Wissen schafft Sprache

Wissen schafft Sprache

By Verena HofstätterScienceEducation
Download on the App Store

Wissen schafft Sprache episodes

  • S2E3 Erstspracherwerb: Frühkindliche Sprachwahrnehmung (Teil 1)
    Klassischerweise kann man die Entwicklungsverläufe des kindlichen Spracherwerbs auf unterschiedlichen Ebenen beschreiben. Man schaut sich also an, wie ein Kind Laute erkennt, unterscheidet und produziert (also die Ebene der Phonetik und der Phonologie), wie es Wörter versteht, speichert und abruft (also die Ebene des Lexikons und der Semantik), wie es mit Wörtern dann Sätze bildet (also die Ebene der Syntax) und schließlich wie es seine sprachlichen Fähigkeiten dann in der Kommunikation einsetzt (das wäre dann die Ebene der Pragmatik).
    Die kindliche Sprachentwicklung beginnt jedoch bereits lange vor dem ersten Wort. Babys haben bereits wenige Tage nach der Geburt eine besondere Vorliebe für menschliche Stimmen. Experimente zeigen, dass Säuglinge ihre Muttersprache schon knapp nach der Geburt von anderen Sprachen unterscheiden können, und dass sie diese an ihrer Melodie erkennen. Säuglinge sind ebenfalls sehr gut darin, zwischen Lauten zu unterscheiden. Doch diese anfängliche Fähigkeit auch noch so geringe phonetische Unterschiede wahrzunehmen, lässt sich mit der Zeit nach und pendelt sich am Ende des ersten Lebensjahres auf das Lautinventar der Muttersprache ein.
    Außerdem zentral für den Spracherwerb ist die Fähigkeit zu segmentieren. Das Kind muss lernen, einen auf den ersten Blick unkontrollierten Strom aus Sprachlauten so zu zerlegen, dass einzelne Einheiten hörbar werden, die es später selbst zu solch unkontrollierten Sprachströmen zusammensetzen kann. Das macht es unter anderem durch das Beobachten und Verarbeiten des Sprachrhythmus, phonotaktischer Regularitäten und Inhalts- oder hochfrequenter Funktionswörter.
    Wenn ein Kind einzelne Wörter identifiziert hat, folgen zwei wichtige Schritte: Erstens muss es diese Lautpakete mit Bedeutung versehen und zweitens muss es sie kategorisieren. 
    Neben Verhaltensbeobachtungen gibt es mittlerweile auch eine ganze Reihe an bildgebender Verfahren, mit denen die Prozesse in kindlichen Gehirn dargestellt werden können, die ablaufen, während sie sprachliche Stimuli verarbeiten. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass das kindliche Gehirn in den ersten drei Lebensjahren ähnlich auf diese Stimuli reagiert wie das erwachsene.
    Viele Spracherwerbsforscher·innen gehen davon aus, dass es sich bei all diesen Fähigkeiten um sogenannte Prädispositionen handelt, spezifische Veranlagungen, die entweder angeboren sind oder sehr früh ausgebildet werden. Diese würden die Aufmerksamkeit des Kindes auf jene Merkmale des Sprachangebots lenken, die es in bestimmten Entwicklungsphasen vorrangig verarbeiten bzw. verarbeiten kann.
    Studie aus der Folge: das Pronk-Experiment 

    —  —  —  

    Wenn ihr immer noch gern Dinge über Sprache hört, könnt ihr dieses Projekt ganz einfach unterstützen, indem ihr den Podcast bewertet oder ihn anderen weiterempfehlt. Auch Feedback zu den Themen der einzelnen Folgen sammle ich fleißig auf Instagram und Twitter oder per E-Mail unter [email protected].

    Auf der Website vom Lehrwerk gibt es alle Folgen von Schon gewusst? zum Nachhören und Nachlesen.
    26 min
  • S2E2 Klassische Spracherwerbstheorien
    Die beiden zentralen Streitfragen, die zu einer Abgrenzung der unterschiedlichen Modelle voneinander geführt haben, sind erstens die Frage nach angeborenem auf der einen Seite und erworbenem Wissen auf der anderen Seite und zweitens die Frage nach sprachspezifischem und domänenspezifischem Wissen.
    Bei Versuchen, die Forschungslandschaft zu katographieren, ist aber immer mitzubedenken, dass diese Modelle, die ich gerade genannt habe, schon lange nicht mehr in ihrer “Reinform” sozusagen existieren.

