Zeitgeschichte erleben. Der Podcast der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung

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  • Kosmopolitismus in der Praxis. Weltbürgertum auf dem Prüfstein des Handelns
    Kann Weltbürgertum mehr sein als eine Utopie? Dem Staatsrechtler Carl Schmitt zufolge nicht: Kosmopolitismus löse sich in Luft auf, sobald man versuche, ihn in die Praxis umzusetzen; es handele sich um eine Weltsicht, die entpolitisiere. Doch in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, in den Jahren von 1919 bis 1939, gab es Projekte, in denen Kosmopolitismus ernst genommen und anzuwenden versucht wurde. Ein Vorhaben, das viele Fragen aufwarf: Wie führt man eine gemeinsame Sprache ein, die es der Menschheit ermöglicht, zu einer Einheit zusammenzufinden? Lassen sich Kinder und Jugendliche zu Weltbürgern erziehen? Wie soll eine künftige Weltregierung die Loyalität ihrer Beamten gewinnen, wenn diese gleichzeitig ihren Herkunftsländern verpflichtet sind?
    Der Historiker Malte König untersucht in „Kosmopolitismus in der Praxis. Weltbürgertum auf dem Prüfstein des Handelns 1919–1939“ (Campus 2025) die Handlungswirksamkeit kosmopolitischen Gedankenguts in der europäischen Politik der Zwischenkriegszeit. Nicht die Utopien stehen im Zentrum, sondern die konkrete Umsetzung des Kosmopolitismus in den Feldern Kommunikation, Erziehung, gelebte Weltgemeinschaft, Menschenrechte und Völkerbund.
    Auf die Vorstellung des Buches durch Malte König folgt ein Kommentar von Isabella Löhr (Freie Universität Berlin). Die anschließende Diskussion wird von Dierk Hoffmann (Institut für Zeitgeschichte München–Berlin) moderiert.
    Veranstaltung In Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte München–Berlin.
    1 hr 36 min
  • Berlin 1936 / Barcelona 1937. Wie Willy Brandt zum Sozialdemokraten wurde - Vortrag von Bernd Rother
    Seit wann war Willy Brandt Sozialdemokrat: seit der Zeit in der Arbeiterjugend, seit dem Beitritt in die Lübecker SPD 1930 oder doch erst seit 1944, als er sich in Stockholm wieder der SPD anschloss? Der Historiker Bernd Rother zeigt in seinem Vortrag, dass neben den skandinavischen Erfahrungen die Aufenthalte in Berlin 1936 und in Barcelona 1937 entscheidend waren. In Berlin lernte Brandt, wie wenig Politik für viele Menschen bedeutete, und in Barcelona erlebte er, wie skrupellos die Stalinisten die Freiheit der Andersdenkenden unterdrückten.
    Der Vortrag wurde am 28. September 2026 im Willy-Brandt-Haus Lübeck gehalten.
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    Bildnachweis: fredstein.com
    26 min
  • Wer schweigt, wird schuldig! Hörstück zum 65. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer
    „Wer schweigt, wird schuldig!“, mahnen Günter Grass und Wolfdietrich Schnurre kurz nach
    dem Bau der Berliner Mauer 1961 und nennen die Manifestierung der Teilung „das Unrecht
    vom 13. August“. Stephan Hermlin antwortet umgehend und erteilt „den Maßnahmen der
    Regierung der Deutschen Demokratischen Republik [s]eine uneingeschränkte ernste
    Zustimmung“. Annemarie, eine junge Ost-Berliner Bürgerin, fragt ihren Bruder Rulle in
    einem Brief: „Was haben wir nur verbrochen??“. Und Willy Brandt? Der prangert die
    „brutale Teilung“ und „rechtswidrigen Maßnahmen des Ulbricht-Regimes“ an und kann den
    Absperrungen mitten durch die Stadt zunächst doch nur ohnmächtig zusehen.
