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WDR Zeitzeichen episodes

  • Vom Kabarett ins KZ und ins Kloster: Isa Vermehren

    Isa Vermehren ist die erste Frau, die das Wort zum Sonntag spricht. Die Nonne und Schauspielerin erreicht damit viele Menschen. Sie stirbt am 15.7.2009 in Bonn.



    Isa Vermehren kommt 1918 in Lübeck zur Welt. Sie ist das Kind einer wohlhabenden Senatorenfamilie - protestantisch, liberal, weltoffen. Ihr Vater ist Jurist, die Mutter Journalistin. Gemeinsam mit ihren zwei Brüdern verbringt sie eine unbeschwerte Kindheit. 1933 erlebt sie dann jedoch den ersten gravierenden Einschnitt in ihrem Leben: Sie fliegt von der Schule, weil sie sich weigert, die Hakenkreuzfahne zu grüßen.
    Ohne Abschluss reist die 15-jährige nach Berlin. Im Gepäck hat sie ihr Akkordeon, das sie - nach einer ihrer früheren Kinderschwestern - "Agathe" nennt. Vermehren und "Agathe" machen Karriere im Kabarett. Nebenbei nimmt sie Schallplatten auf und spielt in UFA-Filmen neben Stars wie Rudolf Platte oder Brigitte Horney.
    Doch dann wird Vermehren in den Krieg geschickt: Sie und "Agathe" sollen die Truppe hinter der Front bei Laune halten. 1944 wird die Sängerin plötzlich verhaftet. Ihr Bruder, der kürzlich in den diplomatischen Dienst eingetreten war, ist zu den Briten übergelaufen. Die ganze Familie wird in "Sippenhaft" genommen. Isa Vermehren kommt ins KZ - sie überlebt.
    Nach dem Krieg ändert sie ihr Leben radikal und wird Nonne. Als Schwester Isa kennen sie viele Fernsehzuschauer: Bis Mitte der 1990er Jahre präsentiert Vermehren regelmäßig in der ARD "Das Wort zum Sonntag". Isa Vermehren stirbt am 15. Juli 2009 im Alter von 91 Jahren. Und "Agathe"? Die steht bis heute im Haus der Geschichte in Bonn.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Belemann:

    • Warum sich Vermehren als Schülerin geweigert hat, die Hakenkreuzfahne zu grüßen,
    • wie das Lied "Eine Seefahrt, die ist lustig" zur Anti-Nazi-Hymne wird,
    • welche Voraussetzungen Vermehren erfüllen musste, um in den Orden aufgenommen zu werden,
    • ob Vermehren es jemals bereut hat, ins Kloster gegangen zu sein.

    Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin:
    • Dr. Helga Böse, Wegbegleiterin von Isa Vermehren und Herausgeberin ihrer Tagebücher

    Weiterführende Links:
    • 8. Mai 1954 - "Das Wort zum Sonntag" wird erstmals ausgestrahlt

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Claudia Belemann
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Techniker: Nico Soellner

    15 min
  • Louis Barthas: Jeden Tag an den Wahnsinn des Kriegs erinnern

    Minutiös schreibt Louis Barthas das Grauen auf, das er als Korporal im Ersten Weltkrieg gesehen hat. Doch der einfache Handwerker glaubt nicht, mit intellektuellen Autoren mithalten zu können. Erst sein Enkel gibt die Erinnerungen als Buch heraus.



    Es ist Winter 1914/15, als Louis Barthas, ursprünglich ein einfacher Küfer aus dem sonnigen Südwesten Frankreichs, in den Schützengräben liegt und beginnt, seine Erlebnisse festzuhalten.

    Barthas ist kein typischer Soldat. Mit 35 Jahren, verheiratet und Vater von zwei Söhnen, wird er im August 1914 eingezogen. Als überzeugter Pazifist und Sozialist steht er dem Krieg kritisch gegenüber.

