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  • Wo sind die fehlenden Arbeitskräfte hin? | Von Norbert Häring
    Was die Zahlen sagen
    Ein Standpunkt von Norbert Häring.
    Überall hört man von fehlenden Arbeitskräften. Es sei furchtbar schwer, neue Mitarbeiter zu finden. In Anbetracht der coronageschädigten Wirtschaft fragt man sich, wo die Arbeitnehmer und potentiellen Arbeitnehmer sind, die in so vielen Branchen fehlen. Ich habe mir deshalb die Beschäftigungsentwicklung nach Branchen angeschaut und einen Sektor gefunden, der kräftig Personal aufgestockt hat.
    Ein leergefegter Arbeitsmarkt ist normal, wenn die Wirtschaft längere Zeit boomt. Aber wenn die Wirtschaft gerade aus einem pandemiebedingten Abschwung kommt und der Ukraine-Krieg eine neue Rezessionsgefahr schafft, ist solch ein Arbeitskräftemangel ungewöhnlich.
    Die deutsche Wirtschaftsleistung lag im ersten Quartal 2022 preisbereinigt gerade einmal ein knappes Prozent höher als im ersten Quartal 2020, vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Ein halbes Prozent pro Jahr ist wenig. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat im gleichen Zeitraum doppelt so stark zugenommen, um knapp 700.000 oder 2,1 Prozent. Von März 2020 bis April 2021 betrug die Zunahme sogar 713.000 Beschäftigte.


    Die Beschäftigung hat sich also in zwei Pandemiejahren erstaunlich gut entwickelt und trotz der mauen Wirtschaftslage und schlechten Konjunkturaussichten fehlen den Unternehmen in vielen Branchen Arbeitskräfte. Was ist da los? Etwas ist anders als früher.

    Sind es vielleicht vor allem Minijobs, die zugenommen haben? Im Gegenteil: Die Anzahl der Beschäftigten, die ausschließlich in einem (oder mehreren) Minijobs beschäftigt sind, ist um gut 300.000 gesunken. Die Anzahl der nicht geringfügig entlohnten Stellen ist also nicht nur um 700.000, sondern um annähernd eine Million gestiegen.
    Zugenommen, und zwar um knapp 280.000 hat die Anzahl derer, die neben einem regulären Job noch eine geringfügige Beschäftigung ausüben. Sie sind bereits über ihren Hauptjob bei den versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen erfasst. Dass die Minijobs als Zusatzjob zunehmen und die Minijobs als einzige Einkommensquelle abnehmen, ist ein Zeichen für große Arbeitskräftenachfrage.
    Insgesamt ist allerdings die Zunahme des Arbeitsvolumens hinter der Zunahme der Beschäftigung zurückgeblieben. Die durchschnittliche Arbeitszeit hat sich verkürzt, was nicht an tariflichen Arbeitszeitverkürzungen lag. Laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) hat die Arbeitsstundenzahl das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht.
    Alterung und weniger Zuwanderung?
    Die Erwerbstätigenquote, also der Anteil der Erwerbstätigen an den Einwohnern im erwerbsfähigen Alter ist im Verlauf von 2021 gestiegen, die Arbeitslosigkeit gesunken. Die Menschen haben sich also nicht massenhaft vom Arbeitsmarkt zurückgezogen.


    Sind vielleicht viele der während der Pandemie freigesetzten ausländischen Arbeitskräfte abgewandert und kommen nicht zurück? Hat die Pandemie den Zustrom ausländischer Arbeitskräfte unterbrochen oder gedämpft?

    Letzteres trifft zu, Ersteres nicht.
    Obwohl zum 1. März 2020 mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz liberalere Regelungen für die Arbeitsmigration beschlossen wurden, ging die Nettozuwanderung aus dem Nicht-EU-Ausland zu Beschäftigungszwecken deutlich zurück. Auch die Nettozuwanderung insgesamt gab nach.
    Schaut man allerdings auf die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung von Ausländern, so zeigt sich ein anderes Bild. Von März 2020 bis September 2021 nahm diese nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit um um fast 400.000 auf 4,7 Millionen zu. Die Zunahme war damit rund 30 Prozent stärker als in den eineinhalb Jahren zuvor. Die Beschäftigtenzahl der Deutschen nahm im gleichen Zeitraum nur um 280.000 zu, sodass der Ausländeranteil an der Gesamtbeschäftigung von 12,8 auf 13,7 Prozent stieg. Das dürfte damit zusammenhängen,
    11 min
  • US-Kriegspläne und Terroranschläge gegen Venezuela enthüllt | Von Rainer Rupp
    Ein Kommentar von Rainer Rupp.
    Die Vereinigten Staaten sehen sich gern als glänzendes Vorbild, als Leuchtturm der Freiheit und globaler Kämpfer für die Demokratie. Wie schmutzig und menschenverachtend es tatsächlich hinter den Kulissen der Macht in Washington vorgeht, das hat jetzt ein Top-Insiders mit schockierenden Details über Kriegspläne - und Terroranschläge des US-Oligarchen-Regimes gegen die Demokratie in Venezuela enthüllt. Mit Blick auf die Ukraine führt das die ganze moralische Verkommenheit der so genannten „westlichen Wertegemeinschaft“ vor Augen.
    Der Titel des Mitte Mai erschienen Buchs von Mark Esper, der von 2019 bis 2020 Präsident Donald Trumps Verteidigungsminister war, heißt „Der heilige Eid: Erinnerungen eines Verteidigungsministers während außerordentlichen Zeiten“ („A Sacred Oath: Memoirs of a Secretary of Defense During Extraordinary Times")
    In dem Buch enthüllt der Autor, dass die Trump-Regierung


    eine Invasion Venezuelas geplant hatte,
    sondern auch die Ermordung von Präsident Nicolas Maduro
    sowie die Durchführung einer Welle von Terroranschlägen auf die zivile Infrastruktur des Landes.
    außerdem wurde eine Söldnerarmee für den Einsatz in Venezuela aufgestellt, um dort einen Terrorkrieg im „Contra-Stil“ zu führe, wie das in Nicaragua Anfang der 1980er Jahre unter Präsident Ronald Reagan geschah.

