Sei doch nicht besteuert!

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By Fabian Walter & Christian GebertBusinessManagement
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Sei doch nicht besteuert! episodes

  • #218: Tabak, Alkohol, Zucker, Plastik: Was wird 2027 teurer?

    Am 21. Oktober 2026 trat ein Gesetz in Kraft, das eigentlich erst am 1. Januar 2027 gelten sollte: das Gesetz zur Änderung des Tabaksteuergesetzes. Weil im Entwurf eine eindeutige Regelung fehlte, ab wann die höheren Tarife gelten, entstand eine Panne mit Folgen. In dieser Folge ordnen wir sie ein und schauen auf die vier großen Lenkungssteuern, die der Staat gerade verschärft oder neu einführt: Tabak, Alkohol, Zucker und Verpackungen.

    Zum Einstieg klären wir, warum der Staat über Steuern überhaupt Verhalten steuern darf. § 3 Abs. 1 AO erlaubt ausdrücklich, dass Einnahmen nur Nebenzweck sind, und das Bundesverfassungsgericht hat das im Ökosteuer-Urteil vom 20. April 2004 bestätigt. Grenzen setzen die Kompetenzen nach Art. 105 und 106 GG, der Gleichheitssatz nach Art. 3 Abs. 1 GG und das Verbot der verkappten Verbotssteuer.

    Bei der Tabaksteuer steigt die Belastung je Zigarettenschachtel von 8,05 Euro (2026) auf 9,10 Euro (2027) und bis 2030 auf 11,78 Euro. Wir erklären die Panne im Detail: Da die Steuerzeichen nach § 17 TabStG fehlten, drohten Lieferprobleme, und das BMF ließ am 23. Oktober den Zoll die bisherigen Sätze weiter anwenden. Ob eine Verwaltung ein Gesetz so auslegen darf, prüfen wir an Art. 20 Abs. 3 GG und § 38 AO. Dazu kommt die Lücke bei Vape-Liquids: In § 2 Abs. 1 Nr. 7 TabStG stehen nur noch Sätze ab 2027, weshalb Branchenvertreter eine Steuerfreiheit bis Jahresende sehen, das BMF dagegen nicht. Bei der Alkoholsteuer plant der Entwurf rund 20 Prozent mehr (1.564 statt 1.303 Euro je Hektoliter reinen Alkohols) ab 2027. Wir rechnen, was das für Wodka, Sekt und Jägermeister bedeutet, und erzählen die Geschichte der Schaumweinsteuer von 1902.

    Die geplante Zuckergetränkesteuer startet am 1. Juli 2027 mit 26 Cent je Liter bei 5 bis unter 8 Gramm Zucker je 100 ml und 32 Cent ab 8 Gramm. Als Vorbild dient Großbritannien, wo der Anteil der Produkte über 5 Gramm Zucker von 51,7 auf 15,4 Prozent fiel. Am Beispiel Fanta zeigen wir, warum die britische Rezeptur 4,5 statt 7,6 Gramm Zucker enthält. Hörerin Marlies bringt ihre Sicht zu Süßstoffen ein, und wir fragen, ob der Zoll den Aufwand überhaupt stemmen kann. Zum Schluss geht es um die geplante Plastiksteuer mit 550 Euro je Tonne ab Juli 2027, das Freiburger Modell mit seiner Verpackungsteuer und das Fazit: Fuest sieht solche Steuern kritisch, Kirchhof plädiert für Ordnungsrecht statt Abgaben.

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    46 min
  • #217: Unternehmen erben ab 2027 steuerpflichtig? Die Verfahren beim BVerfG

    Wertpapierdepot von der Tante geerbt, Erbschaftsteuer gezahlt, und der Chef erbt ein Unternehmen für 100 Millionen Euro und zahlt nichts: Genau diesen Fall hat das Bundesverfassungsgericht in der Woche vor dieser Aufnahme verhandelt. In dieser Folge ordnen wir ihn mit Lars Zipfel ein. Er bildet an der Hochschule Ludwigsburg die Finanzbeamten in Baden-Württemberg aus, war zuvor 13 Jahre Steuerberater und hat als Nachfolgeberater alle Erbschaftsteuerreformen begleitet. Er kennt Unternehmen, Berater und Verwaltung aus erster Hand.

