„Wer schweigt, wird schuldig!“, mahnen Günter Grass und Wolfdietrich Schnurre kurz nach
dem Bau der Berliner Mauer 1961 und nennen die Manifestierung der Teilung „das Unrecht
vom 13. August“. Stephan Hermlin antwortet umgehend und erteilt „den Maßnahmen der
Regierung der Deutschen Demokratischen Republik [s]eine uneingeschränkte ernste
Zustimmung“. Annemarie, eine junge Ost-Berliner Bürgerin, fragt ihren Bruder Rulle in
einem Brief: „Was haben wir nur verbrochen??“. Und Willy Brandt? Der prangert die
„brutale Teilung“ und „rechtswidrigen Maßnahmen des Ulbricht-Regimes“ an und kann den
Absperrungen mitten durch die Stadt zunächst doch nur ohnmächtig zusehen.
Diese und weitere zeitgenössische Reaktionen auf die dramatischen Ereignisse vor 65 Jahren
ergeben eine Collage aus politischen, literarischen und persönlichen Impressionen aus Ost
und West. Gelesen von der Schauspielerin Sigrid Dettlof und dem Schauspieler Ludwig-
Christian Glockzin erinnern die Texte an die tiefen Einschnitte in das Leben der Deutschen
auf beiden Seiten der Mauer.
Arrangement: Julius Bartholdt, Günter Grass-Haus & Anne Küpperbusch, Willy-Brandt-Haus
Lübeck, Aufnahme und Schnitt: Hendrik Große-Homann
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Bildnachweis: Bundesbildstelle