Kultur-Talk

Kultur-Talk

By Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)Society & Culture
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Kultur-Talk episodes

  • Gusel Jachina – «Wo vielleicht das Leben wartet»
    In ihren Romanen spricht die russisch-tatarische Schriftstellerin Gusel Jachina Themen aus der frühen Sowjetunion an, die bis heute tabuisiert sind. Den Bürgerkrieg, die Hungersnöte, den Terror der Stalin-Zeit. Ganz bewusst trifft sie so auch Aussagen zur heutigen Situation.
    Gusel Jachina lebt in Moskau. Sie hat sich dafür entschieden, in Moskau zu bleiben. Trotzdem hat sie ein grosses Interesse daran, dunkle Kapitel der jüngeren Geschichte aufzuarbeiten und dem Vergessen zu entreissen. Sie hat auch allen Grund dazu. Ihre eine Grossmutter ist als «Kulakin» ins GULAG verschleppt worden, worüber Gusel Jachina in ihrem ersten Roman «Suleika öffnet die Augen» geschrieben hat, ein anderer Grossvater erlebte das Schicksal der verwahrlosten Kinder während der Hungersnöte der 1920er Jahre, worüber sie nun in ihrem dritten Roman «Wo vielleicht das Leben wartet» schreibt. Im Gespräch mit Michael Luisier am Rande ihrer Lesereise durch Deutschland und Österreich spricht sie über die Vergangenheit. Und meint damit auch eine Gegenwart, über die sie derzeit nur so sprechen kann.
    30 min
  • Freiwillige Unterwerfung: Wie Narzissmus unsere Gesellschaft spaltet
    Die österreichische Philosophin Isolde Charim wirft einen neuen Blick auf das Phänomen Narzissmus. Sie spricht dabei nicht von einer individuellen psychischen Krankheit, sondern von einer Ideologie, die die Menschen gegeneinander aufbringe – Narzissmus als antigesellschaftliches Prinzip.
    Wir zählen unsere Likes, arbeiten To-Do-Listen und Karrierepläne ab und trainieren Resilienz. Wir perfektionieren uns in der Hoffnung. in der Konkurrenz zu bestehen. Wir rennen einem Ich-Ideal hinterher, das nicht zu erreichen ist, sagt dazu die österreichische Philosophin Isolde Charim in ihrem neuen Buch «Die Qualen des Narzissmus». Sie beobachtet eine neue Form von Narzissmus, die über eine individuelle pathologische Persönlichkeitsstörung hinausgeht und sich als Ideologie in den westlichen Gesellschaften niedergeschlagen hat. Sie gibt uns vor: Du musst besser und mehr werden als Du bist.
    29 min
  • Was tun gegen Zwangsehen, Anu Sivaganesan?
    Rund 350 junge Menschen in der Schweiz melden pro Jahr, dass sie zwangsverheiratet wurden oder werden sollen. Die Zahl ist seit Jahren auf einem hohen stabilen Niveau. Wie kann sich das ändern? «Kultur-Talk» mit Anu Sivaganesan, Menschenrechtlerin, Gründerin und Leiterin der Fachstelle Zwangsheirat.
    Obwohl Straftatbestand, werden jedes Jahr Hunderte von Zwangsehen in der Schweiz geschlossen. Anklagen gibt es fast nie. Betroffene wollen ihre Angehörigen nicht hinter Gitter bringen. Die Heiraten sind eingebettet in ein religiös-kulturelles Wertesystem. Eltern wollen ihre Kinder innerhalb der Gemeinschaft verheiraten. Die Ehe soll heterosexuell sein und möglichst jungfräulich eingegangen werden. Zwangsehen werden nicht nur in islamischen Gemeinschaften geschlossen, und auch Männer leiden darunter. Anu Sivaganesan sagt, um wirksam gegen Zwangsheirat vorzugehen, brauche es mehr Sichtbarkeit fürs Thema.
    28 min
  • Kultur-Talk: Iran – Revolution der Frauen?
    «Die iranischen Machthaber haben Angst vor den Frauen», sagt die Nahost-Korrespondentin Golineh Atai. Über die Frauen habe das Regime bisher die Gesellschaft kontrolliert. Kommt es zu einer Revolution der Frauen?
