Helle Panke

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Helle Panke episodes

  • Widerstandskämpfer, Stalinist und Reformkommunist: Franz Marek (1913–1979)
    Eine Veranstaltung von Helle Panke in Kooperation mit dem Mandelbaum Verlag.
    Referent*innen: Dr. Maximilian Graf (Historiker am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz) und Sarah Knoll (MA und ÖAW-Doc-Stipendiatin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien)
    Moderation: Dietmar Lange (Historiker)
    Der im von Armut geprägten ostjüdischen Milieu des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit aufgewachsene Franz Marek wurde mit dem Februar 1934 endgültig zum Kommunisten. Prompt fand er sich im Widerstand und in der Komintern wieder. Bis 1938 war er maßgeblich an der Organisation der illegalen Arbeit in Österreich beteiligt, danach in der Résistance in Frankreich. Als „gläubiger Stalinist“ (Selbstbezeichnung) hoffte er auf den Sieg des Sozialismus – auch in Österreich.
    Die Erfolgslosigkeit der KPÖ frustrierte ihn zunehmend, und ab 1956 setzte bei ihm ein Desillusionierungsprozess ein. In den 1960er Jahren avancierte er zu einem Vordenker "eurokommunistischer" Ideen und immer prononcierteren Kritiker der sozialistischen Staaten. Nach der Beendigung des "Prager Frühlings" 1968 kam es zum Bruch mit der KPÖ, aus der er 1970 ausgeschlossen wurde. Als Chefredakteur des "Wiener Tagebuchs" genoss er bis zu seinem Tod 1979 international hohes Ansehen – auch bei der "Neuen Linken".
    Franz Mareks Verhältnis zu den deutschen Kommunismen war zumindest ambivalent. Bereits in der gemeinsamen travail antiallemand gab es Konflikte, und später trat die SED offen gegen seine Reformideen auf. Nicht zuletzt aufgrund seines Ausschlusses wurde in der DDR auch die Erinnerung an seine Leistungen im Widerstand getilgt.
    51 min
  • Erinnerungen eines Kombinatsdirektors und Ministers - Gespräch mit Hans-Joachim Lauck
    Gespräch mit Hans-Joachim Lauck, Autor des Buches "Edel sei der Stahl, stolz der Mensch", im März 2017
    Er war ein Mann mit großem Einflussbereich: Als Generaldirektor des Qualitäts- und Edelstahlkombinats und späterer Minister für Schwermaschinen und Anlagenbau dirigierte Hans-Joachim Lauck das Zusammenspiel von sieben Großbetrieben und elf Kombinaten, in denen bis zu 220.000 Arbeiter und Angestellte über ein Viertel der industriellen Warenproduktion der DDR erwirtschafteten – und schätzte dabei den Kontakt zu seinen Stahlwerkern. Im Blaumann und mit Helm auf dem Kopf erfragte er Arbeitsabläufe, fing Stimmungen ein und suchte stets nach neuen Ideen. Lauck schritt voran, mischte sich ein und kämpfte: für sein Werk, für das Kombinat und für den gesamten Industriezweig.
    Als einer der großen ostdeutschen Wirtschaftslenker gibt er im Gespräch mit Heinz Vietze Einblick in technische und politische Zusammenhänge – und zieht rigoros Bilanz.
