Der Ausdruck "gut für die Knochen" bezieht sich auf die Knochendichte. Die wird durch Tee neueren Untersuchungen zufolge sogar eher leicht gestärkt, während sich Kaffee wenig oder allenfalls leicht negativ auswirkt. Gleichzeitig ist das Thema ein schönes Beispiel dafür, wie medizinische Aussagen zustande kommen oder sich mit der Zeit verändern.
Osteoporose: Wenn die Knochendichte nachlässt
Relevant ist die Frage nach dem Kalzium, weil die Knochendichte vor allem bei Frauen in der Postmenopause oft nachlässt und zu Osteoporose führen kann. Und wie sich ein Nahrungsmittel auf die Knochendichte auswirkt, macht man oft am Kalzium fest. Um Kalzium zu uns zu nehmen, können wir regelmäßig kalziumreiches Wasser trinken, grünes Gemüse essen oder Milchprodukte.
Koffein hat Einfluss auf Kalziumaufnahme des Körpers
Tee und Kaffee enthalten nun Koffein. Dieses Koffein wirkt sich darauf aus, wie wir das enthaltene Kalzium verarbeiten. Koffein bewirkt, dass wir weniger Kalzium aus dem Darm aufnehmen und dann mehr Kalzium über die Niere wieder ausscheiden. Daher kommt das Image als "Kalziumräuber", das aber inzwischen weitgehend widerlegt ist.
Denn der Effekt ist relativ gering im Verhältnis zur sonstigen Ernährung. Durch den regelmäßigen Verzehr von grünem Gemüse oder Milchprodukten könne man den Kalzium-Verlust durch Koffein locker kompensieren, so die einschlägigen Empfehlungen. Das sind ja nur Überlegungen, die sich auf das Kalzium im Körper beziehen. Zwar liegt der Schluss nahe, dass eine hohe Kalziumaufnahme auch der Knochendichte zugutekommt, aber aussagekräftiger sind Untersuchungen, die die Knochendichte direkt messen.
Tee ist eher gut für die Knochen
Von solchen Untersuchungen gibt es inzwischen einige, und sie zeigen, dass Tee im Zweifel eher gut ist für die Knochen.
Es gibt zum Beispiel eine Studie australischer Mediziner von 2025. Die haben die Daten einer umfangreichen Osteoporose-Studie an fast 10.000 Frauen ausgewertet. Die Frauen waren in der zweiten Lebenshälfte, hatten also die Menopause schon hinter sich. In dieser Studie wurde mit Röntgenuntersuchungen mehrmals über einen Zeitraum von zehn Jahren die Knochendichte gemessen, und zwar in den Knochen, die bei Osteoporose besonders anfällig für Frakturen sind: der Oberschenkelhals und die Hüfte. Außerdem haben sie die Frauen nach ihren Tee- bzw. Kaffeetrinkgewohnheiten gefragt. Beides haben sie ins Verhältnis gesetzt. Darüber hinaus wurden weitere Parameter erfasst: Wie ernähren sich die Frauen sonst? Rauchen sie? Trinken sie Alkohol? Und so weiter. Diese Effekte wurden statistisch möglichst rausgerechnet.
Bei den Kaffeetrinkerinnen entsprach das Ergebnis den Erwartungen. Geringer Kaffeekonsum hat die Knochendichte kaum messbar verändert. Mehr als fünf Tassen Kaffee täglich erweisen sich als schlecht für die Knochendichte, vor allem dann, wenn die Frauen auch rauchen. Das entspricht dem, was man vom Kalziumhaushalt erwarten würde.
Teetrinkerinnen haben etwas höhere Knochendichte
Beim Tee war es aber anders. Eigentlich bremst auch das Koffein im Tee die Kalziumaufnahme im Körper. Trotzdem hatten die Teetrinkerinnen eine höhere Knochendichte als Frauen, die weder Tee noch Kaffee trinken. Die Gründe dafür sind nicht klar. Ein möglicher Grund sind andere im Tee enthaltene Inhaltsstoffe, nämlich die Katechine. Es gibt Hinweise, dass die das Knochenwachstum fördern bzw. dem Knochenabbau entgegenwirken. Allerdings funktioniert diese Erklärung nur bei grünem Tee – denn im schwarzen Tee sind durch die Fermentierung kaum noch Katechine enthalten.
Auf jeden Fall ist die höhere Knochendichte der Teetrinkerinnen bei den Hüftknochen signifikant messbar. Die Forscher schreiben aber auch: Der Effekt macht nicht so viel aus. Der Unterschied in der Knochendichte zwischen Tee- und Nicht-Tee-Trinkerinnen beträgt gerade mal 0,4 %.
Das war jetzt das Ergebnis einer Studie – andere Studien kommen aber zu ähnlichen Ergebnissen.
Kalziumreiche Lebensmittel gegen Osteoporose
Messen kann man also, dass Tee für eine leicht höhere Knochendichte sorgt und viel Kaffee eher für eine geringere. Für die Entwicklung von Osteoporose scheint das aber nicht der entscheidende Faktor zu sein. Wer vorbeugen will, sollte nicht primär beim Tee- oder Kaffeekonsum anfangen, sondern sich auf andere Dinge konzentrieren: grünes Gemüse, Milchprodukte oder kalziumreiches Mineralwasser.