    Diese und weitere zeitgenössische Reaktionen auf die dramatischen Ereignisse vor 65 Jahren
    ergeben eine Collage aus politischen, literarischen und persönlichen Impressionen aus Ost
    und West. Gelesen von der Schauspielerin Sigrid Dettlof und dem Schauspieler Ludwig-
    Christian Glockzin erinnern die Texte an die tiefen Einschnitte in das Leben der Deutschen
    auf beiden Seiten der Mauer.
    Arrangement: Julius Bartholdt, Günter Grass-Haus & Anne Küpperbusch, Willy-Brandt-Haus
    Lübeck, Aufnahme und Schnitt: Hendrik Große-Homann
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    Bildnachweis: Bundesbildstelle
    1 hr 10 min
  • Hören und Sprechen im Krieg. Alltagskommunikation im Nationalsozialismus 1939–1945
    Buchpräsentation und Diskussion
    Hören und Sprechen im Krieg. Alltagskommunikation im Nationalsozialismus 1939–1945
    23. Juni 2026 im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors
    Im Januar 1942 schlug der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS Alarm: Die Bevölkerung baue sich „ihr Bild“ zusammen und übernehme „die unsinnigsten Gerüchte“ kritiklos. Was der SD als ein Problem wahrnahm, bildet den Ansatzpunkt für das Buch „Hören und Sprechen im Krieg“ (2025) von Felix Berge. Auf breiter Quellenbasis untersucht er die Alltagskommunikation in der deutschen Gesellschaft im Zweiten Weltkrieg als Sammlung, Aneignung und Verbreitung von Informationen. Wie tauschten sich Menschen unter den Herrschaftsbedingungen des Nationalsozialismus aus? Wie veränderte sich Kommunikation im Krieg, als das Vertrauen in die Medien zerfiel und die Wahrheit von allen Seiten unter Beschuss geriet? Informelle Kommunikation konnte die Gesellschaft in der Krise strukturieren, verlieh Individuen Souveränität und war ein Überlebensmittel. Wer mehr wusste, besaß Vorteile. Doch die Deutschen artikulierten auch Ängste und Gewalt, sie sprachen über Verbrechen und Holocaust. Das NS-Regime bekämpfte diese „Gerüchtemacherei“ nicht nur, es nutzte informelle Kommunikation in der „Mundpropaganda“ auch selbst.
    Auf die Vorstellung des Buches durch Felix Berge folgt ein Kommentar von Andrea Riedle (Topographie des Terrors). Die anschließende Diskussion wird von Dierk Hoffmann (Institut für Zeitgeschichte München–Berlin) moderiert.
    Eine Kooperationsveranstaltung der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, des Instituts für Zeitgeschichte München–Berlin und des Dokumentationszentrums Topographie des Terrors
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    1 hr 18 min
  • Lübecker Verfassungsrede 2026 - Vortrag von Heike Krieger
    Das Völkerrecht sei weltfremd, sich dafür einzusetzen naiv. Es bewirke wenig und schütze letztlich nur Autokraten. Immer mehr Stimmen bezweifeln ganz grundsätzlich die Bedeutung des internationalen Rechts für die Bundesrepublik Deutschland. Anders aber lauten die Vorgaben des Grundgesetzes, das eine Hinwendung zu internationaler Kooperation und der Herrschaft des Rechts postuliert. Warum es auch aus der Perspektive der deutschen Verfassung erforderlich bleibt, sich für die Geltung des Völkerrechts einzusetzen, beleuchtet Heike Krieger in ihrem Vortrag.
    Heike Krieger ist Professorin für Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Freien Universität Berlin. Sie ist Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Internationales Recht und war von 2007 bis 2014 Richterin des Verfassungsgerichtshofs des Landes Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Allgemeinen Völkerrecht, im humanitären Völkerrecht und im Menschenrechtsschutz.
    Am 23. Mai 2026 hielt Heike Krieger die Lübecker Verfassungsrede.
