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2024 haben sich die beiden Hausärztinnen Dr. Sophie Scherer und Dr. Annette Luther mit einer Einzelpraxis selbstständig gemacht. Luther ließ sich in Regensburg (Bayern) nieder, Scherer in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz).
Beide haben sich mit Hilfe von Fachleuten auf die Selbstständigkeit vorbereitet. Doch strikt nach Plan lief die erste Zeit, was die Patientenzahlen anging, bei beiden nicht. Kein Wunder: Jeden Patienten, jede Patientin müssen die Ärztinnen schließlich auch erst einmal gründlich kennen lernen. Sprechstunden im Fünf-Minuten-Takt sind da natürlich nicht möglich.
Offen erzählen Sophie Scherer und Annette Luther, wie es ihnen in den ersten 1,5 Jahren der Niederlassung erging, mit welchen Sorgen sie sich in der Zeit auch auseinandergesetzt haben, wie viel Zeit sie in die Praxis hineinstecken („das fühlt sich für mich nicht an wie Arbeit“, so Scherer). Und wie beide Gründerinnen ihren Akku am Wochenende wieder aufladen.
Beide Fachärztinnen für Allgemeinmedizin blicken zuversichtlich in die Zukunft – auch ohne momentan das vielbeschworene Oberarztgehalt zu erreichen. „Was man jetzt sät, wird man später auch ernten“, sagt Luther.
Sie soll ab Juli dazu beitragen, Hausarztpraxen von unnötigen Patientenkontakten zu entlasten: die neue Versorgungspauschale, die vor kurzem vom Bewertungsausschuss beschlossen worden ist. Doch erfüllt die neue Gebührenordnungsposition (GOP) 03100 (je nach Patientenalter 356 oder 403 Punkte, 45,36 oder 51,34 Euro) für Patientinnen und Patienten, die nur an einer chronischen Erkrankung leiden, diese Anforderung? Zumal nur vier Indikationen dafür infrage kommen: Schilddrüsenerkrankungen, Fettstoffwechselstörungen, benigne Hypertonie und Gicht?
Dr. Laura Dalhaus, Hausärztin in Borken/Westfalen, hegt daran große Zweifel. „Das ganze Konzept ist so kompliziert, dass ich mich zuerst geweigert habe, mich damit zu befassen, bevor es nicht hochgradig virulent wird“, sagt Dalhaus im „ÄrzteTag“-Podcast. Die Pauschale gelte letztlich nur für „unfassbar wenige Patientinnen und Patienten“, stellt die Ärztin fest, die unter anderem bekannt ist aus vielfältigen Social-Media-Aktivitäten und auch berufspolitisch engagiert ist.
Letztlich scheitert die intendierte Entlastung der Praxen schon allein daran, dass die Kriterien so eng gezogen seien. Es gebe durchaus viele Diabetiker, Hypertonie-Patienten oder auch Patienten mit Lungenerkrankungen – auch solche, die mehr als ein Medikament nehmen oder die mehrere chronische Erkrankungen haben –, die so gut eingestellt seien, dass sie nicht jedes Quartal in die Praxis kommen müssten. Aber diese Patientinnen und Patienten kämen aufgrund der Kriterien nicht für die neuen Pauschalen infrage.
Im Podcast spricht Dalhaus über den Zusammenhang der neuen Versorgungspauschale mit den Disease-Management-Programmen, über das immer weiter verfeinerte Kontrollsystem im EBM, das den Ärztinnen und Ärzten, das Leben schwermacht, und über den Umgang mit Ausnahmen von der Ausnahme bei der Medikamentengabe und wie sie über Suchläufe die richtigen Patientinnen und Patienten identifiziert.
