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  • Seemann, Sklave, Schatzmeister im Orient: Hark Olufs Abenteuer

    Von der Insel Amrum nach Algerien, von Piraten versklavt und reich zurückgekehrt: Das Leben von Hark Olufs (gestorben am 13.10.1754) liest sich wie ein friesisches Märchen aus 1001 Nacht...



    Amrum ist karg. Darum müssen im 18. Jahrhunderte viele Bewohner die Insel verlassen, um über die Runden zu kommen. Die Hälfte der damals knapp 600 Amrumer lebt von der Seefahrt. Dazu gehört auch Hark Olufs, der 1708 geboren wird. Er ist zwölf Jahre alt, als er sich von seinen Eltern verabschiedet und sich zum Schiffsjungen ausbilden lässt.

    1724 fährt der 15-jährige Hark auf der "Hoffnung". Der Dreimaster nimmt in Nantes Ladung auf und segelt nach Hamburg. Doch gut 40 Kilometer vor der Südwestspitze Englands wird das Schiff von türkischen Piraten gekapert. Sie schleppen die "Hoffnung" bis nach Algier. Dort wird Hark als Sklave verkauft und landet bei einem Provinzfürsten.

    Es ist Kalyan Hassan, der Bey von Constantine. Er schätzt an Hark Olufs offenbar dessen Treue und Begabungen. Nach etwa dreieinhalb Jahren wird Hark zum Schatzmeister ernannt. Er reist mit seinem Herrn durch das Land und treibt Steuern ein.

    Als Hark 22 Jahre alt ist, ernennt ihn der Bey zum Befehlshaber der Leibgarde. Mit dem Geld, das er für seine Dienste erhält, kann sich Hark Olufs schließlich freikaufen. 1736 trifft er in Hamburg ein, wo sein Vater auf ihn wartet.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • Zu welchem Preis die Piraten Hark Olufs auf dem Sklavenmarkt verkaufen,
    • was eine "Sklavenkasse" ist,
    • warum der Vater von Hark Olufs einen falschen Jungen freikauft,
    • welche dunklen Punkte es in der Biografie von Hark Olufs gibt,
    • weshalb er den Bey nach gut zwölf Jahren unbedingt verlassen muss.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Jens und Georg Quedens (Ur-Ur-Enkel von Hark Olufs)
    • Martin Reinheimer (Autor)
    • Martin Reinheimer: Der fremde Sohn - Hark Olufs Wiederkehr aus der Sklaverei. Neumünster 2007
    • Martin Reinheimer (Hg.): Hark Olufs' Autobiographie. Deutsche Übersetzung. Flensburg 1751
    • Udo Weinbörner: Der General des Bey - Das abenteuerliche Leben des Amrumer Schiffsjungen Hark Olufs. Bad Honnef 2010

    Weiterführende Links:
    • ZDF: Hark Olufs macht im Reich der Korsaren Karriere
    • Planet Wissen: Piraten

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: David Rother

    16 min
  • Die Buchela: Bekannteste Wahrsagerin im Nachkriegsdeutschland

    Es gab viele Politiker und Prominente, die angeblich bei ihr Rat suchten: Die Wahrsagerin Margaretha Goussanthier, bekannt als die Seherin von Bonn (geboren am 12.10.1899).



    Madame Buchela, mit bürgerlichem Namen Margaretha Goussanthier, beginnt ihre Karriere als Wahrsagerin in der frühen Bundesrepublik. Es ist eine Zeit, in der die Gesellschaft mit vielen Unsicherheiten befasst ist.

    Auch Politiker nehmen angeblich ihre Dienste in Anspruch. Beweise gibt es dafür allerdings nicht. Das findet alles sehr diskret statt.

    In den 1960er- und 1970er-Jahren ist die Buchela die berühmteste Wahrsagerin der Bundesrepublik. Margaretha Goussanthier lebt seit 1961 in Remagen am Rhein.

