Leben ist mehr

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Leben ist mehr episodes

  • Das Ewigkeitsfenster

    Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, an einer Führung durch das mittelalterliche Kloster Volkenroda in Thüringen teilzunehmen. Ein in Erinnerung bleibendes Detail befand sich in der Klosterkirche. Wenn man diese von der Seite betritt, fällt der Blick zunächst auf eine gegenüberliegende Tür und das danebenliegende kleine, runde Fenster. Das Besondere daran: Diese Tür wurde früher nur geöffnet, um im Rahmen einer Beerdigung einen Sarg aus der Kirche zu tragen. Jedes Mal, wenn die Menschen also in die Kirche kamen, wurden sie daran erinnert, dass ihr Körper auch eines Tages durch diese Tür getragen werden würde. Das kleine, runde Fenster, auf das der Blick durch das einfallende Licht automatisch gelenkt wird, bekam daher den Namen »Ewigkeitsfenster«.

    Die durchschnittliche Lebenserwartung im Mittelalter betrug gerade einmal 33 Jahre. Der Gedanke, was danach kommen würde, war daher durchaus alltäglich und das irdische Leben eher eine »Durchgangsstation ins Jenseits«. Trotzdem ist die Frage, was sich hinter der Tür befindet und wovon dieses Fenster einen kleinen Einblick gibt, sehr persönlich – damals wie heute.

    Im Tagesvers wird gesagt, dass Gott uns die Ewigkeit ins Herz gelegt hat – ein Empfinden dafür, dass es mit dem Leben auf der Erde nicht zu Ende ist. Die Bibel gibt uns auch Antworten dazu, wie diese Ewigkeit aussieht, und macht klar, dass es Gottes Plan und Wunsch für alle Menschen ist, ewig, also für immer, bei ihm zu sein und mit ihm zu leben. Die gute Nachricht ist: Durch Jesus Christus haben wir tatsächlich die Möglichkeit, zu Gott zu kommen, er selbst ist der Weg zum ewigen Leben (Johannes 14,6). Wer die Verbindung zu ihm aufnimmt und diese im Glauben an ihn festmacht, der hat den richtigen Kurs eingeschlagen.

    Judith Pohl

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    5 min
  • Unbegrenzte Möglichkeiten?

    Die Welt, in der wir leben, wird uns als Welt der unbegrenzten Möglichkeiten verkauft. Jeder kann alles erreichen, wenn er nur wirklich will, heißt es. Tatsächlich können wir nur staunen, wozu Menschen fähig sind: Der Straßenjunge kann Fußballstar werden, das Mauerblümchen zum Topmodel aufsteigen, der Pizzabote, der nur die Grundschule besucht hat, kann erfolgreicher Millionär werden.

    Ich denke auch an die großen Erfinder. Zum Beispiel an die Gebrüder Wright, die sich als Erste mit einem motorbetriebenen Flugzeug in die Luft erhoben. Wenn auch nur für zwölf Sekunden. Aber das war der Startschuss für ein Jahrhundert der immer neuen Flugrekorde, Luftabenteuer und technischen Sensationen – am Himmel gibt's jetzt »Flugautobahnen« – vor 120 Jahren unvorstellbar! 50 Jahre später begann der große Wettlauf zwischen Russland und den USA: Wer würde als erster Mensch den Mond betreten? Heute ist das nichts Besonderes mehr. Ist dem Menschen wirklich alles möglich?

    Trotz gigantischem technischem Fortschritt machen wir leider »die Rechnung ohne den Wirt«. Wir stellen Überlegungen an – inzwischen auch mit künstlicher Intelligenz –, ohne dabei den wichtigsten Akteur unseres Lebens auf diesem Planeten zu berücksichtigen: Gott! Er hat unseren »unbegrenzten« Möglichkeiten entsprechende Grenzen gesetzt. Der Turmbau zu Babel ist ein gutes Beispiel dafür (1. Mose 11). Wohl jeder kennt diese Erfahrung, dass man bestimmte Wünsche, Erwartungen und Pläne hat, das Leben uns aber oft zwingt, andere Wege zu gehen. Es ist gut, dass Gott immer wieder in die Vorhaben der Menschheit eingreift. Gott will uns damit sagen: Glaubt nicht nur an euch, glaubt an mich, holt mich in eure Überlegungen mit hinein, macht die Rechnung nicht ohne mich!

    Sebastian Weißbacher

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    4 min
  • Wozu lebe ich?