    Zuerst geht es um die zwei Verhandlungstage in Karlsruhe: Am Montag stand die Frage im Raum, ob die Länder die Erbschaftsteuer künftig selbst regeln dürfen und ob die persönlichen Freibeträge nach § 16 ErbStG (400.000 Euro je Kind, 500.000 Euro für Ehegatten) angepasst werden müssen. Am Dienstag ging es um die Begünstigung von Betriebsvermögen. Wir diskutieren, ob die Erbschaftsteuer eine Doppelbesteuerung ist oder die Einkommensteuer abrundet, warum sie mit rund 20 Milliarden Euro bei etwa einer Billion Euro Staatseinnahmen fiskalisch klein, politisch aber riesig ist und warum der Bund sie als Landessteuer gar nicht senken kann. Auch die Frage, ob eine höhere Umsatzsteuer die Erbschaftsteuer ersetzen könnte, kommt zur Sprache.

    Beim Kern der Debatte erklärt Zipfel, warum es die Verschonung von 85 bzw. 100 Prozent nach §§ 13a, 13b ErbStG überhaupt gibt. Das Bundesverfassungsgericht hat das System im Urteil vom 17. Dezember 2014 (1 BvL 21/12) im Grundsatz bestätigt, und es geht laut Zipfel nicht um den Unternehmer, sondern um die Arbeitsplätze. Wir gehen den Streit um Liquidität, Kredite und Sicherheiten durch, schauen auf den Wettbewerb mit Familienunternehmen in Österreich und der Schweiz und fragen, ob der Staat als stiller Gesellschafter die bessere Lösung wäre. Dazu kommt die Lohnsummenregelung, die Arbeitsplätze über fünf oder sieben Jahre sichern soll.

    Kritisch wird es bei den Großerwerben: Oberhalb von 26 Millionen Euro greifen das Abschmelzmodell nach § 13c ErbStG, das ab 90 Millionen Euro keine Begünstigung mehr gewährt, und die Verschonungsbedarfsprüfung nach § 28a ErbStG, bei der 50 Prozent des Privatvermögens zählen. Wir sprechen darüber, warum Kinder und Stiftungen dabei im Vorteil sein können, und über die Schenkung von Springer-Aktien im Wert von rund einer Milliarde Euro an Mathias Döpfner, bei der keine Schenkungsteuer anfiel. Zipfel hält eine Mindeststeuer von 5 Prozent statt null für den vernünftigen Mittelweg. Zum Schluss geht es um das Dilemma, den Unternehmer zu entlasten, damit Arbeitnehmer nicht belastet werden, und um die Frage, wann die Entscheidung aus Karlsruhe kommt.

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    1 hr 5 min
  • #216: E-Rechnung 2027 - mit Christian Steiger von Lexware

    Eine E-Mail mit PDF-Anhang ist keine E-Rechnung. Seit 2025 gilt ein einfaches PDF nur noch als „sonstige Rechnung”, denn § 14 Abs. 1 Sätze 3 und 6 UStG verlangt einen strukturierten, elektronisch verarbeitbaren Datensatz, etwa im Format XRechnung oder ZUGFeRD ab Version 2.0.1. In dieser Folge klären wir mit Christian Steiger, Geschäftsführer von Lexware, was das für Unternehmen wenige Wochen vor dem 1. Januar 2027 bedeutet. Er zeigt auch, wie weit die Automatisierung schon ist: Rund 85 Prozent der Buchungen laufen bei Lexware bereits automatisch, über 75 Prozent der Kunden schreiben im B2B schon E-Rechnungen.