    Das kleine Häuschen vererben ihr zwei dankbare ältere Schwestern, die bei ihr Kundinnen gewesen sind. Sie, die Sintezza, die "Zigeunerin", wie sie sich selbst nennt, ist nun endgültig sesshaft geworden.

    Ihren Durchbruch als Seherin von Bonn hat die Buchela, als 1953 der zweite deutsche Bundestag gewählt wird. Umfragen sehen die SPD-Opposition deutlich vorn.

    Bundeskanzler Konrad Adenauer bangt um seine Wiederwahl. Doch die Buchela sagt einen Wahlsieg der regierenden CDU voraus - der dann auch tatsächlich eintritt.

    Buchela verdient gut mit ihrer Wahrsagerei, oder besser gesagt ihrer "psychologischen Lebensberatung". Sie stirbt am 8. November 1986 im Alter von 87 Jahren. Ihre Beerdigung in Remagen ist ein großes Ereignis. So viele Gäste hat man dort zu einer Beerdigung noch nie gesehen.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:

    • welche Rolle eine Buche bei der Namensgebung für Madame Buchela spielt,
    • auf welch tragische Weise sie erste Erfahrungen mit der Hellsichtigkeit macht,
    • wie der französisch klingende Name des Ehemanns Madame Buchela möglicherweise das Leben rettet,
    • wie Madame Buchela in einer DDR-Dokumentation als "Bundeswahrsagerin" dargestellt wird,
    • dass Vorhersagen sportlicher Ergebnisse nicht so ihr Metier sind,
    • warum Madame Buchela die letzten Monate ihres Lebens unter Polizeischutz steht.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartnerinnen:
    • Monika Littau, Schriftstellerin und Autorin
    • Marie-Therese Feist, Historikerin und Kuratorin einer Ausstellung zur Wahrsagerei in Europa und Ostasien

    Und das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Madame Buchela: Ich aber sage euch. Das Vermächtnis einer großen Seherin. München 1983
    • Monika Littau: Die sehende Sintiza: Buchela - Pythia von Bonn. Zell-Mosel 2020.

    Weiterführende Links:
    • WDR-Dokumentation über die Buchela von Ulla Lachauer "Die Hellseherin vom Rhein"
    • Germanisches Nationalmuseum Digital Story: Zeichen der Zeit
    • Hildegard Ginzler: Die Seherin Madame Buchela (1899-1986). Ein Leben zwischen Buche und Birke.
    • Planet Wissen: Nordrhein-Westfalen - Bonn
    • Planet Wissen: Persönlichkeiten Konrad Adenauer

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Andrea Kath
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Der große Sturm 1634: Die Nordsee verschlingt die Insel Strand

    Ein verheerende Sturmflut zerreißt am 11.10.1634 die damals größte deutsche Nordsee-Insel Strand. Auf der soll sich Jahrhunderte zuvor auch Rungholt befunden haben, das mythische "Altlantis der Nordsee"...



    Der Name der einst größten deutschen Nordseeinsel weist auf die Herkunft als ehemaliger Teil der Küste hin: Strand. Sie ist vor der Küste Husums durch mehrere Sturmfluten abgeschnitten vom Festland und durch Deiche befestigt. Im Jahr 1198 wird die Insel erstmals urkundlich erwähnt.

    Der Inselboden muss ständig entwässert werden, doch das scheint sich zu lohnen: Die Menschen von Strand sind wohlhabend. Besonders reich sollen die Bewohner der Strander Siedlung Rungholt sein. Deren Übermut führt angeblich 1362 dazu, dass der Pfarrer des Ortes sie verflucht und damit eine schwere Sturmflut heraufbeschwört, die tausende Strander das Leben kostet.

    Nach der "Groten Mandränke" ("Der großen Menschenertränkung") von 1362 erlebt die Insel Strand weitere Sturmfluten. Doch die verheerendste trifft sie mitten im Dreißigjährigen Krieg. Und wieder soll ein Fluch daran Schuld sein.

    Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottdorf, zu dessen Herzogtum Strand gehört, will auf der Insel zwei Kompanien zum Schutz vor den kaiserlichen Truppen einquartieren. Doch die Strander widersetzen sich. Aus Wut soll der Herzog die aufmüpfigen Inselbewohner verflucht haben.

    Am Samstag, den 11. Oktober 1634, wird die Insel von einem mächtigen Sturm und einer Springflut getroffen. Die Menschen flüchten auf die Dächer ihrer Häuser, doch unter der Wucht des Sturms zerbrechen diese oder werden durch aufgewirbeltes Kaminfeuer entzündet.

    Wieder sterben tausende Menschen an der Küste Nordfrieslands, mehr als 6.000 allein auf der Insel Strand - zwei Drittel der Strander Bevölkerung. Hinzu kommen über 50.000 Nutztiere, die in den Fluten zugrunde gehen.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:

    • Wie ein betrunkenes Schwein 1362 angeblich zum Auslöser einer schweren Sturmflut wird,
    • warum der Ort Rungholt auch "Atlantis der Nordsee" genannt wird,
    • aus welchen Naturereignissen sich eine Sturmflut zusammensetzt,
    • was nach der schweren Sturmflut von 1634 noch von der Insel Strand übrig bleibt,
    • warum neben Sturmfluten inzwischen auch der Klimawandel eine Bedrohung für die Nordseeinseln ist.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Ralph Weisse, Leiter der Abteilung Küstenklima am Helmholtz Zentrum Hereon in Geesthacht
    • Ralf Clausen, dessen Familie seit Jahrhunderten auf der nordfriesischen Insel Pellworm lebt
    • Die erschreckliche Wasser-Fluth 1634. Die Flut vom 11. Oktober 1634 und ihre Folgen nach zeitgenössischen Berichten und Dokumenten mit einer Darstellung über den Einfluss der Sturmfluten auf die historische Entwicklung des nordfriesischen Küstenraumes. Hrsg. im Auftrage des Nordfriesischen Vereins für Heimatkunde und Heimatliebe von Andreas Reinhardt. Heimatkundliche Schriften des Nordfriesischen Vereins Heft 9. Husum 1984
    • Robert Brauer, André Wilckerling, Cornelia Mertens: Im Meer vergangen. Rungholt und die Insel Strand. 2009
    • Hellmut Bahnsen, Robert Brauer, Cornelia Kost: Im Meer versunken. Rungholt, die Insel Strand und das geheimnisvolle Abalus. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2014

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Die große Sturmflut in Hamburg
    • Planet Wissen: Küstenschutz auf Sylt
    • Planet Wissen: Der Untergang von Rungholt

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Daniela Wakonigg
    Redaktion: David Rother
    Technik: Moritz Raestrup

    14 min
  • Wettlauf gegen die Zeit: Die Schwalbenrettung von 1974

    Herbst 1974: Der plötzliche Wintereinbruch kommt für mehrere Millionen Schwalben unerwartet: Zu geschwächt für ihre Reise nach Süden schauen sie dem sicheren Tod entgegen.



    Es ist ungemütlich in Mitteleuropa im Herbst 1974: Ein von Meteorologen und Schwalben gleichermaßen unerwarteter, plötzlicher Einbruch des Winters. Normalerweise machen sich die Vögel zwischen Ende August und Anfang Oktober auf den Weg nach Süden. Zuvor fressen sie Fluginsekten und tanken so die nötige Energie für die lange Reise.

    Doch dieses Mal ist die Natur durcheinander. Landwirte melden bei Vogelschützern haufenweise Rauchschwalben und Mehlschwalben, die sich in den Ställen sammeln und nicht losfliegen. Die frühe Kälte hat die Insekten getötet - die Schwalben haben keine Chance, Energiepolster anzulegen. Die ersten Tiere sterben.

