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  • Ferdinand Franz Wallraf - der Retter der Geschichte von Köln

    Der Universal-Sammler Ferdinand Franz Wallraf: omnipräsent ist er in Köln mit seinen Hinterlassenschaften - und doch irgendwie nicht zu fassen. Er starb am 18.3.1824.



    Geboren wird Ferdinand Franz Wallraf 1748 als Kind eines Schneidermeisters. Früh ist klar, dass Wallraf nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten wird. Stattdessen entscheidet sich der vielseitig interessierte Junge zunächst für den Lehrerberuf - und tritt dafür extra in den geistlichen Stand (Priesterweihe 1772) ein.

    Im Laufe der Jahre macht sich Wallraf in vielfacher Weise einen Namen in seiner Heimatstadt Köln - unter anderem wirkt er als Gelehrter, Stadtreformer und Universitätspolitiker. Gleichzeitig prägt er durch seine ausgesprochen große Sammelleidenschaft auch das kulturelle Leben Kölns. Zunächst sind es vor allem Mineralien, die sein Interesse wecken, später sammelt er auch Münzen, Kunstwerke sowie Bücher.

    Am 18. März 1824 stirbt Ferdinand Franz Wallraf. All seine Sammlungen hinterlässt er der Stadt Köln. So ist sein Name auch 200 Jahre nach seinem Tod in der Rheinmetropole allgegenwärtig - an zahlreichen Orten, aber auch in Vorträgen, Diskussionen und Ausstellungen.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:

    • wo einem in Köln überall der Name Wallraf begegnet,
    • wie er die Geschichte der Stadt gerettet hat,
    • was die "Pissgasse" über den Universalgelehrten verrät,
    • von Wallrafs besonderer Beziehung zum Kölner Dom,
    • warum man Wallraf heute als "Messi" bezeichnen würde.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Dr. Marcus Dekiert, Direktor des Wallraf-Richartz-Museums
    • Dr. Gudrun Gersmann, Professorin für Neuere Geschichte an der Uni Köln
    • Dr. Christiane Hoffrath, Leiterin der Universitätsbibliothek zu Köln

    Weiterführende Links:
    • Wallrafs Bücher neu restauriert
    • 29. Januar 1797 - Die Gelehrte Sibylle Mertens-Schaaffhausen wird geboren

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Ralph Erdenberger
    Redaktion: David Rother

    15 min
  • Die französische Revolutionärin Marie-Jeanne Roland

    Sie ist mitten drin bei der Französischen Revolution. Ihr Mann ist Innenminister, sie schreibt Texte für ihn. Dann kommt Madame Roland (geboren am 17. März 1754) in Haft.



    Marie-Jeanne Phlipon wird am 17. März 1754 in Paris geboren. Das begabte und wissbegierige Mädchen, liebevoll Manon gerufen, kann bereits im zarten Alter von vier Jahren lesen und interessiert sich früh für philosophische, geschichtliche und religiöse Themen.

    Mit 25 Jahren heiratet Marie-Jeanne den 24 Jahre älteren Jean-Marie Roland de la Platière. Den Ausbruch der Revolution erleben die Eheleute in Lyon, und sie begeistern sich sofort für die neuen Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Anfang 1791 zieht die Familie nach Paris. Ihr Salon wird zum Treffpunkt vieler Führungspersönlichkeiten der Revolution - darunter Jacques-Pierre Brissot, Maximilien Robespierre oder François Buzot. Obwohl Madame Roland behauptet, sich immer im Hintergrund gehalten zu haben, gilt sie als eine führende Vertreterin der Girondisten und gerät im vierten Jahr der Revolution in den tödlichen Machtkampf mit dem radikalen, jakobinischen Flügel.

    Nachdem Robespierre im April 1793 die Girondisten des Verrats an der Revolution beschuldigte, flieht ihr Mann aus Paris. Marie-Jeanne wird zusammen mit den girondistischen Abgeordneten verhaftet und am 8. November öffentlich hingerichtet. Im Angesicht der Guillotine richtet Madame Roland ihre letzten Worte an die Pariser Freiheitsstatue: "Ach Freiheit, wie viele Verbrechen werden in deinem Namen verübt!"

