SWR Kultur Wort zum Tag - Kirche im SWR

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SWR Kultur Wort zum Tag - Kirche im SWR episodes

  • Klimaschutz ist anstrengend
    Dominik Frey, katholische Kirche: Was haben Greta Thunberg und Papst Franziskus gemeinsam? (Verkündigungssendung)
    Was haben Greta Thunberg und Papst Franziskus gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel: Greta ist jung, weiblich, und Schülerin aus Schweden. Franziskus ist alt, männlich und Papst aus Argentinien.
    Schaut man aber auf das, was die beiden zum Thema Umwelt sagen, dann haben sie eine Menge gemeinsam. Sie prangern beide an, dass sich Politik und Wirtschaft zu wenig darum kümmern. Greta Thunberg hat vor drei Wochen auf dem UN-Klimagipfel in New York gesagt: „Wir stehen am Anfang eines Massensterbens, und alles, worüber ihr Politiker reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden (…) Wachstum.“ Papst Franziskus klingt ganz ähnlich. In seiner Umweltenzyklika vor vier Jahren hat er geschrieben: „Das Bündnis von Wirtschaft und Technologie klammert am Ende alles aus, was nicht zu seinen (…) Interessen gehört."
    Greta und Franziskus verbindet auch die ganz konkrete Sorge um unseren Planeten. Franziskus schreibt: „Wenn jemand die Erdenbewohner von außen beobachten würde, würde er sich über ein so selbstmörderisches Verhalten nur wundern.“ Und Greta auf dem Klimagipfel von Kattowitz: „Sie sagen, dass Sie ihre Kinder mehr als alles andere lieben, aber gleichzeitig stehlen Sie ihnen die Zukunft vor ihren Augen weg.“
    Und dann geht es beiden auch darum, wie ungerecht die Natur ausgebeutet wird. Greta sagt: „Unsere Zivilisation wird für die Chancen einer kleinen Gruppe geopfert, die immer mehr Geld verdienen will.“ Franziskus sieht das genauso. Wenige konsumieren und zerstören, während andere noch nicht einmal menschenwürdig leben können.
    Für mich hat Klimaschutz wirklich mit verzichten zu tun. Denn nur wenn jeder einzelne dazu bereit ist, sein Leben umzustellen, dann kann sich etwas verändern. Konkret heißt das: Urlaub am Bodensee statt auf den Malediven, Wasser aus Glasflaschen - und am besten Leitungswasser, mehr Gebrauchtes kaufen, das essen was gerade bei uns wächst – am besten wenig Fleisch, zu einem Ökostromanbieter wechseln, Coffee to Go Becher selbst mitbringen, Fahrrad, Bus oder Bahn nehmen statt das Auto. Und während ich das gerade aufgeschrieben habe, kommt meine Frau ins Zimmer. Sie stöhnt und sagt: „Puh, gerade war ich per Bus und Bahn beim Zahnarzt. Klimaschutz ist echt anstrengend – aber es macht auch glücklich!“
    3 min
  • Welttag des Brotes
    Dominik Frey, katholische Kirche: Eine gute Methode, dem Brot wieder mehr Respekt zu zollen. (Verkündigungssendung)
    Heute fallen zwei Gedenktage aufeinander: der Welttag des Brotes und der Welternährungstag. Und davon erzählt auch eine Geschichte des amerikanischen Schriftstellers Frank McCourt. Bevor er Autor wurde war er Lehrer an einer High School in New York.
    Frank McCourt erinnert sich noch genau an seinen ersten Schultag. Weil dort etwas passiert ist, was seine berufliche Laufbahn entscheidend mitbestimmt hat. Wie gesagt, der erste Schultag. Frank McCourt kommt ins Klassenzimmer und dort geht es drunter und drüber - wie immer nach den Ferien. Pete brüllt gerade: „Wer will mein Pausenbrot?“ Andy lässt einen dummen Spruch ab, und als Quittung fliegt ihm das Pausenbrot um die Ohren. Und hinter Andys Ohren landet es auf dem Boden – genau vor den Füßen des neuen Lehrers, der gerade das Klassenzimmer betreten hat.
    Peinlich, peinlich - plötzlich wird es völlig still in der Klasse. Frank McCourt weiß: jetzt entscheidet es sich, ob ich als Lehrer anerkannt werde oder nicht. Er sagt erst mal gar nichts, sondern folgt seinem Bauchgefühl - einer inneren Eingebung: Er bückt sich, hebt das Pausenbrot auf, wickelt es sorgfältig aus und beißt hinein. Er isst es genussvoll ratzeputz auf - vor den Augen der ganzen Klasse.
    Frank McCourt sagt später: „Ab diesem Zeitpunkt hingen mir die Schüler an den Lippen. Ich habe einfach das getan, was ich am besten kann. Anstatt zu unterrichten habe ich Geschichten erzählt.“ Wie gesagt, Frank McCourt ist später Schriftsteller geworden und hat viele Romane und Geschichten geschrieben. Seine Lieblingsgeschichte ist aber immer die mit dem Pausenbrot geblieben.
    Pete und Andy und all die anderen Schüler in der Klasse haben in diesem Moment wohl begriffen, dass Brot nicht nur irgendetwas ist, das einem die Mutter morgens in den Ranzen packt. Nein, Brot ist ein Lebensmittel, also ein Mittel zum Leben. Und das hat ihnen ihr Lehrer nicht mit Hilfe einer theoretischen Abhandlung beigebracht, sondern indem er etwas vorgemacht hat, was er für richtig gehalten hat. Frank McCourt hat später gesagt: „Ich war der erste Lehrer in ihrem Leben, der ein Sandwich vom Boden aufgehoben und es vor versammelter Mannschaft verdrückt hat.“