    Die Macht der iranischen Mullahs über die Frauen sichere ihre Macht über das ganze Land, stellt die in Iran-Spezialistin Golineh Atai fest, die im Alter von 5 Jahren mit ihrer Mutter ins Exil gegangen ist. Mit den aktuellen Protesten, die von Frauen massgeblich geprägt werden, stehe jetzt die Existenz des ganzen Systems auf der Kippe. In ihrem Buch «Iran. Die Freiheit ist weiblich» skizziert die Autorin den Mut und die Hartnäckigkeit von iranischen Frauen, die seit Jahren daran sind, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu ändern. Im «Kontext-Talk» schildert sie, mit welchen Formen des Widerstands Frauen diese Macht zunehmend unterlaufen.
    29 min
  • Warum sich fürs Klima an Bilderrahmen festkleben?
    2022 ist das Jahr, in dem Klimaaktivistinnen und -aktivisten sich in Kunstmuseen begeben, sich an Bilderrahmen festkleben oder Gemälde mit Flüssigkeiten oder Kartoffelbrei bewerfen. Warum tun sie das? Warum wird die Kunst zum Ziel von Klimaprotesten?
    Im September klebten sich Max Voegtli und ein weiterer Aktivist im Kunsthaus Zürich an Giovanni Segantinis «Alpenweide» fest. «Renovate Switzerland», die Organisation, der er angehört, begründete dies so: «Keine idyllischen Landschaften in einer brennenden Schweiz, keine Kunst auf einem toten Planeten.» Im «Kultur-Talk» unterhalten sich Max Voegtli und Philip Ursprung, Professor für Kunst- und Architekturgeschichte an der ETH Zürich, über Kunstmuseen als Schauplätze des Klimaprotests. Warum gerade Kunstmuseen? Was, wenn tatsächlich Kunstwerke beschädigt werden? Verscherzt sich «Renovate Switzerland» durch solche Aktionen nicht viele Sympathien?
    29 min
  • Ingeborg Bachmann und Max Frisch: Der Briefwechsel
    Ingeborg Bachmann und Max Frisch waren eines der glamourösesten Literaturpaare des 20. Jahrhunderts. Doch ihre Beziehung endete schmerzlich. 1962 verliess der 51-jährige Frisch die 36-jährige Bachmann für die 23-jährige Studentin Marianne Oellers. Es war eine «unheilbare Verletzung» – für beide.
    In den vier Jahren ihrer Beziehung schrieben sich Ingeborg Bachmann und Max Frisch gegen 300 Briefe, um die sich teils Legenden ranken. So wurde Frisch immer wieder vorgeworfen, Bachmann gezielt vernichtet zu haben.
    Wie war es wirklich? Was teilten die beiden Literaturstars miteinander? Was trennte sie? In ihrem endlich freigegebenen und akribisch annotierten Briefwechsel lässt es sich nun nachlesen.
    Franziska Hirsbrunner spricht mit den Mitherausgebern Renate Langer und Thomas Strässle.
    Buchhinweis:
    Ingeborg Bachmann, Max Frisch: „Wir haben es nicht gut gemacht. Der Briefwechsel. Mit Briefen von Verwandten, Freunden und Bekannten. Herausgegeben von Hans Höller, Renate Langer, Thomas Strässle und Barbara Wiedemann. Koordination: Barbara Wiedemann. Mit Fotografien und Faksimiles. Piper Verlag und Suhrkamp Verlag 2022. 1038 Seiten.
    27 min
  • «Zeit ist eine Ressource, um die wir kämpfen müssen»
    Zeit müsse gerechter verteilt werden, schreibt die deutsche Journalistin Teresa Bücker in ihrem Buch «Alle Zeit – eine Frage von Macht und Freiheit». Höchste Zeit, über Zeit zu reden.
    Zeit ist in der Kindheit noch wie ein Meer. Später wird sie zu einer Badewanne, in die wir kaum hineinpassen. Mit dieser Umschreibung trifft Teresa Bücker wohl den Nerv vieler im Erwerbsalter.
    Zeit ist ein knappes Gut. Man ist beschäftigt mit Lohnarbeit, mit den Kindern, mit anderen Pflichten. Die heraushängende Zunge: ein Grundgefühl.
