beteiligt.
In dieser Episode von "Gut durch die Zeit" bespreche ich mit Nicole Steller, Assistant Professor an der ESCP Business School, die wachsende Bedeutung von Purpose in der modernen Arbeitswelt. Wir erörtern, warum Purpose für Unternehmen entscheidend ist, welche Herausforderungen dabei entstehen und wie sich Organisationen transformieren müssen, um ihren Purpose zu leben. Zudem beleuchten wir die Rolle von Chief Purpose Officers und die Spannungen, die unterschiedliche Wahrnehmungen des Purpose verursachen können. Abschließend reflektieren wir über die langfristigen Auswirkungen eines ernsthaft gelebten Purpose auf Unternehmen.
In dieser Episode beschäftigen wir uns mit den vielschichtigen Aspekten von Verhandlungen und vertiefen die Theorien hinter dem Modell der 3D-Verhandlungen, entwickelt von James Sebenius und David Lax. Gemeinsam mit Dr. Jörg Schneider-Brodtmann erläutern wir, dass Verhandlungen nicht nur das Verteilen eines Kuchens sind, sondern vielmehr darum gehen, neue Optionen zu schaffen. Wir beleuchten die Bedeutung von Vorbereitung und die Strukturierung des Verhandlungsprozesses, einschließlich der Festlegung der Agenda und der Evaluierung von Fortschritten.
0:05 Verhandlungslehre und Mediationsansätze
1:40 Drei Dimensionen der Verhandlung
7:46 Struktur der Verhandlungen
10:29 Die Rolle der Verhandlungspraktiker
11:57 Verhandlungsfeld vorbereiten
16:35 Bedeutung der Verhandlungsstrategien
20:01 Deal Design und Vertragsgestaltung
34:21 Langfristige Beziehungsgestaltung
36:08 Politische Verhandlungen und deren Einflüsse
42:48 Vorbereitung und strategisches Denken
47:22 Kernbotschaften der Verhandlungslehre
In dieser Folge von "Gut durch die Zeit" sprechen wir mit zwei erfahrenen Gemeindeberatern, Stefan Tischendorf und Joachim Wilzki, über die spezifischen Herausforderungen und Entwicklungen in der Gemeindeberatung innerhalb der Kirche. Als Teil ihrer Arbeit erläutern sie, wie ihre Rolle in der Organisationsentwicklung von Kirchen über die letzten Jahrzehnte gewachsen ist und sich den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst hat.
Stefan Tischendorf ist Pfarrer in der Sächsischen Landeskirche und leitet das Evangelische Forum in Chemnitz, wo er sich intensiv mit Erwachsenenbildung und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt. Nebenberuflich ist er seit neun Jahren in der Gemeindeberatung tätig und gewinnt dabei tiefe Einblicke in die Mechanismen, die die Entwicklung von Gemeinden im sächsischen Raum steuern. Joachim Wilzki hingegen bringt seine Erfahrung aus der Ehrenamtsakademie ein, wo er Fachberatung für Leitungsgremien anbietet und die Arbeitsgemeinschaft für Gemeindeberatung leitet. Er gewährt uns Einblicke in die Strukturen und Herausforderungen, die Ehrenamtliche vor Ort bei der praktischen Arbeit erleben.
Die Diskussion beginnt mit einem Rückblick auf die Geschichte der Gemeindeberatung, die bis in die 80er Jahre der DDR zurückreicht. Hier wird deutlich, wie wichtig die Erwachsenenbildung für die Entwicklung einer basisorientierten Arbeit in Gemeinden war. Die Praktiker reflektieren über die Anfänge der Gemeindeberatung und die kulturellen sowie pädagogischen Hürden, die überwunden werden mussten, um einen effektiven Beratungsansatz zu entwickeln. Dabei wird auch der Einfluss der Transaktionsanalyse, die schon vor der Wiedervereinigung Anklang fand, thematisiert.
Im weiteren Verlauf werfen Tischendorf und Wilzki einen Blick auf die gegenwärtigen Herausforderungen in der Gemeindeberatung, insbesondere in Bezug auf Konflikte und Teamdynamiken, die durch strukturelle Veränderungen in den Gemeinden entstanden sind. Der gesellschaftliche Druck auf kirchliche Institutionen führt oft zu Spannungen, die professionelles Konfliktmanagement erfordern. Die Berater betonen die Wichtigkeit, wie sich Gemeindeberatung mittlerweile als eine Form der Prozessberatung versteht, die durch eine systemische Methodik geprägt ist.
Außerdem diskutieren sie die Balance zwischen dem Hospitieren als externe Berater und dem Einbringen eigener fachlicher Expertise sowie geistlicher Elemente. Während der systemische Ansatz als grundlegende Methodik weit verbreitet ist, wird auch die Diskussion über den Umgang mit geistlichen Ressourcen in Beratungssituationen angestoßen. Die Fachleute sind sich einig, dass eine klare Trennung zwischen Beratungsmethoden und geistlichen Fragestellungen notwendig ist, um Neutralität zu wahren und Machtmissbrauch zu vermeiden.
Abschließend sprechen die beiden Berater über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Gemeindeberatung in den verschiedenen Landeskirchen Deutschlands. Trotz unterschiedlicher struktureller Voraussetzungen und Ressourcen erkennen sie, dass die Herausforderungen, mit denen die Gemeinden konfrontiert sind, oft sehr ähnlich sind. Es entsteht eine Bestandsaufnahme, die sowohl auf die eigene Praxis als auch auf die bundesweite Perspektive verweist und damit einen wertvollen Austausch unter den Beratern ermöglicht.
Diese Episode bietet wertvolle Einblicke in die Entwicklung und die aktuellen Herausforderungen der Gemeindeberatung in der Kirche, wobei der Fokus auf den praktischen Aspekten der Konfliktbewältigung, der Methodik und der Zusammenarbeit in einem sich wandelnden gesellschaftlichen Kontext liegt.
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