apolut: Standpunkte

Journalistischer Mindestabstand | Von Marcus Klöckner


Listen Later

Den vollständigen Standpunkte-Text (inkl ggf. Quellenhinweisen und Links) findet ihr hier: https://apolut.de/journalistischer-mindestabstand-von-marcus-kloeckner/

In Deutschland herrscht eine klebrige Nähe zwischen Medien und Politik, die unabhängige Berichterstattung unmöglicht macht.

Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Hans-Joachim Maaz aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

Ein Standpunkt von Marcus Klöckner.

Die erste Macht im Lande sollte durch die vierte kontrolliert werden. Jedenfalls ist das in einem demokratisch verfassten Staat ursprünglich so vorgesehen. Doch anstatt ihre Wächterfunktion wahrzunehmen, macht sich die Presse mit denen gemein, vor denen eigentlich gewarnt werden müsste. Die Medien gehen auf Kuschelkurs und degradieren sich selbst eher zu Herolden obrigkeitlicher Verlautbarungen. Exklusive, diskrete Gespräche finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Chefredakteure und Büroleiter von Sendeanstalten werden auf einen bestimmten Kurs eingeschworen. All das ist in der Presselandschaft Deutschlands normal. Für die Machtkontrolle erweist es sich jedoch als fatal. Ein Kommentar von Marcus Klöckner, Autor des Buches „Zombie-Journalismus: Was kommt nach dem Tod der Meinungsfreiheit?“, dem sechsten Teil der Corona-Aufklärungsoffensive des Rubikon-Verlages, das am 24. August erscheint.

„Am Tag vor wichtigen Bund-Länder-Corona-Schalten wurde wiederholt einer zusammengerufenen Journalistengruppe die Sichtweise des Kanzleramts, dass strenge Lockdown-Maßnahmen nötig sind, so eindringlich dargestellt, dass es zum Gipfeltag in Zeitungen und Onlineportalen stand. Und Druck auf die Länder aufbaute.“

Diese Zeilen stehen in einem aktuellen Porträt des Tagesspiegels über Steffen Seibert, den Regierungssprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Sie geben Einblick in eine Realität, die Kritiker der Medien erahnen, die aber viele Journalisten gerne immer wieder als absurd abtun. Eine gelenkte Berichterstattung? Unsinn! lautet der Tenor. Wäre es nur so einfach.

Die Vorwürfe von Medienkritikern sind allseits bekannt: Journalisten und Politiker stecken unter einer Decke und die Berichterstattung ist politisch gesteuert. Vorwürfe dieser Art gehören mit zu den härtesten Vorwürfen, die man der Presse machen kann. Medien und Journalisten, die politisch „embedded“, also: eingebettet sind, passen nicht zum Bild einer freien Presse, die die Herrschenden kontrolliert, anstatt mit ihnen ins Bett zu gehen.

Genau so bekannt sind auch die immer wieder zu hörenden Reaktionen von Medienvertretern, wonach die enge Verbindung zwischen Journalisten und Politik ein Phantasma sei.

Man kann es sich, möchte man anmerken, auch arg einfach machen und die berechtigte Medienkritik als substanzlos abtun.

Gewiss: Für die Uniformität in der Berichterstattung gibt es viele Ursachen. Für den Eindruck, dass die Medien wie von außen gesteuert wirken, gibt es viele Erklärungen. Wer sich mit den Medien und dem journalistischen Feld näher auseinandersetzt, kann verstehen, dass eine „Berichterstattung“, die wie aus einem Guss wirkt, vor allem auch damit zu tun hat, dass das journalistische Feld sozial geschlossen ist und die in den Köpfen vieler Journalisten vorherrschenden Weltbilder und Wirklichkeitsvorstellungen bereits so „einheitlich“ sind, dass letztlich das, was nach außen als „Berichterstattung“ verkauft wird, genauso einheitlich ist. Doch das ist ein anderes Thema.

Richtig ist allerdings, dass Journalismus und Politik viel enger miteinander verbunden sind, als es für eine gesunde Demokratie gut ist. Selbstverständlich gibt es reale Einflüsse vonseiten der Politik auf Medien. Diese Einflussversuche mögen mal mehr, mal weniger erfolgreich sein, aber es gibt sie. Und das ist ein Problem.