Thema ist auch die Abrechnungstechnik mit den neuen Gebührenordnungspositionen: Welche Ziffern durch die Versorgungspauschale ersetzt werden, wie mit der neuen GOP 03110 bei Behandlung im Folgequartal umzugehen ist und wie viele Patienten überhaupt für diese GOP 03110 infrage kommen. Nicht zuletzt geht es auch darum, welche Folgen die neuen Pauschalen für die Vorhaltepauschale haben, die ja ebenfalls gerade erst erneuert worden ist. Nicht zuletzt geht es darum, wie die Hausärztinnen und Hausärzte letztlich auf das neue Ziffernpaket reagieren könnten, um die neu installierte Bürokratie zu umgehen.
5595 neue Positionen, (nahezu) keine Steigerungsfaktoren mehr, stattdessen rund 1400 (Erschwernis-)Zuschläge: Die Privatmedizin steht in den kommenden Jahren vor einem echten Umbruch. Die Einführung der neuen Gebührenordnung für Ärztinnen und Ärzte (GOÄ) ist nicht nur für Bundesärztekammer, Private Krankenversicherung und nun auch für die Bundesregierung ein Mammut-Projekt, sondern auch für jede einzelne Praxis, die (auch) Privatpatientinnen und -patienten betreut.
Der Entwurf, den Bundesärztekammer (BÄK), der Verband der Privaten Krankenversicherer (PKV-Verband) und die Beihilfe erarbeitet haben, steht, sehr große Änderungen werden in der Bearbeitung des Bundesgesundheitsministeriums und von seiten der Bundesländer nicht mehr erwartet. Wie Ärztinnen und Ärzte, aber auch bereits die Praxisteams, sich auf die Umstellung vorbereiten können, erläutert Dr. Conrad C. Singe im „ÄrzteTag“-Podcast.(Dauer: 43:58 Minuten)
Singe ist privatärztlich niedergelassener Internist und Gastroenterologe in Mannheim, und seit Jahren als GOÄ-Spezialist auf Kongressen und auf Fortbildungen aktiv. Im Gespräch geht das Vorstandsmitglied des Verbands der Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS) und der 1. Vorsitzende des ärztlichen Beirates der PVS Südwest zuerst auf die Grundlagen der neuen GOÄ ein und beschreibt dann vor allem, wie sich die Abrechnungsbedingungen bei Gesprächen und bei körperlichen Untersuchungen ändern werden.
Singe erläutert vor allem die neue Abrechnungssystematik bei den Gesprächsleistungen, die zwar nicht sehr viel höher gesetzt sind im Honorar als in der alten GOÄ – je nachdem, welcher Faktor aktuell angesetzt wird. Aber die neuen Gesprächspositionen können viel flexibler mit anderen Leistungen kombiniert werden als nach GOÄalt, und je nach Zeitdauer kann die Nachfolge-Leistung der GOÄ-Nr. 3 (ausführliches Gespräch) auch mehrfach angesetzt werden. Ebenso geht er ausführlich darauf ein, wie in Zukunft mit den Untersuchungsleistungen umzugehen sein wird.
Was dabei in Zukunft zu beachten sein wird, welche Sonderleistungen neben diesen Standard-Positionen dann möglich sein werden und was aus der alten Homöopathie-Erstanamnese werden könnte: All das beschreibt GOÄ-Spezialist Conrad Singe anschaulich im Gespräch – und entwirft nicht zuletzt sogar eine Vision, wie in Zukunft Künstliche Intelligenz die Abrechnung deutlich erleichtern könnte.
Das erste Quartal ohne Budgetierung für Hausärztinnen und Hausärzte in der vertragsärztlichen Versorgung ist vorbei. Die Praxen haben die Abrechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung übermittelt, deren Abrechnungsbescheide sind allerdings noch nicht verschickt. Das heißt, was die Entbudgetierung den Praxen im Endeffekt genau gebracht haben wird, das ist noch nicht bekannt.
Arzt und Praxisberater Dr. Georg Lübben von der AAC Praxisberatung in Berlin hat sich die Abrechnungen von einigen Hundert Praxen, die er betreut, schon einmal angesehen und analysiert. Er kann daher in etwa abschätzen, wie die Neuregelung gewirkt hat.