    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:

    • Über die Vorbilder von Marie-Jeanne und wie diese die Französin beeinflussen,
    • wie sie im Hintergrund ihres Mannes geschickt die Fäden zieht,
    • wie Madame Roland die Zeit in Haft verbringt,
    • wie ihr Ehemann auf die Todesnachricht seiner Frau reagiert.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Christiane Landgrebe (Roland-Biografin)
    • Christiane Landgrebe: Madame Roland – Von der Bürgersfrau zur Revolutionärin. Berlin, 2024
    • Barbara Beck: Legendäre Frauen - Zwischen Triumph und Verhängnis. Wiesbaden, 2020
    • Guy Chaussinand-Nogaret: Madam Roland. Stuttgart, 1988
    • Marie-Jeanne Roland de la Platière: Madame Roland - Memoiren aus dem Kerker. Zürich, 1987

    Weiterführende Links:
    • 6. Mai 1758 - Maximilien Robespierre wird geboren
    • Terrorherrschaft in Frankreich 1793/94
    • Planet Wissen: Die Französische Revolution

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christoph Vormweg
    Redaktion: David Rother
    Technik: Petra Laubach

    15 min
  • Nebukadnezar II. erobert Jerusalem am 16.3.597 v.Chr.

    Babylon ist damals die größte und wohl prächtigste Stadt der Welt. Dessen König erobert im 6. Jahrhundert v.Chr. das kleinere Jerusalem - und verändert damit den Lauf der Religionsgeschichte...



    Ab Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. erblüht Babylon zu immer größerer Pracht. König Nebukadnezar erobert immer mehr Staaten in der Region, die wir heute den "Nahen Osten" nennen. Unter ihnen auch das kleinere Königreich Juda. Doch irgendwann weigert sich das unterworfene Juda, Babylon Tribut zu zahlen.

    Doch Nebukadnezar lässt sich das nicht bieten. Am 16. März 597 vor Beginn unserer Zeitrechnung erobert er die Stadt Jerusalem. Ein Ereignis, von dem auch das Alte Testament der Bibel berichtet: Jojachin, der König von Juda, sowie seine Familie und sein Hofstaat werden nach Babel verschleppt.

    Nebukadnezar setzt zwar einen neuen König in Jerusalem ein, doch auch dieser lehnt sich auf. Deshalb steht der babylonische König nach einem Jahrzehnt erneut vor den Toren Jerusalems. Diesmal wird die Stadt und der Tempel zerstört und die Überlebenden als Sklaven nach Babel geschafft.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:

    • wo die Überreste von Babylon zu finden sind,
    • welche beiden antiken Weltwunder sich in der Stadt befunden haben,
    • wie das babylonische Exil der Judäer sich auf ihre Religion auswirkt,
    • wann die Herrschaft der Babylonier endet,
    • was es mit dem Satz "Nächstes Jahr in Jerusalem" auf sich hat.

    Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin:
    • Kristin Kleber (Professorin am Institut für Altorientalistik und Vorderasiatische Archäologie an der Universität Münster)

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Geschichte des jüdischen Volkes
    • ZDFinfo: Die sieben größten Weltwunder
    • HR: Babylon - Die hängenden Gärten der Smiramis

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    Autor: Daniela Wakonigg
    Redaktion: David Rother
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Franciscus Sylvius, Vorreiter der wissenschaftlichen Medizin

    Die Forschung von Franciscus Sylvius (geboren am 15.3.1614) ist nicht immer angenehm: Um den ph-Wert zu messen, kostet er Speichel oder Urin der Patienten mit der eigenen Zunge.



    Franciscus Sylvius geht ab 1658 als Dozent und Doktor der Medizin an der berühmten Universität Leiden in Holland neue Wege. Mit seinen Studenten besucht er die Krankenstationen und denkt mit ihnen über die Ursachen all der Übel nach. Das ist neu: Normalerweise sollen Medizin-Studenten damals noch aus Büchern und nicht aus Erfahrungen lernen. Sylvius bedint sich dreierlei Arten von Erfahrungswissen - dem anatomischen, chemischen und praktischen.

    Als Rektor der Universität Leiden beschäftigt er sich mit Körperflüssigkeiten, Verdauungsvorgängen, dem Aufbau des Nervensystems und des Gehirns. Und er gründet das erste chemische Laboratorium an einer europäischen Universität.