    In den Tagebüchern schreibt er über die brutalen Kämpfe, das harte Leben in den Schützengräben und die unmenschlichen Befehle der Vorgesetzten. Er reflektiert über die Sinnlosigkeit des Krieges, die Verzweiflung und Angst. Aber er berichtet auch von zwischenmenschlichen Begegnungen mit deutschen Soldaten, von Momenten der Menschlichkeit und seinen Visionen von Frieden und Brüderlichkeit.

    Barthas Erlebnisse, die er auf über 1.700 Seiten festhält, bleiben zunächst unbeachtet. Erst 1977, lange nach seinem Tod, werden sie veröffentlicht. Der unverfälschte Einblick in das Leben eines einfachen Soldaten im Ersten Weltkrieg wird zum Bestseller und Mahnmal - und hat auch heute nichts von seiner Aktualität verloren.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Sabine Mann:

    • Warum Infanterie-Korporal Louis Barthas das Vorgehen seiner Befehlshaber für barbarisch hält,
    • warum es sich bei Barthas trotz nur grundlegender Schulausbildung um einen belesenen Mann handelt,
    • woran er glaubt,
    • wie er den „Weihnachtsfrieden“ erlebt,
    • und was uns die Berichte über den tatsächlichen Alltag und Ablauf des Krieges erzählen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Louis Barthas, Les carnets de guerre de Louis Barthas, tonnelier, 1914-1918, Paris 1997.
    • Jean Renoir in „Mein Leben und meine Filme“, München 1975.

    Und das sind unsere Interviewpartner:
    • Gerd Krumeich, Historiker
    • Stéphane Audoin-Rouzeau, Historiker und Co-Direktor des Historial de la Grande Guerre

    Weiterführende Links:
    • 14 Tagebücher des ersten Weltkriegs
    • Planet Wissen: Erster Weltkrieg
    • Planet Wissen: Der Kriegsverlauf 1914 bis 1916

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Sabine Mann
    Redaktion: Christoph Tiegel/Frank Zirpins
    Technik: Annett Bastian

    15 min
  • Frida Kahlo stirbt am 13.7.1954

    Kunst und Courage: Mit riesigem Selbstbehauptungswillen wird die Mexikanerin Frida Kahlo zu einer der einflussreichsten Malerinnen aller Zeiten.



    Frida Kahlo gehört zu den bekanntesten Künstlerinnen aller Zeiten. Ihre Selbstporträts mit Blumenkranz und Monobraue erzielen Millionenpreise. Dabei dient die Kunst für Kahlo in erster Linie dazu, ein Leben voller Höhen und Tiefen zu verarbeiten. Ihre Werke lesen sich wie ein Tagebuch.

    Die 1907 geborene Frida ist ein wissbegieriges Mädchen mit unbändigem Bewegungsdrang. Doch sehr früh schon muss sie erfahren, dass der menschliche Körper auch ein Gefängnis sein kann. Mit 18 Jahren schließlich verändert ein schwerer Busunfall ihr Leben für immer: Sie erleidet einen dreifachen Bruch der Wirbelsäule, ihr rechtes Bein war elfmal gebrochen und der Fuß verdreht. Dass sie den Unfall überlebt, grenzt an ein Wunder. Allein und gefesselt an ihr Krankenbett beginnt Kahlo sich selbst zu porträtieren.

    Zurück im Leben lernt sie den Maler Diego Rivera kennen und lieben. Nach der Hochzeit verwandelt sich Kahlo: Sie wird - wie ihr Mann - glühende Kommunistin, trägt folkloristische Kleider, Ketten und Ohrschmuck. Ihr dunkles Haar schmückt Frida mit Blumen und Bändern, wird so selbst zu einem Kunstwerk. Uneingeschränkt glücklich wird sie aber nicht. Ihre Ehe ist turbulent, ihr Mann hat zahlreiche Affären, zudem erleidet Kahlo drei Fehlgeburten, die sie oft in ihrer Kunst thematisiert und verarbeitet.