    Diese Frage stellt sich irgendwann jeder im Laufe seines Lebens. Die Antwort hängt davon ab, wie wir unser Leben verstehen und welche Ziele wir uns stecken. Sind wir Karriere-Typen, werden wir den Sinn im beruflichen Erfolg sehen. Sind wir ausschließlich auf ein gutes Familienleben bedacht, verstehen wir den Sinn in einem aufopfernden Leben für die Familie. Sind wir auf Konsum aus, besteht der Sinn im totalen Genuss.

    Ich sehe noch den Frührentner in einer Stadt im Ruhrgebiet vor mir: »Ich kann nicht mehr arbeiten, aber Arbeit war mein Leben. Dann habe ich alles für meine beiden Söhne getan, aber heute wollen sie nichts mehr von mir wissen. Nun habe ich nur noch meine Frau. Wenn sie mir auch noch genommen wird, hat mein Leben keinen Sinn mehr.«

    Der weise König Salomo schreibt: »Was bleibt dem Menschen von all seinen Mühen und vom Streben seines Herzens, womit er sich abmüht unter der Sonne? ... Selbst nachts findet sein Herz keine Ruhe« (Prediger 2,22-23). Hier wird deutlich: Wenn die Bezugspunkte, anhand derer wir die Antwort auf die Sinnfrage festmachen, plötzlich nicht mehr da sind, kommen wir ins Schleudern. Das ist eine gefährliche Situation.

    Wo finden wir einen Bezugspunkt, der uns nicht genommen werden kann? Was wir unbedingt brauchen, ist eine persönliche Beziehung zu Gott, unserem Schöpfer. Denn Gott allein ist unveränderlich. Er gibt uns Aufgaben, die unser Leben reich machen und auch dann noch Sinn ergeben, wenn wir arbeitslos, verwitwet oder krank sind. Denn man kann zur Ehre Gottes leben, unabhängig davon, ob die Umstände angenehm oder schlecht sind. Das Wichtigste ist, dass unser Verhältnis zu Gott intakt ist. Deshalb kommt Salomo zu dem Ergebnis: Ehre Gott und beachte sein Wort.

    Hartmut Jaeger

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    6 min
  • Die Last der Welt

    Unabhängig von der aktuellen Alltagssituation und Laune ist für mich die Musik stets ein guter Begleiter. Sie heitert auf, kann beruhigen oder einfach schön sein. Dabei geht es mir nicht einfach nur um Zerstreuung und Ablenkung. Es gibt Lieder, die zu Lieblingsliedern werden, weil sie einem direkt ins Herz sprechen. Die Botschaft des Liedes »Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht« zum Beispiel gibt mir Hoffnung und hat mich im Herzen berührt.

    Darin spricht der Liederdichter dem Kind Gottes zu: »Gott hört dein Gebet« – egal, an welchem Ort es sich befindet. Auch in Selbstzweifel und Kraftlosigkeit, die gerade in der heutigen Gesellschaft durch Mobbing und ein verzerrtes Schönheitsideal immer häufiger werden. Selbst wenn die gesamte Menschheit vor ihrem Ende steht, wenn die Sonne zum letzten Mal untergeht, auch dann hört Gott das Gebet seiner Kinder. Ist es nicht großartig, Gott zum Vater zu haben? Er kümmert sich um sie, er tröstet sie, er sagt ihnen seine Hilfe zu!

    Als Christ steht man nicht automatisch über allem, was uns Menschen Probleme bereitet. Aber als Christ hat man eine Beziehung zu dem, der tatsächlich über allem steht und dem kein Problem zu groß ist, auch nicht das Problem unserer Sünde und Schuld. Die hat sich seit Menschengedenken riesig hoch aufgetürmt – wie eine unüberwindliche Mauer trennt sie uns von Gott. Doch die gute Nachricht ist, dass Jesus unsere Schuld und unsere Sünde auf sich genommen und dafür mit seinem Leben bezahlt hat. Nun ist der Weg frei zu Gott, und jeder, der ihn darum bittet, kann seine Schuld loswerden und Gott täglich so erleben, wie das oben erwähnte Lied es beschreibt. Im Glauben findet man Hoffnung.