    Dort forscht er zur Verdauung, dem Stoffwechsel, über Gärung und Fermentierung. Bei einem seiner zahlreichen Gärungs-Versuche mit Wacholderbeeren soll ein belebendes Getränk herausgekommen sein. Es soll sich dabei um eine frühe Form des Gins oder des Genever gehandelt haben. Als Erfinder der Getränke gilt Franciscus Sylvius dennoch nicht - auch andere vor ihm stellen diese Getränke her. Seine Patienten, die er mit seinem Wacholder-Gebräu kurieren will, düfte das nicht gestört haben.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:

    • warum die Syphillis dank nationalistischer Vorurteile unter diversen Bezeichnungen bekannt wird,
    • welche vier Säfte laut Medizin des frühen 15. Jahrhunderts in allen gesunden lebenden Körpern im Gleichgewicht sind,
    • von wem das Zitat "allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist" stammt,
    • wie die Weisheit "Probieren geht über Studieren" Franciscus Sylvius zu einer recht unappettilichen Methode der Diagnostik bringt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Dr. Thomas Richter, Apotheker, Medizinhistoriker und Germanist.
    • Franciscus Sylvius: Praxeos Medicae. Liber Quartus. Amsterdam 1674.
    • Mary Dobson: Die Geschichte der Medizin. Vom Aderlass bis zur Genforschung. Cambridge 2013.
    • Wolfgang Eckart: Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin. 7. Auflage. Berlin/Heidelberg 2013.
    • Karl-Heinz Leven: Geschichte der Medizin. Von der Antike bis zur Gegenwart. München 2008.
    • Roy Porter: Geschröpft und zur Ader gelassen. Eine kleine Kulturgeschichte der Medizin. Frankfurt/Main 2006.

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Beruf - Arzt
    • Planet Wissen: Klostermedizin Heilpflanzenmedizin

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    Autor: Marko Rösseler
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Sarah Fitzek

    15 min
  • Sie revolutioniert die Baumwollernte: Die "Cotton Gin"

    Die Erfindung der Maschine zur Entkörnung der Baumwolle, die am 14.3.1794 in den USA patentiert wird, hat weitgehende wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen.



    Das Jahr 1794 markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Baumwollverarbeitung in Amerika: die Erfindung der ersten Entkörnungsmaschine für Baumwolle, bekannt als "Cotton Gin", kurz für "Cotton Engine". Der Erfinder dieser Innovation ist der Amerikaner Eli Whitney.

    Die kurbelbetriebene Walze der Maschine macht das mühsame und zeitaufwändige Entfernen der Baumwollkörner von Hand überflüssig. Die von Catharine Littlefield Greene finanzierte Innovation beschleunigt die Baumwollverarbeitung erheblich und macht den Baumwollanbau im Süden der USA rentabel.

    Die Erfindung führt zu einer Revolution in der Baumwollindustrie: Der Baumwollanbau in den Südstaaten entwickelt sich zu einem Millionengeschäft. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung steigt jedoch auch der Bedarf an Arbeitskräften, was zur Ausweitung der Sklavenwirtschaft führt, die Spannungen zwischen den Nord- und Südstaaten verschärft und schließlich indirekt eine der Ursachen für den 1861 ausbrechenden Bürgerkrieg ist.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck

    • wie eine schuhkartongroße Holzkiste dazu beiträgt, ein menschenverachtendes System zu etablieren,
    • warum die Plantagenwirtschaft des Südens vor der Erfindung der Cotton Gin eigentlich alles anbaut, nur keine Baumwolle,
    • warum die gleichzeitig einsetzende Industrialisierung eine Rolle spielt,
    • was es mit "King Cotton" auf sich hat,
    • warum die Entwicklungen bis heute nachwirken.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Volker Depkat (Amerikanist, Universität Regensburg)
    • Volker Depkat: Geschichte der USA. Stuttgart, 2016
    • Sven Beckert: King Cotton - Eine Geschichte des globalen Kapitalismus. München, 2014
    • Angela Lakwete: Inventing the Cotton Gin - Machine and Myth in Antebellum America. Baltimore, 2003

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Baumwolle
    • SWR-Retro: Baumwollbörse in Bremen (1962)
    • Quarks: Der weite Weg von der Baumwolle bis zum T-Shirt

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    Autor: Almut Finck
    Redaktion: Gesa Rünker
    Technik: Annette Skrzydlo und Martin Kopp

    15 min
  • Der erste große Sieg der Muslime unter Mohammed gegen Mekka

    Die Schlacht von Badr am 13.3.624 ist ein Schlüsselereignis der frühen islamischen Geschichte. Der Sieg öffnet den Muslimen unter Mohammed den Weg nach Mekka.