    Zugleich bestätigt Esper auch Washingtons Beteiligung an der Operation Gideon - eine verpfuschte militärische Invasion des Venezuelas und an einem Attentat auf Maduros Leben im Jahr 2018.
    Die Eingeständnisse Espers zu Venezuela handeln von Ereignissen, die bis vor kurzem noch von der US Regierung und den Westmedien als Fake News oder Verschwörungstheorien abgetan wurden. Entsprechend sind westliche Medien auf dieses Kapitel des Esper-Buches überhaupt nicht eingegangen. Stattdessen haben sie die Rezensionen des Buches, das in weniger als einem Monat auf die Bestsellerliste der New York-Times katapultiert wurde, voll und ganz auf Espers Total-Verriss seines ehemaligen Chefs, Donald Trump, konzentriert.
    In der Rezension des „Wall Street Journal“, die von Amazon zur Bewerbung des Buches übernommen wurde, heißt es u.a. i „Immer wieder zeigt er (Esper), wie die Unaufmerksamkeit des Präsidenten (Trump), die Ignoranz, die Neugier, die Doppelzüngigkeit und die mangelnde Bereitschaft, Verantwortung für harte Entscheidungen zu übernehmen, die Vereinigten Staaten in Gefahr brachten.“ Damit bestätigt Esper - allerdings ungewollt - den lang gehegten Verdacht, dass die Falken im Weißen Haus, z.B. John Bolton als Nationaler Sicherheitsberater oder die Kriegstreiber in den US-Ministerien wie ex-CIA-Chef und Trumps Außenminister Mike Pompeo den Präsidenten in politischen Entscheidungen marginalisiert und ausgetrickst haben.
    Während in den westlichen Medien über den Venezuela-Teil in Espers Buch kaum berichtet wird, haben Espers Eingeständnisse in der südamerikanischen Nation einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Diego Sequeraii, ein in Caracas ansässiger investigativer Journalist, sagte z.B. gegenüber MintPress,iii dass allerdings nur wenige Südamerikaner von den Enthüllungen überrascht waren. "Es ist in gewisser Weise schockierend. Aber auf der anderen Seite ist es für uns hier ziemlich üblich", sagte er und fügte hinzu: "Die Nachrichten sind überhaupt nicht überraschend; wir in Venezuela sind daran gewöhnt. Seit 2004, als die erste kolumbianische paramilitärische Einheit mit dem Plan zur Ermordung von Präsident Hugo Chavez verhaftet wurde, gab es viele Enthüllungen dieser Art."
    In dem Buch erinnert Esper auch daran, dass Donald Trump den selbsternannten venezolanischen Präsidenten Juan Guaidó als Ehrengast zu seiner Rede zur Lage der Nation im Jahr 2020 eingeladen hatte, in der Guaidó als "der wahre und legitime Präsident" Venezuelas bezeichnet wurde und von Republikanern und Demokraten gleichermaßen mit s...
    17 min
  • Corona, Ukraine und die Welt außerhalb der NATO | Von Jochen Mitschka
    Der unaufhaltsame Wandel nimmt Fahrt auf
    Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.
    Als der Präsident Namibias, Hage Geingob im Radio Anfang Juli erklärte, dass er in der Versammlung des Sicherheitsrates saß, und zusehen musste, wie die westlichen Staaten das Apartheidregime unterstützten, und alleine Russland bzw. die Sowjetunion die Freiheitsbewegungen Afrikas gegen den Kolonialismus und Apartheid unterstützten, nutzte er eine Wunde aus, welche heute noch die Intellektuellen Afrikas als ideologische Grundrichtung bewegt. Nämlich das Bewusstsein, dass der Westen, trotz seiner ständigen Rede von Freiheit und Demokratie, ein Bündel heuchlerischer Imperialisten und Ausbeuter war und ist.
    Die Verursacher sind bekannt
    Der „wertevolle“ Westen unternimmt derzeit alles, um auch dem letzten Bauern am Hindukusch oder in Pakistan klar zu machen, dass dessen Schicksal ihm egal ist. Nicht nur, weil in den USA Geld, das dem afghanischen Staat gehört, gestohlen und an US-Bürger verteilt werden soll, sondern auch, weil derzeit der Westen jeden Flüssiggastanker vom Markt wegkauft, der irgendwie verfügbar ist. Was Länder wie Pakistan, die keine Pipelineverbindung haben, ins Chaos stürzen kann. (15)
    Die EU könnte bequem über Pipelines aus Russland umweltfreundliches Erd-Gas zu niedrigen Kosten beziehen. Stattdessen kauft sie den armen Ländern die Energieträger weg, die diese eigentlich dringend benötigen. So sorgt die EU nicht nur für explodierende Energie- und Lebensmittelkosten weltweit, sondern für Frustration und sogar Hass. Wie schreibt die Finanzmarkt Welt lakonisch:


    „Während also Europa praktisch jeden verfügbaren LNG-Tanker (Liquefied Natural Gas) vom Spot-Markt weg kauft, um seine Gasspeicher zu füllen, gehen in Pakistan die Lichter aus.“ (1)