    1938 hat Frida Kahlo in New York und Paris ihre ersten Einzelausstellungen und wird zur gefeierten Künstlerin. Privat ist sie auf einem Tiefpunkt, flüchtet in Alkohol. Auch ihr Körper wird immer schwächer. Als die Ärzte versuchen, vier Rückenwirbel mit einem Metallstück zu verbinden, werden die Schmerzen so unerträglich, dass Kahlo morphiumsüchtig wird. Das Bild "Die zerbrochene Säule" von 1944 drückt ihre Qualen aus.

    Am 13. Juli 1954, stirbt die berühmteste Malerin Lateinamerikas. Ihrem Tagebuch vertraut sie an: "Ich hoffe nie wiederzukehren."

    In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:

    • Welchen Einfluss Fridas geliebter Vater auf ihre künstlerische Laufbahn hat,
    • wie unterschiedlich Frida und Diego sind - äußerlich und in ihrer Lebenseinstellung,
    • von Diegos Affäre mit Fridas Lieblingsschwester Cristina und den Folgen,
    • was Kahlo auf sich nimmt, um bei ihrer ersten Einzelausstellung in Mexiko dabei zu sein.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Mariella Remund (Kunstmuseum Gehrke Remund in Baden-Baden)
    • Christina Burrus: "Frida Kahlo - Ich male meine Wirklichkeit", München 2021
    • Helga Prignitz-Poda: "Frida Kahlo - Die Malerin und ihr Werk", München 2003
    • Film: "Frida" (2002); Hauptrolle: Salma Hayek

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Frida Kahlo
    • Zeitzeichen: Diego Rivera, mexikanischer Maler
    • 6. Januar 1942 - Die Fotografin Tina Modotti stirbt in Mexiko-City

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    Autorin: Andrea Klasen
    Redaktion: David Rother

    15 min
  • Schutz vor königlicher Willkürjustiz: Die Habeas-Corpus-Akte

    Am 12.7.1679 genehmigt König Charles II. das Gesetz. Auch wenn es vor allem Adlige vor der Geiselhaft des Königs bewahren soll - es gilt für jeden Bürger Englands.



    "Habeas Corpus" ist lateinisch und heißt: "Du mögest den Körper haben". Diese eher kryptische Formulierung ist der Name eines 1679 erlassenen Gesetzes, das noch heute als Meilenstein in der Geschichte der Menschen- und Freiheitsrechte gilt.

    Hintergrund: Im England des 17. Jahrhunderts ist es üblich, dass so mancher nicht genehme Untertan willkürlich verhaftet und abgeurteilt wird - und zwar im Namen des Königs. Denn dessen Herrschaft gilt als gottgewollt.

    Diesem unmoralischen Treiben will das Parlament, in dem Adlige und reiche Bürger das Sagen haben, einen Riegel vorschieben. Es zwingt König Charles II. ein Gesetz zu unterzeichnen, und so tritt am 12. Juli 1679 die Habeas-Corpus-Akte in Kraft.

    Kein Untertan der englischen Krone darf diesem Gesetz zufolge ohne gerichtliches Verfahren in Haft gehalten werden. Es fordert, einen Beschuldigten innerhalb von drei Tagen einem Richter vorzuführen. Auch darf er nicht mehr einfach ins Ausland verlegt, oder zweimal wegen desselben Delikts verhaftet werden. Damit kann der König nicht länger Verhaftungen per Sonderbefehl durchsetzen.