    Die Fristen im Überblick: Empfangen müssen alle inländischen Unternehmen E-Rechnungen schon seit dem 1. Januar 2025, ein E-Mail-Postfach genügt technisch. Ausstellen müssen sie ab dem 1. Januar 2027 alle, deren Gesamtumsatz 2026 nach § 19 Abs. 2 UStG über 800.000 Euro lag. Wer darunter bleibt, darf 2027 noch Papier oder mit Zustimmung des Empfängers ein einfaches PDF nutzen (§ 27 Abs. 38 Nr. 2 UStG). Ab 2028 endet diese Übergangsregel. Ausgenommen bleiben unter anderem Privatkunden, Kleinbetragsrechnungen bis 250 Euro (§ 33 UStDV), Fahrausweise und Kleinunternehmer. Steiger erklärt, warum der Druck trotzdem nicht vom Finanzamt kommt, sondern aus der Lieferkette, die auch kleine Zulieferer erfasst.

    Besonders praxisrelevant wird es bei Barzahlungen: Auch sofortige Barzahlung befreit nach den BMF-FAQ vom 23. März 2026 (Frage 10) einen inländischen B2B-Umsatz nicht von der E-Rechnungspflicht. Bei Bewirtungs- und Tankbelegen über 250 Euro braucht der Unternehmer also künftig eine Rechnung mit Firmenanschrift. Bei der Bewirtung kommen Teilnehmer und ein konkreter Anlass dazu (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG). Wir spielen durch, wie Gastronomen und Tankstellen damit umgehen können und warum der Vorsteuerabzug bei der Betriebsprüfung auf dem Spiel steht.

    Außerdem sprechen wir über die Prüfung der Rechnungen, die Archivierung und Word, Excel und PDF als Rechnungstool. Letztere sind aus Sicht der GoBD schon heute problematisch. Zum Schluss geht es um das geplante staatliche Meldesystem um 2030, das Vorbild Italien und die Frage, wie sich die Rolle der Steuerberater durch KI verändert.

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    50 min
  • #215: So verschwendet Deutschland dein Steuergeld – mit Reiner Holznagel

    Von jedem verdienten Euro bleiben einem durchschnittlichen Arbeitnehmer nur 47 Cent, 53 Cent gehen an die öffentlichen Kassen. Was dort mit dem Geld passiert, besprechen wir mit Reiner Holznagel, dem Präsidenten des Bundes der Steuerzahler. Der Verband finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden und kann dem Staat deshalb eigenen Angaben zufolge unabhängig auf die Finger schauen. Anlass ist das frisch erschienene Schwarzbuch, das jedes Jahr 100 Fälle von Steuergeldverschwendung dokumentiert. Die Spanne reicht vom Dackelmantel für 4.500 Euro bis zu Milliardenprojekten.

    Vorab ordnet Holznagel die angekündigte Einkommensteuerreform 2027 ein, und sein Urteil fällt deutlich aus: Er empfinde es mittlerweile als Bedrohung, wenn die Bundesregierung Reformen ankündigt. Seiner Ansicht nach verkauft sie Pflichtaufgaben wie die Anhebung von Grundfreibetrag und Kindergeld als Kür. Die Familie mit 60.000 Euro Einkommen und zwei Kindern, die angeblich um 600 Euro entlastet werden soll, zahle am Ende wegen höherer Sozialabgaben wahrscheinlich 100 Euro mehr. Bei den geplanten höheren Verbrauchsteuern auf Tabak, Zucker und Alkohol warnt sogar der Zoll vor einem großen Schwarzmarktproblem.

    Danach geht es durch die kuriosesten Schwarzbuch-Fälle. Fünf Bäume wurden mit 100.000 Euro gefördert, zwei Pandabären kosten den Münchner Tierpark über zehn Jahre 28 Millionen Euro, und die Stadt Bielefeld kaufte sieben Wasserstoff-Müllfahrzeuge, für die es keine nutzbare Tankstelle gab. In Mannheim übernahm der Bund die komplette Förderung einer 7,2 Millionen Euro teuren Holzbrücke. Hinter vielen Fällen steckt der „Förderirrsinn": rund 2.500 Programme, die nicht aufeinander abgestimmt sind, und eine Mischfinanzierung, bei der der Auftraggeber nur einen kleinen Teil selbst zahlt. Holznagel nennt das Sondervermögen mit 500 Milliarden Euro „Sonderschulden" und kritisiert, dass damit auch Betriebskosten von Krankenhäusern finanziert werden.