    Rolf Gogné aus Bruchköbel-Roßdorf bei Hanau gehört damals zu den ersten, die das Ausmaß der Schwalben-Katastrophe erkennen. Er trommelt alle Vogelschützer zusammen, die er kennt. Schließlich spricht sich die Schwalbenrettungsaktion deutschlandweit herum.

    Bald starten Flugzeuge von Frankfurt am Main, Echterdingen bei Stuttgart, aus dem Saarland, Baden-Württemberg und der Schweiz. Insgesamt werden wohl fast zwei Millionen Schwalben transportiert. Aber nicht alle Schwalben fliegen in den Süden, manche reisen - etwa von Freiburg aus - per Bahn über die Alpen.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • warum es normalerweise schwierig ist, Mehlschwalben einzufangen,
    • womit die Vogelschützer die abgemagerten Tiere für den Flug aufpäppeln,
    • wie viele Maschinen allein von Frankfurt am Main nach Genua fliegen,
    • wie die Schwalben von Italien aus mit eigener Kraft weiter nach Afrika ziehen,
    • welche kritischen Reaktionen es 1974 auf die Rettungsaktion gibt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Rolf J.A. Gogné (Vogelschützer und Mitinitiator der Schwalbenrettung 1974)
    • Rolf J.A. Gogné: Ich flog mit den Schwalben. In: Wir und die Vögel, Heft 1/1975. S. 18

    Weiterführender Link:
    • NABU: Als die Schwalben per Lufthansa reisten

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    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: Matti Hesse

    16 min
  • Geheimnisvolle Zeitreise: Die Weltkarte des Piri Re'is von 1513

    Am 9.10.1929 machten Forscher eine verblüffende Entdeckung: Eine Karte aus dem Jahr 1513, die bereits Teile der Welt zeigt, die zu der Zeit noch gar nicht entdeckt waren.



    Für Erich von Däniken gibt es nur eine Antwort: Die Weltkarte, die der osmanische Admiral Piri Reis 1513 erstellt hat und auf der scheinbar überraschend detailliert Südamerika und die Antarktis eingetragen sind, muss auf Luftaufnahmen basieren. Nur Außerirdische seien damals in der Lage gewesen, die Küstenlinie aus großer Höhe zu fotografieren.

    Doch es gibt auch rationale Erklärungen für viele der Rätsel um die Entstehung der Karte, die nicht komplett erhalten ist. Gezeichnet auf Pergament aus Kamelhaut, zeigt das Fragment auf einer Fläche von 85 mal 60 Zentimetern die Westküsten von Europa und Afrika, den Atlantik und die Ostküste Amerikas.

    Auf der Karte sind rund 20 unterschiedliche Karten aufgeführt, die zur Konstruktion dieser Weltkarte beigetragen haben sollen. Unter anderem auch eine angebliche Karte von Kolumbus und anderen weniger bekannten Seefahrern.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:

    • Wie Piri Reis mithilfe seines Onkels angeblich an eine Karte von Kolumbus kommt,
    • wie Paul Kahle, Spezialist für alte Handschriften, die verschollene Weltkarte von Piri Reis entdeckt,
    • wer als Erster behauptet, die Karte basiere möglicherweise auf Luftaufnahmen prähistorischer Flugzeuge,
    • wie genau die Karte tatsächlich ist,
    • welche Rätsel um die Karte heute noch immer existieren.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Tobias Trebesius (Geschichtsblogger)
    • Peter Mesenburg (emeritierter Professor für Kartografie und Geodäsie, Universität Duisburg/Essen)
    • Susanne Billig: Die Karte des Piri Reis - Das vergessene Wissen der Araber und die Entdeckung Amerikas. München, 2017
    • Erich von Däniken: Erinnerungen an die Zukunft - Ungelöste Rätsel der Vergangenheit. Düsseldorf, 1968

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 13.2.1970: Verurteilung des Autors Erich von Däniken
    • Peter Mesenburg: Kartometrische Untersuchung und Rekonstruktion der Weltkarte des Piri Re'is (1513)
    • Tobias Trebesius: Dampierblog - Reisende Helden

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Martin Herzog
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Der Populist von Rom: Aufstieg und Fall des Cola di Rienzo

    Ein Freiheitskämpfer. Ein früher Faschist, sagen andere. Am 8.10.1354 wird der Volkstribun Cola die Rienzo ermordet, nachdem er dem verfallenen Rom zu neuer Größe verholfen hatte...