    Und so braucht man sich nicht zu wundern, wenn eine alternative Weltordnung ohne die Macht der westlichen Menschenverachter durch immer mehr Staaten aktiv unterstützt wird.
    Der chinesische „Imperialismus“
    Die alten Kolonialstaaten und später zunehmend die USA hatten durch die weitgehende Kontrolle der Geld- und Wirtschaftspolitik genügend Druckmittel, um eine ihnen genehme Politik durchzusetzen. Wie solche Einflussnahmen im Einzelnen aussahen und noch aussehen, kann man eindrucksvoll dem Buch „Confession of an economic hitman“ von John Perkins (2) entnehmen.
    In seinem Buch beschreibt er, wie er als Berater unterentwickelte Staaten dazu brachte, enorme Entwicklungshilfekredite von Institutionen wie der Weltbank und der United States Agency for International Development (USAID) aufzunehmen. Belastet mit riesigen Schulden, die sie nie zurückzuzahlen erhoffen konnten, waren diese Länder in der Folge gezwungen, sich bei den verschiedensten Gelegenheiten dem politischen Druck der USA zu beugen.
    Mit dem wachsenden Einfluss und wirtschaftlichen Engagements Chinas ist dieser Einfluss zurück gedrängt worden. Und nun wirft ausgerechnet der Westen China vor, einen „Wirtschaftsimperialismus“ zu betreiben, indem Staaten durch billige Kredite in die Abhängigkeit gebracht werden.
    Sicher ist „China“, ein Begriff, unter dem alle möglichen Akteure chinesischen Ursprungs zusammen gefasst werden, kein selbstloser Helfer der armen Länder. Zum einen ist es ja nicht der Staat alleine, sondern es sind kapitalistische Unternehmen, die eine Profitoptimierung anstreben, die in vielen Fällen in Afrika aktiv sind. Und diesen wird auch zu Recht die Aneignung von wertvollem Land vorgeworfen, sowie die Praxis, statt einheimische Mitarbeiter einzuarbeiten, billige Arbeitskräfte aus China zu beschäftigen. Wobei „billig“ inzwischen auch nicht mehr zutreffend sein kann, wie ich im hiesigen Golfclub beobachten konnte.
    Zweitens sind die Investitionen und die Förderung von afrikanischen Staaten langfristig im Interesse der chinesischen staatlichen Entwicklungsplanung. Auch wenn China einen enormen Binnenmarkt hat,
    23 min
  • Keiner soll hungern ohne zu frieren | Von Wolfgang Bittner
    Der Weg in die Katastrophe
    Ein Kommentar von Wolfgang Bittner.
    Am 6. Juli 2022 wiederholte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck auf der Münchner Handwerksmesse das, was er schon mehrmals gesagte hat: „Es kommen noch enorme Preiserhöhungen auf uns zu.“ Der Herbst werde teuer, und auf etwa 50 Prozent der Bevölkerung komme eine Situation zu, „in der sie weniger verdienen als sie ausgeben“.(1) Für die deutsche Wirtschaft bedeute der steile Anstieg der Energiepreise das dreifache Risiko von Kaufkraftverlust, drohender Kreditklemme und Investitionsschwäche. In den Unternehmen gebe es eine wachsende Investitionszurückhaltung, und bei den Banken eine wachsende Zurückhaltung, Kredite zu vergeben.(2)
    Schon Ende Juni hatte Habeck erklärt, als sei das selbstverständlich und sozusagen gottgewollt: „Es kann wirklich problematisch werden“, er rechne mit dem Schlimmsten. (3) Es drohe "eine Blockade von Nord Stream 1 insgesamt", und damit sei ein vollständiges Ausbleiben russischer Gaslieferungen durch die Ostseepipeline zu befürchten.(4) Deswegen, so Habeck, könne es „wirklich problematisch werden“.
    Die Bevölkerung wird dementsprechend ohne jegliche Skrupel aufgefordert, weniger Gas zu verbrauchen, am Strom zu sparen, weniger zu duschen und so weiter. Einige Vermieter gehen bereits dazu über, Warmwasser zu rationieren. Wie schon in der Corona-Pandemie, werden die Menschen in einem permanenten Alarmmodus gehalten, der sie im Sinne einer mehr und mehr verfehlten, existenzbedrohenden Politik beeinflussbar macht.
    Oskar Lafontaine hielt Habeck kurz und knapp entgegen: „Wenn man an die eigene Bevölkerung denkt, gibt es nur eine Lösung: Öffnet Nord Stream 2, um das Schlimmste zu verhindern.“(5) Und er fuhr fort: „Es war doch wirklich peinlich, mit anzusehen, wie Biden auf der Pressekonferenz mit Scholz in Washington diesem überdeutlich machte, wer bestimmt, ob die Ostseepipeline Nord Stream 2 in Betrieb genommen wird oder nicht. Wann wird es einen Bundeskanzler geben, der den Mut hat, Washington zu sagen, bis hierhin und nicht weiter.“
    Zum Ukraine-Krieg berief sich Lafontaine auf den renommierten US-Ökonom Jeffrey Sachs, den er zitierte: „Der Krieg in der Ukraine ist der Höhepunkt eines 30-jährigen Projekts der amerikanischen neokonservativen Bewegung (Neocons). In der Regierung Biden sitzen dieselben Neokonservativen, die sich für die Kriege der USA in Serbien (1999), Afghanistan (2001), Irak (2003), Syrien (2011) und Libyen (2011) starkgemacht und die den Einmarsch Russlands in die Ukraine erst provoziert haben.“(6)
    Papst Franziskus zum Ukraine-Krieg
    In diesem Zusammenhang ist eine Stellungnahme des Papstes erhellend. In einem Interview zur Ukraine sagte Franziskus, der ja wohl als unvoreingenommen gelten kann, am 19. Mai 2022, man müsse sich vom Schema des „Rotkäppchens“ lösen: „Rotkäppchen war gut, und der Wolf war der Bösewicht. Hier gibt es keine metaphysisch Guten und Bösen auf abstrakte Art und Weise.“ Der Papst wies darauf hin, dass „wir nur das sehen, was ungeheuerlich ist, und nicht das ganze Drama sehen, das sich hinter diesem Krieg abspielt, der vielleicht in gewisser Weise entweder provoziert oder nicht verhindert wurde.“ Er fügte hinzu: „Und ich registriere das Interesse am Testen und Verkaufen von Waffen.“(7)
    Franziskus stellte klar: „Manch einer mag mir an dieser Stelle sagen: Aber Sie sind doch pro Putin! Nein, das bin ich nicht. So etwas zu sagen, wäre vereinfachend und falsch. Ich bin einfach dagegen, die Komplexität auf die Unterscheidung zwischen Guten und Bösen zu reduzieren, ohne über die Wurzeln und Interessen nachzudenken, die sehr komplex sind.“(8)
    Auch wenn der Krieg in der Ukraine natürlich nicht gutzuheißen ist, wäre es sinnvoll und wichtig zur Aufklärung der Hintergründe, über die Ursachen dieses Konfliktes und über die Situation in der Ukraine vor dem Krieg Bescheid zu wissen. Aber das ins Gespräch zu bringen,
    12 min
  • 1. August 2022: Wenn Montagsspaziergänger und Demokratiebewegung in Berlin zusammenkommen | Von Anselm Lenz
    Ein Standpunkt von Anselm Lenz.