    Doch war wären diese "Reinformen"?

    Nativistische Ansätze
    Der mit Abstand berühmteste Vertreter, um nicht zu sagen Begründer, des Naturismus ist mit Sicherheit Noam Chomsky. Er geht davon aus, dass Kinder immer schon mehr über Sprache wüssten, als sie im Input vorfinden würden. Und dieses Wissen sei in ihnen quasi genetisch angelegt. Er geht davon aus, dass erstens Kinder selbst im Erwerbsprozess keine aktive Rolle einnehmen und dass zweitens sprachlicher Input zwar notwendig ist, um sprechen zu lernen, aber nur als Auslöser, sogenannter Trigger. Bezugspersonen als Gesprächspartner·innen, spielen in diesen Erklärungsmodellen also kaum eine Rolle.
    Interaktionistische Ansätze
    Ganz anders ist das bei sogenannten interaktionistischen Ansätzen. Diese interessieren sich nämlich gerade auf die Lernumgebung der Kinder. Sie folgen also im Gegensatz zu nativistischen Ansätzen keiner Inside-out-Annahme, sondern einer outside-in-Annahme. Bezugspersonen würden ein kommunikatives Unterstützungssystem  aufbauen, in dem dann Spracherwerb stattfinden kann. Kinder würden deswegen sprechen lernen, weil sie kommunizieren und sich mit anderen austauschen wollen. Gelingen tut ihnen das Sprachenlernen dann, weil ihre Bezugspersonen in kindgerechter Weise mit ihnen sprechen und dieser Input informationsreich ist.

    Kognitivistische Ansätze
    Kognitivistische Ansätze sehen in Sprache keine spezifische Entwicklungsaufgabe. Jean Piaget sieht in der kindlichen Entwicklung ein Wechselspiel zwischen äußeren Einflüssen und inneren Strukturen. Kognitivistische Modelle betonen, im Gegensatz zu nativistischen und interaktionistischen, weniger die kommunikative Funktion von Sprache, sondern eher begrifflich-semantische Aspekte. Als Hauptaufgabe der Sprache wird die Kommunikation gesehen.

    Konstruktivistsiche Ansätze
    In sozial-pragmatischen Ansätze, wie dem von Tomasello zum Beispiel, gibt es zwar eine biologische, evolutionär entstandene Voraussetzung für Sprache und Kommunikation, allerdings ist diese Ausstattung nicht sprachspezifisch. Spracherwerb kann damit als Teil eines generellen kulturellen Lernprozesses modelliert werden. So gesehen bildet des konstruktivistische Modell einen Gegenpol zum nativistischen. Erstens wird hier dem Input eine viel wichtiger Rolle zugeschrieben, und zweitens basiert Spracherwerb hier nicht auf sprachspezifischen Fähigkeiten, sondern auf domänenübergreifenden wie der Imitation und der Analogiebildung, bei welchen es sich um allgemein sozial-kognitive Fähigkeiten handelt.

    Emergenzmodelle
    Um die Dichotomie zwischen inside-out und outside-in-Annahmen aufzubrechen, schlagen sogenannte Emergenzmodelle vor, beide Komponenten, also Umwelt und biologische Anlagen, in die jeweiligen Erklärungsansätze mit einzubeziehen. Zwar werden auch hier dem Kind früh vorhandene Lernmechanismen zugeschriebenen, der Input gewinnt hier aber an Bedeutung. Das Kind bleibt durchgehend aktiv im Erwerbsprozess, muss also aktiv neue sprachliche Informationen aufnehmen, durch die sich das Wissenssystem verändert, was wiederum auf die Verarbeitungsprozesse zurückwirkt, neue Informationen verwertet werden können und so weiter und so fort. Dadurch ergibt sich ein dynamisches Zusammenspiel.

