David Bowie galt als Meister der Verwandlung und wird oft das "Chamäleon der Popmusik" genannt. Doch SWR1 Meilensteine-Host Frank König widerspricht: Bowie war das Gegenteil eines Chamäleons. Er wollte nicht mit seiner Umwelt verschmelzen, sondern herausstechen.
Mit "Young Americans" beweist er genau das und erfand sich noch einmal neu. Es entstand ein Album mit afroamerikanischen Soul- und Funkeinflüssen. Den Stil betitelte Bowie als "Plastic Soul", eine selbstironische Anspielung darauf, dass er als weißer Brite zwar Soul spielte, aber niemals völlig authentisch sein konnte.
Bowie tauscht den Glam gegen den Maßanzug ein
Anfang der 1970er Jahre entdeckte David Bowie seine Leidenschaft für Soulmusik. 1972 lernte er die Sängerin Ava Cherry kennen, die ihn 1974 in die legendären Sigma Sound Studios in Philadelphia begleitete. Dort nahmen sie gemeinsam den Song "Sweet Thing" auf.
Die Sigma Sound Studios, Heimat des Philadelphia Soul, boten die perfekte Kulisse für die Aufnahmen von "Young Americans", die im August 1974 begannen. Neben Ava Cherry als Backgroundsängerin begleiteten Bowie auch Funk-Gitarrist Carlos Alomar, sowie der damals noch unbekannte Luther Vandross, der später als R&B-Star berühmt wurde.
Gleichzeitig befand sich David Bowie zum Zeitpunkt der Aufnahmen in seiner schlimmsten Lebensphase. Er kämpfte mit seiner Drogensucht und war dementsprechend in keiner guten körperlichen Verfassung. Trotz seines Zustands war "Young Americans" innerhalb von zwei Wochen fertig aufgenommen.
David Bowie und John Lennon
Im Dezember 1974 lernten sich Bowie und John Lennon in den Record Plant Studios in New York kennen. Das war der Beginn einer kreativen Zusammenarbeit und einer besonderen Freundschaft. Die beiden verbrachten viel Zeit miteinander.
David Bowie war schon immer ein großer Bewunderer der Beatles. Für "Young Americans" coverte er "Across The Universe", mit John Lennon an der Gitarre und im Backgroundgesang. Diese Zusammenarbeit markierte den Beginn ihrer musikalischen Kooperation und legte den Grundstein für Bowies Hit "Fame", bei dem Lennon auch wieder im Hintergrund zu hören ist.
"Young Americans" steht für Gleichberechtigung
Ein zentrales Thema auf dem Album "Young Americans" ist Gleichberechtigung. Einerseits geht es um die Gleichberechtigung von schwarzen und weißen Musikern. Andererseits aber auch um eine musikalische Gleichberechtigung der einzelnen Instrumente, Töne und Backgroundsänger.
Als ich "Right" zum ersten Mal gehört habe, war ich sicher, das war ein Klassiker. Es ist ein unglaublich großer Song.
Quelle: Journalist und Autor Arnd Zeigler über den Song "Right" von David Bowie
Das merkt man besonders im Song "Right", der nach einem Kompositionsprinzip des amerikanischen Komponisten John Cage entstand. Dabei geht es darum, dass alle Töne gleichberechtigt sein sollen. Bowie greift das Prinzip auf und wendet es auf die Backgroundsänger an. Statt klassischem Chorgesang nahm er die Backgroundstimmen einzeln auf, sodass sie gleichwertig neben seiner eigenen Stimme stehen.
"Young Americans" ist ein zeitloses und vielschichtiges Album. Es zeigt einmal mehr, wie wandlungsfähig David Bowie war. Mit diesem Werk gelang es ihm endgültig, in den USA Fuß zu fassen und auch dort zum Superstar zu werden.
Shownotes
- Erste Perfomance von "Young Americans" im US-TV mit Interview
- Das "Young Americans" Kinderbuch von 1936
- Liste mit den Büchern, die David Bowie am meisten beeinflusst haben
- "Silence" von John Cage beim Suhrkamp Verlag
- Buchtipp zu David Bowie: "David Bowie Is"
- Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs
- ARD-Podcast-Tipp: "Ball You Need Is Love"
Über diese Songs vom Album "Young Americans" wird im Podcast gesprochen
- (16:30) – "Young Americans"
- (25:13) – "Across The Universe"
- (28:52) – "Fame"
- (37:17) – "Fascination"
- (52:32) – "Right"
- (57:53) – "Somebody Up There Likes Me"
Über diese Songs wird außerdem im Podcast gesprochen
- (09:41) – "Sweet Thing" von Ava Cherry und David Bowie
- (32:11) – "Hot (I Need To Be Loved, Loved, Loved, Loved)" von James Brown
- (35:01) – "John, I'm Only Dancing Again" von David Bowie
- (35:01) – "Who Can I Be Now" von David Bowie
- (35:01) – "It's Gonna Be Me" von David Bowie
- (39:36) – "Funky Music (Is A Part Of Me)" von Luther Vandross
- (44:07) – "Superfly" von Curtis Mayfield