    Die Habeas-Corpus-Akte zieht Kreise weit über England hinaus. Sie findet als grundlegendes Gesetz zum Schutz der persönlichen Freiheit Eingang in die amerikanische Verfassung. Anschließend kommt sie über Frankreich im 19. Jahrhundert auch nach Deutschland.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:

    • Von den Geldsorgen Charles I., und wie der König versucht diese mit Verhaftungen zu lösen,
    • von der Wiederentdeckung der sogenannten "Magna Charta", dem Großen Freiheitsbrief von England,
    • wie die vielen Streitigkeiten zwischen König und Parlament zum Bürgerkrieg in England führen.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Prof. Ronald Asch, emeritierter Historiker, Experte für die Geschichte Großbritanniens im 16. und 17. Jahrhundert und das Haus Stuart, Universitäten Osnabrück und Freiburg
    • Peter Oestmann, Professor für Rechtsgeschichte an der Universität Münster

    Weiterführende Links:
    • 15.06.1215 - Die Magna Carta wird unterzeichnet
    • 9. Juli 1228 - Todestag des englischen Theologen Stephen Langton

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christoph Tiemann
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Ein freier Schotte: Geburtstag von Robert the Bruce

    Schotten lieben die Freiheit - vor allem aber die Unabhängigkeit von England. Einer der frühesten Vertreter dieses Freiheitskampfes ist Robert Bruce, der noch heute besungen wird.



    Die Schlacht von Bannockburn im Jahr 1314 ist der entscheidende Wendpunkt im Unabhängigkeitskampf Schottlands. Der Anführer dieser Schlacht ist der Adlige Robert the Bruce.

    Geboren am 11. Juli 1274 steht der junge Schotte zunächst - so wie sein Vater - auf der Seite und im Dienst des englischen Königs. Doch es bahnt sich ein Konflikt zwischen England und Schottland an. Dieser eskaliert, als der englische König Edward I. versucht, seinen Herrschaftsbereich auf Schottland auszudehnen.

    Der charismatische Krieger William Wallace, genannt "Braveheart", schart Bürger, Bauern und Gutsbesitzer um sich und kämpft für die Freiheit Schottlands. Doch er verliert - den Aufstand und sein Leben. Nach Wallaces Tod übernimmt Robert the Bruce den schottischen Unabhängigkeitskampf, der anfangs auch ein innerschottischer Bürgerkrieg ist. Nach und nach bringt er den Adel auf seine Seite und wird 1306 als Robert I. the Bruce zum König von Schottland gekrönt.

    Mit Glück und strategischem Geschick gelingt es Robert I. ein von englischen Truppen besetztes Castle nach dem anderen zu erobern. Die Zahl seiner Anhänger wächst stetig. 1314 führt Robert seine Truppen dann in die Entscheidungsschlacht von Bannockburn. Obwohl das englische Heer dreimal so groß ist, gehen Roberts Schotten als Sieger hervor. Sechs Jahre später verfassen und unterzeichnen 51 schottische Earls und andere Adlige die schottische Unabhängigkeitserklärung.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • Warum es schottische Fußballfans seit vielen Jahren vorziehen, die inoffizielle Hymne anzustimmen, und was diese bedeutet,
    • von Roberts Jugend - ausgerechnet am Hof des englischen Königs,
    • mit welchen Mitteln Edward I. versucht, sich Schottland einzuverleiben,
    • auf welche bestialische Weise William Wallace ermordet wird,
    • vom Tod Robert I. und seinem Vermächtnis.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Michael Maurer: Geschichte Schottlands, Reclam 2018
    • Ronald McNair Scott: Robert the Bruce - King of Scots, Canongate Books 2014
    • John Barbour: The Bruce, 1375
    • Outlaw King, Netflix 2018, Regie David Mackenzie
    • Braveheart, USA 1995, Regie Mel Gibson

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Schottland - Braveheart und Robert the Bruce
    • 3. Mai 1328 - Englands König erklärt Unabhängigkeit Schottlands "auf ewig"

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    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Erich Mühsam - unbeugsamer Dichter und Anarchist

    Der anarchistische Schriftsteller Erich Mühsam stand zeitlebens ein für das Ideal einer freien Gesellschaft. Am 10.7.1934 wurde er im KZ Oranienburg von der SS ermordet.