    Einfach ist es nicht, die historische Rolle von Cola di Rienzo zu bewerten. Für Richard Wagner, der den italienischen Gastwirtssohn zur Titelfigur seiner Oper macht, ist di Rienzo ein Freiheitskämpfer mit guten Absichten, der den Intrigen seiner Gegner und seiner eigenen Volksverbundenheit zum Opfer fällt. Historiker sehen in ihm heute eher einen Populisten, der das Elend der Bevölkerung ausnutzt, um mit autokratischen Mitteln seine Macht auszubauen.

    Der Aufstieg des Volkstribunen beginnt mit der Analyse der Zustände, in die er hineingeboren wird. Als Cola di Rienzo im Jahr 1313 in Rom das Licht der Welt erblickt, hat seine Heimatstadt viel von ihrem Glanz als einstige Hauptstadt der Welt eingebüßt. Weite Teile des Stadtgebiets sind entvölkert, Monumente wie der Circus Maximus verfallen. Di Rienzo ergreift den Notar-Beruf - und setzt sich ein Ziel. Das lautet: "Make Rome great again!"

    Mit Hilfe der Kirche steigt er zum einflussreichen Politiker auf, stürzt 1347 die adlige Senatsherrschaft und versucht, als selbsternannter Tribun eine volksnahe, an alte römische Traditionen anknüpfende Herrschaft zu errichten. Doch sein Plan scheitert, als das Volk und die Wirtschaftsbosse von Rom ihm die Gefolgschaft versagen. Ende 1347, nach nur sieben Monaten, flieht di Rienzo aus der Stadt und führte ein Eremitendasein in den Bergen.

    Unerwartet bekommt er 1354 eine zweite Chance, in Rom für Ordnung zu sorgen - die er letztlich mit dem Leben bezahlt. Cola di Rienzo regiert selbstherrlicher denn je, bis er schließlich vollkommen isoliert ist. Am 8. Oktober 1354 wird er von einer aufgebrachten Volksmenge regelrecht massakriert.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Struck-Schloen:

    • warum Cola di Rienzo zum Vorbild Adolf Hitlers wird,
    • von den mafiösen Zuständen im Rom des frühen 14. Jahrhunderts,
    • wie di Rienzo die Rolle der Frau sieht,
    • von der Wiederentdeckung Cola di Rienzos in der Musik des 19. Jahrhunderts.

    Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
    • Andreas Rehberg, Mittelalter-Experte am Deutschen Historischen Institut in Rom

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Richard Wagner
    • Planet Wissen: Adolf Hitler
    • Zeitzeichen: 4. Juli 1348 - Papst Clemens VI. schützt die Juden während der grassierenden Pest
    • Zeitzeichen: 14.05.1316 - Geburtstag von Kaiser Karl IV.

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Michael Struck-Schloen
    Redaktion: David Rother
    Technik: Jürgen Beiner

    14 min
  • Gründung der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (7.10.1929)

    Ihren Ursprung hat die Scouting-Bewegung in England. In Deutschland wird aus zuerst losen katholischen Sankt-Georgs-Gemeinschaften 1929 ein Pfadfinder-Bundesverband.



    In der Weimarer Zeit wird die Bündische Jugend vielfach umworben. Ihre Gruppen spiegeln alle politischen Strömungen der Zeit wider - von extrem rechts bis ganz links. Auch die Kirchen wollen Einfluss gewinnen und gründen Ableger. Erste katholische Pfadfindergruppen entstehen 1928 parallel an verschiedenen Orten.