Für Medienkritiker ist es ein mühseliges Unterfangen, diese Einflüsse, ja: diese Verbindungen zwischen Politikern und Journalisten darzulegen. Es hat etwas Detektivisches: Es gilt, einzelnen Hinweisen und Äußerungen nachzuspüren, Informationsteile zusammenzutragen und nach und nach zu versuchen, ein Bild zu zeichnen, das Auskunft darüber gibt, wie diese Verquickungen aussehen. Doch die größte Hürde ist kaum zu überwinden: Mit eigenen Augen direkt diese Einflussversuche zu beobachten, festzuhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Problem ist: Die Einflüsse sind oft nicht direkt sichtbar. Sie laufen eben nicht vor laufender Kamera ab. Sie werden ausgeübt in diskreten Runden, in Hinterzimmern und fernab vom Lichte der Öffentlichkeit. Und diejenigen, die Zutritt zu derartigen Treffen unter dem Einflussbereich der Politik haben, hängen ihre Erfahrungen natürlich nicht an die große Glocke. Vermutlich sehen sie sogar noch nicht einmal eine Notwendigkeit daran. Vermutlich erkennen sie nicht einmal eine Grenzüberschreitung, wenn sie bei einem diskreten Treffen von hochrangigen Vertretern der Politik mit exklusiven Informationen gefüttert werden. Und dieses Verhalten ist nicht einmal schwer zu erklären.

Weltanschauliche Verbundenhei…weiterlesen hier: https://apolut.net/journalistischer-mindestabstand-von-marcus-kloeckner/


Unterstütze apolut:

IBAN: DE40 8506 0000 1010 7380 26

BIC: GENODEF1PR2

Verwendungszweck: apolut

Kontoinhaber: apolut GmbH

Volksbank Pirna eG

_

Patreon: https://www.patreon.com/apolut

flattr: https://flattr.com/@apolut

Tipeee: https://de.tipeee.com/apolut

Instagram: https://www.instagram.com/apolut_net

Facebook: https://www.facebook.com/apolut

Twitter: https://twitter.com/apolut_net

Odysee: https://odysee.com/@apolut:a

Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.

...more
View all episodesView all episodes
Download on the App Store

apolut: StandpunkteBy apolut


More shows like apolut: Standpunkte

View all
NachDenkSeiten – Die kritische Website by Redaktion NachDenkSeiten

NachDenkSeiten – Die kritische Website

14 Listeners

UnterBlog by Horst Lüning

UnterBlog

9 Listeners

Podcasts von Tichys Einblick by Tichys Einblick

Podcasts von Tichys Einblick

21 Listeners

Finanzielle Intelligenz mit Marc Friedrich by Marc Friedrich

Finanzielle Intelligenz mit Marc Friedrich

6 Listeners

PUNKT.PRERADOVIC Podcast by PUNKT.PRERADOVIC

PUNKT.PRERADOVIC Podcast

9 Listeners

AUF AUGENHÖHE by Fair Talk

AUF AUGENHÖHE

1 Listeners

apolut: Tagesdosis by apolut

apolut: Tagesdosis

4 Listeners

apolut: HIStory by apolut

apolut: HIStory

0 Listeners

apolut: M-Pathie by apolut

apolut: M-Pathie

0 Listeners

apolut: Die Macht um Acht by apolut

apolut: Die Macht um Acht

0 Listeners

Nacktes Niveau by Paul Brandenburg

Nacktes Niveau

11 Listeners

Basta Berlin- der alternativlose Podcast by Benjamin Gollme und Marcel Joppa

Basta Berlin- der alternativlose Podcast

5 Listeners

Cicero Podcasts by Cicero – Magazin für politische Kultur

Cicero Podcasts

9 Listeners

KONTRAFUNK aktuell by Kontrafunk AG

KONTRAFUNK aktuell

5 Listeners

Weltwoche Daily by Weltwoche

Weltwoche Daily

10 Listeners

Jasmin Kosubek by Jasmin Kosubek

Jasmin Kosubek

3 Listeners

apolut: THE WOLFF OF WALL STREET by apolut

apolut: THE WOLFF OF WALL STREET

0 Listeners

Prof. Dr. Christian Rieck by Prof. Dr. Christian Rieck

Prof. Dr. Christian Rieck

0 Listeners

Nacktes Geld by Paul Brandenburg

Nacktes Geld

1 Listeners