    Judith Zall

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    6 min
  • Knastgeschichten (5) – Felipe

    Gibt es eigentlich auch hoffnungsvolle Geschichten aus dem Knast? Oh ja, die gibt es. Felipe (Name geändert) war ein Häufchen Elend, als ich ihn zum ersten Mal traf. Auch wenn er noch keine 30 Jahre alt war, hatte er schon etliche Jahre in verschiedenen Gefängnissen verbracht. Wenn er über sein Leben redete, brach er regelmäßig in Tränen aus, aber die Botschaft von Jesus traf ihn tief ins Herz. Wie Jesus mit Kriminellen und Ausgestoßenen umging, faszinierte ihn. Sein Leiden und Sterben für uns Menschen bekam für Felipe eine persönliche Relevanz. Und das völlig veränderte Leben der Jesus-Nachfolger war plötzlich eine Perspektive für ihn selbst.

    Weil er einsah, dass sein Leben eine radikale Wende nötig hatte, und er nicht wieder in sein altes Umfeld zurückgehen sollte, fasste Felipe vor der Haftentlassung einen Entschluss: Er wollte in die Wohngemeinschaft einer christlichen Gefährdetenhilfe ziehen. Nach einigen Gesprächen kam die Zusage, und vom Knast aus ging es direkt los. Er wurde von den Hauseltern mit selbst gebackenem Kuchen liebevoll willkommen geheißen und lebte sich gut ein. Dann: Absturz, Rückfall, erneute Inhaftierung. Hoffnungslos? Nein. Er nahm erneut Kontakt mit der Gefährdetenhilfe auf. Würden sie ihm noch einmal eine Chance geben? Wegen Kapazitätsengpässen wurde er in eine andere Einrichtung vermittelt, die auch von überzeugten Christen geleitet wurde. Wieder erlebte er dieselbe Art von Gottes Liebe, die ihm entgegengebracht wurde.

    Nach einigen Monaten durfte Felipe den endgültigen Durchbruch zu Jesus feiern und durch seine Taufe bestätigen. Aus einem Häufchen Elend war ein Mann geworden, der eine Berufsausbildung begann, sein Leben nun mit der Hilfe Gottes bestreitet und durch das Evangelium von Jesus Christus ganz neu wurde.

    Thomas Bühne

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    5 min
  • Knastgeschichten (4) – Daniel

    Im Knast gibt es ein interessantes Phänomen zu beobachten. Obwohl alle Gefangenen ein ähnliches Schicksal teilen, gibt es doch einen erheblichen Unterschied in der Hierarchie. So erleben Inhaftierte, die z. B. Sexualstraftaten begangen haben, weitaus größere Schwierigkeiten als Bankräuber oder Drogendealer. Innerhalb der Mauern gibt es eine unerbittlichen »Ehrenkodex«: »Solche Dinge gehen gar nicht!« Ausgrenzung oder Gewalt sind die Folge. Auch wenn jeder eigentlich genug mit den eigenen Taten beschäftigt sein müsste, gibt es immer noch jemanden, auf den man herabschauen kann. Jemanden, der noch schlechter ist als man selbst und für den die Zeit hinter Gittern ruhig die Hölle auf Erden werden darf.

    Daniel (Name geändert) erzählte mir von seinen Diebstählen. Um seinen Drogenkonsum zu finanzieren, klaute er Parfüm und »vertickte« es auf der Straße. Einbrüche in Apotheken und aufgebrochene Parkautomaten rundeten die Geschichte ab. Es war aber nie jemand zu Schaden gekommen, er hatte nie eine Person verletzt. Eigentlich hatte er ja niemandem geschadet, außer ein paar Unternehmen, die es wohl verkraften würden, so seine Aussage.

    Wenn sich Daniel so im Gefängnis umschaute, war er bei Weitem nicht der Schlimmste. Im Gegenteil, er hatte ein gutes Ansehen und kam mit den Mitgefangenen bestens aus. Bei ihm bemerkte ich ein Verhaltensmuster, das ich aus meinem eigenen Leben kannte. Der Maßstab, wie wir unser Leben, unser Verhalten und unsere Leistungen beurteilen, sind häufig andere, unvollkommene Menschen. Das Fatale ist jedoch: An Gottes Vollkommenheit scheitern wir alle! Ein Leben in seiner Gegenwart ist nicht möglich, es sei denn, er schenkt uns Vergebung und ein neues Leben aus freier Gnade! Nehmen wir dieses Geschenk an?