    Im Jahr 624 n. Chr. lebt Mohammed, der Prophet des Islam, mit seinen wenigen Anhängern in Medina. Wegen seiner aufrührerischen Reden vertreibt der mächtige Stamm der Quraisch ihn vorher aus seiner Heimatstadt Mekka. Diese Vertreibung, die Hiǧra, markiert den Beginn der islamischen Zeitrechnung im Jahr 622 n. Chr. Mohammeds Ziel aber bleibt die Rückkehr in seine Heimatstadt Mekka.

    Der Prophet erfährt, dass die Quraisch mit einer Karawane von Syrien auf dem Weg zurück nach Mekka sind. Mit Gütern und Handelswaren, begleitet von dreißig oder vierzig Mann. Mohammed sieht eine militärische Chance, es beginnt die Schlacht von Badr. Darüber schreibt der muslimische Geschichtsschreiber Ibn Ishaq in der ältesten bis heute überlieferten Mohammed-Biographie.

    Was mit einem Karawanenüberfall in Badr beginnt, wird zum Schlüsselereignis der frühen islamischen Geschichte. Zur Rettung ihrer Karawane rückt die gesamte Streitmacht der Mekkaner gegen Mohammed aus. Die Unterlegenheit der Muslime ist eindeutig: Sie zählen wenig mehr als 300 Mann, während die Mekkaner über eine Armee von 1.000 Mann, 100 Pferde und viele Waffen verfügen.

    Doch Mohammeds Kämpfer besiegen die Übermacht, der Weg nach Mekka ist frei und die Schlacht von Badr wird als eine der ganz wenigen Schlachten sogar namentlich im Koran erwähnt.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:

    • dass Mekka schon in vorislamischer Zeit Zentrum der altarabischen Götter, der Kultfeste und Pilgerreisen ist,
    • wie Mohammeds Lehren das Wirtschaftssystem der Wüste bedrohen,
    • wann Mohammed offensiv mit seiner Botschaft in die Öffentlichkeit tritt,
    • warum Sunniten und Schiiten bis heute um Mohammeds legitime Nachfolge streiten.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Dr. Tilman Nagel, Islamwissenschaftler, Universität Göttingen
    • Prof. Dr. Katajun Amirpur, Islamwissenschaftlerin, Universität zu Köln
    • Tilman Nagel: Mohammed - Leben und Legende, München 2008
    • Tilman Nagel: Allahs Liebling, München 2008
    • Navid Kermani: Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen. Köln 2023

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Mohammed ibn Abd Allah – der Prophet aus Mekka

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Marfa Heimbach
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Kolonialismus kitschig verklärt: Frieda von Bülow

    Sie gilt als Begründerin des Kolonialromans: Frieda von Bülow, gestorben am 12.3.1909, denkt und schreibt rassistisch, ihre Texte sind als historische Quellen zu sehen.



    Frieda von Bülow wird 1857 in Berlin als erstes von fünf Kindern des Legationsrates Hugo Freiherr von Bülow und seiner Frau, Clotilde von Münchhausen geboren. Die ersten Lebensjahre verbringt sie in Smyrna, dem heutigen Izmir.
    Als junge Frau wird von Bülow zur begeisterten Befürworterin der Kolonialidee. Befeuert wird diese Begeisterung in ihrer Beziehung zum Kolonialisten Carl Peters. Der Historiker Jürgen Zimmerer zählt Peters zu den großen Verbrechern der Deutschen Geschichte, "der als Amtschef am Kilimandscharo sowohl seine schwarze Geliebte als auch deren Verlobten aufhängen lässt, was im Kaiserreich zum veritablen Skandal führte, aber man nicht wahrhaben wollte, dass das koloniale System an sich strukturell diese Gewalt hervorbringt, sondern es ablenkte auf das Fehlverhalten einzelner."
    Frieda von Bülow dagegen bezeichnet den brutalen Kolonialpolitiker als 'genialen' Mann, als den begabtesten Großmachtpolitiker. Sie gilt als Begründerin des Kolonialromans. Ihre Texte bringen den deutschen Leserinnen und Lesern, vor allem den Leserinnen, Afrika ins Haus und stellen Afrika als attraktive Erweiterung des Deutsches Reiches vor.
    Als Schriftstellerin ist von Bülow heute nur noch als Quelle interessant. Ihre Texte strotzen vor Rassismus, Antisemitismus und völkischem Denken, gefällig verpackt in Liebes- und Abenteuergeschichten vor exotischer Kulisse.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Heide Soltau:

