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Aus 14 Novellen besteht dieser Roman, doch Leo Perutz erzählt seine Geschichte nicht in chronologischer Reihenfolge. Willkürlich ist diese Reihenfolge allerdings nicht, erklärt der Schriftsteller in einem Brief an seinen langjährigen Verleger Paul Zsolnay, sondern die für ihn einzig mögliche Anordnung. Am Anfang steht das Rätsel: welches Vergehen hat Gott so erzürnt, dass er die Pest über die Prager Judenstadt geschickt hat? Die Antwort darauf setzt sich in den folgenden Geschichten puzzleartig zusammen. Wir beginnen heute mit der achten Novelle. Zwei weitere Figuren der Weltgeschichte betreten die Bühne. Der Astronom Johannes Kepler und der junge Feldherr Albrecht von Waldstein, bekannt unter dem Namen Wallenstein.
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„Der entwendete Taler“ heißt die Novelle, in der wir uns gerade befinden. Rudolf der Zweite ist noch ein junger Mann. Ein Silbertaler bringt ihm Unglück, solange er nicht bei seinem Besitzer angelangt ist, einem Juden namens Meisl. Den sucht Rudolf vergeblich. Er wirft den Taler in den Fluss, wo ihn ein Fischer auffängt und in seine Manteltasche steckt. Der Mantel ist mittlerweile bei einem Altkleiderhändler in der Judenstadt angelangt, Rudolf auch. Der Altkleiderhändler beklagt sich bitter bei Rudolf über die Schwierigkeiten seines Gewerbes, erntet aber nur den schwachen Trost, dass die vom Stamme Ruben eben mit alten Kleidern Handel treiben müssten, weil sie einst um das Gewand von Jesus gewürfelt hätten.
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Und wieder springen wir in der Zeit. Wir haben den alten Kaiser Rudolf erlebt, der nachts wach liegt und um die schöne Jüdin Esther trauert. Wir haben vom reichen Juden Meisl gehört, dessen weißer Pudel nach seinem Tod durch die Straßen streunt und fast am Galgen endet. Doch in dieser Novelle sind sie beide jung, der Kaiser und Meisl - und letzterer ist bettelarm. Hier treffen sie zum ersten Mal aufeinander. Rudolf - der noch kein Kaiser ist, sondern nur Erzherzog - hat sich im Wald verirrt und stößt auf zwei riesenhafte Männer, die einen Stapel Gold, einen Stapel Silbermünzen und einen Stapel Kupferpfennige vor sich aufgetürmt haben. Als Rudolf sie fragt, wer sie seien, antwortet der eine: „Die unter mir stehen, nennen mich den Großen und Mächtigen. Und mein Geselle heißt der Furchtbare und Starke.“
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Rudolf der Zweite, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und König von Böhmen, hat schlechte Nächte und beunruhigende Gedanken. Er glaubt sich von den Toten verfolgt und fürchtet ihre Rache. Manchmal erscheinen sie ihm als Krähe, Kuckuck oder Hummel und reden gotteslästerliches Zeug, manchmal schlüpfen sie in die Gestalt eines neuen Dieners oder eines unbekannten Gastes. Das macht die Audienzen beim Kaiser mitunter zu bizarren Veranstaltungen. Eben ist der marokkanische Gesandte - von Venedig kommend - in Prag abgestiegen. Er soll Rudolf ein Freundschafts-Schreiben des Herrschers von Marokko überreichen.
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Eifersucht und Eitelkeit haben den jungen venezianischen Grafen Collalto ins Verderben gestürzt. Bei einem Ball hatte den Baron Juranic wegen seines ungehobelten Tanzstils lächerlich gemacht. Der Baron hat ihn zum Duell gefordert, Collalto hat verloren. Und um sein Leben zu retten, verlangt der Baron nun von ihm, eine Sarabande zu tanzen - durch alle Gassen Prags, ohne Pause bis zum Morgen. Doch die Musikanten des Barons fallen vor jedem Kruzifix und jeder Marienstatue, an der sie vorbeikommen, auf die Knie und beten. Der Graf kann atemschöpfen, was den Baron verdrießt. Kurzerhand dirigiert er die Gruppe in die Judenstadt. Collalto tanzt zu Tode erschöpft am Haus von Rabbi Löw vorbei und fleht ihn um ein Christusbild an. Der Rabbi zaubert jedoch ein „Ecce homo“ an die gegenüberliegende Hauswand – ein Bild des verfolgten Judentums. Das rührt das steinerne Herz des Barons und bringt ihn von der grausamen Strafe ab.