    Mehrsprachiger Spracherwerb
    Mehrsprachigkeit im Kindesalter wird in den einschlägigen Fachdiskursen heutzutage zum Glück sehr viel positiver bewertet als früher. Man geht mittlerweile davon aus, dass der Erwerb mehrerer Sprachen im Kindesalter in den allermeisten Fällen vollkommen unauffällig passiert, dass Mehrsprachigkeitsphänomene wie etwa Code-Switching und dergleichen effektive Kommunikationsstrategien und adäquate stilistische Mittel sind und vor allem auch davon, dass Mehrsprachigkeit allein bzw. an sich die Sprachentwicklung nicht negativ beeinflusst oder gar zu Sprachentwicklungsstörungen führt. Der simultane oder sukzessive Spracherwerb in bzw. von mehreren Sprachen bis zu einem Alter von etwa vier Jahren wird mittlerweile genauso wie einsprachiger Spracherwerb behandelt.
    Literatur zu den Modellen aus dieser Folge:

    Chomsky 1 | Chomsky, 2 | Studie von Hoff | Tomasello 1 | Tomasello 2 | Hollich et al. | Hirsh-Pashek und Golinkoff
    Wenn ihr immer noch gern Dinge über Sprache hört, könnt ihr dieses Projekt ganz einfach unterstützen, indem ihr den Podcast bewertet oder ihn anderen weiterempfehlt. Auch Feedback zu den Themen der einzelnen Folgen sammle ich fleißig auf Instagram und Twitter oder E-Mail unter [email protected].

    Auf der Website vom Lehrwerk gibt es alle Folgen von Schon gewusst? zum Nachhören und Nachlesen.
    35 min
  • Sprachideologien
    Heute definieren wir den Begriff #Ideologie, werfen einen kritischen Blick auf das Konzept #Sprache und öffnen ein paar jener Büchsen, die damals wahrscheinlich nicht einmal Pandora angerührt hätte.
    Sprachverbote in der Schule, Deutschlerngebote im Fremdenrecht, die Marginalisierung von Minderheitensprachen.
    Doch zum Glück ist das hier nicht griechische Mythologie, sondern kritische Diskursforschung. In dieser Episode lassen wir den problematischen Vorannahmen über Sprache und Sprachen freien Lauf. Und versuchen zu verstehen, wo das, was Sprache für uns so “natürlich” macht, seinen ideologischen Anfang nimmt.
    Und nein (Spoiler Alert), das hat meist gar nichts mit unserem Sprechen oder unseren Sprachen zu tun.
    Klingt heavy? Das ist es. Aber auch irrsinnig spannend. Und grundlegend noch dazu für all die großen Themenblöcke in dieser Staffel von #Schongewusst. Also nehmt eure starken Nerven und hört euch die Folge an. Es lohnt sich.
    Infos zu den Themen aus dieser Folge:
    • Brigitta Busch liefert einen guten Überblick über die Sprachideologieforschung.
    • Zum monolingualen Habitus in der Schule: Ingrid Gogolin (2013)
    • Das Buch von Olga Grjasnowa gibt es zum Beispiel hier.
    • Die "großen" Namen in der Ideologieforschung kann man auch bei Wikipedia nachlesen: Karl Marx, Valentin Vološinov, Michail Bachtin, Antonio Gramsci, Louis Althusser.

    Wenn ihr immer noch gern Dinge über Sprache hört, könnt ihr dieses Projekt ganz einfach unterstützen, indem ihr den Podcast bewertet oder ihn anderen weiterempfehlt. Auch Feedback zu den Themen der einzelnen Folgen sammle ich fleißig auf Instagram und Twitter oder E-Mail unter [email protected].

