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Schon als Kind war Esther Hirsch fasziniert von den Kantoren, die in ihrer Synagoge sangen; in den 1980er Jahren durfte dieses Amt nur von Männern ausgeübt werden. Das hat sich inzwischen geändert und seit über 20 Jahren ist Esther Hirsch Kantorin der liberalen jüdischen Gemeinde Sukkat Schalom in Berlin. Anlässlich der rbb-Aktion "Berlin Sounds" hat Vera Kröning-Menzel mit ihr über ihre Liebe zum Gesang in der Synagoge gesprochen.
Der gebürtige Niedersachse Christian Stäblein, seit 2019 Bischof der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, hat eine Mission: Miteinander reden. Die Krisen in der Kirche und der Welt sieht er als Herausforderung. Debatten darüber, ob sich Kirche in Politik einmischen darf, führt er selbstbewusst, nicht nur, wenn es um Migrations- und Asylpolitik geht. Kirche muss sich auch politisch klar positionieren, aber nicht parteipolitisch, meint er. Um die Kirchenaustrittswelle zu stoppen, hat sich die Landeskirche vorgenommen, mit den Mitgliedern in Kontakt zu treten, ein Anliegen, das der Bischof ganz persönlich verfolgt. Ulrike Bieritz hat mit Bischof Christian Stäblein über gute Predigten, eine politische Kirche und die Zukunft der Institution gesprochen.
Auf der Schule in den Vereinigten Staaten wollte Jake Schneider wie seine Schulkameraden sein: möglichst amerikanisch. Doch dann wurde ihm bewusst, dass seine Wurzeln im Jiddischen liegen. Deswegen ist der gebürtige New Yorker nach Berlin gezogen, um hier die Sprache seiner Vorfahren mit Kulturveranstaltungen wieder zu beleben. Heute bezeichnet Jake Schneider sich als Jiddischist. Was das für ihn bedeutet und warum er seine Gedichte auf Jiddisch verfasst, erzählt er im Gespräch mit Matthias Bertsch.
Manchmal ist es eine Nachbarin, manchmal ein älterer Cousin: Ein Mensch, der einem orientierungslosen Jugendlichen zuhört und einen Anstoß zur Entwicklung gibt. Für den jungen Burak Caniperk war es ein Lehrer, der sich für ihn Zeit nahm und ihm den Mut gab, sich an einen besseren Schulabschluss zu wagen. Heute ist Burak Caniperk Streetworker in Berlin und will für die Jugendlichen auch jemand sein, der mit Respekt auf sie zugeht. Er will keine Jugendlichen an Hoffnungslosigkeit, Drogen oder Kriminalität verlieren. Den Kontakt zu ihnen findet er nicht nur auf der Straße, sondern auch online und über den Hiphop. Katrin Heise spricht mit Burak Caniperk über Chancen, Geduld und Sparzwänge.
Lutz Förster war einer der prägenden Protagonisten in Pina Bauschs legendärem Tanztheater Wuppertal. Sein mit Bausch geteiltes Ziel lautet: "Ehrlicher, richtiger, schöner geht immer" und prägte auch seine langjährige Arbeit als Tanzpädagoge. In diesem Jahr feiert Förster sein 50-jähriges Bühnenjubiläum und steht mit über 70 Jahren wieder auf der Bühne. Zusammen mit acht weiteren Tänzerinnen und Tänzern der frühen Pina-Bausch-Ära präsentiert er "Kontakthof – Echoes of 78" beim Berliner Theatertreffen. Britta Bürger hat mit ihm über seine Arbeit, seine Beziehung zu Pina Bausch und sein Leben gesprochen.
„Jude bin ich nicht aus religiösen Gründen, sondern weil ich als Jude verfolgt wurde“, sagt Horst Selbiger. Als Sohn eines jüdischen Vaters und einer nicht-jüdischen Mutter hat er den Antisemitismus des NS-Regimes schon als Kind kennengelernt: Schon in der ersten Klasse wurde er deswegen von Mitschülern beschimpft. Im Krieg musste er in Berlin Zwangsarbeit leisten. Nach 1945 hat sich der heute 97-Jährige bewusst für die DDR entschieden, weil die Rote Armee ihn von den Nazis befreite und er beim Aufbau eines antifaschistischen Deutschlands mithelfen wollte. 1964 ist er zwar in den Westen gegangen, weil er auch in der DDR immer mehr aneckte, doch im Grunde seines Herzens ist er bis heute ein Kommunist geblieben, erzählt er im Gespräch mit Matthias Bertsch.
Wenn die Berliner Pfarrerin Theresa Brückner zu einer Beerdigung unterwegs ist, sich etwas zu essen macht oder wenn sie über Sexismus in der evangelischen Kirche spricht, dann schauen ihr dabei mehrere Tausend Menschen zu, denn sie ist Deutschlands erste Digitalpfarrerin und erreicht mit ihren digitalen Videos, Bildern und Texten unter dem Titel "Theresa liebt" über 22 000 Menschen in Deutschland. Warum sie viele Hass-Nachrichten erhält, wie sie damit umgeht und wie sie die Zukunft der evangelischen Kirche sieht, thematisiert sie im Gespräch mit Vera Kröning-Menzel.
Van Bo Le-Mentzel packt eines der größten Probleme unserer Zeit an: Er entwirft bezahlbaren Wohnraum. Heraus kommen Kleinsthäuser, sogenannte Tinyhäuser, und Kleinstwohnungen schon ab 10qm. Seine Ideen lebt er auch selbst. Mit seiner fünfköpfigen Familie wohnt er in einer 2-Zimmer Wohnung, die er entsprechend umgebaut hat, damit trotzdem jeder einen Rückzugsraum hat. Mit Katrin Heise spricht er über Aufräumdisziplin, über sein Aufwachsen in Berlin Wedding als Kind von Flüchtlingen und über sein Engagement für Obdachlose und Flüchtlinge.
Anna Melikova hat sich von ihrer Muttersprache verabschiedet, denn die Drehbuchautorin und Schriftstellerin ist auf der ukrainischen Krim mit russischer Sprache und Kultur groß geworden. Nach ihrem Studium in Kyjiw hat sie zehn Jahre in Moskau gearbeitet und dort das Programm eines unabhängigen Filmfestivals kuratiert.
Seit 2017 lebt sie in Berlin; im Februar 2022 hat sie entschieden, nicht mehr auf Russisch zu schreiben. Von ihrem langen Weg zu einer ukrainischen Identität erzählt Anna Melikova in ihrem ersten Roman "Ich ertrinke in einem fliehenden See", und in ihrem aktuellen Filmprojekt fragt sie nach den Auswirkungen des Krieges auf die Gesellschaft in der Ukraine. Frank Meyer hat mit ihr gesprochen.
Seit genau 100 Jahren erscheint das Wochenmagazin „New Yorker“, eine faszinierende Mischung aus journalistischer Recherche, Essays – und vielen Comics. Und immer mit einem gezeichneten Titelbild, das im Idealfall eine ganze Geschichte in einer Zeichnung erzählt. Christoph Niemann gehört zum erlesenen Kreis der Illustratoren, die für den New Yorker zeichnen. Seine Zeichnungen leben von größtmöglicher Reduktion – und vom Humor. Er verwandelt Alltagsgegenstände mit wenigen eleganten Strichen in neue Wesen: ein aufgeklappter Zollstock wird zum Flamingo, zwei Bananen zum Pferd, eine Spielkarte zum Teppich. Kirsten Dietrich spricht mit Christoph Niemann über Pixel, Abstraktion, New York und künstliche Intelligenz.
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