    Weitere Themen sind die explodierenden Zinsausgaben des Bundes, die von 4 Milliarden Euro (2021) auf heute rund 40 Milliarden Euro steigen und 2029 wohl 80 bis 85 Milliarden Euro erreichen. Holznagel lehnt gemeinsame EU-Schulden und eigene EU-Steuern ab. Außerdem fordern wir gemeinsam einen Straftatbestand der Haushaltsuntreue, damit Verantwortliche bei Projekten wie der Elbphilharmonie mit knapp 800 Millionen Euro Baukosten nicht folgenlos davonkommen. Zum Abschluss gibt es Positives: Das Segelschiff-Nachbauprojekt in Bremen wurde nach massiver Kritik gestoppt und spart 46 Millionen Euro. Beim geplanten Regierungsflughafen in Berlin, der laut ersten Planungen 2,5 Milliarden Euro kosten soll, warnt der Verband schon vor der nächsten Kostenexplosion.

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    55 min
  • #214: Bar bezahlt, steuerlich bestraft? Neue Steuervorschläge für 2027

    Diese Themen und Vorschriften besprechen wir:

    • Bargeld und Steuerabzug: Die Prüfbitte zur unbaren Zahlung als Voraussetzung für Betriebsausgaben und Werbungskosten betrifft die Abzugsregeln nach § 4 Abs. 4 und § 9 EStG.

    • Verluste bei Kommanditisten – § 15a EStG: Welche Bedeutung die tatsächliche Einlage gegenüber der Außenhaftung nach § 171 HGB künftig haben könnte.
    • Thesaurierung – § 34a EStG: Änderungen bei der Rücknahme des Antrags auf begünstigte Besteuerung nicht entnommener Gewinne.
    • Geringwertige Wirtschaftsgüter – § 6 Abs. 2 und 2a EStG: Vorgeschlagen sind eine höhere Sofortabschreibungsgrenze von 1.200 Euro und die Abschaffung des Sammelpostens.
    • Earn-outs beim Unternehmensverkauf – §§ 16 und 17 EStG: Spätere variable Kaufpreiszahlungen sollen nach dem Vorschlag rückwirkend im Veräußerungsjahr berücksichtigt werden.
    • Immobilien und Scheidung – § 23 EStG: Vorgeschlagene Erleichterungen bei Immobilienübertragungen im Rahmen einer Scheidungsfolgenvereinbarung.
    • Gebäudeabschreibung – § 7 Abs. 4 Satz 2 EStG: Mögliche Einschränkungen beim Nachweis einer kürzeren tatsächlichen Nutzungsdauer.
    • Unternehmensnachfolge – § 6 Abs. 3 EStG: Übertragungen unter Vorbehaltsnießbrauch.
    • Verlustuntergang – §§ 8c und 8d KStG: Folgen eines Gesellschafterwechsels und geplante Erweiterungen der Verlustbeschränkungen.

    Weitere Themen sind Unternehmensbewertung, Alleinerziehende, Reisekostenerstattungen und Gewerbesteuer.

    Besprochene BFH-Urteile und Korrekturen zur Folge

    1. Kaufpreis oder Arbeitslohn? BFH vom 03.03.2026, IX R 1/25 – §§ 17 und 19 EStG
    2. Ein Gesellschafter verkaufte seine 50-prozentige GmbH-Beteiligung für 2,25 Mio. Euro. Davon waren 625.000 Euro an eine weitere fünfjährige Geschäftsführertätigkeit geknüpft. Diese Beträge wurden im Gespräch gerundet wiedergegeben. Der BFH hat die Behandlung als Arbeitslohn nicht abschließend ausgeschlossen, sondern das Urteil des Finanzgerichts aufgehoben und die Sache zurückverwiesen. Entscheidend ist der wirtschaftliche Zusammenhang der Zahlung mit dem Anteilsverkauf beziehungsweise der Tätigkeit als Geschäftsführer.