    52 min
  • Martin Blumentritt: "Kein Sein ohne Seiendes"
    Die Heideggerkritik Adornos als Zentrum Negativer Dialektik
    Referent: Dr. Martin Blumentritt
    Mitschnitt einer Veranstaltung in der Reihe Philosophische Gespräche im April 2017
    Adornos gesamte Philosophie kann als Kritik an Heidegger und als Gegenentwurf zu dessen Fundamentalontologie angesehen werden. Bereits in der Kierkegaard-Kritik war der zeitgenössische Ansatz Heideggers mitgemeint, und in Adornos Vortrag „Die Aktualität der Philosophie“ von 1929 wird dann ausdrücklich betont, dass nicht bloß das szientistische Denken, sondern mehr noch die Fundamentalontologie den aktuellen Aufgaben der Philosophie widerspricht. Wahrheit, die „Konstellation von Subjekt und Objekt, in der beide sich durchdringen“, ist weder auf Subjektivität noch auf jenes Sein, dessen „dialektisches Verhältnis zur Subjektivität Heidegger zu verwischen trachtet“, zu reduzieren. Der „Heideggersche ›Rückgriff‹ hinter die Subjekt-Objekt-Beziehung“ wird von Adorno interpretiert als ein Ausbruchsversuch, in dem „Abstrakta höherer Ordnung wie Sein und Dasein hypostasiert und eine Kant gegenüber vorkritische, ontologische Position“ bezogen wird, die sich in unauflösbare Widersprüche verwickelt. Wenn Heidegger schließlich frohlockt, „daß sich die Erde selbst in die Luft sprengt und das jetzige Menschentum verschwindet“, „was kein Unglück“ sei, „sondern die erste Reinigung des Seins von seiner tiefsten Verunstaltung durch die Vormacht des Seienden“, so wird der Vortrag zeigen, dass Adorno diese Einstellung antizipiert hat, lange bevor die „Schwarzen Hefte“ den philologischen Nachweis boten.
    58 min
  • Wer sind "Die Identitären"? Teil 1 Dr. Gerd Wiegel
    Dr. Geld Wiegel führt in das Thema der Veranstaltung ein.
    Die "Identitäre Bewegung" (IB), obwohl ein recht junges Phänomen der extremen Rechten, hat es bereits zu einiger Aufmerksamkeit gebracht. Ob Boulevardpresse („Der Nazi-Skandal: Vollpfosten schänden das Brandenburger Tor“, Berliner Kurier), die meist gesehene deutsche Nachrichtensendung Die Tagesschau oder die verschiedenen linken Zeitungen: Alle haben schon über die "Identitäre Bewegung" berichtet. Dabei ist fraglich, ob bei einer Handvoll Aktivisten, auch wenn diese sich immer wieder spektakulär in Szene setzen können, überhaupt von einer "Bewegung" gesprochen werden kann. Fest steht nur, dass die "Identitären" in Deutschland von einem sich selbstbespielenden Internetphänomen zu einer aktionistischen Vorfeldorganisation der AfD und zum Steigbügelhalter für ihre Öffentlichkeitsarbeit wurden.
    Die "IB" wird auch weiterhin die Öffentlichkeit suchen und rassistische Hetze und rechtsradikales Denken verbreiten. Hierbei dürfen wir nicht ihrer Selbstinszenierung und Propaganda auf den Leim gehen. Deshalb versuchen wir, uns den Identitären in einem Podiumsgespräch aus verschiedenen Perspektiven zu nähern und hinter ihre heroische Fassade zu blicken. Zugleich wollen wir besprechen, was gegen diesen "Haufen stramm rechter Vollpfosten" (Berliner Kurier) unternommen werden kann.
    5 min
  • Wer sind "Die Identitären"? Teil 2 Prof. Micha Brumlik
    Prof. Micha Brumlik stellt die historischen Bezugspunkte und Symboliken der Identitären vor.
    Die "Identitäre Bewegung" (IB), obwohl ein recht junges Phänomen der extremen Rechten, hat es bereits zu einiger Aufmerksamkeit gebracht. Ob Boulevardpresse („Der Nazi-Skandal: Vollpfosten schänden das Brandenburger Tor“, Berliner Kurier), die meist gesehene deutsche Nachrichtensendung Die Tagesschau oder die verschiedenen linken Zeitungen: Alle haben schon über die "Identitäre Bewegung" berichtet. Dabei ist fraglich, ob bei einer Handvoll Aktivisten, auch wenn diese sich immer wieder spektakulär in Szene setzen können, überhaupt von einer "Bewegung" gesprochen werden kann. Fest steht nur, dass die "Identitären" in Deutschland von einem sich selbstbespielenden Internetphänomen zu einer aktionistischen Vorfeldorganisation der AfD und zum Steigbügelhalter für ihre Öffentlichkeitsarbeit wurden.