In erster Linie hätten die Praxen profitiert, die zuvor ihr Budget auch überschritten hatten, erläutert Lübben im „ÄrzteTag“-Podcast. Auch Praxen, die vorher restriktiv abgerechnet hatten, weil die Leistungen ohnehin nicht bezahlt worden wären, schauten jetzt eher darauf, dass alles, was erbracht worden ist, auch in der Abrechnung berücksichtigt wird, was zu deutlichen Honorarsteigerungen führen könne.
Eine deutliche Mengenausweitung im Zuge der Entbudgetierung sieht Lübben derzeit nicht, auch wenn die Kassen sogar in der Nachschusspflicht sind, falls das Geld für die hausärztliche Versorgung nicht reicht. Das habe sich auch bei den Kinderärztinnen und Kinderärzten nach den ersten Quartalen nicht gezeigt. Es gebe auch bei den Fallzahlen keinen großen Trend nach oben. Eine starke Mengenausweitung einer Praxis könne an anderer Stelle auch zu Prüfungen, warnt er im Gespräch, zum Beispiel bei den Zeitprofilen.
Lübben analysiert im Gespräch auch, wie stark sich die nicht aufgehobene Budgetierung für Ultraschall-Leistungen und Psychosomatik auf das Gesamthonorar auswirkt, und wie die Schmerztherapie in den meisten KVen behandelt wird.
Nicht zuletzt nimmt der Berater dazu Stellung, ob durch die Entbudgetierung in erster Linie Hausärzte in ohnehin überversorgten Gebieten der Großstädte Berlin und Hamburg profitieren oder ob auch Praxen in ländlichen Gebieten etwas von der Entbudgetierung haben.
Insgesamt 60.000 Euro Preisgeld und jeweils dicke Medienpakete für die drei Preisträger, um für die eigene Initiative zu werben – um diesen Einsatz geht es jedes Jahr wieder, wenn der Springer Medizin Charity Award ausgeschrieben wird. Aktuell läuft die Bewerbungsfrist, bis Ende Mai können sich Projekte, die sich ehrenamtlich für die Gesundheitsversorgung in Deutschland einsetzen, bei Springer Medizin bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Mai, danach entscheidet eine unabhängige Jury über die Gewinner. Schirmherr des Preises ist seit 2009 der amtierende Bundesgesundheitsminister oder die Gesundheitsministerin, aktuell Nina Warken (CDU).
Im „ÄrzteTag“-Podcast beschreibt die Jury-Vorsitzende Professorin Monika Kellerer die Intention, die die Verlagsgruppe Springer Medizin mit der Ausschreibung des Preises hat: die Förderung ehrenamtlichen Engagements im Gesundheitswesen. Bewerben könnten sich ehrenamtlich Engagierte, zum Beispiel aus den Bereichen Pflege, Prävention, Gesundheitsförderung, Betreuung von Demenz-Patienten, psychosoziale Unterstützung, Patientenbegleitung oder auch innerärztliche Projekte, so Kellerer, die als Ärztliche Direktorin am Marienhospital in Stuttgart beschäftigt ist.
Im Podcast geht es auch um Teilnahmebedingungen, den (geringen) Aufwand für eine Bewerbung und die Möglichkeiten, die sich Gewinnern mithilfe des Preisgelds und des Medienpakets ergeben, um weitere Mittel für das eigene Projekt zu mobilisieren. Kellerer beschreibt außerdem Projekte, die in den vergangenen Jahren Preisträger des Charity Awards waren – Vorbilder für die kommenden Bewerber, die sich ehrenamtlich im Gesundheitswesen engagieren._ (Länge: 11:26 Minuten)_
Völlige Verschlossenheit oder plötzlicher Wutausbruch: Bei Menschen mit Autism Spectrum Disorder (ASD) stoßen Patienten und Ärzte gegenseitig an ihre Grenzen. Denn: Ein Arztpraxisbesuch stellt Autisten, wie sie auch umgangssprachlich genannt werden, vor besondere Herausforderungen. Und eine Seltenheit sind sie nicht: Schätzungen gehen davon aus, dass einer von hundert Bundesbürgern ASD hat. Wie begegnen Ärzte und Ärztinnen ihnen also optimal, um ein optimales Behandlungsergebnis zu erreichen?