      1. Mögliche Veruntreuung durch den Bruder: BFH vom 28.01.2026, X R 21/23 – § 4 Abs. 4 EStG
      2. Hier korrigieren wir die Darstellung im Gespräch: Nach seinem Vortrag übergab der Unternehmer seinem Bruder das Geld bar, nicht per Überweisung. Es ging um 380.000 Euro für angebliche Übernachtungen und 205.000 Euro für angebliche Handelsprovisionen, nicht um Catering. Der Fall ist deshalb kein Gegenbeispiel anhand einer unbaren Zahlung. Auch hier hat der BFH den Betriebsausgabenabzug nicht endgültig zugesprochen, sondern den Fall zurückverwiesen. Ein durch eine Straftat verursachter Verlust kann betrieblich veranlasst sein. Dieser Zusammenhang muss jedoch nachgewiesen und bei Beteiligung eines Angehörigen besonders sorgfältig geprüft werden.

        1. Immobilienverkauf nach Trennung: BFH vom 14.02.2023, IX R 11/21 – § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG
        2. Die entgeltliche Übertragung eines Miteigentumsanteils an den früheren Ehepartner kann innerhalb der Zehnjahresfrist ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft sein. Im entschiedenen Fall war der Verkäufer bereits ausgezogen. Die weitere Nutzung durch die frühere Ehefrau und das gemeinsame Kind erfüllte für ihn nicht die Voraussetzungen der eigenen Wohnnutzung.

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          53 min
        3. #213: Tankrabatt, Übergewinnsteuer und Enteignung: Was bringt das wirklich?

          Ab 1. Oktober 2026 kommt der Tankrabatt: Die Energiesteuer sinkt um 14 Cent, mit dem Mehrwertsteuereffekt sollen brutto rund 17 Cent beim Preis ankommen. Bund und Länder haben sich am 18.09.2026 politisch geeinigt, das Kabinett hat am 21. und 22.09.2026 im Umlaufverfahren beschlossen, jetzt müssen Bundestag und Bundesrat noch zustimmen. Ohne Abschluss in dieser Woche gibt es den Rabatt nicht zum 1. Oktober. Die Kosten: 2,5 Milliarden Euro Mindereinnahmen, davon 1,25 Milliarden für die Länder über den Umsatzsteuerfestbetrag. Zum Vergleich die aktuellen Preise laut ADAC vom 18.09.2026: Super E10 kostet 2,308 Euro, Diesel 2,471 Euro. Im Preis stecken bei Super E10 51,0 Prozent Staatsanteil aus Mehrwertsteuer, Energiesteuer und CO2-Abgabe, beim Diesel sind es 42,1 Prozent. Ob der Rabatt wirklich bei den Autofahrern ankommt, kontrollieren nicht die Finanzämter, sondern die Kartellbehörden, gestützt auf die seit 01.04.2026 geltende 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen.

          Parallel diskutiert die Regierung einen Preisdeckel nach Vorbild Luxemburg und Belgien, Ziel Inkrafttreten spätestens 01.01.2027, nicht dauerhaft gedacht. Die Formel orientiert sich an anderen Ländern: Rohstoffnotierung plus Transport, Lagerkosten und Gewinnspanne, unterbieten erlaubt, überbieten nicht. Kritiker verweisen auf Belgien, wo die Preise trotz Deckel hoch bleiben, und auf Ungarn, wo ein fixer Deckel unter Marktniveau 2021 und 2022 zu leeren Zapfsäulen führte und wieder abgeschafft wurde.