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    Bildnachweis: Margret Witzke
    52 min
  • „Freundesland“ – Rut Brandts Erinnerungen
    Lange Jahre waren sie vergriffen, jetzt hat der Lübecker Verlag Rote Katze sie neu aufgelegt: Die Erinnerungen der Norwegerin Rut Brandt, die sie 1992 unter dem Titel „Freundesland“ veröffentlicht hatte. Die Neuerscheinung ist Anlass für eine Würdigung dieser beeindruckenden Frau, die wie ihr Ehemann Willy Brandt aus einfachen Verhältnissen stammte, wie er im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war, nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihm nach Deutschland ging und ihn bis zur Scheidung 1980 durch die Höhen und Tiefen seiner politischen Karriere begleitete. Doch Rut Brandt war viel mehr als nur Wegbegleiterin eines berühmten Politikers. Sie war in vielerlei Hinsicht auch seine Wegbereiterin.
    Am 23. April 2026 hielt die Historikerin Bettina Greiner dazu einen Vortrag. Anschließend sprach Sie mit
    Björn Engholm, Ministerpräsident a.D. Schleswig-Holstein, und Rosemarie Bouteiller, Vorsitzende der Erich-Mühsam-Gesellschaft. Begrüßung: Bernd Saxe, Rote Katze Verlag
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    Bildnachweis: BWBS
    1 hr 11 min
  • Vergangenheit als Argument: Erinnerungspolitische Deutungskämpfe seit 1945
    Vergangenheit als Argument: Erinnerungspolitische Deutungskämpfe seit 1945
    Buchsalon am 23.4.2026 im Forum Willy Brandt Berlin
    Die Frage nach der historischen Verantwortung, die aus der NS-Vergangenheit erwachsen ist, prägt die Debatten in Politik, Gesellschaft, Medien und Wissenschaft bis heute. Bereits unmittelbar nach 1945 begannen die Deutungskämpfe über den Umgang mit dieser Vergangenheit: Wie konnte es dazu kommen? An welche Opfer wird wie erinnert? Wen versteht man als Täter, wen als Mitläufer und wie sollte man mit ihnen umgehen? Und worauf genau bezieht sich eigentlich das „Nie wieder“? Seit mehr als acht Jahrzehnten werden diese Fragen unter sich wandelnden Vorzeichen immer wieder neu und kontrovers diskutiert.
    Zwei eindrucksvolle neue Veröffentlichungen beleuchten diese Debatten aus unterschiedlichen Blickwinkeln: In „Never Again: Germans and Genocide After the Holocaust“ untersucht der US-amerikanische Historiker Andrew I. Port, wie die Auseinandersetzung mit dem Holocaust im geteilten und im geeinten Deutschland den Umgang mit anderen Genoziden geformt und beeinflusst hat. Die Historikerin und Kulturwissenschaftlerin Marie Müller-Zetzsche analysiert in ihrem im Mai erscheinenden Buch „Erneuerung der alten Rechten“ deren gezielte Versuche, den Erinnerungsdiskurs im Sinne ihrer Politik und Ideologie zu lenken. Moderiert von Frank Wolff stellen beide Gäste in der zweiten Ausgabe unseres Buchsalons ihre Bücher vor.
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    1 hr 45 min
  • Die Entscheidung. Deutschland 1929 bis 1934 mit Jens Bisky
    Der Aufstieg radikaler Kräfte in Deutschland begann nicht erst 1933. Der Tod des Außenministers Gustav Stresemann und die Weltwirtschaftskrise läuteten bereits 1929 den Anfang vom Ende der Weimarer Republik ein und ermöglichten Hitlers Aufstieg. Demokratische Republik oder faschistischer Staat – so lautete ab Sommer 1930 die Alternative. Was folgte – die Pulverisierung der bürgerlichen Milieus, der Aufruhr der Mittelschichten, die Selbstüberschätzung der Konservativen und Nationalisten, die sich einbildeten Hitler zähmen zu können, Verelendung und Bürgerkriegsfurcht – mündete in der verbrecherischsten Diktatur des 20. Jahrhunderts.
    Der Autor Jens Bisky beschreibt in „Die Entscheidung. Deutschland 1929 bis 1934“ (Rowohlt 2024) wie die Weimarer Republik in einem Wirbel aus Not und Erbitterung zerstört wurde. Am 15. April 2026 ging er im Gespräch mit der Journalistin Frauke Hamann der Frage nach, wie eine demokratische Republik im Faschismus enden konnte.