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Die „Sarabande“ heißt die Novelle, in die wir heute einsteigen. Der geheime Rat und Kanzler von Böhmen, Herr Zdenko von Lobkowicz, veranstaltet ein Fest in seinem Prager Stadthaus. Die Herren sind à la Mode gekleidet: mit goldgestickten Röcken aus purpurfarbenem Samt und weißgefütterten geschlitzten Ärmeln. Nur einer fällt aus dem Rahmen: der Baron Juranic, der in Reisekleidern erscheint. Sein Gepäck ist auf der letzten Poststation liegen geblieben. Er ist das Kriegshandwerk gewöhnt, nicht die feine Gesellschaft. Und er tanzt ungefähr so elegant wie ein dressierter Bär. Dem jungen venezianischen Grafen Collalto könnte das egal sein, wenn der Baron nicht ein Auge auf das Fräulein geworfen hätte, um das auch er sich bemüht. Also versucht er nach Kräften, den Baron lächerlich zu machen. Doch der lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
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Die „Sarabande“ heißt die Novelle, in die wir heute einsteigen. Der geheime Rat und Kanzler von Böhmen, Herr Zdenko von Lobkowicz, veranstaltet ein Fest in seinem Prager Stadthaus. Die Herren sind à la Mode gekleidet: mit goldgestickten Röcken aus purpurfarbenem Samt und weißgefütterten geschlitzten Ärmeln. Nur einer fällt aus dem Rahmen: der Baron Juranic, der in Reisekleidern erscheint. Sein Gepäck ist auf der letzten Poststation liegen geblieben. Er ist das Kriegshandwerk gewöhnt, nicht die feine Gesellschaft. Und er tanzt ungefähr so elegant wie ein dressierter Bär. Dem jungen venezianischen Grafen Collalto könnte das egal sein, wenn der Baron nicht ein Auge auf das Fräulein geworfen hätte, um das auch er sich bemüht. Also versucht er nach Kräften, den Baron lächerlich zu machen. Doch der lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
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Es ist ein Wintertag im Jahr 1609, an dem es dem armen Juden Berl Landfahrer an den Kragen gehen soll. Der Unglücksvogel hat einen gestohlenen Zobelfellmantel gekauft, und dafür soll er nun an den Galgen kommen. Um seine Schmach zu vergrößern, sollen gleich noch zwei Straßenhunde mit ihm gehängt werden. Die haben erst recht nichts verbrochen - ein abgemagerter Bauernköter mit rotbraunem Fell und ein weißer Pudel, der einst dem reichen Juden Mordechai Meisl gehört hat.
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Es ist ein Wintertag im Jahr 1609, an dem es dem armen Juden Berl Landfahrer an den Kragen gehen soll. Der Unglücksvogel hat einen gestohlenen Zobelfellmantel gekauft, und dafür soll er nun an den Galgen kommen. Um seine Schmach zu vergrößern, sollen gleich noch zwei Straßenhunde mit ihm gehängt werden. Die haben erst recht nichts verbrochen - ein abgemagerter Bauernköter mit rotbraunem Fell und ein weißer Pudel, der einst dem reichen Juden Mordechai Meisl gehört hat.
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Aus 14 in sich abgeschlossenen Novellen besteht dieser Roman. Und wir springen heute mitten hinein in die zweite Novelle. „Des Kaisers Tisch“ heißt sie, und sie spielt an einem Frühsommertag des Jahres 1598 in Prag. Dort herrscht der habsburgische Kaiser Rudolf der Zweite. Das ist nicht allen Untertanen recht. Der junge Peter Zaruba hofft auf einen König böhmischer Nation, der dem reformierten Glauben anhängt. Einer seiner Urahnen hat einst prophezeit, dass ein Sprössling aus seinem, dem Zaruba-Geschlecht, die Freiheit Böhmens wieder aufrichten wird. Aber - ganz wichtig - er darf niemals von des Kaisers Tisch essen, sonst wird es damit nichts. Peter Zaruba fühlt sich dazu auserwählt, Böhmen zu alter Größe zu verhelfen. Als ihn sein Schwager Georg Kapliř, der beim Kaiser geschäftlich zu tun hat, dorthin zum Essen mitnehmen will, schlägt er die Einladung empört aus. Stattdessen geht er in ein Gasthaus, wo es ein sagenhaftes Menü mit zwölf Gängen gibt, für nur drei böhmische Groschen: Nierenschnitten am Spieß gebraten, Fasanenragout und Kalbszünglein, gefüllten Schweinsfuß und - zum Nachtisch - Marzipankügelchen mit Zuckerguss. Peter Zaruba langt begeistert zu.
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