Die Episode über den Fallout, gespaltene Bieratome und Riesenameisen
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Das neue Jahr beginnt mit einem Science-Fiction Special. Peter ist wieder zu Gast und es geht um die Bombe. Die Bedrohung durch Atomwaffen ist heute fast aus unserem Bewusstsein verschwunden - früher war sie sehr viel präsenter; in der echten Welt genau so wie im Kino. Von Filmen aus der Zeit des Kalten Kriegs bis zu "Oppenheimer" haben wir uns angesehen, wie sich die Darstellung von Atomwaffen im Laufe der Zeit verändert hat.
Atombomben in der Science-Fiction
In der ersten Folge des neuen Jahres widmen sich Eva und Peter einem Thema, das historisch, politisch und filmisch ist: der Atombombe in der Science-Fiction. Klimawandel, Asteroiden, Pandemien, künstliche Intelligenz oder außerirdische Invasionen sind heute vertraute Motive. Doch kaum eine Entdeckung hat das 20. Jahrhundert und die kollektive Vorstellung von Selbstzerstörung so geprägt wie die Kernspaltung. Mit ihr hat die Menschheit erstmals die Möglichkeit geschaffen, sich vollständig selbst auszulöschen - und trotzdem ist die Zeit der Atombomben im Film scheinbar vorbei.
Die Entdeckung der Kernspaltung markiert einen tiefen Einschnitt, nicht nur wissenschaftlich, sondern auch kulturell. Ende 1938 entdecken Otto Hahn und Fritz Straßmann bei Experimenten mit Uran ein unerwartetes Spaltprodukt. Die physikalische Erklärung liefert Lise Meitner im Exil. Mit Einsteins Formel E = mc² wird klar, welches zerstörerische Potenzial in diesem Prozess steckt. Was zunächst eine bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnis ist, wird im Kontext des Zweiten Weltkriegs rasch zu einer militärischen Option. Die Angst, Nazi-Deutschland könnte eine solche Waffe entwickeln, treibt die USA zur Gründung des Manhattan-Projekts. Innerhalb weniger Jahre entsteht in Los Alamos eine ganze Stadt, in der tausende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter militärischer Aufsicht an der Entwicklung der Atombombe arbeiten.
Die Diskussion über Christopher Nolans Film "Oppenheimer" dient als Einstieg in diese historische Phase. Wir sprechen darüber, dass der Film vielen Menschen die Figur J. Robert Oppenheimer und das Manhattan-Projekt erst wieder ins Bewusstsein gerufen hat, kritisieren aber zugleich den starken Fokus auf das Biografische. Die wissenschaftlichen und moralischen Dimensionen der Bombe selbst bleiben zu sehr im Hintergrund. Der Film zeigt kaum, was diese Waffe tatsächlich anrichtet und wie radikal neu sie war. Auch die Rolle europäischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Lise Meitner oder die tatsächlichen technischen Herausforderungen beim Bau der Bombe werden nur am Rand erwähnt. Stattdessen dominiere eine sehr amerikanische Perspektive.
Wir sprechen über die beiden Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945, über die unmittelbare Zerstörung, die zehntausenden Toten und die bis heute umstrittene Rechtfertigung, der Einsatz habe den Krieg verkürzt und Leben gerettet. Und die Folgen waren langfristig! Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt das atomare Wettrüsten des Kalten Krieges. In seiner Hochphase existieren weltweit bis zu 60.000 Atomsprengköpfe. Auch wenn diese Zahl heute deutlich gesunken ist, bleibt das grundlegende Problem bestehen: Die Gefahr ist nicht verschwunden, sie ist nur nicht mehr Teil des Alltagsbewusstseins.
Diese Unsichtbarkeit der Bedrohung ähnelt der aktuellen Debatte rund um künstliche Intelligenz. Wie bei der Atombombe stehen auch hier Fragen der Verantwortung im Raum. Eine Generation trifft Entscheidungen unter dem Druck eines Wettrennens, während die Konsequenzen über Jahrzehnte oder Jahrhunderte weiterwirken.