    • wie Frieda von Bülow jenseits der Realität den Alltag in Ostafrika darstellt,
    • was Otto von Bismarck als Gegner des Kolonialismus dazu bewegt, große Teile Afrikas zu deutschen Kolonien zu erklären,
    • womit Frieda von Bülow den Unmut des Deutschnationalen Frauenbundes für Krankenpflege weckt,
    • wie die Nationalsozialisten von Bülows Bücher für sich vereinnahmen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Marianne Bechhaus-Gerst (Afrikanistin, Universität Köln)
    • Jürgen Zimmerer (Historiker und Afrikawissenschaftler, Universität Hamburg)
    • Katharina von Hammerstein (Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, University of Connecticut)
    • Frieda von Bülow: Im Land der Verheißung. Ein deutscher Kolonial-Roman. Dresden und Leipzig 1907
    • Frieda von Bülow: Tropenkoller. Episode aus dem deutschen Kolonialleben. Bad Griesbach 2018 (überarbeiteter Nachdruck der Originalausgabe von 1896)
    • Kerstin Decker: Das Leben der Frieda von Bülow. Berlin 2015
    • Katharina von Hammerstein: Biografie Frieda von Bülow. 2007

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Die deutsche Kolonialzeit – Was wir heute über sie wissen
    • Planet Wissen: Otto von Bismarck

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    Autorin: Heide Soltau
    Redaktion: Gesa Rünker
    Technik: Nicolas Dohle

    15 min
  • Weimar - so viel mehr als nur Goethe-Stadt

    Weimar: seit Goethe die deutsche Kulturhauptstadt schlechthin - mit allerdings sehr wechselhafter Geschichte. Erste urkundliche Erwähnung am 11.3.899.



    Die Ambitionen Weimars, Kulturgeschichte zu schreiben, reichen zurück bis in die graue Vorzeit: In Weimar und Umgebung gibt es außergewöhnlich viele Funde aus der Altsteinzeit. Ins Licht der schriftlich verbrieften Geschichte tritt Weimar allerdings erst im 9. Jahrhundert.

    Lange geht man von einer Ersterwähnung der Stadt im Jahr 975 aus und feiert 1975 stolz die Tausendjahrfeier Weimars. Später stellt sich heraus, dass die erste schriftliche Erwähnung bereits in einem Dokument stattfindet, das auf den 11. März 899 datiert ist.

    Im Lauf seiner Geschichte wird Weimar zum geistigen Zentrum einer Zeit, die man später "Weimarer Klassik" nennen wird. Es entstehen Werke, die bis heute zur Weltliteratur zählen wie Goethes "Faust" und "Der Zauberlehrling" oder Schillers Dramen "Wilhelm Tell" und "Maria Stuart". Etwa ein halbes Jahrhundert dauert das Goldene Zeitalter der Stadt.

    Heute steht Weimar vor allem für die Goethezeit, die Weimarer Klassik. Aber es steht auch für die klassische Moderne und für das Bauhaus. Politisch ist Weimar mit der ersten deutschen Republik genauso verknüpft wie mit ihrem Scheitern. Buchenwald, das größte Konzentrationslager auf deutschem Boden, lag in der Nazizeit auf einem Hügel bei Weimar.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:

    • Wie eine Herzogin des 18. Jahrhunderts durch ein Feuer im Jahr 2004 wieder ins öffentliche Bewusstsein gelangt,
    • wie Johann Wolfgang von Goethe nach Weimar kommt und zum Magneten weiterer Größen aus Kunst und Kultur wird,
    • warum Weimar als Wiege der deutschen Demokratie ausgewählt wird,
    • wie die Nationalsozialisten Weimar 1924 als Sprungbrett in die Parlamente nutzen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Steffen Raßloff (Historiker, Autor und Thüringen-Experte)
    • Steffen Raßloff: Weimar. 55 Meilensteine der Geschichte. Prägende Menschen, Orte und Ereignisse. 2022.
    • Annette Seemann: Weimar. Eine Kulturgeschichte. 2012.
    • Peter Merseburger: Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht. 1998.

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 02.09.2004 - Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar
    • Planet Wissen: Schiller und Goethe
    • Stichtag: 14. August 1919 - Weimarer Verfassung tritt in Kraft

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    Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
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    15 min
  • Gegen die chinesische Besatzung: Der Aufstand der Tibeter

    Am 10. März 1959 beginnt der Aufstand in Tibet, der von chinesischen Truppen blutig niedergeschlagen wird. Der Dalai Lama floh verkleidet aus seinem Palast.