    Die "IB" wird auch weiterhin die Öffentlichkeit suchen und rassistische Hetze und rechtsradikales Denken verbreiten. Hierbei dürfen wir nicht ihrer Selbstinszenierung und Propaganda auf den Leim gehen. Deshalb versuchen wir, uns den Identitären in einem Podiumsgespräch aus verschiedenen Perspektiven zu nähern und hinter ihre heroische Fassade zu blicken. Zugleich wollen wir besprechen, was gegen diesen "Haufen stramm rechter Vollpfosten" (Berliner Kurier) unternommen werden kann.
    14 min
  • Ingo Elbe: Die postmoderne Querfront. Zur Kritik des Linkspopulismus am Beispiel Mouffe und Laclau
    Referent: Dr. Ingo Elbe
    Mitschnitt einer Veranstaltung der Reihe „Philosophische Gespräche“ vom 20. Juni
    Chantal Mouffes Begriff des Politischen und ihre zusammen mit Ernesto Laclau erarbeitete 'postmarxistische' Theorie des Populismus sind in aller Munde. Linkspopulistische Bewegungen wie Syriza oder Podemos betrachten Laclau und Mouffe gar als VordenkerInnen.
    Der Vortrag stellt ihren in weiten Teilen der Linken akzeptierten Erklärungsansatz für den Aufstieg des Rechtspopulismus und ihre linkspopulistische Gegenstrategie dar. Es wird gezeigt, dass sowohl die politikwissenschaftliche Diagnose als auch die Strategievorschläge von einer irrationalistischen Gesellschaftstheorie abhängig sind, die Laclau/Mouffe weitgehend den Abhandlungen des faschistischen Rechtsphilosophen Carl Schmitt entnehmen.
    Unter anderem mit Rekurs auf Laclau/Mouffe bildet sich derzeit weltweit auf akademischer und politischer Ebene eine ideologische Querfront, eine „productive convergence of the far Right and the far Left“, wie es eine amerikanische Philosophin mit begeisterter Zustimmung ausdrückt. Akteure, Elemente und Argumentationsstrategien dieser Querfront werden im Vortrag kritisch diskutiert.
    1 hr 7 min
  • Prof. Dr. Gerd Irrlitz: Erinnerung an Wolfgang Heise anlässlich seines 30. Todestages
    Referent: Prof. Dr. Gerd Irrlitz (Philosoph, geboren 1935 in Leipzig, Schüler und Mitarbeiter von Ernst Bloch, Mitherausgeber der Schriften Wolfgang Heises)
    Mitschnitt einer Veranstaltung in der Reihe Philosophische Gespräche im April
    Nicht versinken im bitteren Brunnen seines Herzens. Erinnerung an Wolfgang HeiseAnlässlich seines 30. Todestages
    Als Wolfgang Heise im April 1987 plötzlich verstarb, war einem großen Kreis von Intellektuellen und Künstlern der schon gescheiterten, noch fortzitternden DDR bewußt, dass ein Element der eigenen geistigen Balance mitgesunken war. Durch Wissen, das reich war wie aus ferner, schöner Bildungswelt und durch sein immer gegenwärtiges Handeln und Helfen war Wolfgang Heise Aufklärer, Lehrer und Freund in einer ideologisch tief verhangenen Welt, die sich über der Kluft zwischen ideellem Anspruch und Realität unheilvoll hin und her bewegte. Als er fehlte, bemerkten wir alle, daß er kaum einmal von sich gesprochen hatte, während so viele die Klarheit seiner Analysen, seine Kultur der Toleranz, der vermittelnden Fürsprache und die Kraft der Gemeinschaft mit seiner Frau, der Romanistin Rosemarie Heise, erfahren hatten.