          Bei der Übergewinnsteuer will Finanzminister Klingbeil eine europäische Sondersteuer, doch die EU-Kommission hat am 18.09.2026 klargestellt, dass sie die Lage nicht für krisenfest genug hält, um den Krisenartikel 122 mit qualifizierter statt einstimmiger Mehrheit zu nutzen. Merz und Reiche sind ohnehin dagegen. Eine rein deutsche Abgabe träfe vor allem Unternehmen, die in Deutschland bilanzieren, während Raffineriegewinne aus den Niederlanden, Belgien oder Polen außen vor blieben. Zum Vergleich die Zahlen der Übergewinnsteuer 2022, gestützt auf Verordnung 2022/1854 und das deutsche Energiekrisenbeitragsgesetz: 33 Prozent auf den Gewinn oberhalb des Schnitts 2018 bis 2021 plus 20 Prozent Puffer, nicht als Betriebsausgabe abziehbar, betraf Unternehmen mit mindestens 75 Prozent Umsatz aus Förderung, Bergbau, Raffination oder Koks. Ergebnis: rund 1,98 Milliarden Euro für 2022 und 465 Millionen Euro für 2023, macht zusammen knapp 2,5 Milliarden Euro.

          Dritter Schwerpunkt: die Enteignungsdebatte, befeuert durch die Berlin Wahl mit Linke 25,7 Prozent, CDU 18,8 Prozent, AfD 16,3 Prozent, Grüne 14,3 Prozent und SPD 12,1 Prozent. Die Linke will große Wohnungskonzerne wie Vonovia und Deutsche Wohnen ab einer Schwelle von 3.000 Wohnungen in Berlin enteignen, gestützt auf den Bürgerentscheid. Das Grundgesetz erlaubt das nur zum Wohl der Allgemeinheit, durch oder aufgrund eines Gesetzes und gegen gesetzlich geregelte Entschädigung nach Art. 14 Abs. 3 GG. Steuerlich macht das einen entscheidenden Unterschied: Der BFH hat mit Urteil vom 23.07.2019, Az. IX R 28/18, klargestellt, dass eine echte Enteignung keine Veräußerung nach Paragraf 23 EStG ist, weil der Eigentumsverlust nicht wesentlich vom Willen des Eigentümers abhängt. Im konkreten Fall blieben 600.000 Euro Entschädigung im Privatvermögen steuerfrei, selbst wenn sie über den Anschaffungskosten liegt. Anders im Betriebsvermögen: Hier kann die Entschädigung stille Reserven aufdecken, eine Rücklage für Ersatzbeschaffung nach R 6.6 EStR kann die sofortige Besteuerung aber aufschieben.

          Außerdem im Podcast: der geplante Direktauszahlmechanismus über das Bundeszentralamt für Steuern, gekoppelt an Steuer ID und IBAN, und die Debatte um heimisches Frackinggas, das verboten ist, während Deutschland jährlich rund 84 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht und nur 4,25 Milliarden Kubikmeter davon selbst fördert.

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          33 min
        4. #212: Steuern sparen mit dem iPhone 18

          2.400 Euro für ein iPhone 18 Pro Max – und trotzdem lohnt sich der Kauf steuerlich mehr, als die meisten denken. In dieser Folge rechnen wir vor, wie sich der Griff zum neuen Smartphone für Selbstständige, Unternehmer und Arbeitnehmer tatsächlich auszahlt, und räumen dabei mit einem hartnäckigen Irrtum auf: Ein Handy lässt sich trotz BMF-Schreiben vom 26. Februar 2021 zu digitalen Wirtschaftsgütern eben nicht sofort abschreiben – Smartphones sind von dieser Regelung ausdrücklich ausgenommen, anders als Notebooks, Tablets oder sogar die Apple Vision Pro, die wegen eigenem Prozessor und Betriebssystem funktional näher am Tablet liegt.