    Auf der Website vom Lehrwerk gibt es alle Folgen von Schon gewusst? zum Nachhören und Nachlesen.
    46 min
  • Sprachwissenschaftliches Arbeiten im Deutschkurs
    Eine Frage, die ich immer wieder höre, ist: Was macht man dann eigentlich so als Sprachwissenschaftlerin? Beruflich habe ich mich zur Zeit als Trainerin für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache aufgestellt. Das ist aber sicherlich nicht das typische Tätigkeitsfeld von Linguist·innen. Wie ich von der Sprachwissenschaft in den Deutschkurs gekommen bin? Und wie die Sprachwissenschaft in den Deutschkurs passt? Darum soll es heute gehen. Ich plaudere ein bisschen aus dem Nähkästchen über meinen beruflichen Werdegang, meine Sprachbiographie und die methodologischen Grundpfeiler meiner Deutschkurse.

    Meine Reise in den Deutschkurs führt mich von Kärnten, über Frankreich, Québec und Großbritannien nach Wien. Von Auslandsjahren, über die Uni, DaF- und Alphabetisierungskursen bis ins Lehrwerk. Sprache hat in meinem Leben immer schon eine große Rolle gespielt, ob es sich ums Lesen, ums Schreiben oder ums Studieren gehandelt hat. Seitdem ich meine beiden Studien (Sprachwissenschaft und Französisch) mit dem Diplomarbeitsthema "Minderheitensprachenrechte in Kanada/Québec" abgeschlossen habe, sind und bleiben die Themen Minderheitensprachen, Mehrsprachigkeit und Sprachenpolitik ein wichtiger Teil meines Forschungsinteresses. Auch mein Dissertationsprojekt hat sich mit der Sprachenpolitik in Österreich und mit kritisch-diskursanalytischen und sprachbiographischen Methoden zum öffentlichen Minderheitensprachdiskurs auseinandergesetzt.

    Die Idee mit dem Lehrwerk ein eigenes Lerninstitut für Kinder und Erwachsene zu gründen, ist aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Arbeiten im DaF/DaZ-Bereich heraus entstanden. In dieser Folge fasse ich noch einmal zusammen, worauf es mir als Sprachwissenschaftlerin im Deutschunterricht ankommt. Ich will euch diesmal ein Stück weit mitnehmen in meinen Arbeitsalltag, euch teilhaben lassen an den Möglichkeiten und Herausforderungen sprachwissenschaftlich fundierten Sprachunterricht und euch an einigen praktischen Beispielen zeigen, wie ich mein sprachwissenschaftliches Wissen in der alltäglichen Kurspraxis einsetze.

    Wer mehr über meine Arbeit im Lehrwerk wissen möchte, kann gerne auf der Webseite vorbeischauen. Dort gibt es im Blogeintrag zur Folge auch weiterführende Links zu den von mir angesprochenen Methoden, Theorien und Forschungen.


    Gefällt dir Schon gewusst?
    Am einfachsten kannst du meine Arbeit unterstützen, indem du den Podcast auf Apple oder Spotify bewertest. Dadurch machst du ihn für andere sichtbarer und erlaubst es mir, die Folgen auch in Zukunft kostenlos und werbefrei für alle zu produzieren.

    Die komplette Episode gibt es wie immer bei mir im Blog zum Nachhören und Nachlesen. Wenn dir die Zeit zwischen zwei Folgen zu lang ist, besuch mich doch einfach auf Instagram oder Twitter. Dort sammle ich all das Sprachwissen, das nicht mehr in zwanzig Minuten Podcast passt.
    39 min
  • Mehrsprachigkeit
    Es wird Zeit, dass wir endlich einmal über Mehrsprachigkeit reden. Wir sprechen unterschiedliche Sprachen, kommen aus unterschiedlichen Ländern, haben unterschiedliche Bildungswege und unterschiedliche Biographien. Doch eines haben wir alle gemeinsam: Wir sind alle mehrsprachig. 

    In der aktuellen Folge geht es um individuelle und gesellschaftliche Formen von Mehrsprachigkeit. Ein grober Überblick über ein riesiges Forschungsfeld mit großer Aktualität.

    Eine einheitliche Definition von Mehrsprachigkeit gibt es nicht. Der Begriff “Mehrsprachigkeit” bezieht sich sowohl auf die Sprachkompetenzen von Individuen oder Gruppen, als auch auf verschiedene Situationen (in einer Institution, in einem Staat), in denen mehrere Sprachen miteinander in Kontakt treten. 
    Sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf individueller Ebene ist Mehrsprachigkeit die Norm. Das zeigen einerseits Sprachzählungen (siehe etwa Ethnologue) und andererseits die angewandte sprachwissenschaftliche Forschung. Nicht nur aus soziolinguistischer, sondern auch aus neurolinguistischer Perspektive ist der Mensch immer mehrsprachig.

