Mitschnitt einer Konferenz im April 2018
3. Prof. Klaus Steinitz
"Die Rolle der zentralen Partei- und Staatsorgane bei der Vorbereitung, Durchführung und beim Abbruch der Wirtschaftsreform in der DDR“
NÖS, Praxisdebatte, Kybernetik und Demokratischer Sozialismus
Der "Realsozialismus" wird in der heute bestimmenden Geschichtsschreibung gern von seinem Ende aus interpretiert. Das Ergebnis lautet häufig, dass das gesamte System von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen sei. Als Beleg für diese Annahme werden nicht selten die abgebrochenen Reformversuche der sechziger Jahre angeführt.
Wir wollen uns in der Konferenz mit dieser Problematik beschäftigen. Scheiterte die Einführung eines effizienten und demokratischen Wirtschaftssystems an systemimmanenten Widerständen? Gab es andere Gründe?
Auf der Konferenz sollen grundlegende Vorstellungen des Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Leitung (NÖS) der DDR sowie der Wirtschaftsreformen in der CSSR, in Ungarn, Jugoslawien und der UdSSR vorgestellt werden. Sie hatten das Ziel, Voraussetzungen für eine bessere und wirksamere Wirtschaftspolitik zur Lösung der ökonomischen Entwicklungsprobleme zu schaffen. Um eine demokratische sozialistische Gesellschaft zu erreichen, sollte vor allem die Bürokratie in der Planung und Leitung der Wirtschaft sowie anderer Bereiche überwunden werden. Ein wichtiges Kriterium für eine effiziente Ökonomie war die Gestaltung der Beziehungen zwischen der Zentrale und den wirtschaftenden Einheiten.
Die Konferenz soll nicht bei den Gründen für das Scheitern der Wirtschaftsreformen stehen bleiben. Wir wollen auch diskutieren, wie der Ideengehalt, der den Wirtschaftsreformen zugrunde lag, von der heutigen Linken für Vorstellungen einer sozialistischen Transformation aufgegriffen und weitergeführt werden kann.