    Noch neunzehnmal wachwerden und dann ist es soweit. Die Montagsspaziergänger werden sich am 1. August 2022 mit der Demokratiebewegung zur möglicherweise größten Demonstration zusammentun, die es jemals in den Jahrhunderten und Jahrtausenden der europäischen Geschichte gegeben hat – und das an einem Montag um 14 Uhr rund um den Bundestag!

    Die Große 1.-August-Demonstration 2022 soll zunächst eine Familiendemonstration mit klaren Zielen werden. Ganze Familienverbände haben sich angekündigt mit den Kleinsten und den Alten, mit gesunden Ungeimpften, mit beim letzten Mal noch vermeintlich glücklich Geboosterten, sowie mit hoffentlich Vielen der 2,5 Millionen mit Vergiftungserscheinungen Geschädigten. Die Impftoten können nicht mehr kommen, Ihrer wird gedacht werden.
    »Mein Freund ist Russe«, wird eine der Losungen sein. Denn unsere Kollegen und Freunde in Deutschland und deren Kinder sind nicht zum Abschuss freigegeben. Im Gegenteil hat das angloamerikanisch geprägte System derartig grauenhafte Schuld in solch großer Zahl und solch langer Zeit auf sich geladen, dass gerade aus diesen Umfeldern keine Überheblichkeit angebracht sein sollte.
    Unser aller Land, Deutschland, befindet sich unter einem Angriff von innnen und von außen. Von innen wird es angegriffen von einer politmedialen Kaste, die nicht im Auftrag der Menschen tätig ist, sondern als Propagandisten und Statthalter eines dreisten Monopoly-Kapitalismus, in dessen Plan die Menschen in Mitteleuropa seit 2020 einer vollständigen Ausplünderung und Vertreibung unterzogen werden sollen.
    Ein Digital-Finanzieller Komplex trachtet danach, seinen bestialischen Putsch fortsetzen zu können, der mit Familien- und Kinderfeindlichkeit, Euthanasie und Faschismus viel zutun hat und nichts mit Umweltschutz und sexueller Freizügigkeit. Der »Great Reset« ist ein antidemokratischer Putsch, eine Verdunkelung der Sonne, eine Corona, die sich gegen alles richtet, was einmal als gut und richtig beigebracht worden ist: Die Wahrheit zu sagen, dass jedes Menschenleben zählt, dass es Grundrechte gibt, dass am Körper nicht herumgepfuscht werden darf, dass Ärzte nicht absichtlich einen Schaden zufügen dürfen, dass man keine Waffen liefert und Kriege anstachelt und so weiter.
    Dagegen stehen Menschen seit 28. März 2020 täglich auf. Der kommende 1. August 2022 wird für viele auch eine Demonstration für Michael Ballweg sein. Der IT-Unternehmer und weltbekannte »Querdenkener« ist ein Demokrat, der wegen seiner positiven Art, Tatkraft und Organisationstalent für die Demokratie in Deutschland in höchstem Maß verdient gemacht hat. Er wird vom Terrorregime derzeit ohne Anklage in Stuttgart-Stammheim in Isolationshaft festgehalten – auf Veranlassung von Kriminellen im Regierungsapparat, die dafür Verantwortlich sind, die Namen und Adresse haben. Die Regierungs- und Justizapparatmitglieder wollen verhindern, dass ebenjener 1. August 2022 stattfindet, der sich seit 2020 mit dem Namen Ballweg verbindet … dabei war nicht nur ein Mensch da, sondern Millionen von Menschen, die später vom Regime zu »20.000« heruntergelogen wurden. Eine der irrsten und eindeutigsten Lügen in dieser gesamten Zeit.
    Michael Ballweg vereint auf sich den Spirit eines John Lennon – mit fränkischer Seele, Stuttgarter Vernunft und einem gewitzten ehrlichen Geist, aus dem Hecker und Struve grüßen. Es sind die besten, menschenfreundlichsten Ströme der europäischen Geschichte, die Ballweg tragen.
    Und diese Energien tragen auch die Demokratiebewegung insgesamt, die nun die Montagsspaziergänger mit offenen Armen empfangen wird. Um 14 Uhr soll es laut Meldungen am Montag, den 1. August 2022 rund um den Bundestag losgehen. Geplant ist im Verlauf auch ein »Medienmarsch«, im Zuge dessen Konzernpresse und GEZ-Studios gebeten werden sollen, zum Versuch der wahrheitsgemäßen Berichterstattung zurückzukehren. Es gibt keine höhere Wahrheit,
    6 min
  • Hochverrat | Von Rüdiger Lenz
    Eine Tagesdosis von Rüdiger Lenz.


