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Die Apothekenreform hat starke Proteste bei Ärzteverbänden ausgelöst, weil Pharmazeutinnen und Pharmazeuten damit verstärkt in ärztliches Terrain vordringen: Sie dürfen in Zukunft Patientinnen und Patienten Blut abnehmen, Labor-Schnelltests, zum Beispiel auf bestimmte Viren machen, und sogar eigenverantwortlich rezeptpflichtige Medikamente abgeben. Außerdem dürfen Apotheken ab Juli gegen ein Honorar von 30 Euro auch Videosprechstunden für Patienten vermitteln, die allein vielleicht nicht dazu in der Lage sind.
Dr. Christian Schulze, Hausarzt in einer Gemeinschaftspraxis Winterburg im Hunsrück, nimmt im „ÄrzteTag“-Podcast Stellung dazu, wie sich das Verhältnis zu den Apothekern infolge der Reform entwickeln könnte.
Im Gespräch begründet er, warum er die Fokussierung auf die Laborwerte im Vergleich zur umfassenden hausärztlichen Anamnese für den falschen Ansatz hält. In der Umgebung von Winterburg hätten sich die Apotheker allerdings bislang noch nicht mit den bereits möglichen Impfungen, zum Beispiel gegen Influenza, hervorgetan. Wie sie jetzt auf die neuen Möglichkeiten reagieren, sei bislang noch schwer vorauszusagen.
Ähnlich verhält es sich nach seiner Einschätzung mit der Vermittlung von Videosprechstunden durch Apotheken. Schulze erläutert im Podcast, welche Hürden überwunden werden müssen, um eine Online-Sprechstunde mit Apotheke und Patient zu vereinbaren – und was er von dem Honorar in Höhe von 30 Euro allein für die Vermittlung hält. (Länge: 29:20 Minuten)
Informationen zur Ärzte Zeitung:
ERASE-Studie
Meldungen über schrumpfende Gewinne in Vertragsarztpaxen in den vergangenen Monaten haben Praxisinhaberinnen und -inhaber ebenso aufgeschreckt wie die Kürzungspläne über das Beitragssatzstabilisierungsgesetz der Bundesregierung, die viele Fachgruppen empfindlich treffen könnten.
Hausarzt Dr. Bahman Afzali, der in Bedburg bei Köln seit 2022 ein Medizinisches Versorgungszentrum betreibt, hat sich nach „sehr holprigem Start“ ganz genau mit den Themen wirtschaftliche Praxisführung und betriebswirtschaftliche Kennzahlen beschäftigt.
Ein Selbstläufer sei die Niederlassung mittlerweile nicht mehr, nachdem vor allem die Personalkosten in den vergangenen Jahren so stark gestiegen seien, stellt Afzali fest. Die Alternative, als Oberarzt in der Praxis tätig zu sein, ohne das Risiko eines Kredites, der über Jahre zurückgezahlt werden müsse, sei zunehmend verlockend. Übliche Landarztpraxen hätten es mittlerweile schwer – trotz vieler Patienten.
40 Euro Pauschale bei zehn Arztkontakten im Quartal?
Afzali macht eine „implizite Ambulantisierung“ als eine Ursache der Probleme aus: Immer mehr Patienten kämen sechs, zehn oder gar zwölfmal im Quartal in die Praxis, weil die Versorgung so komplex sei. Da komme man mit einer Pauschale von 40 Euro halt nicht mit hin.
Im Gespräch erläutert er, warum es so wichtig ist, die betriebswirtschaftliche Analyse (BWA) nicht erst nach Quartalsschluss oder noch später vorliegen zu haben – und wie man es erreichen kann, mit aktuellen Zahlen zu arbeiten.
Afzali arbeitet mittlerweile mit einem digitalen Tool, das automatisiert alle Umsätze des Bankkontos der Praxis herunterlädt und ihm dadurch sehr schnell den Überblick über Einnahmen und Ausgaben vermittelt – und auch darüber, wie er im Vergleich mit anderen Praxen abschneidet.
Lücken bei Einnahmen und Ausgaben
Auf diese Weise seien ihm Lücken bei Einnahmen wie auch bei den Ausgaben aufgefallen. Er habe beispielsweise festgestellt, dass er in den ersten zwei Jahren „absurd hohe Kosten für Praxisbedarf“ gehabt habe. Das habe die Praxis dann abstellen können.
Thema im Podcast sind die wichtigsten Kennzahlen, mit denen der Hausarzt jetzt arbeitet, um die Praxis besser steuern zu können.
Es geht aber auch um Fragen wie, inwieweit angestammte Praxisverwaltungssysteme helfen können, diese Anforderungen zu erfüllen, und welcher Aufwand für Praxisinhaberinnen und -inhaber entsteht. Aber auch darum, welche Kosten entstehen, wenn zusätzliche digitale Tools genutzt werden, und über welche Schnittstellen diese an die PVS angebunden werden können. (Länge: 41:56 Minuten)
Dr. Hans Bürger ärgert sich seit Jahren über die hohe Belastung der Praxen durch immer mehr bürokratische Anforderungen – unter anderem durch Einzelregresse in geringer Höhe. Dreiviertel der beantragten Regresse seien sogenannte Bagatellregresse, zeigten Untersuchungen von Kassenärztlichen Vereinigungen.