    Thomas Bühne

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    4 min
  • Knastgeschichten (3) – Kalle

    »Dieses Mal werde ich es schaffen. Draußen habe ich Arbeit, kann bei meinem Kumpel einziehen und fühle ich mich stabiler als beim letzten Mal.« Ich erinnere mich noch gut an dieses Gespräch mit – nennen wir ihn Kalle. Innerhalb von zehn Jahren hatte ich ihn dreimal kommen und gehen sehen. Eine typische Knastkarriere. Berufserfahrung als »Mitternachtsschlosser« habe er gesammelt, so äußerte er lächelnd. Kleinere und größere Delikte hatten ihm schon viele Jahre in Haft eingebracht. Nun stand also wieder einmal eine Entlassung an. Aber dieses Mal sollte alles anders werden. Keine krummen Dinger mehr. Meine Frage an ihn: »Kalle, warum sollte es sich dieses Mal für dich viel besser entwickeln, wenn du dich nicht geändert hast?«

    Es hatte bei ihm innerlich nicht »Klick« gemacht. Er hatte nicht verstanden, dass er Hilfe brauchte, um sein Leben wirklich grundlegend zu ändern. Und zwar Hilfe, die ihm auch Verbote und Einschränkungen auferlegte, um ihn vor sich selbst zu schützen. Aber Kalle wollte niemanden, der ihm irgendetwas vorschrieb. Wo würde seine Reise wohl enden? Schnell schüttelt man den Kopf über solche Leute wie Kalle. Warum macht er keine Therapie, die ihn zwar einschränken, ihm aber auch wirklich helfen würde?

    Aber sind wir nicht manchmal ähnlich unterwegs? Wir scheitern immer wieder an den gleichen Dingen. An unseren Lieblingssünden und schlechten Gewohnheiten. Immer wieder das Gleiche, ein nicht enden wollender Kreislauf. Die Bibel ist drastisch in der Formulierung dieser Situation: Sie nennt uns »Sklaven der Sünde«. Ein Sklave tut willenlos das, was sein Herr fordert. Wir brauchen einen anderen Herrn, Jesus, und eine ehrliche und langfristige Unterordnung unter seinen Willen, damit unser Leben gelingt.

    Thomas Bühne

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    5 min
  • Knastgeschichten (2) – Dustin

    »Ich habe mein Leben verpfuscht, bin ein körperliches und seelisches Wrack. Jahrelanger Heroin-Konsum hat mich entstellt, und ich habe keine Hoffnung, jemals von dem Zeug loszukommen. Auch wenn ich im Knast nicht mehr konsumiere, weiß ich genau, dass ich immer ein Süchtiger bleiben werde. Meine Frau hat sich kurz vor meiner Inhaftierung von mir getrennt, meiner Tochter habe ich erzählen lassen, ich wäre auf Montage im Ausland. Was soll ich vom Leben noch erwarten?«

    Dustin würde man wohl tatsächlich als hoffnungslosen Fall bezeichnen. Als wir ihm von Jesus erzählten, dem »Freund der Sünder«, der verlorene Menschen sucht, um sie zu retten, konnte er es nicht recht glauben. Jemand sollte ihn, der sich selbst einen Totalversager nennen würde, lieben? So oft gescheitert, Menschen verletzt, Chancen verpasst. Sollte Gott doch anders sein, als er ihn sich immer vorgestellt hatte? Wir lasen mit ihm die Geschichte vom Pharisäer und vom Zöllner im Tempel, aus der auch der heutige Tagesvers entnommen ist. Während Jesus den Hochmut und den Stolz des Pharisäers verurteilt, spricht er dem demütigen Zöllner Gerechtigkeit zu. Als er diese Geschichte hört, zittert Dustin am ganzen Körper, bricht in Schweiß aus. Diese Botschaft arbeitet an ihm. Zweifel, aber auch Hoffnung erfüllen den Raum. Als der Besuch endet, geht er nachdenklich zurück in seine Zelle. Rückblickend frage ich mich: Wie hat er sich entschieden? Ich weiß es nicht.

    Als Jesus gekreuzigt wurde, wurden zwei Männer mit ihm gekreuzigt. Sie waren zur Todesstrafe verurteilte Kriminelle. Einer lehnte Jesus ab, der andere gestand seine Schuld ein und glaubte an ihn. Mit einem verkorksten Leben, ohne guten Taten im Gepäck, wird ihm von Jesus die Gemeinschaft im Paradies versprochen.