    3 min
  • Wunder
    Dominik Frey, katholische Kirche: Ob Jesus wohl gerne Wunder getan hat? (Verkündigungssendung)
    Manuskript:
    Wunder sind so etwas wie das Aushängeschild Jesu. Sie haben ihn bekannt und beliebt gemacht. Ich habe aber einen Verdacht: Ich vermute, Jesus hat Wunder eher widerwillig getan, wirklich nur aus purer Menschenliebe, weil er Mitleid hatte. Nicht etwa um zu zeigen, was für ein toller Typ er ist.
    Eines seiner krassesten Wunder geschieht an der Tochter von Jairus. Jairus ist völlig verzweifelt, weil seine 12jährige Hanna im Sterben liegt. Als Jesus in die Stadt kommt, lässt Jairus alles stehen und liegen – sogar Hannas Krankenbett. Er sucht Jesus im Getümmel der Stadt. Und als er ihn endlich gefunden hat, fleht er ihn an, sie wieder gesund zu machen. Wahrscheinlich zerreißt es Jesus das Herz, als er den niedergeschlagenen Vater sieht und er folgt ihm. Auf dem Weg überbringen Nachbarn die traurige Nachricht, dass Hanna gerade gestorben ist.
    Jesus lässt sich nicht beirren. Am Haus von Jairus angekommen, schickt er zuerst mal alle Gaffer weg. Er geht ins Haus und sagt zu dem Mädchen auf dem Totenbett: „Hanna, steh auf!“ Die Eltern trauen ihren Ohren nicht. Aber im nächsten Augenblick sind sie fassungslos, verblüfft und überglücklich - alles auf einmal, denn Hanna steht tatsächlich auf. Bevor Jesus wieder geht, schärft er allen das ein, was er meistens nach einem Wunder tut: Er sagt: „Erzählt davon bloß nichts weiter!“
    Dieser Satz könnte Jesus natürlich als PR-Trick ausgelegt werden. Nach dem Motto: wenn du willst, dass sich etwas weiter verbreitet, dann mach es zum Geheimnis. Ich glaube aber Jesus sagt das, weil er nicht möchte, dass die Leute ihn nur deshalb aufsuchen, weil er für Heilungen bekannt ist. Ihm kommt es auf etwas anderes an als auf gute Werbung: Er möchte Menschen aufrichten, und das sagt er ja auch wörtlich: „Steh auf!“
    „Steh auf!“, das sagt Jesus auch bei anderen Gelegenheiten: zum Beispiel zu den verängstigten Jüngern, die bei Sturm im Boot sitzen. Er sagt es zu einem Gelähmten, den er gerade geheilt hat. Zu einem Mann mit einer verkrüppelten Hand sagt er sogar: „Steh auf und stell dich in die Mitte.“ Jesus möchte nicht den Wunderheiler geben und kein Star sein. Er möchte Menschen, die am Ende, am Rand oder am Boden sind, aufrichten und stark machen.
    3 min
  • Futur II
    Dominik Frey, katholische Kirche: Was das „Futur II“ mit meinem Glauben zu tun hat. (Verkündigungssendung)
    Ein Kollege hat mir vom so genannten „Schmunzelpunkt“ erzählt. Ich frage nach: „Wie bitte? Schmunzelpunkt?“ Meine Fantasie beginnt zu rattern: Ist das vielleicht so etwas wie ein Auslöseknopf, um in jeder Situation schmunzeln zu können? Aber mein Kollege stellt klar: „Schmunzelpunkt, das ist der Zeitpunkt, von dem aus du ganz gelassen auf eine Krise zurückschauen kannst. Der Punkt, an dem du über ein Problem lächeln kannst.“
    Ach so! Diesen Punkt kenne ich natürlich. Es gab Krisen, in denen ich diesen Punkt geradezu herbeigesehnt habe: Beziehungsstress zum Beispiel. Oder ein sehr unangenehmes Gespräch, das ich die ganze Zeit vor mir hergeschoben habe. Manchmal auch wenn ich krank bin und mir einfach nur wünsche, wieder fit zu sein.
    Wenn die Krise vorbei ist, dann dauert es meistens noch ein bisschen. Und irgendwann bin ich an dem Punkt, wo ich zurückblicken kann und sage: „Hm ja, es war eine harte Zeit, aber jetzt ist sie überstanden. Und dann schmunzle ich vielleicht darüber, wie ich mir damals den Kopf zerbrochen habe, oder wie verbohrt ich war. Manchmal kommt man auch gar nie an den Schmunzelpunkt. Das ist dann eine bittere Erfahrung.
    Zum Schmunzelpunkt ist mir etwas eingefallen. Es ist ja ein Punkt in der Zukunft, an dem ich in die Vergangenheit blicke. Die Deutschlehrer nennen das „Futur II“. Es gibt eine Stelle in der Bibel, da sagt Gott seinen Namen: Jahwe – das ist Hebräisch und heißt „Ich bin“ oder „Ich bin da“. Und weil im Hebräischen nicht alles so eindeutig übersetzt werden kann, übersetzen manche Experten diesen Namen „Jahwe“ auch mit dem Futur II, dieser Mischung aus Zukunft und Vergangenheit. Und zwar statt „Ich bin“ mit „Ich werde da gewesen sein“.
    Wenn das der Name Gottes ist: „Ich werde da gewesen sein.“, dann heißt das für mich zweierlei: Einmal sagt mir Gott zu, dass er mich nicht allein lässt. Und dann genau wie beim Schmunzelpunkt: Ich kann es mir vielleicht nicht immer vorstellen. Aber im Nachhinein kann ich erkennen, dass Gott dabei war. In einer Krise oder im ganzen Leben.
    3 min

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