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Christoph Lütgert ist ein Kind des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Bis zu seiner Pensionierung 2010 hat er rund 25 Jahre in dem System gearbeitet: erst als Radio-Korrespondent in Bonn, dann bei Panorama und zum Schluss als Chefreporter Fernsehen beim NDR. Lütgert hat tiefe Einblicke ins System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bekommen, ist Verfechter eines gebühren finanzierten Journalismus, sagt aber: Wenn ARD und ZDF so weiter machen, werden sie sich abschaffen. Philip Banse spricht mit Lütgert über die Krise des öffentlich-rechtlichen Fernsehens – und welche Auswege nicht in Sicht sind.
Unser Verkehrssystem wird immer modularer. Besonders in Großstädten kann ein intelligente Kombination aus Fahrrad, ÖPNV, Carsharing und Bahn sehr viel Nerv und CO2 sparen. Digital koordinierter öffentlicher Verkehr – die OpenData-Aktivisten Julia Kloiber von der Open Knowledge Foundation und der Entwickler Michael Kreil (u.a. OpenPlanB) geben einen Überblick über Ideen und praktische Beispiele, wie nicht nur Verkehrsunternehmen von der maschinenlesbaren Veröffentlichung ihrer Daten profitieren könnten.
Jakob Lemke hat 15 Jahre in Nachrichtenagenturen gearbeitet. Zunächst war er Büroleiter der Deutschen Presseagentur im Baltikum, dann dpa-Korrespondent in Prag. Bis vor wenigen Tagen hat er im Auslandsressort der dapd in Berlin gearbeitet – bis ihm und rund 100 anderen dapd-Journalisten gekündigt wurde, weil die nach der dpa größte deutsche Nachrichtenagentur Insolvenz angemeldet hat.
Im Medienradio berichtet Jakob, mit dem ich seit 20 Jahren befreundet bin, über Alltag, Arbeit und Krise der Nachrichtenagenturen. Wir sprechen über Twitter, Zeitdruck, Baku, das erodierende Geschäftsmodell und die möglichen Reaktionen auf den Wertverfall der nackten Nachricht.
Nach der Sendung ist uns aufgefallen, dass wir einen Aspekt zu wenig gewürdigt haben: die Idee einer öffentlich-rechtlichen Nachrichtenagentur. Jakob regte an, dieses Modell gar EU-weit aufzuziehen, weil solide recherchierte und aktuelle Nachrichten zur Grundversorgung gehörten, sie aber kaum mehr zu finanzieren seien.
Ich finde diese Idee interessant, weil ich ein großer Anhänger der gebührenfinanzierten Grundversorgung bin, aber denke, dass Träger dieser Idee nicht mehr die Rundfunkanstalten allein sind. Das, was ich als gesellschaftliche Grundversorgung mit Informationen zur politischen Willensbildung bezeichnen würde, kommt immer mehr auch aus anderen Quellen: Blogs, Podcasts und eine Nachrichtenagentur könnte ich mir da auch gut vorstellen. Was denkt Ihr?
Philip Banse lässt sich von Werber-Veteran Thomas Koch (tk-one, Ex-CEO von tkm) erklären, wie Werbung funktioniert und warum nicht. Es geht um Media-Agenturen, Preis-Modelle, TV-Optimierung und Baumärkte. Kurz nach der Halbzeit widmet sich Thomas der Frage, was bei Online-Werbung falsch läuft. Es ging viel um Strukturen und Funktionsweisen, deswegen eine überschaubare Linkliste.
Stefan Plöchinger, Chefredakteur von Sueddeutsche.de, spricht mit Philip Banse über den Alltag in der Online-Redaktion der Süddeutschen, seinen Tagesablauf und seine Aufgaben. Stefan Plöchinger erklärt die Aufgabe seiner Koordinatoren zwischen Print und Online, äußert sich zur Anzahl von Agentur-Meldungen auf Sueddeutsche.de und sagt, warum er keine Social-Media-Redakteure hat. Plöchinger berichtet, dass seine Leute sehr früh arbeiten müssen, weil das “Smartphone auf dem Morgen-Klo” die neue “Tageszeitung beim Frühstück” ist. Die Süddeutsche verkaufe 13.000 digitale Ausgaben der SZ und macht alleine mit den 6000 digitalen Voll-Abos 2,1 Mio. Euro Umsatz – sicher ein Baustein für zukünftige Geschäftsmodelle, sagt Plöchinger. Weitere Themen sind die journalistischen Herausforderungen des Datenjournalismus, das Leistungsschutzrecht sowie die Tagesschau-App.