    Ich möchte nie wieder von irgendeinem Deutschen hören, was er in der DDR gemacht hätte, oder was er gegen Adolf Hitler gemacht hätte. Kayvan Soufi Siavash

    Ich habe kein Recht, zu gehorchen, ich tat es schon in der Schule nie
    Leute, die meine Texte regelmäßig lesen, wissen, dass ich nicht gerne ein Problem beschreibe und beim Beschreiben bleibe. Oft biete ich Lösungen an, die dann kontrovers diskutiert, abgewertet oder euphorisch angenommen werden. Viele von euch, das schreiben auch viele in die Kommentare, sind oft verwirrt über meine Person und können mich nicht einschätzen, da ich viele Themen beschreibe.
    Ich habe das Glück gehabt, mich immer für das interessieren zu können, für was ich brannte. Das durchzieht mein ganzes Leben. Schon in jungen Jahren habe ich für mich verstanden, auf was das hier alles hinausläuft und wo das hinführen wird. Alles, was ich tue, tue ich, weil es in mir ist, ich lebe mich selbst. Das ist es, was ich tue.
    Ich habe die Zivilgesellschaft immer als etwas Fremdes verstanden, die mich daran hindert, sein zu können, wer ich bin und leben zu können, was in mir ist. Das, was heute Arbeit genannt wird, geschieht in einem für unsere Menschheitsgeschichte relativ kurzen Zeitraum. Viel länger ist der Zeitraum, wo Menschen das gearbeitet haben, was gerade anlag oder worin sie von Natur aus gute Anlagen hatten. Sie lebten in der Mehrheit wie ich heute.
    Ein Ausbildungscurriculum zu vollführen und zuvor möglichst lange in Schulen gesessen zu haben, um Abschlüsse und Zusatzqualifikationen zu besitzen, weil die Zivilisationsmechanismen dies vorschreiben, ist eines von den zahlreichen Herrschaftsprinzipien, um die Masse möglichst fremdbestimmt zu lenken. Der Mensch verkauft seine Arbeitstätigkeit selbst auf dem Markt und der Markt bestimmt den individuellen Marktwert der Menschen. Karl Marx hat das alles wunderbar beschrieben. Der Mensch, der zuvor selbst bestimmte, was er und wie er zu arbeiten gedenkt, wurde im Zeitalter der ersten industriellen Revolution selbst zum Bestandteil des Marktes und sein Marktwert wurde von außen bestimmt, von den Konzernchefs.
    Rockefellers Erbe, der Philanthrokapitalismus
    Ich begreife alle industriellen Revolutionen, auch die jetzige vierte industrielle Revolution als eine von vielen Rückentwicklungen der Menschheit, weil sie den Menschen selbst durch viele Zivilisationsprozesse in seiner wesenhaften Entwicklung stark einschränkt und vor allem emotional und vom gesunden Menschenverstand her missbildet und gegen sich verformt. Was der Mensch wirklich ist, wird ihm ausgetrieben, ja ist den meisten Menschen heute suspekt und wesensfremd. Diese menschliche Austreibung seiner inneren Bindung zu sich selbst begann vor über zweihundert Jahren als Programm und hatte seinen Kulminationspunkt mit der Entstehung der ersten Superreichen unter John D. Rockefeller.
    Rockefeller war damals das, was heute ein Bill Gates ist. John D. Rockefeller kümmerte sich mit seinem enormen Vermögen darum, sein Kapital in politische und soziale Zielsetzungen so zu investieren, dass es ihm gelang, Teile der damaligen Finanzkapitalwirtschaft vollständig zu verändern. Nichts geschah zum Guten der Menschen. Alles geschah, um möglichst viele Produkte aus dem Öl in Umlauf zu bringen. Und so wurde J. D. Rockefeller nicht nur immer reicher, sondern gleichfalls auch immer mächtiger. J. D. Rockefeller wird oft als der erste Mensch beschrieben, der reicher und mächtiger wurde als damalige Staaten.
    Mayer Ahmscher Rothschild, der den Geldwechsel von seinem Vater lernte, wurde noch vor J. D. Rockefeller der erste Mensch, der reicher und mächtiger wurde, als so manches Reich damals. Heute gilt vielen Bill Gates als in dessen Fußstapfen watender Nachkömmling solchen Denkens und Handelns. Wie seine Vorgänger verändert er mittels seines Vermögens ganze Industriezweige zu seinen finanziellen Gunsten.
    22 min
  • Die Modellierung des Menschen | Von Peter Frey
    Die Wurzeln des heutigen Transhumanismus reichen historisch weit zurück.
    Ein Standpunkt von Peter Frey.
    Weder die Singularität (1) noch der Transhumanismus sind in irgendeiner Weise neue Konzepte, die in den Köpfen der Koryphäen aus dem Dunstkreis (unter anderem) des Weltwirtschaftsforum von Davos, mit Klaus Schwab an dessen Spitze entstanden sind. Diese modernen Priester, so mächtig sie auch zu sein scheinen, sind nicht kreativ. Allein das Wesen der Singularität und des Transhumanismus haben ihren Ursprung in den frühesten Formulierungen Galtons (2) und Nietzsches (3). Festzuhalten bleibt: Der „Great Reset“ ist ohne Zweifel auch ein transhumanistisches Projekt.
    Vorabhinweis: Diese dreiteilige Artikelreihe der Autorin Birgit Naujeck wurde ab dem 4. Mai 2022 auf der Online-Plattform Rubikon erstveröffentlicht.
    Sicher, es schlägt auf den Magen, missfällt total, wenn man darüber nachdenkt, welchen Einfluss die Eugenik auf unsere derzeitige Zeit hat; das Ignorieren eines solchen Themas tut aber auf lange Sicht niemandem einen Gefallen.
    Medial aufgebaute Lieblinge des Weltwirtschaftsforums (WEF) wie Yuval Harari (4) preschen mit Konzepten wie die neue globale nutzlose Klasse nach vorn; eine Klasse, die durch Gentechnik, künstliche Intelligenz, Automatisierung und die vierte industrielle Revolution eingeführt werden wird. Andere, wie der Gründer des WEF, Klaus Schwab, fordern offen eine mit Mikrochips ausgestattete Weltbevölkerung, die in der Lage ist, sich mit einem einzigen Gedanken in ein globales Netz einzuklinken, währenddessen Elon Musk für Neuralink und Mark Zuckerberg für Metaverse werben, um die Menschheit durch die Verschmelzung mit Computern in einer neuen Epoche der Evolutionsbiologie relevant zu halten.
    Zuhören, Nachdenken, Verstehen – wer von den technikaffinen, aber kaum bis nichts von der Technik verstehenden und niemals die Technik hinterfragenden Gläubigen, die ihr Walhalla schon zu Steve Jobs Zeiten betreten haben, ist dazu heute noch fähig?
    Die Eugenik wird auch in der Neuzeit offen durch darwinistische Genetiker wie Richard Dawkins und James Dewey Watson propagiert, die Technokratie konsolidiert sich — den Great Reset als Vorwand nutzend — währenddessen als Regierungsamt, um eine neue post-nationalstaatliche Ära einzuläuten.
    Ist dieser Prozess einfach nur dem Lauf der Dinge zuzuschreiben, oder versteckt sich etwas grundlegend Böses dahinter? Ist es eine Agenda, die mit dem angloamerikanischen Aufstieg des Faschismus und der Eugenik vor mehr als einem Jahrhundert zusammenhängt? Nehmen wir diese Agenda als gesetzt – dann, ja dann, müssen wir den Mut aufbringen, diese Annahme zu erkunden. Nur durch die Betrachtung dieses grässlichen Plans vor mehr als achtzig Jahren waren Patrioten in der Lage, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um 1933 und während des Zweiten Weltkriegs eine technokratische Diktatur der Banker zu verhindern; ein ähnlicher Mut, das Undenkbare zu denken — im Sinne des aufgeklärten Menschen —, sollte sich auch heute finden lassen.
    Was genau geschah nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945?
    Vor siebenundsiebzig Jahren, als die Alliierten ihren Sieg über das besiegte Deutschland festigten und die „Nürnberger Tribunale“ schnellstens vorbereiteten, wurde von denselben Kräften, die enorme Energie, Geld und Ressourcen in den Aufstieg des Faschismus als Wunderlösung für das wirtschaftliche Chaos nach dem Ersten Weltkrieg, das sich in Europa und den USA ausgebreitet hatte, gesteckt hatten, eine neue Strategie in Gang gesetzt.
    Es gehört wohl zu den größten Skandalen unserer Zeit, dass die Maschinerie der Wall Street und der City of London, die Hitler und Mussolini als Rammböcke für eine neue Weltordnung finanzierten, nie wirklich vor Gericht gestellt wurde. Obwohl es Franklin Roosevelt gelang, die Wall Street zwischen 1933 und 1945 ein wenig an die Leine zu legen und gleichzeitig die Weltbühne für eine schöne Nachkriegsvision eine...
    24 min
  • Mediennachwuchs gesucht | Von Michael Meyen
    Die Kritik am Journalismus der Leitmedien setzt in den Redaktionen an und verliert so Rekrutierung und Ausbildung aus dem Blick.


    Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Hans-Joachim Maaz aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt apolut diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

    Ein Kommentar von Michael Meyen
    Wer heute „irgendwas mit Medien“ machen will, lernt das Handwerk in aller Regel im Betrieb. Praktikum, Hospitanz, freie Mitarbeit, Volontariat, Journalistenschule. Die alten Hasen, so sagt man dort, werden schon dafür sorgen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt, und aus Talenten echte Könner machen. Deshalb sei es auch okay, den jungen Leuten wenig oder gar nichts zu bezahlen. All das ist eine Nebelkerze. Eigentlich geht es um Anpassung, Konformität und Homogenität. Wer sich einfügt, darf bleiben und wird sich später nicht wundern oder gar beschweren, wenn Politiker anrufen, Anzeigenkunden oder Geheimdienste. Jede Reform muss deshalb bei der Ausbildung ansetzen. Die Freie Akademie für Medien & Journalismus bietet einen Studiengang jenseits der Konzerne und will so auch die Qualität der Oppositionsmedien verbessern.
    Im Rückblick mutet das seltsam an. Ich bin von einer Welt in eine andere gekommen und habe einfach geschluckt, was man dort für gut und richtig hielt, obwohl es allem widersprach, was ich vorher gelernt und damit auch geglaubt hatte. Ich spreche von der Journalistenausbildung. Genauer: Ich bin ein Kind der Journalistenausbildung, großgezogen in der DDR.
    Die Eltern waren dort getrennt und trafen sich eigentlich nur zweimal zur Übergabe. Meine Mutter hieß Ostsee-Zeitung. Ein Regionalblatt der SED. Ich bin dort sehr früh Volkskorrespondent geworden, vermutlich gleich, als ich einigermaßen fehlerfrei schreiben konnte. Kuchenbasar, Sportberichte. Solche Sachen. Der Junge war in der Zeitung und würde irgendwann Sportreporter sein. Davor stand ein Volontariat, immer noch bei der Mutter. Ein Jahr in einer Lokalredaktion, für mich verkürzt auf zwei Monate, weil ich mich zu drei Jahren Wehrdienst verpflichtet hatte.
    Der Vater war in diesen wenigen Wochen ein Dauerthema. Streng gehe es dort zu. Und vor allem: Die vier Jahre, die ich dort verbringen würde, seien vergeudete Zeit. Dort lernst Du nichts, Michael, im Gegenteil. Man wird Dir das Schreiben verleiden. Fast alle Kinder haben das so gehört. Trotzdem führte kein Weg an diesem Vater vorbei. Ich wollte studieren. Ich wollte ein Diplom. Und das gab es für jemanden wie mich nur an der Sektion Journalistik der Leipziger Universität. Dieser Vater, auch das gehörte zu den Dauerthemen im Volontariat, nahm nicht jeden. Man musste von der Mutter delegiert werden — was nicht jedem gelang — und dann eine Aufnahmeprüfung bestehen.
    Eine Woche in Bad Saarow. Recherchieren, schreiben, diskutieren — umgeben von lauter anderen übereifrigen Kindern. Wer den Vater für sich gewinnen konnte, sah die Mutter erst kurz vor dem Abschluss wieder — oder auch gar nicht. Das Schicksal der Absolventen besiegelte eine Lenkungskommission und damit die führende Partei. Ich mochte die Ostsee-Zeitung nicht besonders und habe mir deshalb schon im ersten Studienjahr einen Hochzeitstermin besorgt — mit einer Frau aus Sachsen. Das Kalkül: Vielleicht ließen sie mich ja an der Uni in Leipzig weitermachen und ersparten mir so den Rückweg nach Norden.


    Heute weiß ich, dass die Praktiker dieses System bekämpft haben. Sie wollten nicht, dass Akademiker entscheiden, wer Journalist werden darf. Und sie wollten erst recht nicht, dass diese Akademiker dem Nachwuchs auch noch den Kopf verdrehen.