    Erich Mühsam fällt auf. Zum einen äußerlich, mit seinem Zottelbart, dem gebückten Gang, seinem Gehstock und dem Schlabberhut. Zum anderen aber auch künstlerisch: Mühsam schreibt, dichtet, trägt vor, diskutiert und engagiert sich politisch. Er schaut mit einem Blick in die Welt, der sich oft als Weitblick herausstellt, manchmal aber auch als verschwommener Traum.

    Mühsam wird in Berlin geboren, wächst in Lübeck auf und wird zunächst wie sein Vater Apotheker. Mit 22 Jahren fasst er schließlich den Entschluss sein Leben ganz der literarischen Kunst zu widmen. Er tritt in Kneipen, Kabaretts und Cafés auf. Er schreibt und gibt eigene Zeitschriften heraus. Ab 1911 etwa den Kain, eine Zeitschrift für Menschlichkeit, benannt nach dem Brudermörder aus der Bibel.

    Angst kennt Mühsam nicht. 1919 steht er bei der Ausrufung der Münchner Räterepublik in der ersten Reihe, spottet noch nach der NS-Machtübernahme über Adolf Hitler. Ende Februar 1933 wird Mühsam verhaftet. Für den Anarchisten, Diktatur-Gegner und Juden folgen fast 17 Monate Tortur in Gefängnissen und Konzentrationslagern.

    Am 10. Juli 1934 wird Mühsam von einem SS-Sturmbannführer aufgefordert, sich selbst zu erhängen. So berichten es andere Häftlinge. Erich Mühsam weigert sich, er will nicht seinen eigenen Henker spielen. In dieser Nacht wird er im KZ Oranienburg ermordet - im Alter von 56 Jahren.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:

    • Von Mühsams Rolle bei der Ausrufung der Münchner Räterepublik, und wieso sie für ihn nur sechs Tage dauert,
    • warum der Schriftsteller seine Freilassung aus der Festungshaft absurderweise Adolf Hitler zu verdanken hat,
    • wie Mühsam bereits 1919 die NS-Zeit vorausgesagt hat,
    • wie es Mühsams Frau Zenzl nach seinem Tod ergeht.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerinnen:
    • Markus Liske, Autor, Journalist und Mitherausgeber des Mühsam-Lesebuchs "Das seid ihr Hunde wert"
    • Homepage der Erich-Mühsam-Gesellschaft e.V.
    • Projekt Gutenberg-DE: Erich Mühsam

    Weiterführende Links:
    • 11. September 1854 - Peter Hille wird geboren
    • 30. September 1933 - Einzige Radioreportage aus KZ wird aufgezeichnet

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Thomas Klug
    Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse

    15 min
  • Ann Radcliffe: Die Königin des Schauerromans

    Ann Radcliffe (geboren am 9.7.1764) hat Generationen das Gruseln gelehrt - bis heute. Trotz ihres großen Erfolgs zog sie sich früh aus der Öffentlichkeit zurück.



    Es ist die Langeweile, die die am 9. Juli 1764 geborene Ann Radcliffe dazu bewegt, zu schreiben. Mit 23 Jahren hatte sie den Juristen William Radcliffe geheiratet. Arbeiten darf sie als Frau nicht, selbst Handarbeiten werden - wie der Rest der Hausarbeit - von den Bediensteten erledigt.

    Weil Kinder ausbleiben, greift Ann Radcliffe zur Feder und schreibt Schauerromane, Gothic Novels. Das Genre ist Ende des 18. Jahrhunderts beim Publikum besonders beliebt. Die Leser suchen Ablenkung von der Wirklichkeit, die geprägt ist durch die gesellschaftlichen Umwälzungen der Industrialisierung.