    Das müsste nicht so sein, so die Journalistin Teresa Bücker. Sie sagt, Zeit ist die wichtigste Ressource in unserer Gesellschaft, und es sei höchste Zeit, darum zu kämpfen. Wir reden darüber im Kultur-Talk.
    Buchhinweis:
    Teresa Bücker: «Alle_Zeit. Eine Frage von Macht und Freiheit – Wie eine radikal neue, sozial gerechtere Zeitkultur aussehen kann». Ullstein, Berlin 2022.
    30 min
  • Abdulrazak Gurnah – eine Stimme der globalen Welt
    Der Kolonialismus, das stille Leiden Afrikas im Räderwerk der Geschichte, die Nachwirkungen bis heute – davon erzählt der aus Tansania stammende Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah in seinen Werken. Er schreibe zu Themen, über die gesprochen werden müsse, sagt er im Kultur-Talk.
    Abdulrazak Gurnah wurde 1948 auf Sansibar geboren. Aufgrund von Gewalt und Chaos floh er als junger Mann nach Grossbritannien, wo er seither lebt.
    In seinen Romanen spürt Gurnah aus afrikanischer Perspektive der Not nach, welcher Menschen in Afrika damals wie heute ausgesetzt sind. Er erzählt von den Gräueltaten der deutschen und später den britischen Kolonialherren. Und von den Wunden, die bis heute nicht vernarbt sind.
    Im Gespräch zeigt sich Abdulrazak Gurnah als scharfer Analytiker historischer, politischer, sozialer und kultureller Kräfte, welche die moderne globale Welt bestimmen.
    29 min
  • Spanische Literatur – eigenwillig und universell
    Spanien ist Gastland an der diesjährigen Frankfurter Buchmesse (19.–23. Oktober). Mehr als Grund genug, die spanische Literatur unter die Lupe zu nehmen. Was macht sie aus? Woher kommt sie? Wo steht sie heute? Und was ist ihr Stellenwert im Land selbst?
    Geht es um spanische Literatur, gibt es wohl kaum eine bessere Auskunftsgeberin als Michi Strausfeld. Die heute 77-jährige Hispanistin verantwortete von 1974 bis 2015 erst bei Suhrkamp und dann bei S. Fischer das spanisch- und portugiesischsprachige Programm. Sie landete zum Beispiel mit den Romanen der Chilenin Isabel Allende Millionenerfolge und machte die Bücher der Spanier Eduardo Mendoza und Carlos Ruiz Zafón zu Bestsellern. In unzähligen Anthologien, zuletzt einer über die Literatur Barcelonas, vermittelte sie den literarischen Reichtum der spanisch- und portugiesischsprachigen Welt.
    Mit Michi Strausfeld spricht Franziska Hirsbrunner.
    Buchhinweis:
    Michi Strausfeld. Barcelona. Eine literarische Einladung. 199 Seiten. Wagenbach, 2022
    28 min
  • Mani Matter – ein politischer Liedermacher?
    50 Jahre nach dem Tod von Mani Matter widmet sich ein Buch den politischen Seiten des Chansonniers. Jurist Matter hatte klare Vorstellungen vom «gesunden demokratischen Staat». Und in seinen Liedern schimmere das öfter durch, als man denkt, sagt der Literaturwissenschaftler Nicolas von Passavant.
    Was hält einen Staat zusammen? Und wie bleibt eine Demokratie lebendig? Das sind Fragen, die den Juristen Mani Matter in seiner Habilitationsarbeit umtrieben. Sein Fazit: Es braucht einen «Konsens zur Uneinigkeit». Bürgerinnen und Bürger müssen bereit sein, gegensätzliche Meinungen auszuhalten. Solange ein Dialog geführt wird, kommt es nicht zum gewaltsamen Konflikt. Der Literaturwissenschaftler Nicolas von Passavant hat ein Buch über das Politische bei Mani Matter geschrieben. Und er kommt zum Schluss: Mit dem Wissen um Mani Matters politische Staatstheorie hört man seine Lieder ganz anders.
    30 min

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«Kultur-Talk» nimmt kulturelle und gesellschaftliche Themen auf, die bewegen und einer Vertiefung oder Klärung bedürfen.

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