Wie versprochen die zweite Folge mit Jens Weinreich. Wir sprechen über seine Biografie und Motivation, sich Korruption im Sport zu widmen. Es geht viel um Journalismus im Netz und Projekte, die man mal machen könnte. Jens erzählt, dass er 2010 bis 2012 rund 6500 Euro über Flattr und Spenden eingenommen hat, und wie ihm seine Leser knapp 22.000 Euro überwiesen, als er sich gegen Theo Zwanziger verteidigen musste. Natürlich reden wir auch kurz über den Streit mit dem Deutschlandfunk.
Hier die Links:
Jens Weinreich zählt zu den bekanntesten und profiliertesten deutschen Sport-Journalisten. Im Medienradio erklärt er mir, wie der deutsche Sport funktioniert, wo Transparenz fehlt und warum die Kontrolle nicht funktioniert. Wegen eines F-Jugendspiels haben wir lange nicht alles besprechen können, was ich mir aufgeschrieben hatte. Wir haben uns für eine Fortsetzung verabredet. Leider ist beim Ton-Pegel was schief gegangen. Die ersten Minuten sind extrem verzerrt und nicht zu senden, ich habe sie daher weggeworfen. Der Rest ist gerade noch akzeptabel, hoffe ich. Alles wegwerfen scheint mir jedenfalls die schlechtere Option. Sorry.
UPDATE:
Ein hilfsbereiter Hörer und Tonrestaurator hat sich über meine misslungene Aufnahme gebeugt und sie, wie ich finde, ein sehr gutes Stück hörbarer gemacht – 1000 Dank dafür.
Ulf Buermeyer und Anne Roth sind mit einigen anderen Internet-Experten auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung eine Woche durch die USA gereist, um den netzpolitischen Austausch voran zu bringen. In Boston, Washington und San Francisco haben sich sie sich mit vielen interessanten Leuten getroffen und über Datenschutz, Urheberrecht und Bradley Manning unterhalten. Im Medienradio berichten Anne und Ulf über ihre Erkenntnisse und atmosphärischen Eindrücke: Wie EU-Recht den US-Datenschutz beeinflusst; warum die Amis uns für das ACTA-Aus bewundern; warum wirkt Google aus der Nähe wie eine Sekte?
Tino Eilenberger, 32, trat mit 16 in den öffentlichen Dienst Berlins ein und baute Berlin.de mit auf. Heute ist er im IT Dienstleistungszentrum Berlin zuständig für die Webanwendungen der Berliner Verwaltung. Er hat die elektronische Terminvereinbarung für die Berliner Verwaltung mit erfunden und eingeführt, war an Berlins Open Data Portal beteiligt und verantwortet Schnittstellen, mit denen die Berliner Verwaltung schon heute ihre Daten unkompliziert ins Netz stellen kann.
Tino hat es nicht bereut, aus seinem Start-Up ausgestiegen zu sein und die Beamtenlaufbahn eingeschlagen zu haben: “Ich habe gemerkt, dass ich Gestaltungsfreiheit habe”, sagt Tino. “Das ist für mich ein Stück Idealismus, dazu beizutragen, dass der Zusammenwirken zwischen Staat und Bürger in die Gänge kommt – und das geht im öffentlichen Dienst ganz gut.”
Im Medienradio erklärt Tino, warum der “Kirchenaustritt online” technisch zwar einfach zu machen wäre, dennoch nicht eingerichtet wird. Wir sprechen darüber, warum es keine Anwendungen für den elektronischen Personalausweis gibt und warum die digitale Signatur nicht vom Fleck kommt – aber auch nicht nötig ist, um viele Verwaltungsakte im Netz abzuwickeln. Auch verrät er, dass Berlin.de ein neues Layout bekommen soll.
Nach langer Pause wieder zurück Zu Gast ist Jonas Winner, Bestseller-Autor im Kindl-Store von Amazon. Wir reden über das Phänomen des Selbstverlags von Ebooks: Wie schwer ist es, sein eigenes Ebook zu veröffentlichen? Was lässt sich verdienen? Welche Rolle spielen die 99-Cent-Bücher und wie reagieren die Verlage?
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