    11 min
  • Was läuft im Ahrtal anders als in Mariupol? | Von Peter Haisenko
    Ein Kommentar von Peter Haisenko, Betreiber des Portals anderweltonline.com.
    Vor einem Jahr zog eine Flut einen Korridor der Verwüstung durch das Ahrtal. Schnelle Hilfe wurde versprochen, aber weder die Reparaturen noch der angekündigte und notwendige Hochwasserschutz kommen zufriedenstellend voran. Vor wenigen Wochen wurde Mariupol befreit und bereits jetzt befinden sich Neubauten als Ersatz für die zerstörten Wohnhäuser im Bau.
    Im Ahrtal und auch im Erfttal sind die Schäden der Flutkatastrophe nach einem Jahr immer noch allgegenwärtig. Nicht einmal die Elementarversorgung, Wasser, Strom, Gas und Telefon, ist vollständig wiederhergestellt. Versicherungen wollen nicht bezahlen und Handwerker sind Mangelware. Die Ämter selbst, die schnelle und unbürokratische Hilfe versprochen hatten, verzetteln sich im Gezänk um Zuständigkeiten und Verantwortung. Wer sehen will, wie Katastrophenmanagement nicht funktioniert, dem sei eine Reise ins Ahrtal empfohlen. Die Menschen dort sind wütend, verzweifelt und hoffnungslos. Ja, wir leben im besten aller Deutschlands und sind nicht einmal in der Lage, innerhalb eines Jahres die Folgen einer Katastrophe zu reparieren.
    In Mariupol haben die Asow-Banden auf Befehl Kiews verbrannte Erde hinterlassen. Sie haben sich in Wohngebäuden, Krankenhäusern, Kindergärten und Schulen mit schweren Waffen verschanzt, Zivilsten so als Geiseln genommen und alles getan, dass so viel wie irgend möglich zerstört wird. Frühzeitig wurde die Elementarversorgung sabotiert. Was wir nicht behalten dürfen, das muss zerstört werden, war die Maxime und die wird überall dort angewendet, wo Kiew die Kontrolle verliert. Große Teile Mariupols liegen in Trümmern. Die Wohnungsnot ist groß.
    In Mariupol werden schon neue Häuser gebaut
    Betrachtet man nun die aktuellen Bilder und Reportagen aus Mariupol, – Alina Lipp sei hierfür besonders gedankt – stellt man fest, dass die Straßen weitgehend von Schutt befreit sind. Strom und Wasser fließt wieder in die meisten Ecken der Stadt. Der Hafen und der Strand sind von Minen befreit, die die Asow-Banden hinterlassen hatten. Der Hafen ist wieder in Betrieb und einige Frachtschiffe beladen mit Getreide haben abgelegt. Am bemerkenswertesten empfinde ich aber, dass schon Wohnhäuser neu gebaut werden. Es handelt sich um ein Projekt für 1.000 Wohnungen und die sind zum Teil in ihrem Baufortschritt schon über das dritte Stockwerk hinausgewachsen. Bis zum Herbst werden sie bezugsreif sein. Was also läuft in Mariupol anders, besser, als im Ahrtal?
    In Deutschland ersticken wir am Anspruch der Perfektion. Daran, alles bis ins Letzte durchdenken zu wollen, bevor auch nur ein Finger gerührt werden darf, um nur ja keinen Fehler zu machen. Dazu kommt ein ewiges Kompetenzgerangel und der Unwille, für irgendetwas Verantwortung übernehmen zu wollen. Für jede Entscheidung müssen Dutzende „Fachleute“ aus ebenso vielen Fakultäten angehört werden. Das geschieht nicht etwa koordiniert. Der eine legt etwas auf den Tisch, um es dann von einem Bedenkenträger eines anderen Amts wieder zerlegen zu lassen. Haben Sie auch dies und das bedacht, wird eingeworfen.
    Es gibt keine kompetenten Entscheider
    Hat man natürlich nicht, denn zumeist handelt es sich um Nebensächlichkeiten, wie zum Beispiel den gefährdeten Lebensraum einer Ersatzschnepfe. So fängt man nach Anhörung der nächsten „Fachberatung“ wieder ganz von vorn an. Schließlich will ja niemand Gefahr laufen, anschließend von Dutzenden Bedenkenträgern vor Gericht gezerrt zu werden, weil man ausgerechnet ihren Einwand mißachtet hat und der war natürlich der wichtigste, der elementarste. Über dem Ganzen liegt dann noch länderübergreifendes Kompetenzgerangel wie Mehltau und das Ergebnis heißt Stillstand. Siehe Flughafen Berlin, Stuttgart 21 oder die Zulaufstrecken der Bahn durch das Rhein- oder Inntal. Unser gesamtes System der Perfektion und der Bedenkenträger legt sich in allen Bereichen lahm.
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  • Gesara und Nesara | Von Ernst Wolff