    Thomas Bühne

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    5 min
  • Knastgeschichten (1) – Freund der Sünder

    Seit gut 20 Jahren bin ich als ehrenamtlicher Betreuer in verschiedenen Gefängnissen tätig und besuche inhaftierte Männer. Wir reden über »Gott und die Welt«. Geschichten von Scheitern und Aufstehen, Hoffnung und Zweifel, Reue und Stolz. Väter, die ihre Kinder nicht aufwachsen sehen, gescheiterte Beziehungen, abgebrochene Ausbildungen. Fremdbestimmt, unverstanden, abgestempelt. Schuldgefühle, Alltagssorgen, Zukunftsängste. In den nächsten Tagen möchte ich einige dieser Geschichten mit den Lesern teilen.

    Oftmals wird man ungläubig gefragt, warum man ausgerechnet die Täter besucht, ihnen Wertschätzung zeigt und ein offenes Ohr leiht. Hätten wir nicht mit der Betreuung der Opfer genug zu tun? Haben die »Knackis« es nicht anders verdient, als isoliert in den Zellen ihr Dasein zu fristen?

    Interessanterweise bekam Jesus ähnliche Dinge zu hören. Sein liebevoller Umgang mit Menschen vom Rand der Gesellschaft brachte ihm den Titel »Freund der Zöllner und Sünder« ein. Er wehrte sich nicht dagegen. War er nicht gerade für diejenigen gekommen, die ihn am meisten brauchten? Denen ihre Schuld bis zum Hals stand? Ja, solche gescheiterten Existenzen fanden bei Jesus Annahme. Unabhängig davon, ob sie selbst schuld an ihrem Elend waren oder ob das Leben ihnen einfach übel mitgespielt hatte.

    »Freund der Sünder« – was für ein Name! Als Beleidigung gedacht, birgt er doch so viel Hoffnung für jeden von uns. Ob verurteilter Straftäter oder vermeintlicher Saubermann: Wir alle haben einen »Freund der Sünder« nötig. Ob unsere Sünde für alle sichtbar ist oder ob wir sie verstecken können: Jesus ist gekommen, um Sünder zur Buße, zur Umkehr zu rufen!

    Thomas Bühne

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    6 min
  • Hedwig von Redern – Trost im Leid

    Die junge Tochter des preußischen Generalleutnants Herrmann von Redern hatte ein Leben voller Glück und Sonnenschein vor sich. Doch ihre Zukunftsträume zerbrachen jäh, als ihr geliebter Vater plötzlich verstarb. Die Familie hatte den Verlust noch nicht verkraftet, als kurze Zeit später ein Feuer im familieneigenen Gutshof ausbrach. Als die Flammen gelöscht waren und der Schaden begutachtet war, stand die traurige Wahrheit fest: Hedwigs Mutter konnte den jahrhundertelangen Familienbesitz nicht mehr halten und musste mit ihren Kindern in eine ärmliche Mietswohnung nach Berlin ziehen.

    Wegen dieser Schicksalsschläge begann Hedwig (* 23. April 1866), mit Gott zu hadern. »Ist das ein Gott der Liebe, der einem alles nimmt, wofür es sich zu leben lohnt?« Sie war erstaunt darüber, wie ganz anders ihre Mutter mit den neuen Lebensumständen zurechtkam. Diese fand Trost in dem Wissen, dass Gott ihr Leben lenkte. Schließlich ließ sich Hedwig überreden, an den Bibelstunden teilzunehmen, die ihre Mutter in Berlin besuchte. Und hier endlich fand sie selbst den Gott, den sie zwar seit ihrer Kindheit kannte, zu dem sie aber keine persönliche Beziehung hatte. »Musste Gott mich aus meinem irdischen Paradies vertreiben, um mir die ewige Heimat schenken zu können?«, fragte sie sich rückblickend.

    Von nun an half sie bei Kindergottesdiensten mit und schrieb christliche Gedichte, von denen viele vertont und sehr bekannt wurden. Eines ihrer schönsten Lieder beginnt mit den Worten: »Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl. / Das macht die Seele still und friedevoll.« Diesen Frieden verlor Hedwig ihr Leben lang nicht, selbst als sie durch die Spanische Grippe ihre Mutter und einen ihrer Brüder verlor. Es ist derselbe Friede, den Jesus bis heute jedem anbietet, der ihm sein Leben anvertraut.

    Uwe Harald Böhm

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    5 min

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»LEBEN IST MEHR« ist ein Lesebuch, das Impulse und Gedankenanstöße gibt. Es lädt ein zum Nachdenken – über Gott und die Welt, das Woher, Wohin und Wozu – und nicht zuletzt über uns selbst, und das…

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