    Der 10. März 1959 markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte Tibets: Tausende Tibeter versammeln sich vor dem Potala-Palast in Lhasa, um gegen die chinesische Herrschaft zu protestieren. Die chinesischen Behörden reagieren auf die weitgehend friedlichen Proteste mit brutaler Gewalt: Tausende Tibeter werden im Laufe der Demonstrationen getötet.

    "An diesem Gedenktag erinnern wir daran, dass wir für eine gerechte Sache kämpfen. Aus spiritueller Sicht ist es wichtig, mit einem guten Herzen zu denken und zu handeln. Aus konventioneller, weltlicher Sicht geht um Gerechtigkeit und Wahrheit." (Tenzin Gyatso, 14. Dalai Lama).

    Der Aufstand soll langfristige Auswirkungen auf Tibet haben: Die chinesische Regierung verstärkt ihre Kontrolle, fördert die Han-Chinesische Einwanderung und unterdrückt die tibetische Kultur, was zu anhaltendem Widerstand und internationalen Protesten führt. Bis heute prägt dieser Tag die Diskussionen um Tibets Autonomie und Menschenrechte.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:

    • warum es zwei Tibets gibt und warum eine Unterscheidung wichtig ist,
    • weshalb der 1. Oktober 1949 für Tibet eine Zeitenwende bedeutete,
    • wie ein Österreicher zum Vertrauten des Dalai Lama wurde,
    • weshalb eine Theateraufführung die Situation weiter zuspitzte,
    • warum es wichtig ist, seine Kultur im Alltag zu bewahren.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Tom A. Grunfeld (Historiker und Experte in chinesischer und tibetischer Geschichte). The Making of Modern Tibet. (Neuaufnahme)
    • Heinrich Harrer (Buchautor und Bergsteiger): Sieben Jahre Tibet. Mein Leben am Hofe des Dalai Lama. 1997

    Weiterführende Links:
    • China schlägt den Tibet-Aufstand nieder
    • Stichtag: 7. Januar 2006 - Heinrich Harrer stirbt in Kärnten
    • Planet Wissen: Asien - Tibet

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    Autor: Andrea Kath
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    15 min
  • Taras Schewtschenko: Vom Leibeigenen zu dem Dichter der Ukraine

    Taras Schewtschenko (geb. am 9.3.1814) begründet die moderne ukrainische Literatur. Russische Herrscher werden bei ihm zu Witzfiguren: Kritik, für die er einen hohen Preis zahlt.



    Taras Schewtschenko, auch „Vater der Nation“ genannt, ist ein ukrainischer Dichter, Schriftsteller und Maler. Als künstlerischer Visionär und Verfechter der Freiheit setzt er sich leidenschaftlich für die Bewahrung der ukrainischen Identität ein.

    Schewtschenko wird 1814 in der Ukraine geboren und erlebt als Bauernsohn zunächst die Härten der Leibeigenschaft. Schon früh findet er seinen künstlerischen Ausdruck in Gedichten und Gemälden. Er engagiert sich auch politisch: In seinen Werken kritisiert er vehement die Unterdrückung der ukrainischen Identität und prangert die sozialen Ungerechtigkeiten unter der Zarenherrschaft an. Dafür wird er inhaftiert, verbannt und mit einem Schreibverbot belegt.

    Bis heute eine Schlüsselfigur der ukrainischen Kulturgeschichte, hat Taras Schewtschenko künstlerisches Schaffen und politisches Engagement die Entwicklung der modernen Ukraine nachhaltig beeinflusst.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Dänzer-Vanotti:

    • warum die ukrainische Intelligenzija im 18. Jahrhundert gebildeter ist als die russische Elite,
    • wie Schewtschenko trotz Leibeigenschaft reisen konnte,
    • wieso er sich trotz seiner antirussischen Haltung mit jungen Russen aus dem Adel anfreundete,
    • warum sein Werk mit Heine und Goethe verglichen wird,
    • weshalb seine Gedichte trotz großen Erfolgs nur in der Ukraine bekannt sind.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Jenny Alwart, Mit Taras Ševčenko Staat machen. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik in der Ukraine vor und nach 1991. Köln 2012.
    • Eduard Winter et al (Hrsg.), Der Revolutionäre Demokrat Taras Ševčenko, 1814–1861: Beiträge zum Wirken des ukrainischen Dichters und Denkers sowie zur Rezeption seines Werkes im deutschen und im westslawischen Sprachgebiet, Berlin 2022.

    Weiterführende Links:
    • Ukraines Nationaldichter – "Begrabt mich und erhebt Euch!"

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    Autor: Irene Dänzer-Vanotti
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Christina Gabriel

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