    In den 1790er-Jahren wird Radcliffe zur ersten Bestseller-Autorin der Literaturgeschichte. Für "The Mysteries of Udolpho" und "The Italian" bekommt sie 500 und 800 Pfund Sterling. Im damaligen Literaturbetrieb, der zudem klar von Männern dominiert wird, sind das für Autorinnen zuvor unerreichte Honorare.

    1797, mit 33 Jahren und auf der Höhe ihres Erfolgs, hört Radcliffe plötzlich auf zu schreiben und zieht sich völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Die Gerüchteküche brodelt - auch weil ihr Leben ebenso geheimnisumwittert ist, wie das der Heldinnen in ihren Schauerromanen. Man erzählt sich, sie sei wahnsinnig geworden.

    Die letzten Jahrzehnte ihres Lebens verbringt Radcliffe zurückgezogen mit ihrem Mann und den geliebten Hunden in London. 1823 stirbt sie im Alter von 58 Jahren an einer Lungenentzündung. Was sie zurücklässt, sind ihre Romane - die viele weitere Generationen von Grusel-Schriftstellern beeinflussen.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:

    • Was die typischen Kennzeichen eines Gotischen Romans sind,
    • wie die Kindheit von Ann Radcliffe verläuft,
    • was ihre Art Schauerromane zu schreiben so besonders macht,
    • von Radcliffes einziger Auslandsreise über Holland nach Köln.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Jürgen Klein, Prof. emeritus für Anglistik; Experte für englische Schauerliteratur des. 18. und 19. Jahrhunderts
    • Dale Townshend und Angela Wright: Ann Radcliffe, Romanticism and the Gothic, Cambridge University Press 2014
    • Rictor Norton: Mistress of Udolpho - The Life of Ann Radcliffe, Leicester University Press 1999
    • Robert Miles: Ann Radcliffe - The Great Enchantress, Manchester University Press 1995
    • Jürgen Klein: Der Gotische Roman und die Ästhetik des Bösen, Darmstadt 1975

    Weiterführende Links:
    • Horace Walpole - Erfinder des Schauerromans wird geboren
    • 30. August 1797 - Die Schriftstellerin Mary Shelley wird geboren
    • 7. Oktober 1849 - Edgar Allan Poe stirbt in Baltimore

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    Autor: Daniela Wakonigg
    Redaktion: Matti Hesse (2014: Hildegard Schulte)

    15 min
  • Chlodwig Poth, Karikaturist und Gründer von Pardon und Titanic

    Als Vertreter der "Neuen Frankfurter Schule" prägt der Karikaturist Chlodwig Poth den kritischen Humor in Deutschland. Am 8.7.2004 stirbt er nach fast 60 Schaffensjahren.



    Als Chlodwig Poth im Berliner Luftschutzbunker 1945 eine HJ-Truppe karikiert, wäre mit 14 Jahren seine Karriere fast vorbei gewesen, bevor sie überhaupt begonnen hat. Doch er kommt mit einem Rüffel vom NS-Blockwart davon. Gleich nach dem Krieg greift Poth wieder zum Stift und bietet seine bissigen Zeichnungen im Osten und Westen an - wobei der Osten gerne den Westen bloßgestellt wissen will und der Westen den Osten. Kein Problem für Poth, als guter Beobachter kann er ohne Mühen die Schwachstellen beider Seiten mit Stift und Papier offenlegen.

    Auch das Kunststudium absolviert er in Ost und West. Dann zieht es Poth von der Spree an den Main, wo sich Satiriker zur "Neuen Frankfurter Schule" zusammenschließen. Poth gründet dort 1962 zusammen mit Kollegen wie Hans Traxler oder Kurt Halbritter das Satiremagazin "Pardon". Gleich die zweite Ausgabe, in der Poth den Springer-Verlag als Anstifter eines 3. Weltkriegs darstellt, bringt den Skandal - und Durchbruch. Springer versucht die Auslieferung des Heftes zu verhindern, Pardon wird in der ganzen BRD bekannt.