Prof. Christine M. Freitag hilft uns bei dieser Einordnung: Sie hat Evangelische Theologie und Humanmedizin studiert und leitet die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main. Und sie hat intensiv zum Thema Autismus geforscht. Mit Prof. Freitag finden wir heraus, wie ASD-Patienten ticken und warum ihr Gehirn überhaupt anders funktioniert als die anderen 99 Prozent der Bevölkerung.
Kleiner Spoiler für diese Podcast-Episode: Es liegt insbesondere daran, dass ASD-ler Probleme damit haben, Sinneseindrücke zu filtern – dies überfordert sie konstant. Auch bei anderen Themen gibt die Forscherin und Ärztin eine Einordnung: Prof. Freitag erklärt, wieso die Neuklassifizierung von Autismus im ICD-11 richtig ist. Sie sagt auch, welche Screening-Tools für Mediziner einen Hilfe bei der Autismus-Diagnose darstellen – und wo deren Limitierungen sind. Sie berichtet zudem, wieso ihr Team Harry Potter-Filme eingesetzt hat, um Kindern mit ASD zu behandeln.
Am Ende wird es besonders praxisrelevant: Zusammen betrachten wir, welche kleinen und großen Bausteine Menschen mit Autism Spectrum Disorder in der Arztpraxis helfen. Prof. Freitag zeigt, warum schon kleine Änderungen im Gespräch mit solchen Patienten die Behandlung auf beiden Seiten verbessert. (Dauer: 23:06 Minuten)
Ein bisschen Provokation muss sein: Über „Noch mehr Kaos in der Telematikinfrastruktur“ hat Professor Christoph Saatjohann beim Chaos Communication Congress in Hamburg gesprochen.
Immer wieder hat der ethisch arbeitende Hacker vom Chaos Computer Club, der sich an der FH Münster unter anderem mit Cybersicherheit im Medizinumfeld beschäftigt, Sicherheitslücken in der TI aufgedeckt. Dies ist ihm auch bereits im Mailing-Dienst in der TI Kommunikation im Medizinwesen, kurz KIM. Dieses Kunststück hat Saatjohann im vergangenen Jahr wiederholt und beim Kongress in Hamburg am Jahresende die Ergebnisse vorgestellt.
Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Saatjohann, welche Angriffsmöglichkeiten auf KIM-Mails er gefunden hat und warum Empfänger von Mails über KIM nicht ganz sicher sein können, dass diese Mails tatsächlich „sauber“ sind.
Zur Sprache kommt auch, warum in der wachsenden Telematikinfrastruktur immer mehr potenzielle „Innentäter“ unterwegs sind - allein durch die immer weiter steigenden Anwenderzahlen. Auch aus diesem Grund sei es möglich, dass über KIM Phishing-Attacken auf eine Praxis vorstellbar wären.
Welche Konsequenzen Ärztinnen und Ärzte und Praxisteams aus diesen möglichen Angriffsszenarien ziehen sollten und wie sie sich gegen Attacken schützen können, beschreibt der IT-Sicherheitsforscher im Gespräch.
Nicht zuletzt kommen auch die Schwachstellen in Klinikinformationssystemen (KIS) und Praxisverwaltungssystemen (PVS) zur Sprache und wie eine verstärkte Regulierung helfen könnte, die Lücken zu schließen. (Dauer: 25:45 Minuten)
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