          Stattdessen bleibt es bei der regulären Nutzungsdauer von fünf Jahren nach AfA-Tabelle, wobei die degressive Abschreibung nach § 7 Abs. 2 EStG mit bis zu 30 % pro Jahr deutlich schneller zum Ziel führt als die lineare Variante. Richtig interessant wird's beim Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG: Wer die Gewinngrenze von 200.000 Euro einhält, kann bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungskosten vorab gewinnmindernd abziehen – und damit die GWG-Grenze von 952 Euro brutto effektiv verdoppeln. Ein durchgerechnetes Beispiel zeigt, wie ein iPhone 18 Pro Max für 1.553 Euro netto durch einen vorab gebildeten IAB von 776 Euro am Ende unter der GWG-Grenze landet und sofort abgesetzt werden kann. Bei mindestens 90 % betrieblicher Nutzung ist das machbar – ein Kriterium, das beim Smartphone streng geprüft wird und je nach Berufsgruppe völlig unterschiedlich ausfällt.

          Auch beim Handy im Mobilfunkvertrags-Bundle wird's kompliziert: Laut BMF-Schreiben vom 20. Juni 2005 muss das vergünstigte Gerät zum Katalogpreis aktiviert und die Differenz als Zuschuss über die Vertragslaufzeit verteilt werden. Beim Leasing erklären wir, warum die aktuellen Apple-Angebote eher als operatives Leasing einzuordnen sind – abgeleitet aus dem Vollamortisationserlass von 1971 und dem Teilamortisationserlass von 1975.

          Für Arbeitgeber lohnt sich der Kauf gleich doppelt: Die private Nutzung eines Diensthandys durch Mitarbeiter bleibt nach § 3 Nr. 45 EStG komplett lohnsteuerfrei. Besonders spannend ist dabei ein Gestaltungsmodell, das der BFH in gleich drei Urteilen vom 23. November 2022 (VI R 49/20, VI R 50/20, VI R 51/20) höchstrichterlich abgesegnet hat: Arbeitnehmer verkaufen ihr gebrauchtes Handy für nur 1 bis 6 Euro an den Arbeitgeber, der es sofort wieder zur privaten Nutzung überlässt und die Mobilfunkkosten übernimmt. Das Finanzamt witterte einen Gestaltungsmissbrauch nach § 42 AO – der BFH entschied jedoch, dass der niedrige Kaufpreis durch die übernommenen Kosten und das Reparaturrisiko wirtschaftlich ausgeglichen wird und damit dem Fremdvergleich standhält.

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          32 min
        5. #211: Die GmbH-Steuer ohne GmbH: Was hinter der § 1a Option steckt

          Über 50 Prozent Grenzsteuersatz durch Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuerüberhang – das trifft künftig nicht nur Spitzenverdiener, sondern auch die über 440.000 Personengesellschaften in Deutschland, viele davon wichtige Familienunternehmen. Denn während Kapitalgesellschaften ihre Gewinne bei Thesaurierung nur mit rund 30 Prozent versteuern, hängt die Steuerlast bei Personengesellschaften direkt vom persönlichen Steuersatz der Gesellschafter ab. In dieser Folge zeigen wir, wie das Optionsmodell nach § 1a KStG diesen Nachteil auflöst, ohne dass Unternehmen ihre Rechtsform wechseln müssen.

          Seit dem Veranlagungszeitraum 2022 können sich Personenhandelsgesellschaften auf Antrag vollständig wie Körperschaften besteuern lassen – seit dem Wachstumschancengesetz 2024 gilt das auch für GbRs, nur Einzelunternehmer bleiben außen vor. Gesellschaftsrechtlich ändert sich dabei nichts: Die Haftung bleibt unbeschränkt, der Gesellschaftsvertrag flexibel, eine notarielle Beurkundung der Anteilsübertragung entfällt weiterhin. Steuerlich dagegen ändert sich einiges – wir gehen die wichtigsten Vorteile durch: Bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer entfällt die 25-Prozent-Mindestbeteiligungsquote für die Betriebsvermögensbegünstigung, und beim Eintritt neuer Gesellschafter droht anders als bei der GmbH kein Aufgeld nach § 7 Abs. 8 ErbStG. Bei der Grunderwerbsteuer bleibt die optierende Gesellschaft nach § 5 GrEStG weiterhin als Personengesellschaft privilegiert – Grundstücksübertragungen können also grunderwerbsteuerfrei erfolgen, solange nicht innerhalb der Sperrfrist nach § 5 Abs. 3 GrEStG optiert wird.