Die Folgen der Bombe und die Bombe als Rettung
Im zweiten Teil der Folge wenden wir uns der Science-Fiction zu und zeigen, wie die Atombombe dort verarbeitet wird. Einerseits gibt es satirische oder absurde Zugänge wie "Einstein Junior", in dem die Spaltung eines Bieratoms zur Komödie wird, oder "Dr. Strangelove", der den nuklearen Weltuntergang als bitterböse Farce inszeniert. Auf der anderen Seite stehen Filme, die den Atomkrieg ernst und schonungslos darstellen. Klassiker wie "On the Beach" schildern eine Welt nach der Bombe, in der das Ende unausweichlich ist, während der Alltag noch weitergeht. Besonders eindringlich sind Werke wie "Threads", die in den 1980er-Jahren die Folgen eines Atomkriegs drastisch vor Augen führen und ganze Generationen geprägt haben.
Darüber hinaus sprechen wir über das Subgenre der radioaktiven Monster, das besonders in den 1950er Jahren aufkam. Atomtests führten in der Sci-Fi zu Mutationen und gigantischen Kreaturen wie Godzilla als Sinnbild des japanischen Traumas. Diese Filme verarbeiten die damals sehr reale Angst vor den Folgen von Atomtests, die in der Atmosphäre durchgeführt wurden und deren Auswirkungen auf Umwelt und Menschen kaum verstanden waren. Radioaktivität wird dabei zum erzählerischen Werkzeug, um eine diffuse Bedrohung greifbar zu machen, indem sie Körper verändert und die Natur selbst zur Gefahr werden lässt.
Vor allem in Japan wurde die traumatische Erfahrung der Atombombenabwürfe in vielfältiger filmischer Form verarbeitet. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür ist der Animationsfilm "Die letzten Glühwürmchen" aus dem Jahr 1988. Der Film wird als einer der deprimierendsten Filme überhaupt bezeichnet und taucht regelmäßig in entsprechenden Ranglisten auf. Anders als viele westliche Produktionen zeigt er keinen abstrakten Atomkrieg und keine spektakulären Explosionen, sondern konzentriert sich auf das Leid der Zivilbevölkerung, insbesondere von Kindern, im zerstörten Japan.
Am Schluss geht es um die vermeintlich positive Nutzung nuklearer Waffen im Kino. In vielen Science-Fiction-Filmen wird die Atombombe als Lösung Probleme aller Art behandelt. Wir hinterfragen das, weil es die reale Problematik der Waffen ausblendet und sie auf ein dramaturgisches Werkzeug reduziert.
Zwischendurch erklären wir natürlich auch die Wissenschaft hinter der Bombe, die Kernfusion und den Unterschied zwischen Atombomben und Wasserstoffbomben.
Weiterführende Informationen
Die böse radioaktive Kugel, die mehrere Menschen umgebracht hat, heißt passenderweise Demon Core.
Eva empfielt "Die Nacht der Physiker" von Richard von Schirach.
In der Folge erwähnte Filme und Serien
"Young Einstein" (auf deutsch: "Einstein Junior")"WarGames" (auf deutsch: "WarGames: Kriegsspiele")"Oppenheimer" (auf deutsch: "Oppenheimer")"On the Beach" (auf deutsch: "Das letzte Ufer")"Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb" (auf deutsch: "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben")"Broken Arrow" (auf deutsch: "Operation: Broken Arrow")"The Peacemaker" (auf deutsch: "Projekt: Peacemaker")"Formicula" (Them!) (auf deutsch: "Formicula") "Die letzten Glühwürmchen" (Hotaru no Haka) (auf deutsch: "Die letzten Glühwürmchen") "Deep Impact" (auf deutsch: "Deep Impact") "The Terminator" (auf deutsch: "Terminator – Die gnadenlose Bestie") "Terminator 2: Judgment Day" (auf deutsch: "Terminator 2 – Tag der Abrechnung") "War of the Worlds" (1953) (auf deutsch: "Krieg der Welten") "Independence Day" (auf deutsch: "Independence Day – Tag der Entscheidung") "Sunshine" (auf deutsch: "Sunshine – Die Sonne brennt") "The Core" (auf deutsch: "The Core – Der innere Kern") "Threads" (auf deutsch: "Tag Null") "Manhattan (Serie)" (auf deutsch: "Manhattan") "Fallout" (auf deutsch: "Fallout")"The Abyss" (auf deutsch: "Abyss – Abgrund des Todes") "True Lies" (auf deutsch: "True Lies – Wahre Lügen") "Godzilla" (auf deutsch: "Godzilla – Das Original") "When the Wind Blows" (auf deutsch: "Wenn der Wind weht") "Armageddon" (auf deutsch: "Armageddon – Das jüngste Gericht")Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen.
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