    Der Mythos der Einsprachigkeit ist trotzdem immer noch tief in unserem kollektiven Bewusstsein verankert. Die Idee "eine Sprache - eine Nation" geht zurück bis zur Entstehung der europäischen Nationalstaaten. Die Aufgabe der Angewandten Linguistik ist es heute, dieses vermeintliche politische Ideal zu hinterfragen und zu zeigen, dass, diese veraltete Norm unter den aktuellen Bedingungen von Migration und Mobilität konstruiert ist.

    Wir wissen heute extrem viel über Sprache, es wird zu den unterschiedlichsten Themen und in den unterschiedlichsten Feldern geforscht. Und trotzdem mangelt es oft an Sprachwissen — und zwar nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei entscheidungstragenden öffentlichen Organen, die festgefahrene Praktiken und marode Strukturen verändern könnten. Organe, die sich durchaus von Zeit zu Zeit wissenschaftliche Expertise einholen, diese dann aber viel zu oft ignorieren.

    Hier im Podcast über diese Themen zu sprechen, mag sich anhören wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch es ist ein Schritt in Richtung eines toleranteren, gerechteren und schlichtweg menschlicheren Umgang mit Mehrsprachigkeit und mehrsprachigen Menschen in mehrsprachigen Gesellschaften.


    Buchtipp:
    Brigitta Busch, Mehrsprachigkeit, 2021

    Gefällt dir Schon gewusst?
    Am einfachsten kannst du meine Arbeit unterstützen, indem du den Podcast auf Apple oder Spotify bewertest. Dadurch machst du ihn für andere sichtbarer und erlaubst es mir, die Folgen auch in Zukunft kostenlos und werbefrei für alle zu produzieren.

    Die komplette Episode gibt es wie immer bei mir im Blog zum Nachhören und Nachlesen. Wenn dir die Zeit zwischen zwei Folgen zu lang ist, besuch mich doch einfach auf Instagram oder Twitter. Dort sammle ich all das Sprachwissen, das nicht mehr in zwanzig Minuten Podcast passt.

    Ich wünsche euch einen guten Start ins neue Jahr und freue mich schon aufs nächste Mal, wenn wir wieder über Sprache sprechen.
    28 min
  • Krampusse und andere Winterschrecks (Sprache und Kultur)
    Heute geht es um Weihnachten. Allerdings ist das hier keine typische Weihnachtsfolge. Wir kommen diesmal (fast) ohne Christkind, Weihnachtsmann und Lametta aus. Dafür gibt’s umso mehr zum Gruseln. Und einen ganz besonderen #Kinderbuchtipp von mir. 

    Das ist das Buch, um das es heute geht:Leonora Leitl, Krissi Krampus (Kunstanstifter Verlag, 2021)
    Ja, Krissi ist ein Kinderbuch. Aber wie so oft, können auch wir Großen viel aus Kinderliteratur lernen. Krissi Krampus ist ein wunderbares Stück Literatur, das Groß und Klein zusammenbringt und Sprache zur Verfügung stellt, um auch über die schwierigen Dinge im Leben (wie unsere Ängste) zu sprechen.

    Krissi, die Titelheldin, ist ein kleines Krampusmädchen, das im Sommer mit ihren schrecklichen Nachbarn am Krampusberg wohnt und sich dort einen Zeitvertreib für die warme Jahreszeit sucht. Und just als sie verzweifelt aufgeben möchte, trifft sie Trixi, die junge Teufelstochter...

    Wir schauen uns heute ein bisschen genauer an, wer oder was eigentlich hinter den Figuren aus dem Buch steckt - Figuren, die heute noch zum Teil wichtige Elemente unserer alpenländischen Traditionen sind. 