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    Bildnachweis: Olaf Malzahn
    1 hr 26 min
  • Die Deutsch-Israelischen Studiengruppen und die frühen studentischen Kontakte mit Israel 1948-1972
    Die Deutsch-Israelischen Studiengruppen und die frühen studentischen Kontakte mit Israel 1948-1972
    Buchvorstellung mit Vortrag und Diskussion im Forum Willy Brandt Berlin
    1957 gründete der israelische Student Jochanan Bloch an der Freien Universität Berlin die erste Deutsch-Israelische Studiengruppe. Nach dem Berliner Vorbild konstituierten sich in den folgenden Jahren auch an anderen westdeutschen Universitäten parallele Gruppen. Mitte der 1960er-Jahre existierten zeitgleich insgesamt 19 solcher Gruppen mit etwa 600 bis 800 Mitgliedern. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen von Nationalsozialismus und Holocaust engagierten sich die Mitglieder in Deutschland für die NS-Aufarbeitung, gegen den Antisemitismus und für engere Kontakte mit Israel.
    Jonas Hahn bettet die Geschichte dieser studentischen Vereinigung in den größeren Kontext der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte sowie der frühen deutsch-israelischen Beziehungen ein. Auf Grundlage einer umfangreichen Quellensammlung liefert der Autor eine sozialgeschichtliche Analyse der Anfänge des deutsch-israelischen Beziehungsverhältnisses, in dem studentische und gesellschaftliche Akteure eine Vorreiterrolle einnahmen und mit ihrem Engagement politischen Entwicklungen und der offiziellen Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel im Jahr 1965 den Weg ebneten.
    Auf die Vorstellung des Buches durch Jonas Hahn folgt ein Kommentar von Daniel Mahla (Universität Haifa). Die anschließende Podiumsdiskussion wird von Kristina Meyer moderiert.
    Unser Gast Daniel Mahla konnteTintra wegen der anhaltenden Kriegssituation derzeit leider nicht aus Israel anreisen. Den Kommentar zur Buchvorstellung von Jonas Hahn übernimmt dankenswerterweise die Historikerin Zarin Aschrafi von der Universität Leipzig
    In Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte München−Berlin
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    1 hr 46 min
  • Katharina Focke: Verantwortung für Europa
    Katharina Focke: Verantwortung für Europa
    Vortrag und Gespräch am 10. März im Willy-Brandt-Forum Unkel
    Katharina Focke (1922–2016) gilt als bedeutende europapolitische Pionierin der Bundesrepublik. Sie war eine Politikerin der SPD und eine bedeutende Vertreterin der europäischen Idee im Nachkriegs-Deutschland. Focke trat 1964 der Partei bei und wurde 1966 in den Landtag von NRW gewählt, wo sie bis 1969 tätig war. Zu dieser Zeit konzentrierte sie sich auf europäische und soziale Fragen. Nach ihrer Wahl in den Deutschen Bundestag 1969 ernannte Willy Brandt sie zur Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundeskanzleramt. Sie fungierte als enge Beraterin in Bezug auf Europapolitik, Bildungsfragen und Bund-Länder-Beziehungen. 1972 wurde sie Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Focke trat 1979 bei den ersten Direktwahlen zum Europäischen Parlament an und war dort bis 1989 Abgeordnete. Sie setzte sich stark für Entwicklungs- und Zusammenarbeitspolitik ein und war von 1984 bis 1987 Vorsitzende des Ausschusses für Entwicklung und Zusammenarbeit. Außerdem war sie 1984 SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl.
    Der Historiker Tom Hillebrand wird in seinem Vortrag die europapolitische Karriere Fockes betrachten. In seinem laufenden Dissertationsprojekt untersucht er Fockes europapolitischer Erfolge und den Symbolcharakter Fockes für eine sich verändernde SPD in den 1960er und 1970er Jahren. Im Anschluss wird Scott Krause, Leiter des Willy-Brandt-Forums Unkel, ein Gespräch zwischen Tom Hillebrand und Karsten Brenner, ehemaliger Büroleiter Fockes, moderieren.
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    1 hr 26 min

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