    56 min
  • Alke Jenss: (Un)sicherer Raum - Verschwundene, Kriminalität und der Staat in Mexiko
    Mitschnitt einer Veranstaltung in der Reihe Internationale Politik im März 2017
    Referentin: Alke Jenss
    Das Verschwindenlassen von 43 und die Ermordung von 3 Studierenden der Escuela Normal Rural am 26. September 2014 machte die Ortschaft Ayotzinapa in Mexiko weltweit bekannt. Obwohl Ayotzinapa kein Einzelfall ist, offenbart dieser symbolisch aufgeladene Fall von Verschwindenlassen wie sehr die Transformation und Durchsetzung von Staatlichkeit in Mexiko mit einer Verquickung von Staat und Kriminalität einhergeht. Die Parole der nach Ayotzinapa aufkommenden Proteste war "fue el estado" ("es war der Staat") – Protestierende machten Sicherheitskräfte aller Ebenen für den Fall verantwortlich. Das Verhältnis zwischen Staat und Gewalt ist somit ein wesentlich komplexeres als die jeweiligen Regierungsprogramme nahelegen.
    Der Vortrag beschäftigt sich mit der vorausgehenden Phase des staatlichen Umbaus: Um die Gemengelage von 2014/15 nachzuvollziehen, ist es unerlässlich, die Bedingungen dieses Umbaus in Mexiko zu kennen, die Fälle wie das Verschwindenlassen von Ayotzinapa erst möglich machten. Gerade verfestigte Gewaltordnungen sind also nicht ohne den Staat und ohne ein Verständnis von staatlicher Gewaltausübung zu denken.
    32 min
  • Robert Cohen: Der Vorgang Benario Die Gestapo-Akte der kommunistischen Kämpferin Olga Benario
    Referent: Dr. Robert Cohen (Literaturwissenschaftler, Schriftsteller)
    Mitschnitt einer Veranstaltung in der Reihe Literatur und Gesellschaft im April 2017
    In seinem Epochenroman „Exil der frechen Frauen“ hat der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Robert Cohen die Münchner Jüdin, Antifaschistin und Kommunistin Olga Benario portraitiert. Von Brasilien, wo sie an der Seite ihres brasilianischen Lebenspartners Luiz Carlos Prestes am Aufstandsversuch gegen den Diktator Vargas beteiligt war, wird Benario 1936 an Nazi-Deutschland ausgeliefert. Hier wird sie von der Gestapo in Empfang genommen und in die Mühlen der NS-Terrorpolitik geworfen. Lichtenburg, Ravensbrück und Bernburg lauten die Stationen, bis Olga Benario 1942 schließlich von den Nazis ermordet wird.
    Robert Cohen hat die umfangreiche Gestapo-Akte zu Olga Benario, die erst 2015 zugänglich wurde, bearbeitet und 2016 als Buch unter dem Titel "Der Vorgang Benario" veröffentlicht. In seinem Vortrag wird er über das Leben von Olga Benario sprechen und anhand von Beispielen aus dem Buch die Mechanismen der Bürokratie der Vernichtung exemplarisch aufzeigen.
    1 hr 4 min
  • Matthias Rothe: Revolutionärer Stoizismus? Brechts Lehre vom Einverständnis
    Referent: Prof. Matthias Rothe (Associate Professor am Department for German, Scandinavian & Dutch an der University of Minnesota, USA, Forschungsschwerpunkte: Aneignungen des Stoizismus in der politischen Theorie und Moralphilosophie des 18. Jahrhunderts, Kritische Theorie und Brechtsches Theater.)
    Mitschnitt einer Veranstaltung in der Philosophische Gespräche im März 2017
    Brechts Theater wird vor allem mit dem Begriff "Verfremdung" assoziiert. "Verfremdung" ist ein Sammelbegriff für ganz unterschiedliche Verfahren, die aber eines gemeinsam haben: Sie schaffen Distanz zum Gegebenen und machen es dadurch kritisierbar. Der andere Brecht, der des Einverständnisses, wird darüber oft vergessen: "Wichtig zu lernen vor allem ist das Einverständnis", heißt es beispielsweise im "Jasager", und bereits das "Lesebuch für Städtebewohner" ist so etwas wie eine Lehre des Einverständnisses. Auch in der "Maßnahme" und im "Me-ti" ist das Einverständnis nicht nur ein zentraler Antrieb, sondern prägt auch die artistische Form.
    Wie verhält sich die Ästhetik der Verfremdung zur Ästhetik des Einverständnisse? Gibt es in Brechts Einverständnis eine geheime subversive Kraft?
    50 min

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