    Und so gesehen ist Krissi Krampus dann eben auch ein Erwachsenenbuch. Es fordert uns dazu auf, uns mit der Herkunft unserer Traditionen auseinanderzusetzen, nachzuforschen, Dinge herauszufinden, die wir normalerweise gar nicht mehr hinterfragen. Egal, mit welchen Traditionen und Brauchtümern Kinder in Berührung kommen, egal ob bei ihnen der Nikolo kommt, mit oder ohne Krampus — Bücher wie das von der Krissi holen die Kinder dort ab, wo sie gerade stehen und nehmen ihnen die Angst vor dem Unbekannten, dem Anderen. Es hilft uns Großen, eine respektvolle und kindgerechte Perspektive einzunehmen, und hilft den Kleinen, eine Sprache zu finden, um über den Krampus und Co. zu reden, ohne diesen Gestalten notwendigerweise ihren schauderhaften Zauber und ihre möglicherweise immer noch sinnstiftende Funktion zu nehmen.

    Absolute (Vor-)Leseempfehlung!

    Inspiriert haben mich dieses Mal zwei besondere Frauen aus Österreich:
    • Carla Heher bloggt unter anderem in ihrem Gemeinschaftsblog über diverse Kinder- und Jugendbücher. Auf Instagram findet ihr sie hier.
    • Leonora Leitl stellt ihre Bücher direkt auf ihrer eigenen Webseite vor. Auch auf Instagram ist Leonora zu finden.

    Wer noch mehr zu den anderen winterschrecklichen Nachbarn von Krissi auf dem Krampusberg wissen möchte, kann auch bei mir im Blog vom Lehrwerk vorbeischauen. Dort gibt's wie jedes Mal auch das Transkript zur Folge direkt zum Mit- oder ganz klassisch zum Nachlesen.

    Für mehr Sprachwissen abonniere Schon gewusst?, damit du keine neue Folge verpasst! Auf meinen Social-Media-Kanälen gibt es regelmäßig all das Wissenswerte über Sprache, was nicht mehr in den Podcast passt. Immer noch auf Facebook, besonders fleißig auf Instagram und seit Neustem auch auf Twitter.

    Wenn du mich und meine Arbeit unterstützen möchtest, kannst du das aber nicht nur durch ein Abo oder auf Social Media tun: 
    1. Wenn du über Apple zuhörst, freue ich mich über eine Bewertung. Damit hilfst du dem Podcast sichtbarer zu werden, wodurch noch mehr Sprachbegeisterte gratis und werbefrei zuhören können. 
    2. Wenn du nicht zu Team Apple gehörst, ist das auch nicht schlimm. Vielleicht kennst du trotzdem eine*n Freund*in, eine*n Kolleg*in oder eine Tante, dem*r du ganz analog von Schon gewusst? erzählen möchtest?! Kurzum: Mundpropaganda ausdrücklich erlaubt! 
    In diesem Sinne bis zum nächsten Mal, wenn wir wieder über Sprache sprechen.
    31 min
  • Sprachenpolitik - Sprachwandel und sprachliche Variation
    Zu den toten Sprachen solle man sie legen, die deutsche Sprache, denn nur die Toten hätten Zeit, sie zu erlernen. 1897 forderte der US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain eine drastische Vereinfachung der deutschen Sprache. Aber dürfen wir Sprache einfach so verändern? Heute geht es um sprachliche Variation und Sprachwandel . Und darum, was diese beiden Phänomene mit Sprachpflege und schlechtem Deutsch zu tun haben.

    Sprache entsteht durch und ist Handeln. Sie ist — in letzter Instanz — Tätigkeit. Und tun bedeutet immer auch, es manchmal anders zu tun. Die Reaktionen auf Ungewohntes und neue Erscheinungen in der Sprache, also auf sprachliche Varietäten und Phänomene des Sprachwandels, sind aber bei vielen trotzdem heftig. In dieser Folge möchte ich erklären, warum es zu solchen Reaktionen kommt, und wie man eine dadurch entstehende sprachliche Stigmatisierung andere (und seiner selbst) verhindern kann.



    Sprache macht unsere Welt. Mach auch du mit und sag es weiter. Teil dein Wissen über Sprache und zeig anderen, was Wissen über Sprache bewirken kann.