          Besonders spannend wird's bei der Nutzung von Anlaufverlusten: Wer eine Immobilie zunächst über eine GbR erwirbt, kann Sanierungsverluste auf privater Ebene nutzen und erst wechseln, sobald das Objekt Cashflow generiert – ein Modell, das auch für Startups mit hohen Anfangsverlusten interessant sein kann. Wir diskutieren außerdem, ob die GbR künftig sogar als Alternative zur klassischen GmbH-Holding taugt, etwa gemeinsam mit dem Ehepartner, und wie § 8b KStG dabei greift.

          Ganz ohne Haken ist das Modell aber nicht: Die Option gilt steuerlich als fiktiver Formwechsel nach § 25 UmwStG, verbunden mit einer siebenjährigen Sperrfrist nach § 22 UmwStG bei Veräußerung der Beteiligung. Notwendiges Sonderbetriebsvermögen wie ein Betriebsgrundstück im Eigentum eines Gesellschafters muss mit übertragen werden, und die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist danach nicht mehr möglich. Der Antrag selbst muss spätestens einen Monat vor Beginn des Wirtschaftsjahres gestellt werden – für 2027 also noch bis zum 30. November 2026, mit einem Gesellschafterbeschluss von mindestens 75 Prozent der abgegebenen Stimmen. Zum Abschluss werfen wir einen Blick auf die Thesaurierungsbegünstigung nach § 34a EStG als schlankere Alternative ohne fiktiven Formwechsel, bei der thesaurierte Gewinne nur mit 28,25 Prozent besteuert werden.

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        6. #210: Kommt die Vermögensteuer und lässt sie sich vermeiden?

          Die Vermögensteuer klingt für viele nach der einfachen Lösung für den klammen Bundeshaushalt: Das Modell der Linken soll theoretisch 147 Milliarden Euro einbringen, die Zucman-Steuer immerhin 17 Milliarden. Fabian und Christian rechnen in dieser Folge nach, was von diesen Zahlen realistisch übrig bleibt, wenn Vermögende auf höhere Steuern reagieren. Sie schauen auf die Erfahrungen aus der Schweiz, Norwegen und Spanien, auf Frankreichs neue Luxussteuer für Holdings und klären die Bewertungsfrage, an der die deutsche Vermögensteuer 1997 letztlich gescheitert ist. Außerdem: Stimmt es eigentlich, dass Reiche in Deutschland kaum Steuern zahlen. Und haben wir mit Grundsteuer und Erbschaftsteuer nicht längst eine Art Vermögensteuer?

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        7. #209: Mercedes-Steuerchef Dominik Wellmann: "Diese Steuer kann auch wegfallen"

          Dominik Wellmann, Global Head of Tax and Customs bei der Mercedes-Benz Group, spricht mit Fabian und Christian über die Steuerwelt eines DAX-Konzerns. Er erklärt, welche Rolle seine Abteilung bei Vorstandsentscheidungen spielt, warum die geplante Abschaffung der strafbefreienden Selbstanzeige aus seiner Sicht problematisch wäre und wie stark die Gewerbesteuer durch Hinzurechnungen bei großen Unternehmen ins Gewicht fällt. Im internationalen Vergleich ordnet er ein, wo Deutschland steuerlich steht und wo andere Länder bei Digitalisierung und E-Invoicing bereits weiter sind. Außerdem geht es um die Folgen der US-Zollpolitik für den Automobilexport, die Belastung durch Körperschaftsteuer und Sozialabgaben sowie um konkrete KI-Anwendungsfälle in der Steuerabteilung von Mercedes.

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