    Später ist Poth einer der Gründer von "Titanic", dem bis heute bedeutendsten deutschen Satiremagazin. Seine Kolumne "Last Exit Sossenheim" wird zu einer er populärsten in den 1990er Jahre. Pointiert und bissig stellt Poth das Leben am Rand von Frankfurt - und übertragen auch am Rand der Gesellschaft dar. Sein Zeichenstil: Gegen den Strich, die Figuren sind zerzauselt. Die Texte lang und krakelig handgeschrieben - keine leichte Kost für die Lesenden.

    Am 8. Juli 2004 stirbt Chlodwig Poth an einem Krebsleiden - nach ziemlich genau 60 Schaffensjahren als "Langstreckensatiriker", wie die Freunde der Neuen Frankfurter Schule ihn posthum ehrenvoll betiteln.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff:

    • Wie seine Tochter sich an Poth erinnert,
    • dass Chlodwig Poth zum strengen Kritiker der 1968er avanciert,
    • über die Gründung des Satiremagazins "Titanic",
    • was sich hinter Poths Vollbart verbirgt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Leonore Poth, Zeichnerin, Illustratorin, Tochter von Chlodwig Poth
    • Pit Knorr, Satiriker (Pardon, Titanic)
    • Chlodwig Poth: Aus dem Leben eines Taugewas, Berlin 2002
    • Oliver Maria Schmitt: Die schärfsten Kritiker der Elche, Berlin 2001
    • Rainer Hachfeld: Politische Karikatur in der BRD, Reinbek 1974

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 12.11.1923: Loriot wird geboren
    • Zeitzeichen 13.12.1937: Der Dichter und Zeichner Robert Gernhardt wird geboren
    • Zeitzeichen 15.03.1948 – Der Karikaturits Gerhard Seyfried wird geboren

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    Autor: Thomas Pfaff
    Redaktion: Christoph Tiegel/David Rother

    15 min
  • 50 Jahre Fußball-WM 74 - auch eine Musikgeschichte

    Vor 50 Jahren, am 7.7.1974, wird Deutschland zum zweiten Mal Fußball-Weltmeister. Auch musikalisch war die WM bemerkenswert. Eine Stilkritik aus einer Zeit, als Fußball wirklich noch eine schöne Nebensache war...



    Die Fußball-WM 1974 schreibt viele sportliche Geschichten. Die Wichtigste: Deutschland wird am 7. Juli zum zweiten Mal Weltmeister. Da wären aber auch noch die erste WM-Teilnahme Australiens oder der neu geschaffene Wanderpokal, den Pele zur Eröffnung feierlich an Uwe Seeler überreicht.

    Weltmeisterschaften haben aber auch immer eine politische Seite. So auch 1974, als sich erstmals die Nationalmannschaft der DDR für eine WM in Westdeutschland qualifiziert. Außerdem gibt es Streit um eine geplante Pepsi-Werbung und gleich vier Präsidenten: Hatten die Eröffnungsfeier noch Gustav Heinemann (BRD) und Stanley Rous (FIFA) zelebriert, waren es beim Schlussakt bereits ihre Nachfolger Walter Scheel (BRD) und Joao Havelange (FIFA).

    Man kann sich einer WM aber auch musikalisch nähern. Von der Big Band der Bundeswehr, über die WM-Fanfare, die den offiziellen Teil einläutet, bis hin zur Schlussfeier mit den Fischer-Chören. Hörenswert ist auch, welche Probleme der Auftritt des Sängers und DDR-Stars Frank Schöbel verursacht…

    In diesem Zeitzeichen erzählt Axel Naumer:

    • Welchen Einfluss Olympia 1972 in München auf die Fußball-WM zwei Jahre später hat - auch finanziell,
    • was es mit den riesigen Kunststoff-Fußbällen zur Eröffnungsfeier auf sich hat,
    • wie das erste und einzige WM-Duell zwischen der BRD und der DDR ausgeht,
    • von einem Eklat im Nachgang - und was die Spielerfrauen damit zu tun haben.