Kolleginnen und Kollegen würden unverhältnismäßig belastet, wenn sie sich gegen diese Regressanträge wehren, auch in KV und bei den Krankenkassen selbst entstehe ein hoher Aufwand, schimpft der Hausarzt, der in Vogt bei Ravensburg eine Gemeinschaftspraxis zusammen mit seiner Frau führt.
Im Podcast erläutert Bürger zudem, wie er mit diesen Wirtschaftlichkeitsprüfungen umgeht, wenn die eigene Praxis betroffen ist und warum er meint, dass sie nicht nur viel Arbeit machen, sondern auch ungerecht sind.
Der jüngste Ärztetag in Hannover hat nun einen Antrag Bürgers mit der Forderung beschlossen, dass eine Bagatellgrenze von 300 Euro pro Praxis, Quartal und Krankenkasse für Wirtschaftlichkeitsprüfungen gesetzlich eingeführt werden soll.
Eine solche Grenze hatte bereits ein Gesetzentwurf der vorigen Bundesregierung vorgesehen – der aber daran scheiterte, dass die Ampel-Koalition zerbrach.
Im Gespräch geht es nicht zuletzt darum, wie die Formularflut Ärztinnen und Ärzten das Leben schwer macht, es geht um die Misstrauenskultur, die Politik und Krankenkassen gegenüber Praxen aufgebaut haben, aber auch um die Hoffnungen Bürgers, dass es mit dieser Regierung beim Bürokratieabbau endlich vorangehen könnte. (Dauer: 18:15 Minuten)
Heiserkeit, Räusperzwang, nächtlicher Reizhusten oder ein hartnäckiges Globusgefühl – Symptome, mit denen viele Patientinnen und Patienten zuerst den Weg in die HNO-Praxis finden. Dahinter steckt nicht selten ein laryngopharyngealer Reflux, der oft ganz ohne klassisches Sodbrennen auftritt und deshalb als „stiller Reflux“ häufig lange unentdeckt bleibt.
Bild:
Impressum
Stiller Reflux in der HNO-Praxis
Moderation: Dr. Thomas Meißner, Erfurt
Mit freundlicher Unterstützung der G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG, Hohenlockstedt
Corporate Publishing (verantwortlich i.S.v. § 18 Abs. 2 MStV):
Springer Medizin Verlag GmbH, Heidelberger Platz 3, 14197 Berlin
Tel: +49 (0) 61 02 / 506 – 0
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Der Fahrdienst fährt nicht mehr so häufig, die Versorgungsdichte hat abgenommen, der Konzentrationsprozess der Labore setzt sich weiter fort, aber diese Veränderungen finden in der Stille statt und sind nur dann spürbar, wenn es mal wirklich schnell gehen muss – aber nicht so einfach geht: Die Zwischenbilanz des Vorsitzenden der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.) Dr. Michael Müller zu den Folgen der EBM-Laborreform von Januar 2025 fällt eher negativ aus.
Im „ÄrzteTag“-Podcast berichtet der Facharzt für Labormedizin und Geschäftsführer des Labors 28 in Berlin, dass sich die Simulationsrechnungen der Fachlabore vor der EBM-Reform für die Labore von 2024 alle bestätigt hätten, teilweise sei es sogar noch schlimmer gekommen.
Müller rekapituliert im Gespräch nochmals die einzelnen Änderungen für die Labore. Er spricht über die Höherbewertung des ärztlichen Leistungsanteils und die Verbesserungen bei den Transportpauschalen auf der einen Seite, und über die Abwertungen bei den Leistungsvergütungen, die teilweise erheblich ausfielen und auch andere Fachgruppen, die mit Eigenlabor arbeiten, teilweise heftig treffen, so etwa Diabetologen und Rheumatologen, aber auch Gynäkologen. Auch die daraus resultierenden Änderungen im Zuweiserverhalten sind Thema.
Im Podcast führt der Laborarzt aus, warum bei der Reform nicht von einem Nullsummenspiel die Rede sein könne, das den Laboren am Ende nicht mehr, aber auch nicht weniger Honorar gebracht hätte. Müller beschreibt die Wirkungen der Quotierung, die den Laboren weitere erhebliche Kürzungen bringt, und er geht auf die Wirkung der im Nachgang gesenken Wirtschaftlichkeitsboni ein, mit denen die Vertragsärzte jetzt zu rechnen haben.
Nicht zuletzt kritisiert der ALM-Vorsitzende die voraussichtlichen Auswirkungen der anstehenden GOÄ-Novelle, die in den nächsten ein bis zwei Jahren umgesetzt werden könnte. Teilweise – bei rund 100 Leistungen – werde dann die Privatabrechnung schlechter dotiert sein als die Kassenleistung, prophezeit Müller. Im Podcast beziffert er die Folgen für die Fachlabore durch die „enormen Abwertungen“ mit konkreten Zahlen und äußert die Hoffnung, dass es im Verordnungsprozess noch zu Änderungen kommen werde. (Länge: 48:00 Minuten)
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