    Ein Kommentar von Ernst Wolff.
    Die Abkürzung NESARA steht für National Economic Stabilization and Reformation Act, auf Deutsch: Gesetz zur nationalen wirtschaftlichen Stabilisierung und Reformierung.
    Es handelt sich allerdings nicht um ein vom amerikanischen Parlament - dem Kongress - verabschiedetes Gesetz, sondern um den Gesetzesvorschlag eines US-amerikanischen Philosophie-Professors namens Harvey Francis Barnard.
    Barnard hatte sich in den 1970er und 1980er Jahren mit den Ungerechtigkeiten des bestehenden Geldsystems beschäftigt und daraufhin zahlreiche Vorschläge zu seiner Verbesserung zusammengestellt. Er schlug unter anderem die Deckung der US-Währung durch Edelmetalle, die Abschaffung der Einkommenssteuer, die Einführung einer pauschalen Umsatzsteuer auf nicht lebensnotwendige Güter und die Erhöhung der Sozialleistungen für alte Menschen vor.
    Anfang der 1990er Jahre veröffentlichte Barnard seinen Vorschlag unter der Überschrift Draining the Swamp: Monetary and Fiscal Policy Reform – zu deutsch: Den Sumpf trockenlegen – eine Reform der Geld- und Steuerpolitik. Auf Grund der positiven Reaktionen ließ er 1996 1000 Kopien drucken und verschickte sie an die Mitglieder des Kongresses – allerdings ohne Erfolg. Seine Vorschläge wurden nie im Kongress debattiert und schon gar nicht als Gesetz verabschiedet.
    Das ist nicht verwunderlich, denn NESARA enthält diverse tiefgreifende und systemverändernde Reformen, die der Macht der größten Finanzinstitute an der Wall Street ihre Grundlage entzogen hätten. Diese Macht basiert ja gerade auf der Abkoppelung des Geldes von den Edelmetallen, einer höchst ungerechten Steuergesetzgebung und der ständigen Begünstigung der ultrareichen Elite.
    Dass Barnard offensichtlich annahm, mit seinen Vorschlägen bei den Abgeordneten des Kongresses auf offene Ohren zu stoßen, zeigt ein hohes Maß an Naivität und politischem Unverständnis. Der US-Kongress ist schließlich seit mehr als einhundert Jahren nichts anderes als der verlängerte Arm der Wall Street und damit das politische Zentrum genau des Sumpfes, den Barnard gern trockenlegen wollte.
    Dass Barnards Ideen heute noch durch das Internet geistern, zeigt, dass dieses politische Unverständnis immer noch weit verbreitet ist. So wird zum Beispiel behauptet, dass NESARA unter Bill Clinton heimlich verabschiedet worden sei und unter seinem Nachfolger George W. Bush am 11. September eingeführt werden sollte, dass diese Einführung aber durch die Terroranschläge auf das World Trade Center verhindert worden sei.
    Die Vorstellung, dass ausgerechnet Bill Clinton sich für NESARA eingesetzt haben soll, ist absurd. Clinton hat der Finanzindustrie mehr Geschenke gemacht als irgendein Präsident vor ihm und wäre mit Sicherheit der Letzte gewesen, der NESARA gesetzlich verankert hätte.
    Noch absurder sind die Gerüchte, die um GESARA verbreitet werden. Das G steht für global, es geht hierbei also um eine weltweite Geld- und Steuerreform.
    Angeblich wurde GESARA heimlich in das überarbeitete Pariser Abkommen über den Klimawandel von 2015 eingebettet. Donald J. Trump soll das Papier 2017 unterzeichnet und so den Weg für die weltweite Einführung eines neuen Geldsystems freigemacht haben, was aber bis heute vom Tiefen Staat verhindert wurde.
    Diese Thesen belegen nur eins, nämlich die vollständige politische und wirtschaftliche Ahnungslosigkeit ihrer Urheber, die uns allen Ernstes weismachen wollen, dass ausgerechnet die Politiker, die – wie auch Donald Trump - dazu beigetragen haben, das aktuelle Chaos anzurichten, im Hintergrund an einer gerechteren Weltordnung arbeiten und uns alle eines Tages damit überraschen werden.
    Um es klar und deutlich auszudrücken: Wir leben in einer Welt, die vom digital-finanziellen Komplex beherrscht wird, also von den großen Finanzinstituten der Wall Street und den großen IT-Konzernen des Silicon Valley. Deren Herrschaft gründet sich auf das aktuelle in höchstem ...
    6 min

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das denk' ich auch