    Am 7. Oktober 1929 schließen sich diese losen Gruppen in Altenberg im Bergischen Land zur Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) zusammen. Der heldenhafte Drachentöter Sankt Georg wird ihr Symbol. Doch die Eigenständigkeit währt nicht lange. Ab 1933 beginnt die Gleichschaltung der Bündischen unter die Hitler Jugend. Ab 1938 ist der katholische Jugendbund verboten.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg machen sich die Pfadfinder wieder auf den Weg. 1947 zählen die Georgsritter 10.000 Mitglieder, heute sind es 80.000 - und die Wartelisten lang. Die DPSG gehört zu den Gründern des Dachverbandes "Ring der Pfadfinderverbände".

    In diesem Zeitzeichen erzählt Doris Arp:

    • wie der Brite Robert Baden-Powell 1908 die erste Pfadfinderbewegung gründet,
    • wer die Idee nach Deutschland bringt,
    • warum die deutschen Pfadfinderinnen zunächst eng mit der Frauenbewegung verbunden sind,
    • was die Wandervogelbewegung mit den Pfadfindern zu tun hat,
    • weshalb Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt auch bei katholischen Pfadfindern ein Thema sind.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerinnen:
    • Annkathrin Meyer (Bundesvorsitzende der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg)
    • Professorin Sabine Maschke (Erziehungswissenschaftlerin Uni Marburg)
    • Jürgen Oelkers: Eros und Herrschaft - Die dunklen Seiten der Reformpädagogik. Weinheim 2011
    • Thomas Koebner (Hrsg.): "Mit uns zieht die neue Zeit" – Der Mythos Jugend. Frankfurt am Main 1985

    Weiterführende Links:
    • Stichtag 08.01.1941: Robert Baden-Powell stirbt in Nyeri
    • Planet Wissen: Pfadfinder
    • Eigendarstellung: Geschichte der Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg
    • Archiv der deutschen Jugendbewegung

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    Autorin: Doris Arp
    Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
    Technik: Petra Laubach

    15 min
  • Ritalin: Hilfreiche Droge oder Doping fürs Gehirn?

    Fast 58 Millionen Tagesdosen Ritalin werden jedes Jahr in Deutschland verschrieben. Ausgangsdiagnose: ADHS. Seit seiner Zulassung am 6.10.1954 stellt sich die Frage: Ist das Medikament Fluch oder Segen?



    In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstehen immer mehr Wirkstoffe, die auf die Nervenzellen des Gehirns Einfluss nehmen. Dem jungen Chemiker Leandro Panizzon gelingt 1944 in einem Labor der Schweizer Firma CIBA einen neuen Wirkstoff zu synthetisieren: Methylphenidat.

    Auch Panizzons Gattin versucht das Mittelchen. Sie hat den Namen Marguerite, Spitzname Rita, und nimmt es zur Verbesserung ihres Tennisspiels, weil sie sich damit besser auf ihre Aufschläge konzentrieren kann. Ihr zu Ehren nennt man das Präparat Ritalin. 1954 lässt CIBA es sich patentieren.

    Ritalin kommt bei gesteigerter Ermüdbarkeit, mangelnder Konzentrationsfähigkeit, depressiver Verstimmungen, bei Antriebsarmut und bei Narkolepsie zum Einsatz. Schon in den 1930er Jahren stellt man fest, dass Amphetamin unruhige Kinder von jetzt auf gleich aufmerksamer macht, ohne sie zu sedieren. Methylphenidat ist zwar selbst kein Amphetamin, wirkt aber ähnlich.