    Das ist eine unserer Quellen:
    • "Erlebte Geschichten" mit Frank Schöbel

    Weiterführende Links:
    • 13. Juni 1974 - Start der Fußball-WM in der Bundesrepublik Deutschland
    • Planet Wissen: Fußball-Weltmeisterschaft 1974
    • Franz Beckenbauer ist tot
    • 9. Mai 2005 - Sportreporter Kurt Brumme stirbt in Köln

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Axel Naumer
    Redaktion: David Rother

    15 min
  • Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld eröffnet

    Freie Liebe für alle: Magnus Hirschfeld - schwul, Sozialist, Pazifist, Jude - gründet am 6. Juli 1919 in der Aufbruchstimmung der Weimarer Republik das "Institut für Sexualwissenschaft".



    Die Idee zu einem wissenschaftlichen Institut, das sich sämtlicher sexueller Themen annimmt, hat Magnus Hirschfeld schon als junger Mann im Kaiserreich. Der Berliner Arzt ist selbst schwul und erlebt, wie Homosexuelle durch Skandale und Erpressungen gebrochen werden und in der Folge häufig Suizid begehen. Die im Kaiserreich strafrechtlich verfolgte Homosexualität ist für Hirschfeld schlicht eine "angeborene Sexualkonstitution, ein drittes Geschlecht".

    Mit der Aufbruchstimmung im Berlin der Zwanziger Jahre, seinem gesellschaftlichen Ansehen und seinen finanziellen Mitteln kann Magnus Hirschfeld am 6. Juli 1919 seinen Traum verwirklichen: Er gründet das Berliner Institut für Sexualwissenschaft. Die Einrichtung soll dem "menschlichen Liebesleben in biologischer, medizinischer, ethnologischer, kultureller und forensischer Hinsicht" dienen.

    In einer großen Villa finden nun eine Bibliothek, Sammlungen, Forschungsprojekte, Beratungs- und Therapieangebote ihren Platz. Menschen aus vielen Ländern und allen Schichten kommen hierher, um sich über Empfängnisverhütung oder Geschlechtskrankheiten zu informieren.

    Dann wird der Ton in der Medizinwissenschaft immer deutschnationaler, Hirschfelds liberale Sexualforschung hat bald keine Chance mehr. Die Nationalsozialisten übernehmen. Magnus Hirschfeld ist in Paris, als 1933 sein Institut von Nazi-Studenten geplündert und ein Großteil der einzigartigen Bibliothek auf den Scheiterhaufen geworfen wird.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Veronika Bock:

    • Über die Leiden und Verfolgungen queerer Menschen zur Kaiserzeit,
    • wie Magnus Hirschfeld 1920 ein Attentat überlebt, aber schon seinen eigenen Nachruf in der Zeitung liest,
    • warum viele Menschen ihm ihre sexuellen Probleme anvertrauen,
    • dass die Nazis den weltweit angesehenen Forscher zu einem "Perversen, der die Jugend verdirbt", degradieren.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Richard Kühl, Medizinhistoriker, Universität Düsseldorf
    • Rainer Herrn: Der Liebe und dem Leid. Das Institut für Sexualwissenschaften 1919-1933, Berlin 2022
    • Richard Kühl: Der große Krieg der Triebe. Die deutsche Sexualwissenschaft und der Erste Weltkrieg, Bielefeld 2022

    Weiterführende Links:
    • 4. Juni 1928 - Die Sexualtherapeutin Ruth Westheimer wird geboren
    • 10.06.1969 - Sexualkunde-Atlas wird vorgestellt
    • 28.06.1969 – Unruhen in der Christopher Street

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Veronika Bock
    Redaktion: David Rother

    15 min

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Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George…

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