Auf den ersten Blick scheint die Haltung Serbiens klar zu sein: Belgrad weigert sich bis heute, die westlichen Sanktionen gegen Russland mitzutragen, auch die Bevölkerung ist mehrheitlich prorussisch. Auf der gesamteuropäischen Bühne sitzt Serbiens Präsident Aleksandar Vucic damit allerdings zwischen den Stühlen, denn sein Land ist schon seit 2012 EU-Beitrittskandidat. Die Nähe zu Russland hat auch eher symbolischen Charakter, es gibt einen engen Schulterschluss der orthodoxen Kirchen beider Länder, und Russland unterstützt Serbien in der für Belgrad so wichtigen Kosovo-Frage, indem es die Unabhängigkeit der kleinen Balkan-Republik bis heute nicht anerkennt. Was aber nicht ins Bild passt: Die meisten Russ/innen, die seit dem Ukraine-Krieg in Serbien stranden, sind liberale Putin-Gegner vor allem aus den Metropolen Moskau und St. Petersburg. Diese Menschen verlassen Russland genau wegen jener Kreml-Politik, die von der serbischen Regierung gestützt wird. - Sendung vom 19.1.2023