    Ritalin und andere Psychostimulanzien stellen sich in klinischen Tests als wirkungsvoll und auch langfristig sicher in der Anwendung heraus. Die Diagnose stellen erfahrene Fachärzte und approbierte Therapeuten. Denn eine Manipulation des Hirnstoffwechsels stellt trotz allem einen massiven Eingriff dar.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:

    • wieso Ritalin in den 1950er-Jahren bevorzugt gegen Depressionen eingesetzt wird,
    • welches Medikament in den 1960er-Jahren strengere Arzneimittel-Regulierungen zur Folge hat,
    • auf welche Botenstoffe Methylphenidat im Gehirn wirkt,
    • wie sich die Zahl der verschriebenen Tagesdosen Ritalin deutschlandweit entwickelt,
    • warum die Diagnose ADHS bis heute häufig mit einer Stigmatisierung einhergeht.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Axel Helmstädter, Pharmahistoriker und Apotheker.
    • Dr. Philipp Bode, Philosoph Schwerpunkt Ethik, Literatur- und Medienwissenschaftler.
    • PD Alexander Häge, Kinder- und Jugendpsychiater, Leitender Oberarzt Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim.

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Gehirn-Tuning - Kann das unsere Leistung verbessern?
    • Zeitzeichen: 18. Januar 1887 - Erste Herstellung von Amphetamin

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    Autorin: Jana Magdanz
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Christina Gabriel

    15 min
  • Filmklassiker "Apocalypse Now": Die Inszenierung des Wahnsinns

    Am 5.10.1979 feiert "Apocalypse Now" Deutschlandpremiere. Der Film zeigt eindrucksvoll den Wahnsinn des Vietnamkriegs und bleibt bis heute ein filmisches Meisterwerk.



    Vor und während der Dreharbeiten zu "Apocalypse Now" ahnt wohl niemand, dass hier ein filmisches Meisterwerk entsteht. Viele berühmte Schauspieler wie Jack Nicholson, Clint Eastwood oder auch Robert Redford sagen im Vorfeld ab. Hauptdarsteller Martin Sheen ist zu dieser Zeit ein kleiner TV-Star und dem Alkohol verfallen.

    Sheen bekommt die Rolle des Captain Willard, der in Vietnam auf besondere Mission geht. Er wird beauftragt, Colonel Kurtz ausfindig und unschädlich zu machen. Kurtz gilt als abtrünnig und wahnsinnig. In seinem eigenen diktatorischen Reich im Dschungel vernichtet er alles, was ihm nicht in den Kram passt.

    Die Drehbedingungen sind schrecklich. Hitze und Mücken machen die Arbeit zur Tortur. Ein Taifun zerstört ein Großteil des Equipments. Das Warten auf Ersatz und die Langeweile sorgen für schlechte Laune am Set, und es kommt noch schlimmer. Martin Sheen erleidet einen Herzinfarkt und ist sieben Wochen außer Gefecht gesetzt. Die Kosten für den Film explodieren. Coppola geht davon aus, durch seine Kassenschlager Der Pate I und II genug Geld für dieses Projekt zu haben. Irrtum. Die Szenen sind aufwendig.

    Die Strapazen werden belohnt, der Film wird mehrfach ausgezeichnet: Goldene Palme, Oscars, Golden Globe. Der Film wird als einer der besten überhaupt gefeiert. Mit der Premiere von "Apocalypse Now" zeigt sich auch, dass der Song "The End" der Doors über Abschied in der Liebe für einen martialischen Anti-Kriegsfilm taugt und dass Francis Ford Coppola ein begnadeter Filmemacher ist, der deshalb wieder zu Geld für neue Projekte kommt.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:

    • wie "Apocalypse Now" und die Erzählung "Heart of Darkness" (Herz der Finsternis) des Autors Joseph Conrad zusammenhängen,
    • dass der Vietnamkrieg auch als Folge der Kolonialzeit verstanden werden muss,
    • welcher Satz aus "Apocalypse Now" als eines der berühmtesten Zitate in die Filmgeschichte eingeht,
    • welchen persönlichen Beitrag Francis Ford Coppola zur Finanzierung des Projekts leistet,
    • mit welchen filmischen Kunstgriffen Marlon Brandos Übergewicht kaschiert wird.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Dr. Norbert Finzsch, Historiker für amerikanische Geschichte, Berlin.
    • Prof. Dr. Joachim Friedmann, Professur Serial Storytelling, Internationale Filmschule Köln.
    • Joseph Conrad: Herz der Finsternis. Blackwood's Magazine, 1899.