    Hörst du gern was über Sprache und willst du meine Arbeit unterstützen?
    Abonniere Schon gewusst? und bewerte den Podcast auf Apple Podcasts. So ermöglichst du es noch mehr Menschen, beim nächsten Mal zuzuhören.

    Mehr Wissen über Sprache und rund um's miteinander Reden findest du auf Instagram, Twitter und auf meinem Blog.
    27 min
  • Grammatikwissen - Die schwache Deklination
    “Ich mag den Autor?” oder “Ich mag den Autoren?” Wie heißt es richtig? Wenn du dir diese oder ähnliche Fragen auch schon einmal (zweimal, dreimal, x-mal) gestellt hast, bist du in guter Gesellschaft. Denn die Antwort fällt vielen nicht leicht. Genau deshalb geht es in der heutigen Folge um die sogenannte schwache Deklination im Deutschen. Denn die bringt uns der ganzen Sache schon ein bisschen näher.
    Was die schwache Deklination ist, warum wir sie schwach nennen und ob es auch eine starke Deklination gibt — all das werden wir in knapp zwanzig Minuten herausfinden. Mehr Grammatik in noch kürzerer Zeit geht fast nicht. Und trotzdem:

    Je mehr man weiß, desto mehr will man wissen.

    Also, für alle, die was zum Mitschauen brauchen, um was zu Verstehen: Bei mir auf der Webseite www.lehrwerk.at gibt’s nicht nur den kompletten Text zum Mitlesen, sondern auch besonders schöne Listen und Tabellen mit allen Formen und Endungen sowie den Fachwortschatz zum Nachschlagen.
    Im Blog landen dort auch anderes Wissenswertes rund um die schönste Erfindung der Welt.
    Für noch mehr Sprachwissen (nicht nur zum Hören) folg mir einfach auf Social Media: Instagram, Facebook, Twitter 
    20 min
  • Sprachenpolitik - Gendersensible Sprache
    Unser heutiges Thema stößt bei vielen auf Kritik: gendersensible Sprache. Umso wichtiger ist es, hier mit Vorurteilen aufzuräumen und wissenschaftlich fundierte Argumente für das sogenannte "Gendern" im öffentlichen Diskurs zu finden. In dieser Folge geht es darum, die wichtigsten Einwände zusammenzufassen, über den Nutzen und die Notwendigkeit von gendersensibler Sprache aufzuklären und zu zeigen, dass und wie ohne viel Aufwand gendersensibel kommuniziert werden kann.

    Je mehr man weiß, desto mehr will man wissen.
    Mehr Infos zu mir und zum Lehrwerk auf meiner Webseite: www.lehrwerk.at
    Im Blog landen dort auch Transkripte, Links und zusätzliche Materialien zu den einzelnen Folgen. www.lehrwerk.at/blog 
    Für noch mehr Sprachwissen (nicht nur zum Hören) folg mir einfach auf Social Media: Instagram, Facebook, Twitter 
    26 min
  • Grammatikwissen: Der deutsche Konjunktiv, Teil 2
    In der letzten Folge haben wir gehört, welche Konjunktivformen wir auf Deutsch haben und wie wir sie bilden. Heute wollen wir uns anschauen, was wir mit dem Konjunktiv nun alles machen können. Es geht also um den Gebrauch.

    Je mehr man weiß, desto mehr will man wissen.
    Mehr Infos zu mir und zum Lehrwerk auf meiner Webseite: www.lehrwerk.at
    Im Blog landen dort auch Transkripte, Links und zusätzliche Materialien zu den einzelnen Folgen. www.lehrwerk.at/blog 
    Für noch mehr Sprachwissen (nicht nur zum Hören) folge mir auf Social Media: Instagram, Facebook, Twitter @daslehrwerk
    22 min

About Wissen schafft Sprache

From the publisher's feed

Fragen rund um Sprache. Antworten aus der Wissenschaft.

More shows like Wissen schafft Sprache

Lanz + Precht by ZDF, Markus Lanz & Richard David Precht

Lanz + Precht

314 Listeners