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 27. Januar 1973 - USA ziehen sich aus dem Vietnamkrieg zurück
    • Planet Wissen: Kolonialismus – Europas Kolonien
    • 01. Juli 2009 - Vor fünf Jahren: Marlon Brando stirbt in Los Angeles

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Irene Geuer
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Annett Bastian

    15 min
  • Erbsenzählen auf dem Weg in die weite Welt

    Als der Verleger Karl Baedeker am 4.10.1859 stirbt, ist sein Name schon ein Synonym für den Reiseführer schlechthin geworden. Steht es nicht im "Baedeker", dann lohnt es nicht die Anreise.



    Karl Baedeker wird am 3. November 1801 in Essen geboren. Der Sohn eines Buchhändlers absolviert eine Ausbildung im väterlichen Geschäft, studiert Geschichte und Philosophie in Heidelberg und macht in Berlin eine Buchhändlerlehre.

    Mit 25 Jahren gründet er am 1. Juli 1827 eine eigene Buchhandlung in Koblenz. Bald bemerkt Baedeker, dass sich dort das Buch "Die Rheinreise von Mainz bis Köln. Ein Handbuch für Schnellreisende. Von Johann August Klein" extrem gut verkauft.

    Baedeker erkennt das Potenzial, kauft nach dem Tod von August Klein die Rechte an dessen Handbuch und bringt 1835 eine Neuauflage heraus. Vier Jahre später hat er den Reiseführer nach seinen eigenen Ideen komplett überarbeitet und legt damit den ersten richtigen Baedeker vor: Rheinreise.

    Baedekers Maxime: Überprüfe alles, wenn nötig doppelt! Dafür wird er bald berühmt. In der englischen Übersetzung von Jaques Offenbachs Oper "Pariser Leben" heißt es, Könige und Parlamente könnten sich irren - nicht aber Herr Baedeker.

    Als Karl Baedeker am 4. Oktober 1859 in Koblenz stirbt, haben seine zahlreichen Reiseführer schon einige Neuauflagen erlebt. Sein Sohn Fritz führt das erfolgreiche Unternehmen weiter, verlegt es nach Leipzig und bringt schließlich die Bände heraus, die den Baedeker endgültig weltweit berühmt machen.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:

    • warum Karl Baedeker ein Erbsenzähler im besten Sinn ist,
    • wie es sich viele Deutsche zum Reiseziel gemacht haben, Fehler in den Reiseführern zu finden,
    • was Karl Baedeker über Trinkgelder in Gasthöfen denkt,
    • wie Baedekers Reiseführer auch militärisch genutzt werden,
    • was Lawrence von Arabien, Karl May, Sigmund Freud, Jule Verne und Mark Twain gemeinsam haben.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerinnen:
    • Dr. Susanne Müller, Medienwissenschaftlerin an der Universität Potsdam
    • Andrea Baumeister, Reisekauffrau aus Viersen
    • Susanne Müller: Die Welt des Baedeker. Eine Medienkulturgeschichte des Reiseführers 1830-1945.
    • Mark Twain: Bummel durch Europa. Zürich 1990.
    • Zimmer mit Aussicht Verfilmung des gleichnamigen Romans von E.M. Forster, 1908.

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Tourismus - Geschichte des Reisens
    • Planet Wissen: Tourismus - Reisefieber mit Risiken und Nebenwirkungen
    • Stichtag: 19. Mai 2010 - Vor 75 Jahren: Thomas Edward Lawrence stirbt
    • Zeitzeichen: 30. März 1912 - Der Schriftsteller Karl May stirbt in Radebeul
    • Stichtag: 23. September 1939 - Sigmund Freud stirbt in London

    Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
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    Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Maren Gottschalk
    Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
    Technik: Nicolas Dohle

    14 min

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Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George…

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